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Martin Mikulik

Warum investiert niemand (in seine Pension) ?
von Martin Mikulik, geschrieben am 18.04.2012 17:44

Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, ist die Thematik der Pensionen eines meiner Lieblingsthemen. Die Bundesregierung hat ja nun das Pensionskassengesetz geändert, jedoch das was dabei rauskam, ist meiner Meinung nach eher nebensächlich. Es wurde nun das Lebensphasenmodell implementiert, in dem der Kunde eine Wahlmöglichkeit zwischen einer dynamischeren oder einer konservativeren Anlagestrategie hat. Es sei nun dahingestellt, ob man überhaupt dynamisch anlegen kann, denn bei einem Investmenthorizont von 30 Jahren ist eine Aktienquote von ca. 30% eigentlich äußerst konservativ. Aber auch diese Wahlmöglichkeit wird die Anwartschaftsberechtigten nicht glücklicher machen, denn sie werden genau zur Unzeit in die jeweilige Strategie wechseln. In Phasen, in denen die Märkte boomen, werden sie in die dynamische Variante wechseln und in Phasen, in denen die Märkte bereits stark verloren haben, werden sie in die risikoarme Variante wechseln.

Doch darauf möchte ich eigentlich gar nicht hinaus. Viele kritische Menschen legen deshalb kein Geld für die Pension beiseite, da sie ja davon ausgehen, dass es an den Märkten nichts zu verdienen gibt und alles ja so schlecht wäre. Gut - so richtig prächtig ist es ja nicht. Doch wie möchten diese Menschen dann ihre Pension verbringen? Glauben Sie, dass in einem wirtschaftlich schwachen Umfeld der Staat die heutigen Pensionszusagen halten kann? Glauben Sie nicht eher, dass die staatliche Pension, sollte das Wachstum wirklich schwach bleiben, gegenüber der heute in Aussicht gestellten Pensionserwartung massiv gekürzt wird (muss)?

Und auch anders beleuchtet: wenn Sie davon ausgehen, dass an den Märkten nichts mehr verdient wird, da die Unternehmen keine Gewinne mehr machen werden - warum glauben Sie haben Sie jetzt noch einen Job? Warum sollte der Eigentümer Ihrer Firma Sie noch einstellen, wenn er doch keinen Gewinn macht? Er sollte dann lieber das Unternehmen verkaufen oder zumindest liquidieren, denn dann kann er immerhin noch Zinsen für den Erlös lukrieren.

Meine Damen und Herren, der Wirtschaftskreislauf wird weiter funktionieren. Das zur Verfügung stellen von Eigenkapital wird sich auch in Zukunft auszahlen (müssen) und einen höheren Ertrag als das Halten von Anleihen bringen. Wenn sich das beispielsweise ändern würde, dann würde es kein Unternehmertum mehr geben. Wer sollte dann noch ein Unternehmen besitzen wollen und Menschen anstellen? Es würde schlicht keine Arbeit mehr geben, denn niemand würde das unternehmerische Risiko tragen wollen. Wäre das eine Alternative? Wohl kaum.

Also - wenn Sie (für die Pension) investieren und die Märkte fallen weiter, werden Sie unter Umständen Geld verlieren, was aber aufgrund der langen Laufzeit nicht so dramatisch sein wird und aus den oben genannten Gründen auch eher unwahrscheinlich wäre. Wenn Sie aber nicht investieren und die Märkte gehen runter, dann werden Sie einen Großteil ihrer heutigen staatlichen Pension auch verlieren und keine Reserven haben. Es könnte aber auch anders kommen und die Märkte erbringen positive Renditen - dann verlieren Sie nur an Ihrer staatlichen Pension…

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: martin.mikulik@securitykag.at

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Michael Müller

Wissen was der Kunde wirklich will...
von Michael Müller, geschrieben am 15.04.2012 15:28

Über die wahren Kaufgründe, warum wir und andere Produkte kaufen, habe ich schon in mehreren Blogs geschrieben. Letztendlich reduzieren sich alle Kaufentscheidungen auf die Faktoren „Preis - Status - Erlebnisfaktor - Zeitersparnis - Bequemlichkeit“. In diesem Artikel will ich mit den wahren Beweggründen des Kunden beschäftigen: „Warum kaufen Kunden gerade jetzt bei Ihnen?“

