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Josef Obergantschnig

US-Banken - was nun?
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 17.04.2009 11:09

Die US-Berichtsaison ist bereits voll im Gange und bescherte uns einige positive Überraschungen. Vor allem der vielgeprügelte Bankensektor (Goldman Sachs, JP Morgan) konnte bisher glänzen und veröffentlichte diese Woche bereits gute Quartalsergebnisse. Bei JP Morgan konnte vor allem das Investmentbanking die Prognosen deutlich übertreffen, was angesichts der negativen Stimmung doch etwas überraschend ist. Die CEO’s versprühen beinahe grenzenlosen Optimismus. Ein Blick hinter die Kulissen ist aber durchaus angebracht. Goldman Sachs profitierte beispielsweise von einem außergewöhnlichen Jännerergebnis, in dem EINMALIGE positive Effekte die Basis für das gute Abschneiden war (Ausgabe von Unternehmensanleihen, hohe Bid-Ask Spreads, etc.). Um der positiven Stimmung genüge zu tun, wurde das „Katastrophenquartal“ Q4/2008 unter den Tisch gekehrt und nur peripher erwähnt.

Amerikanische Financials erlebten in Anbetracht der „guten“ Nachrichtenlage eine wahre Renaissance und konnten sich von ihren Tiefständen Anfang März nahezu verdoppeln und den Gesamtmarkt deutlich outperformen.



Aber sind nun alle Probleme, die uns in den vergangenen Monaten beschäftigt haben, obsolet?


Mittlerweile sind weltweit bereits 1.300 Milliarden USD an Abschreibungsbedarf in den Büchern der Banken verpackt. Viele renommierte Häuser rund um den Globus konnten nur durch eine staatliche Unterstützung vor der Insolvenz bewahrt werden. Die Konsumenten sind aufgrund der steigenden Arbeitslosigkeit stark verunsichert - dies dürfte zu weiteren Abschreibungsbedarf führen. Durch die angeschlagene Bonität der Finanzinstitute sind zusätzlich die Refinanzierungskosten deutlich angestiegen - das wird sich die kommenden Jahre deutlich ertragsmindernd auswirken. Die hochmargigen Produktpaletten der Investmentbanken sind in Anbetracht der aktuellen Krise nicht oder nur sehr schwer an den Mann zu bringen, da in Zeiten wie diesen vor allem eines zählt: TRANSPARENZ!


In Europa hat diese Woche beispielsweise die UBS ihre Quartalsergebnisse veröffentlicht. Die Schweizer Großbank musste einen Milliardenverlust im ersten Quartal des Jahres 2009 hinnehmen und kündigte an, im Rahmen eines großangelegten Sparprogramms weitere 8700 Mitarbeiter zu kündigen. Es ist für mich daher sehr verwunderlich, dass die Bankenwelt in den USA gute Ergebnisse aufweisen kann, während sich bei ihre Pendants in Europa noch keine Trendwende erkennen lässt!

Conclusio:

Meiner Einschätzung nach ist ein Kauf von US-Banken noch verfrüht und die Kursentwicklung der vergangenen Wochen nimmt bereits ein Durchschreiten der Talsohle des Finanzsektors vorweg. Es ist davon auszugehen, dass die Banken auch in den kommenden Quartalen mit Problemen zu kämpfen haben werden und die Regierung mit weiteren Subventionen schlimmeres verhindern muss! Es sieht zwar auf den ersten Blick wie eine Trendwende aus - die Gefahr besteht allerdings, dass sich die jüngste Kursrallye als Trugschluss herausstellt und für herbe Verluste der Investoren sorgen könnte.

P.S.: Die nächsten Ergebnisse stehen bereits vor der Tür. Die Citigroup soll laut Analystenprognosen heute den sechsten Quartalsverlust in Folge vorlegen und Morgan Stanley könnte am 22. April die Investoren ebenfalls mit negativen Ergebnissen konfrontieren.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at

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