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Michael Müller

Experte werden - aber richtig...
von Michael Müller, geschrieben am 01.06.2011 17:19

Was „Expertentum“ wirklich bedeutet, welche Arbeit und Einsatz dahinter steckt und wie man es auch beruflich nutzen kann habe ich schon in einigen Blogs ausgeführt. Ich möchte hier zu diesem Thema ein Erlebnis wiedergeben, das aufzeigt wie einfach manches sein kann:

Vergangenes Wochenende habe ich freiwillig in Köln verbracht und dabei bei einem Vertriebskongress sieben Vorträge der Top-Vertriebstrainer Deutschlands gelauscht. Trotz des hohen Preises hat sich dieser Tag in vielfacher Hinsicht gelohnt, denn viele Inputs für neue Projekt- & Umsatzideen deren Umsetzung wahrscheinlich bis ins nächste Jahr hineinreichen, sind für mich schon Grund genug. Zusätzlich habe ich durch Beobachtung und viele Gespräche auch Inhalte für die Blogs bis Jahresende gesammelt…

Zum aktuellen Thema fand ich einen Vortrag von „Deutschlands XING-Experten Nr.1“ besonders interessant, denn er demonstrierte auf eindringliche Art und Weise, wie er zum gefragten Experten wurde, was zu zwei Buch-Bestsellern und zahlreichen hochdotierten Vortragsauftritten führte. Sein Vortrag begann damit, dass er sein aktuelles XING-Profil an die Leinwand projezierte und es schaute ganz ungewöhnlich aus, hat ein anderes Erscheinungsbild und wenigen aber dafür anschaulichen und eindringlichen Werbetexten. Mit einem Blick erkannte man, hier ist der XING-Experte Nr. 1 und will man mehr wissen gab es Links zu unzähligen Artikeln, die er frei im Internet zum Lesen anbietet.

Er fragte die über 1.000 Kongressteilnehmer, wer schon mal so ein XING-Profil gesehen hätte und er zeigte zum Vergleich die einfachen Profile wie sie 98% aller User verwenden - mit dem üblichen „Ich suche…“ und „Ich biete..“ und dann der „Lebenslauf…“. Die Auflösung war dann beschämend, denn er zeigte wo er die Tipps für seinen einzigartigen Profilauftritt gefunden hat - nämlich rechts oben unter „Tipps zu Nutzung von XING“. Zusätzlich hat er einfach bei XING angerufen, ist in die Zentrale gefahren und hat sich dort (als normaler User!) Tipps von den Entwicklern geben lassen.

Dies hat vor wenigen Jahren begonnen und seit damals nennt er sich „XING-Experte Nr. 1“ in Deutschland, hat seine Tipps in Blogs auf seiner Homepage veröffentlicht und dann daraus ein Buch gemacht. Danach ist er vermehrt von der Presse kontaktiert geworden und die ersten Artikel führen immer zu noch mehr, denn wenn jetzt ein Journalist etwas über XING schreibt, will er auch die Meinung des „Experten“ wissen. Mittlerweile kann er wohl davon leben und das in so kurzer Zeit!

Vielleicht erinnern Sie sich noch an ein anderes Blog-Thema: „Richte dich nicht nach dem Markt, sondern schaffe deinen eigenen Markt!“ Dieser Experte macht es uns vor und wir können von der Einfachheit der Umsetzung lernen. Wenn Sie jetzt mehr über ihn wissen wollen, dann geben Sie auf „Google“ einfach „Xing-Experte“ ein und die ersten drei Seiten gehören zur Gänze ihm - was übrigens einem Werbewert im fünfstelligen Eurowert entspricht…

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Martin Mikulik

Umschuldung in Griechenland - Details und Abwicklung
von Martin Mikulik, geschrieben am 26.05.2011 18:04

In den letzten Wochen wurde die Umstrukturierung der griechischen Schulden an den Märkten immer wahrscheinlicher. Umfragen zufolge rechnen derzeit bereits 85% der Marktteilnehmer mit einer Umschuldung in Griechenland. Vielen Investoren ist eine Umschuldung eines Schuldners Gott sei Dank bisher erspart geblieben und ich möchte Ihnen in diesem Blog ein Procedere im Falle einer Umschuldung schildern.