Bekanntlich ist es für jeden Produktanbieter wichtig, seine Kunden zu kennen, um seinen Ansprüchen zu genügen. Aber kennen wir wirklich die wahren Ziele, die ein Kunde mit seinem Kauf verfolgt? Welche konkrete Leistung ist es ihm wert, dafür zu zahlen? Welchen Gegenwert bekommt er dafür? Und besonders wichtig: Welche Gefühle verbindet der Kunde mit dem Kauf bei Ihnen? Ist es „Triumph“, etwas günstiger bekommen zu haben, ist es vielleicht „Stolz“, weil er über ein maßgeschneidertes Angebot verfügt oder ist es „Dankbarkeit“, weil sich jemand ausführlich Zeit für seine Ziele und ihn als Menschen genommen hat.

Hier noch ein paar weitere Ideen, was ein Kunde durch die Beziehung zu einem Finanzberater erhalten könnte: Eine „Klub-Mitgliedschaft“? Jeder möchte wo dazu gehören und wenn diese Gruppe bedeutend oder gar elitär ist, dann wird die Zugehörigkeit sehr wertvoll. Eine „Familie/Community“? Dieser Zusammenschluss ist um einiges wertvoller als der normale Klub, denn hier treffen sich Gleichgesinnte auch auf einer emotionalen Ebene. Hier gibt es auch gemeinsame Erlebnisse abseits des Geld-Themas. Eine „Ausbildung/Wissenstransfer“? Hier stehen die Kompetenz und fachliche Inhalte im Vordergrund. Jemand der Mitglied dieser Gruppe ist, scheint fachlich interessiert. Berater schaffen es hier oft einen Investment- oder Vorsorgeklub einzurichten. Ist es „Service/Hotline“? Vielen ist es auch wichtig, jemanden zu haben, den sie jederzeit um Hilfe oder Rat bitten können.

Wenn Berater hier also als Servicestation dienen, dann haben sie die Sicherheit immer aktiv angesprochen zu werden. Die Frage an Sie lautet: „Was tun Sie, um Ihren Kunden Geborgenheit zu geben?“ Beratung ist immer noch ein „Peoples Business“, also fachliche Kompetenz tritt zurück vor emotionaler Nähe und der Fähigkeit, tragfähige Beziehungen aufzubauen.

TIPP: Nehmen Sie sich Zeit und bewerten Sie in aller Ruhe, warum Ihrer Meinung nach die Kunden bei Ihnen kaufen. Blättern Sie durch Ihre Kundendatei und untersuchen Sie schonungslos, was Kunden von Ihnen bekommen. Versetzen Sie sich auch kurz in dessen Position und überlegen dann, wann und wie Ihr Kunde von Ihnen hört, sieht und liest. Haben Sie einen vorrangigen Kaufgrund Ihrer Kunden entdeckt, dann bauen Sie diesen zu Ihrer „Marke“ aus. Wenn nicht, dann suchen Sie jene Zielgruppe aus, aus der Ihre meisten oder wesentlichen Kunden herkommen und machen dann die Konzentration auf deren Dienstleistungen zu Ihrer Marke.

In jedem Fall sollten Sie wissen, warum Kunden bei Ihnen kaufen. In den wenigsten Fällen stehen hier Produkte im Vordergrund, aber Sie wissen ja „niemand will eine Lebensversicherung, aber jeder einen gesicherten Lebensabend“ und „niemand sucht eine Finanzierung, aber jeder strebt nach seinem Eigenheim“ und "niemand will einen Fonds, aber jeder mehr Ertrag und trotzdem mehr Sicherheit"...

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: michael.mueller@securitykag.at

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Heinz Kettner

Herausforderungen des alten und des neuen Kontinents abseits von Banken-, Schulden- und Vertrauenskrise
von Heinz Kettner, geschrieben am 13.04.2012 12:28

Folgende beiden Grafiken bedürfen eigentlich keiner Erklärung:
Grafik a.) Entwicklung der Fettleibigkeit in den USA


Source: Center for Desease Control


Wie wirkt sich diese Entwicklung auf das jetzt schon unterfinanzierte Gesundheitssystem aus, wenn laut der OECD bis 2020 75% der US Bevölkerung als fettleibig gelten?

Grafik b.) Entwicklung der Essensmarkenbezieher in den USA



Source: Supplemental Nutrition Assistance Program

Im Jänner 2012 hat es 46,5 Millionen Bezieher von der SNAP (Supplemental Nutrition Assistance Program) ausgegebenen Essensmarken gegeben.
Das sind nur 2 Grafiken, die das Land der unbegrenzten Möglichkeiten in einem etwas anderen Licht darstellen.

