| « | |
| |
![]()

![]() |
Analysten revidieren die Kursziele sukzessive nach oben … |
Die Rallye an den Finanzmärkten dauert nun schon mehrere Monate. Gerade als Aktienfondsmanager ist es ein wahrer Genuss, vor den meist zweistelligen Prozentzahlen wieder ein Plus zu erblicken. Die großen Investmentbanken und Broker fühlen sich von dieser Stimmung ebenfalls angesteckt und revidieren ihre Kursziele sukzessive nach oben. Goldman Sachs, eine der wenig „überlebenden“ Investmentbanken, hob beispielsweise das Kursziel bis Jahresende für den S&P 500 auf 1060 Punkte an. Die Anhebung des Kursziels datiert vom 20. Juli 2009. Der Indexstand zum damaligen Zeitpunkt ist 940 Punkte. Bei einem Eintreffen der Prognose würde das einen Ertrag von knapp 13% bis Ende des Jahres entsprechen und den Aktionären damit ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen zaubern. Die Empfehlung der Investmentbank hat sich k u r z f r i s t i g als goldrichtig erwiesen - das ist unbestritten.
Nachdem der S&P 500 mittlerweile bei ca. 1000 Punkten notiert, ist bereits die Hälfte der angestrebten Kurssteigerung innerhalb weniger Tage passiert. Der Analyst steht jetzt vor einer schwierigen Entscheidung und könnte sich denken: „Ich bin bullish und glaube, dass die Aktienkurse weiter nach oben gehen werden. Der Trend ist intakt. Mein veröffentlichtes Kursziel ist allerdings schon beinahe erreicht. Wie könnte ich eine weitere Anhebung des Kurszieles glaubhaft erklären?“.
Die Kursprognosen basieren im Regelfall auf fundamentalen Bewertungsmodellen. In der Vergangenheit war sehr oft zu beobachten, dass die Kursziele gerade in steigenden Märkten sukzessive nach oben geschraubt werden. Nur stellt sich für mich die kritische Frage: „Ende Juli hat bereits ein Großteil der S&P 500 Unternehmen ihre Quartalsbilanzen vorgelegt. Was hat sich innerhalb der letzten 10 Handelstage so massiv geändert, dass eine Anhebung der Kursziele gerechtfertigt wäre?“
Es ist mir bewusst, dass die Märkte nicht vorhersehbar sind und eine seriöse Kursprognose meiner bescheidenen Meinung nach nahezu unmöglich ist. Wahrscheinlich ist es daher nur allzu menschlich, dass sich die Einschätzung vieler Analysten analog Kursverlauf ändert. Dabei wären wirklich mutige Kollegen dieser Zunft, die faire Bewertungen unabhängig des aktuellen Kursniveaus ermitteln, eine echte Bereicherung. Das Problem ist nur, dass man nur eine ausgesprochen kurze Überlebensdauer hat, sofern man falsch liegt. Das bekam der zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr geschätzte Warren Buffet in den späten 90-er Jahren zu spüren, als er bereits frühzeitig die Überbewertung der Technologieaktien erkannte. Das Problem war nur, dass im Zuge der Internet-Bubble die Kurse in exorbitante Höhen stiegen und Warren Buffet mit seinem Value Ansatz eine deutliche Underperformance hinnehmen musste. Ich bin schon gespannt, wie lange es dauern wird, bis Goldman Sachs die Kursziele wieder nach oben schraubt …
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at
HINWEIS: Die Security BLOGS stellen lediglich die persönliche Meinung des Verfassers im Erstellungszeitpunkt und daher nicht die Meinung des Medieninhabers dar. Eine Haftung für diese Aussagen kann vom Medieninhaber ausdrücklich nicht übernommen werden.