In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Umstrukturierungen bei Staatsschulden. Allen voran Argentinien, welches im Jahr 2005 seinen Gläubigern eine Umschuldung „anbieten“ musste. Doch wie sieht es im Detail aus? Womit muss ein Anleger rechnen, wenn in Griechenland eine Umschuldung ansteht?

Häufig war es bisher so, dass ein Staat in „Default“ ging, bevor eine Umschuldung angegangen wurde. Default heißt nichts anderes, als dass der Schuldner keine Zinszahlungen mehr auf die bestehenden Anleihen leistet. Ab diesem Zeitpunkt handeln die Anleihen des Schuldners auch ohne Zinsen, respektive ohne Stückzinsen. Danach erfolgen Verhandlungen mit den größten Gläubigergruppen des Landes - zumeist der Internationale Währungsfonds, Bankengruppen, aber auch z. B. der Paris Club.

Ergebnis dieser Verhandlungen wird ein Angebot des Schuldners an die Gläubiger sein. So wird jedem Anleihegläubiger das Angebot gemacht, seine bestehende Anleihe in neu zu begebende Anleihen zu tauschen. Wenn man für ein bestimmtes Nominale an alten Anleihen weniger Nominale einer neuen Anleihe erhält, so wird dies „Haircut“ genannt. In Argentinien war es so, dass man für 1000 EUR alte Anleihe 250 EUR der neuen Anleihe erhielt, zuzüglich noch einiger Zinsnachzahlungen.

Anleger, welche dieses Angebot nicht annehmen, müssen dies bilateral mit dem Schuldner ausverhandeln. Auch hier werden häufig Anlegergruppen gebildet, welche dann gerichtlich gegen den Schuldner vorgehen. Das Resultat daraus ist jedoch ungewiss. In Argentinien führte es dazu, dass die Anleger, welche das Angebot nicht annahmen, im Jahr 2010 ein neues Angebot erhielten, welches mit dem alten ident war. Der Nachteil daran war jedoch, dass diese Anleger keine Zinsen für den Zeitraum 2005 bis 2010 erhielten. Sie sehen also, ein Nichtannehmen dieses Umtauschangebotes kann auch Kosten (neben Gerichtskosten) mit sich bringen, da man auf die alten Anleihen keine Zinsen erhält, wohingegen die neuen Anleihen Zinsen bezahlen.

Im Falle von Argentinien gab es noch eine Besonderheit, welche ich auch für Griechenland erwarten würde. Die Anleger konnten zwischen 2 Anleihen wählen: z.B. im EUR eine kürzere (2033) mit einem Nominalzins von 7,82% mit dem Haircut von 75% und eine längere Anleihe (2038) mit einem Zinssatz von 1,20% (welcher in den folgenden Jahren leicht ansteigen wird), jedoch ohne Haircut. Die 2. Anleihe notierte jedoch auf Grund des tiefen Zinssatzes bei rund 30% des Nominales, wodurch der Kunde zwar dasselbe Nominale wie die ursprüngliche Anleihe erhielt, jedoch der Kurswert gleich viel ausmachte, wie jener bei der Anleihe mit Haircut.

Durch die Verringerung des Nominales (beim kürzeren Bond) bzw. die Verringerung der Zinslast konnte der Schuldner entlastet werden. Die neuen Anleihen hatten aber noch eine weitere Besonderheit. Das Land bekam ja nun Schulden erlassen, was wirtschaftlich einen Vorteil bringen sollte. Um nun die Anleiheinhaber zu entschädigen, erhielten diese zur Anleihe dazu Optionsscheine auf das BIP von Argentinien. Wenn sich die Wirtschaft nun in den kommenden Jahren überdurchschnittlich positiv entwickelt, dann kommen die Optionsscheine ins Geld und erhalten einen Wert. Aktuell notieren diese Optionsscheine zwischen 14 und 17% des Nominales.

So ähnlich könnte auch im Falle von Griechenland eine Schuldenrestrukturierung aussehen.

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Michael Müller

Die Politikstrategie: Personen, Inhalte, Stil…
von Michael Müller, geschrieben am 22.05.2011 10:15

Kürzlich habe ich den Vortrag eines deutschen Politikberaters gehört, der den Erfolg von politischen Parteien auf diese drei Faktoren reduziert hat: „Personen, Inhalte, Stil“. Dabei sollte aber auch Wert auf genau diese Reihenfolge gelegt werden. Politik ist nun mal „Peoples Business“, also Menschen erzählen von Ideen und andere vertrauen ihnen. Natürlich muss auch der Inhalte seriös sein und wertvoll genug um sich dafür einzusetzen. Und zu guter Letzt muss auch die Art und Weise der Präsentation und Kommunikation passen, damit sich möglichst viele auch inhaltlich anschließen können.