In Europa wird der Wegfall der demographischen Basis mehr und mehr zu einem Problem. In Portugal haben alleine 2011 150.000 Menschen ihre Heimat verlassen. Bis 2020 kann die Einwohnerzahl Portugals von 10,5 auf 9 Millionen Menschen absacken. Das Durchschnittsalter steigt im realistischen Szenario von 40 auf 47 Jahren. Die demographische Entwicklung spricht dagegen, dass die Schuldentragfähigkeit zunimmt. Griechenland, Portugal und Italien, die unter hohen Schulden ächzen, haben nur 1,4 Kinder je Frau. Dazu 47 Millionen Spanier, die derzeit ein Durchschnittsalter von 41 Jahren erreichen (2020: 44) und kaum mehr Kinder haben.

In Italien wird die leistungsstärkste Bevölkerungsgruppe im Alter von 25 bis 59 Jahren zwischen 2010 und 2030 von 30 auf 25 Millionen Menschen sinken. Für die spätere Versorgung dieser 25 Millionen folgen dann nur noch 14 Millionen Menschen von derzeit unter 24 Jahren, während schon jetzt 21 Millionen über 60 Jahre zu versorgen sind.
Auch in Deutschland ist langsam Feuer am Dach. Zwischen 2010 und 2030 schrumpft die leistungsstärkste Bevölkerungsgruppe von 40,5 auf 32,5 Millionen. Für deren Absicherung folgen gerade 18 Millionen unter 25 Jahren, während 29 Millionen über 60 Jahre ein würdiges Alter fordern. Wie sich die derzeitige Jugendarbeitslosigkeit in Spanien von knapp 49% auf die zukünftige Absicherung der derzeitigen Aktiven auswirkt, wird sich zeigen. Aber eine massive Abwanderung wird kaum vermeidbar sein.
Niemand versteht, wie das aufgehen soll. Man weiß lediglich, dass für den dauerhaften Rettungsmechanismus ESM keines der großen garantierenden AAA-Länder sein Top-Rating verlieren darf. Falls doch, bleibt nur noch die EZB mit ihren unendlich tiefen Taschen, um die Staatsschulden zu monetisieren.

Um nicht auf gleicher Stufe mit dem ehemaligen deutschen Verteidigungsminister oder dem ungarischen Staatspräsidenten genannt zu werden, sag ich gleich offen, dass ich die europäischen Daten aus der FAZ habe.
Abschließend bleibt nur noch abzuwägen, ob ich mir ein Big Mac Menü gönne, oder doch lieber eine Verjüngungskur mache.





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Martin Mikulik

Risiko und dessen Wahrnehmung
von Martin Mikulik, geschrieben am 13.04.2012 11:30

Ich habe schon vor etwas mehr als einem Jahr einen Blog in Richtung Risiko und Wahrnehmung des Risikos geschrieben. Damals ging es darum, dass einzelne Ereignisse wesentlich mehr Aufmerksamkeit erhalten als andere, und die Betroffenheit wesentlich größer ist (Stichwort Grubenunglück in Chile).

Dasselbe passiert Ihnen ja tagtäglich auch persönlich. Sind Sie nicht bei Meldungen über Flugzeugabstürze oder ähnliche Tragödien sehr betroffen? Eine Meldung mit der jüngsten Verkehrsstatistik in Österreich ist hingegen nur eine Schlagzeile und berührt einen selbst nicht mehr so. Genauso funktionieren auch die Märkte. Plötzlich spektakulär auftretende Risiken erhalten oftmals viel mehr Aufmerksamkeit als Dinge, die man schon öfter hört. So wurden die Märkte im letzten Jahr stark von den Meldungen aus Griechenland beeinflusst, während heute keine der Meldungen mehr vom Markt quittiert wird.

Auch die Marktteilnehmer (Investmentbanken) steuern dies teilweise. Hier sei nochmals erwähnt, dass die Investmentbanken ihr Geld hauptsächlich aus Transaktionen heraus verdienen. Stark schwankende Märkte sind da nur willkommen, also werden viele Dinge auch so verbreitet, dass sie möglichst spektakulär wirken und die Märkte in Schwingungen versetzen.

