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Private Altersvorsorge - Produktgeber und Berater sind ebenso gefordert! (Teil 2) |
Nachdem ich in meinem letzten Blog meine Forderungen gegenüber der Politik in Punkto private Altersvorsorge kundgetan habe, möchte ich diesmal die Situation bei Produktgebern und Beratern etwas durchleuchten. Zugegeben, die Auswahl an geförderten Altersvorsorgeprodukten ist durch den Gesetzgeber stark limitiert und auch die Ausgestaltung lässt zu wünschen übrig. Aber trotzdem haben auch die Produktgeber eine gewisse Schuld daran, da die Produkte zu wenig transparent sind (Stichwort Informationspolitik bei „ausgestoppten“ Produkten) und die Informationspolitik teilweise spärlich und unüberschaubar ist.
Zudem wird der Kunde auch von Beratern häufig zum Ausstieg bzw. Wechsel zwischen den Produkten überredet. Zumeist sind diese Wechsel aber nicht wirklich zum Vorteil der Kunden (Ausnahmen gibt es), denn die Kosten des Wechsels überwiegen zumeist den Vorteil. Es ist halt die hohe Provision dieser Produkte sehr verlockend, da durch die lange Laufzeit meist höhere Provisionen bezahlt werden. Dies ist ein Umstand, der mir nicht ganz verständlich ist. Ist es also schwieriger bzw. mit mehr Aufwand seitens des Beraters verbunden, wenn die Polizze statt 20 Jahre 35 Jahre läuft? Warum sind die Provisionen dafür so eklatant höher? Dieser Umstand könnte Außenstehende ja dazu verleiten zu glauben, dass die Höhe der Provision die Produktentscheidung für den Kunden mit beeinflusst.
Ich würde mir hier eine Art „Nichtangriffspakt“ der Branche wünschen, indem Kunden, sollten sie bereits über ein privates Pensionsprodukt verfügen, nicht geraten wird, dieses zu kündigen (außer, es ist wirklich nicht geeignet). Man könnte hier eine Art „Gentlemen-Aggreement“ abschließen.
In der Beratung müssen wir auch lernen, langfristiger zu denken. Ein Tsunami in Japan sollte für ein Pensionsinvestment von keinerlei Bedeutung sein. Auch die Finanzkrise 2008 sollte für jemanden, der 2030 in Pension geht und heute anspart kein Anlass sein, die Veranlagungsstrategie zu ändern oder gar das Produkt zu kündigen. Bedenken wir: Wenn Sie 2012 in Pension gehen, haben sie Ende der 70er Anfang der 80er Jahre begonnen, Vermögen anzusparen. Damals sah die Welt ganz anders aus und auch damals gab es sogenannte Experten, die den Zusammenbruch des Finanzsystems vorhersagten. Wie viele Krisen hat es dazwischen gegeben? Und was war der Outcome der letzten 25 Jahre ¬- einer der größten Aktienbooms der letzten 100 Jahre. Wenn Sie in den Markt investieren, kaufen Sie auch Krisen mit. Die gab es immer und wird es auch wieder geben. Wir lassen uns aber leider von Krisen zu sehr in unserem Handeln beeinflussen - gerade in der Altersvorsorge.
Ein weiterer Punkt wäre, dem Kunden das Wort Risiko in der Altersvorsorge genauer zu erklären. Natürlich gib es das Risiko eines Kapitalverlusts. Dieses ist jedoch durch die lange Laufzeit und durch ein eventuelles Ablaufmanagement im Produkt zu einem großen Teil minimiert. Viel größer ist jedoch auch das Risiko eines zu geringen Ertrages. Denn was hilft es mir, wenn ich gerade einmal mein eingesetztes Kapital in 30 Jahren zurückbekomme. Durch die Inflation werde ich von dieser Pension nicht wirklich leben können und mein Ansparziel bei Weitem verfehlen.
Es muss daher, um auch eine entsprechende Pensionshöhe erreichen zu können, Risiko eingegangen werden. Denn nur dadurch kann langfristig auch ein gewisses Ertragspotenzial erzielt werden. Risiko vor allem zu Beginn der Vorsorge ist unumgänglich. Durch die lange Laufzeit und wie schon oben erwähnt ein zwingendes Ablaufmanagement kann dieses Risiko aber gut gehandhabt werden.
Fazit: Die Produkte müssen einfacher und transparenter werden. Die Berater und in weiterer Folge auch die Kunden müssen lernen, mit Langfristigkeit umzugehen. Die Kunden müssen dazu ermuntert werden, das Produkt auch bis zur Pension zu besparen. Auch jene Produkte, die vielleicht bei einem Mitanbieter abgeschlossen wurden (so ferne sie noch sinnvoll sind). Der Kunde und der Berater müssen Risiko in zwei Dimensionen betrachten. 1. das Risiko eines Kapitalverlustes (kann durch entsprechende Streuung sowie durch eine Optimierung des Portfolios in Richtung Pension erfolgen). 2. das Risiko eines zu geringen Ertrags (durch zu geringes Risiko). Beide Risiken sind meines Erachtens nach gleichrangig.
Wenn wir also alle an einem Strang (und in die gleiche Richtung!) ziehen, wird es uns gelingen, die private Altersvorsorge in Österreich weiter zu etablieren.
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: martin.mikulik@securitykag.at
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