Lassen Sie sich nicht vor diesen Karren spannen. Wenn Ihnen einige Dinge besorgniserregend vorkommen, dann setzen Sie sich hin und überlegen nochmals genau. War diese Situation bereits einmal da? Wie haben die Märkte damals reagiert? Ist das Bild jetzt wirklich so stark anders als noch vor 2 Monaten? Ist mein Investmentziel (z.B. Pension im Jahr 2032) durch den Eintritt dieses Ereignisses gefährdet? Wie lange könnte die Auswirkung dieses Ereignisses auf die Märkte wirken?

Zum Abschluss noch ein Beispiel von Dr. Nassim N. Taleb, Autor des „Black Swan“, welches er in einem Interview mit Institutional Money gegeben hat: Menschen haben grundsätzlich Angst vor Haiattacken und stufen das als stark besorgniserregend ein. Meldungen von Haiattacken werden sehr aufmerksam gelesen und machen betroffen. Statistisch gesehen ist es jedoch wahrscheinlicher, dass man auf dem Weg zum Strand von einem rosafarbenen LKW - also nicht von irgendeinem LKW - angefahren wird, als von einem Hai angegriffen….

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Josef Obergantschnig

Unternehmen nützen günstiges „Emissionsumfeld“
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 06.04.2012 11:14

Unternehmensanleihen waren neben Aktien die beste Asset-Klasse des 1. Quartals 2012. Neben der guten Performance ist auch von der Emittentenseite her Bewegung in den Markt gekommen. Das Emissionsvolumen ist im ersten Quartal des Kalenderjahres um nahezu 50% gegenüber dem Vergleichswert aus dem Jahr 2011 angestiegen. Laut einer Analyse der Commerzbank wurden im Referenzzeitraum EUR-Corporates für ca. EUR 60 Mrd. emittiert.

Für mich wird dadurch deutlich, dass Unternehmen das gegenwärtig niedrige Zinsniveau nützen und ihre Fremdkapitalstruktur deutlich verlängern. Damit sichern sie sich gegen steigende Zinsen ab und machen die Finanzierung in Zukunft deutlich planbarer. Gerade in den Monaten nach der Lehman-Pleite sind viele an und für sich gute Unternehmen gestrauchelt, da sie über Nacht mit einem Refinanzierungsproblem konfrontiert wurden. In Folge dessen sind die „Default-Raten“ deutlich angestiegen. Im selben Sog ist die Unsicherheit der Investoren ebenfalls gestiegen, was in weiterer Folge wieder höhere Finanzierungskosten (Spreads) bedeutete. Ein Teufelskreis!

In diesen Tagen wurden einige Investoren auf dem falschen Fuß erwischt. Die Prognosen für 2012 waren gegen Ende des vergangenen Jahres ausgesprochen düster. Dementsprechend gering war die Risikobereitschaft. Nachgelagert zur guten Performance der Kapitalmärkte ist auch die Risikobereitschaft vieler wieder angestiegen. Das bedeutet für den Anleihenbereich, dass es über den Sekundärmarkt sehr schwierig (oder besser gesagt) teuer ist, gute Anleihen zu kaufen. Dies und die strukturell bereinigten Bilanzen der Unternehmen sowie eine Streckung der Bindungsdauer des Fremdkapitals stimmen mich durchaus positiv, dass Unternehmensanleihen trotz der guten Performance im 1. Quartal auch in den kommenden Monaten eine anschauliche Wertentwicklung erzielen könnten …

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Martin Mikulik

Haben die Propheten des EUR-Untergangs weit genug gedacht?
von Martin Mikulik, geschrieben am 06.04.2012 11:04

In den letzten Monaten und Jahren wurde viel über die europäische Einheitswährung philosophiert. Eines ist klar - der Glanz ist ab, die negativen Seiten der einheitlichen Zinspolitik samt gemeinsamer Währung sind zu Tage getreten. Länder schlechterer Bonität mussten sich unter „Schutzschirme“ retten und Griechenland hat seine Staatsschulden gesamt restrukturiert.

Viele Kritiker erwarten einen Zusammenbruch des EUR sowie eine Rückkehr in das Währungswirrwarr wie wir es vor 2000 hatten. Länder mit geringerer Produktivität gleichen diesen Nachteil durch massive Abwertung der eigenen Währung gegenüber Ländern mit hoher Produktivität aus und somit können keine dauerhaften Ungleichgewichte entstehen. Dass eventuell die Produktivität in diesen Ländern langfristig angehoben werden kann, ist für die Protagonisten des „Euro Break Up“ kein Thema. Und dazu zählen auch sehr namhafte Ökonomen.

Doch wie sollte der Zusammenbruch des Euro von statten gehen? Wir haben rund 3 Jahre benötigt um den Euro einzuführen (Druck und Verteilung der neuen Währung, Umstellung von Zahlungssystemen, gesetzliche Anpassungen an die neue Währung etc.). Würde dann nicht ein Ausstieg eines Euro-Landes bzw. ein völliger Zusammenbruch des EUR auch einen gewissen Zeitraum in Anspruch nehmen? Würden dann alle Bankomaten funktionieren, wie würde die Bevölkerung mit Zahlungsmittel versorgt, wie können Rechnungen und Dienstleistungen beglichen werden etc.? Auf all diese Fragen wird in diesem Zusammenhang überhaupt nicht eingegangen. Ist ein Ausstieg aus der Gemeinschaftswährung überhaupt noch möglich? Eventuell für ein einzelnes Land schon, doch der gesamte Zusammenbruch ist meines Erachtens nicht möglich und würde enorme Kosten ohne jeglichen Nutzen verursachen.

Und zur Kritik, dass die sparsamen Länder im Euro die verschwenderischen Länder unterstützen: dies war schon immer so. Exporte in diese Länder häuften in den produktiven Ländern Devisenüberhänge an. Durch die Währungsabwertungen wurden diese Devisenreserven ebenso abgewertet, was definitiv dem Exportland auch Geld gekostet hat. Das bedeutet, dass vor dem Euro die produktiven Staaten auch schon die unproduktiven Länder unterstützt haben. Nur hat es halt keiner bemerkt, da es sich meistens in den Bilanzen der Zentralbanken abgespielt hat.

Und was uns dieses Gezocke bei den Währungen innerhalb Europas zusätzlich gekostet hat, muss man ebenso hinzurechnen (Bankgebühren für Absicherungsgeschäfte, Kursverluste durch Abwertung, Kosten der Interventionen der Zentralbanken etc.).

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Michael Müller

Philosophisches über das Vertrauen
von Michael Müller, geschrieben am 04.04.2012 12:50

Mit dem Vertrauen ist das so eine Sache. Bei nahezu Jedermann sind persönliche Einschätzungen und tatsächliche Handlungen oft sehr entgegengesetzt. Dabei wäre es doch so einfach, entweder Sie sind vertrauensvoll oder misstrauisch - aber leider sind Sie beides gleichzeitig und das macht es für Jemanden, der Ihr Vertrauen erwirken möchte, oft schwer.

Beispiel 1: Sie flanieren auf einer Einkaufsstraße und es kommt ein gut gekleideter und seriös wirkender Mann auf Sie zu. Er streckt ihnen fünf Hundert-Euroscheine entgegen und sagt mit einem warmen lächeln: „Dies möchte ich Ihnen gerne schenken!“ Greifen Sie zu? Wahrscheinlich nicht, denn Sie sind misstrauisch, nur warum?

Beispiel 2: Auf der gleichen Einkaufsstraße sammeln Tierschützer oder Umweltaktivisten Unterstützungserklärungen. Dabei bitten diese um Ihren Namen und Adresse, dann noch um Ihre Mailadresse. Zu guter Letzt wollen Sie auch noch Ihre Kontodaten oder jene Ihrer Kreditkarte - spätestens hier schrecken die vertrauensvollsten Unterstützer wohl zurück, denn man weiß ja nie, was mit den Daten passiert.

Egal ob Sie sich am Beginn dieses Blogs als vertrauensvoll oder misstrauisch eingeschätzt haben, so haben Sie bereits alles dazu beigetragen, dass Sie garantiert irgendwo enttäuscht werden. Ich bin sicher, dass ein geübter Internetdetektiv innerhalb kürzester Zeit alle Daten über Sie herausfinden kann, die Sie „freiwillig“ nie hergeben würden. Nur Sie haben diese bereits mehrfach freiwillig hergegeben, auch dann wenn Sie sich als misstrauisch einschätzen. Hier nur einige Beispiele: Sozialversicherung, Bankdaten, Hotelbuchung, Amazon, Facebook, Zeitungsabos, Onlineversand u.v.m.

Es ist kaum vorstellbar, dass Sie, wenn Sie diesen Blog lesen und daher aktiv das Internet benutzen, noch nicht irgendwo alle oben beschriebenen Daten eingegeben haben. Diese sind also für fast alle, ob legal oder illegal, zugänglich. Und all Jenen, die noch nie ein Onlineformular ausgefüllt haben, sei der Gedanke eingepflanzt: „Wissen Sie, was beispielsweise der Kellner im Restaurant mit Ihrer Kreditkarte macht, wenn er damit kurz verschwindet, um die Rechnung auszudrucken…?“

Also, wenn Ihnen zukünftig jemand begegnet, der Ihnen etwas schenken möchte, dann verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl und trennen Sie diese menschliche Beziehung von allen bisherigen Vorbehalten oder negativen, meist virtuellen Erfahrungen. Wenn Sie also das Gefühl haben, der Mensch der Ihnen gegenüber steht, wirkt vertrauenswürdig, dann greifen Sie guten Gewissens zu und nehmen das Geschenk an. Nicht sehr oft wird dieses Geschenk gleich bei der ersten Begegnung Bargeld sein, sehr oft zuerst nur ein kompetentes Gespräch und dann ein guter Ratschlag, der sich aber dann ganz sicher in einen wirtschaftlichen Mehrwert ummünzen lässt…

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Josef Obergantschnig

Österreichs Staatshaushalt gerettet?
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 30.03.2012 10:07

Diese Woche sind wieder einmal die Wirtschaftsforscher am Wort. Das Budget-Defizit Österreichs betrug entgegen den Erwartungen 2011 „nur“ 2,6%. Prognostiziert wurden im Frühjahr 2011 3,6% bzw. vor rund drei Monaten 3,3%. Aber ist dies wirklich ein Erfolg?

Salopp formuliert hat Österreich „lediglich“ um 7,8 Milliarden mehr ausgegeben als eingenommen wurde. Nachdem die ursprüngliche Prognose einen Fehlbetrag von 9,8 Milliarden ausgemacht hatte, hat man sich (zumindest theoretisch) rund 2 Milliarden „erspart“. In diesem Zusammenhang werden bei mir Erinnerungen an das Jahr 2009 wach. Auch hier wurden die Österreicher von der Bundesregierung in Form von diversen Zuckerln für das „harte“ Jahr 2008 belohnt. Die Krise hat damals anscheinend einfach zu kurz gedauert, um nachhaltige Programme umzusetzen.

Wenn man politisches Kleingeld schlagen möchte, könnte man also durchaus behaupten, dass wir ja jetzt ohnehin 2 Milliarden mehr eingenommen haben und den Bürgern und Bürgerinnen der Alpenrepublik auch einen erheblichen Anteil des Kuchens überlassen könnten.

Das ist allerdings nicht sehr weitsichtig. Tatsache ist, dass sich die budgetäre Situation in den vergangenen Jahren sukzessive verschlechtert hat. Die Steuereinnahmen des Vorjahres basieren zum Teil auf den Erfolgen des Boom-Jahres 2010. Zudem wird das Budget durch eine Zahlung an die „Bad-Bank“ Kommunalkredit erst heuer belastet und nicht wie ursprünglich angenommen bereits im Jahr 2011. Damit ist dieser Teil lediglich in ein anderes Berichtsjahr verschoben und definitiv nicht aufgehoben worden.

Einen psychologischen Aspekt sollte man in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen. Einige Wirtschaftsforscher renommierter österreichischer Institute munkeln, dass die Prognosen des Finanzministeriums sehr pessimistisch waren. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die schlechten Prognosen in der Staatsschuldenkrise leicht zu verkaufen sind. Bei einem Übertreffen der Prognosen kann man die politischen Bemühungen dann durchaus als Erfolg verkaufen, da die (pessimistischen) Prognosen nicht eingetroffen sind.

In diesem Zusammenhang sollte man allerdings nicht vergessen, dass eine Bereinigung der Strukturen dringend erforderlich wäre. Man vergisst in politischen Kreisen sehr oft, dass das Budget-Ziel nicht das Unterschreiten der 3%-Defizitgrenze ist. Im Vertrag von Maastricht wird deutlich ausgeführt, dass das Ziel ein ausgeglichenes Budget über den gesamten Konjunkturzyklus ist. In Krisenzeiten sei ein Defizit von 3% zulässig. Im Umkehrschluss müssten die Staaten in einer Hochkonjunktur einen positiven Staatshaushalt erzielen, um die Defizite in den wirtschaftlich schwachen Phasen ausgleichen zu können. Österreich - in diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass diese Probleme einen Großteil der EU-Länder betrifft - hat in der Hochkonjunktur ein Defizit von 2,6% erzielt. In diesem Zusammenhang sei zu erwähnen, dass Österreich laut Prognosen der OENB ein Primär-Defizit (= im Wesentlichen der Budget-Saldo ohne Berücksichtigung von Finanzierungskosten) für 2012 von 0,3 % aufweist. Hierbei wird offensichtlich, dass selbst ohne Berücksichtigung der Altlasten (Zinsen für Schulden) kein ausgeglichenes Budget dargestellt werden kann.

Aus diesen Gründen hoffe ich, dass die Politiker den spürbaren Sparwillen vieler Menschen ernst nehmen und davon Abstand halten, die Geldschleusen zu öffnen, und einen Teil des „2-Milliarden-Gewinns“ an die Bürger auszuschütten?

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Michael Müller

Philosophisches über das Sparen
von Michael Müller, geschrieben am 28.03.2012 11:07

Ein aktuelles Geld-Magazin titelt mit „So werden Sie reich“, allerdings arm sind jene die daran glauben. Reich ist man in der gesamten Menschheitsgeschichte immer nur durch sparen geworden und genau über dieses Thema handelt in dieser Woche auch das „Ö1-Radiokolleg“ (Übrigens ein heißer Tipp von 09.00-10.00 Uhr, da lernen Sie täglich…).

Da wurde beispielsweise heute über die unterschiedlichen Bedeutungen des Wortes „Sparen“ philosophiert. Wenn eine Privatperson von „sparen“ spricht, dann ist das zur Seite legen von Geld gemeint. Also das Bewahren von Vermögenswerten für schlechte Zeiten oder zur Vorsorge für das Alter. Wenn eine Institution oder ein Staat „sparen“ will, dann meint er eine Reduktion der Aufwendungen und Leistungen.

Allerdings funktioniert auch das „Vorsorgesparen“ nicht so richtig, denn wir Menschen sind ja kleine „Belohnungs-Tiere“ - warum sollte ich also jetzt was weglegen, von dem ich erst in 20 Jahre etwas genießen kann? Deshalb machen dies die meisten Menschen nur halbherzig und konzentrieren sich lieber auf kurzfristigere Ziele, wie den Urlaub oder das nächste Auto.

Der Grund dafür ist das Fehlen von negativen Beispielen, denn den aktuellen Pensionisten geht es ja noch gut. Jene Bevölkerungsgruppe, die einmal nur mehr eine geringe staatliche (Grund-)Pension erhalten wird, aber darauf verzichtet hat, privat für die Einkommenslücke vorzusorgen - diese verarmten Pensionisten gibt es noch nicht, denn „wir“ sind ja noch aktiv. Der bekannte Autor Frank Schirrmacher (Herausgeber der FAZ) schreibt ja von der „verlorenen Generation“ der heute 30-50 Jährigen, denen Altersarmut droht und die eigentlich sofort mindestens 800-1000 Euro pro Monat sparen müssten um das Schlimmste abzuwenden.

Wenn der Staat „spart“, dann denkt er an Reduktion statt an Investition. Wäre es nicht vernünftiger in den Schulen das Fach „Vorsogen & Investieren“ und den allgemeinen Umgang mit einem der wichtigsten Kulturgüter unserer Zivilisation, dem Geld, zu lehren? Stattdessen spart man an dem einzig möglichen Ausweg, nämlich der Information und Aufklärung.

Ich darf zwei ehemalige deutsche Minister zitieren, zuerst den früheren Finanzminister Steinbrück, dessen Zitat einschlug und ausreichend Kritik erntete: „Eigenvorsorge bedeutet Konsumverzicht, notfalls muss man mal auf eine Urlaubsreise verzichten um ausreichend vorzusorgen.“. Ebenso spannend die Aussage vom ehemaligen Sozialminister Blühm: „Alle reden vom ´Gürtel enger schnallen`, aber jeder fummelt nur am Gürtel des Anderen herum.“ Man merkt beide Politiker haben nachgedacht und haben auch Humor - für beides benötigt man bekanntlich Intelligenz. Unsere Politiker haben jedenfalls wenig Humor…

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Martin Mikulik

Fremdwährungskredite
von Martin Mikulik, geschrieben am 23.03.2012 12:56

In den letzten Wochen wurde in diversen Medien sehr viel über CHF-Kredite geschrieben. In den folgenden Zeilen möchte ich meine persönliche Meinung zu diesem Thema kundtun. Wie gesagt - es ist meine persönliche Meinung, welche ich hoffentlich gut verständlich darlegen kann:

1. Grundsätzlich machen heute CHF Kredite genauso wenig Sinn wie vor 10 Jahren. Denn tiefere Zinsen in einem Land werden zumeist durch Währungsaufwertungen gegenüber Ländern mit höheren Zinssätzen ausgeglichen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der CHF grundsätzlich einem gewissen Aufwertungsdruck ausgesetzt ist (There is no free lunch!!!). Wenn man nun zudem bedenkt, mit welchem Preis man die geringeren Zinsen bezahlt, ist eine Verschuldung in Fremdwährung hochspekulativ. So kauft man für 1% Zinsersparnis pro Jahr durch die Schwankungsbreite der Währung (Volatilität) ein Risiko von knapp 10% ein. DAHER: Heute ist ein Fremdwährungskredit genauso unsinnig wie vor 10 Jahren (außer, man weiß die Richtung, in die die Währung tendieren wird - aber dann braucht man ohnehin keinen Kredit mehr ;-))

2. Tilgungsträger: In der Regel machen Tilgungsträger keinen Sinn. Für den Kreditnehmer ist es fast immer besser, den Kredit möglichst gut zu bedienen und nicht über Umwege in Tilgungsträger zu investieren, welche sich besser entwickeln als die Kreditzinsen kosten. So beträgt beispielsweise die Risikoprämie von reinen Aktieninvestments gegenüber Anleihen (=was Aktien mehr Ertrag liefern als risikolose Anleihen) langfristig ca. 5% p.a.. Nun muss der Kreditnehmer zum risikolosen Zinssatz gleich einmal 1,5% Aufschlag bezahlen. So verbleiben nur mehr 3,5% Prämie. Da die Tilgungsträger zumeist Produkte mit Kosten (vor allem Provisionen) sind, kann man gleich mal weitere 2% davon abziehen - verbleiben nur mehr 1,5%. Häufig verlangen jedoch die Banken garantierte Produkte, wodurch diese 1,5% nochmals durch Garantiegebühren aufgezehrt werden. Somit hat der Kunde im Schnitt (!) keinen Vorteil mehr aus der Verwendung von Tilgungsträgern, sondern lediglich das Risiko daraus.

3. CHF-Kredit durchsitzen, denn durch die Inflation wird der Kredit künstlich abgezahlt. Dies ist auch ein Argument, das ich so nicht gelten lassen kann. Zunächst einmal sind wir Österreicher im Euro-Raum beheimatet, unsere Teuerung ist daher jene des Euro und nicht jene des CHF. Auch ist es Pflicht der Notenbanken, bei steigender Inflation auch die Zinssätze anzuheben, was zweifelsohne auch die Schweizer Nationalbank wird tun müssen (vielleicht mit etwas zeitlicher Verzögerung, aber doch). Somit erhöht sich der Zinssatz des Kredites und wirkt so der Inflation entgegen. Jedoch, wie gesagt, alles im CHF. Historisch (Anfang der 90er Jahre) hat es immer wieder Zeiten gegeben, in welchen der CHF-Zinssatz höher war, als jener im EUR ( bzw. im ATS).

4. Das Argument, dass erst ein Drittel der Laufzeit bei vielen CHF-Krediten abgelaufen ist und man getrost warten soll, ist für mich ebenso fragwürdig. Denn die o.a. Punkte gelten heute genau so wie vor 5 oder 10 Jahren bzw. wie in 10 Jahren. Es ist ungewiss, wo sich der EURCHF Kurs hinentwickeln wird. Auf alle Fälle würde ich Tilgungsträger ruhend stellen und die Prämien lieber in die Rückzahlung des Kredits investieren.

DAHER:

Verschuldung in Fremdwährung ist grundsätzlich nicht sinnvoll
Tilgungsträger sollten ebenso vermieden werden
Bestehende Kunden sollten Risiken und Chancen abwiegen und dann entscheiden bzw. Tilgungsträger ruhend stellen. Eventuell könnten auch Absicherungen in Form von Optionen sinnvoll sein, um vor einem weiteren Ansteigen der Kreditschuld geschützt zu sein. Hier sollte man nur aufpassen, dass die Prämien für diese Absicherung nicht zu hoch sind.

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