Die Parallelen zum Investmentgeschäft und der Finanzberatung sind evident: Trotz ausgefallener Marketingstrategien kaufen immer noch Menschen von Menschen. Alle Versuche in der Vergangenheit auch Finanzdienstleistungen Online zu verkaufen sind gerade aus diesem Grund gescheitert. Nehmen Sie beispielsweise Produktanbieter oder Maklerpools und ihre Präsenz in Österreich: Wie oft war es hier zu beobachten, dass Gesellschaften bei Finanzberatern gut positioniert waren und zufriedenstellende Geschäfte machen. Kaum verlässt aber die Leitfigur das Unternehmen brechen schon Umsätze ein, obwohl die Unternehmensleistungen unverändert sind.

Ebenso ist aber zu beobachten, dass sich beliebte und erfolgreiche Sales-Leute auch die „Zähne ausbeißen“, wenn der Inhalt nicht stimmt. Also das Produkt oder die Dienstleistung nicht „rund“ sind oder gerade nicht zum Zeitgeist passen. Überall dort wo diese drei Komponenten zusammenspielen, da herrscht reger Zulauf und Geschäfte funktionieren. Übrigens, was laut meiner Beobachtung auch selten gut funktioniert ist „Personen, Inhalte, Stil“ aus einem anderen Land zu importieren. Denn neben der Sprache sind oft auch die Kaufentscheidung und der Betreuungsfokus regional unterschiedlich.

Als Anbieter von Produkten und Dienstleistungen können wir von der Politikberatung folgendes lernen: Wer repräsentiert und „verkauft“ mein Unternehmen? Würde ich ihm vertrauen und ist er/sie repräsentabel? Wie sind der Auftritt und die Kommunikation des Unternehmens? Ist dieses seriös, zielorientiert und verlässlich? Ist dieses vor allem auf den Kunden ausgerichtet oder produzieren Produkt- und Marketingabteilungen Vorlagen vorrangig für sich selbst und haben schon seit Jahren keinen Kunden mehr gesehen und gesprochen.

Nehmen wir also Anleihe am Politikgeschäft, welches sich auch alle paar Jahre neu erfinden muss um immer aktuell zu bleiben - dies gilt ja wohl auch für die Finanzbranche. Daher überleben auch selten die Größten, sondern eher jene Unternehmen, die sich rasch und flexibel auf die Kundenbedürfnisse einstellen können…

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Stefan Winkler

Die Qualität eines Managementkonzepts
von Stefan Winkler, geschrieben am 20.05.2011 10:55

Es liegt wohl in der Natur des Menschen Dinge, die um ihn herum geschehen, zu ordnen und in ein Schema zu pressen. Verschiedene Menschen, unterschiedliche Theorien - auch in den Kapitalmärkten.

Welchen Theorien kann man vertrauen? Nein, besser: Auf welche Theorien kann man sich verlassen? Liefert Volkswirtschaft den Grundstein zum Anlageerfolg, oder sind es doch Charttechnik und Trendfolge? Oder benötigt man einfach jahrelange Erfahrung? Die beste Antwort auf diese Fragen liefert nun ausgerechnet jener Theorienkomplex, der selbst die wohl am schwierigsten zu greifenden Ergebnisse produziert: Die Statistik! Das Warum ist einfach erklärt: Die Statistik beschreibt die Märkte so, wie wir sie beobachten können. Sie gibt uns die Möglichkeit zu messen, ob prognostizierte Ereignisse tatsächlich eintreffen.

Wie uns das helfen kann, soll an folgendem Beispiel demonstriert werden:

Bekanntermaßen schwillt die Geldmenge in den USA stark an, anders verhält es sich in Europa. Man könnte aus volkswirtschaftlichen Überlegungen darauf schließen, dass der USD gegen den Euro an Wert verlieren wird. Das klingt einleuchtend, wir können die Qualität dieser Theorie aber noch besser beleuchten.
Mithilfe der Statistik ermitteln wir nun, ob unsere Theorie einen messbaren Einfluss auf die Kursentwicklung hat. Wir können jetzt die umgekehrte Frage beantworten: Deuten die Messergebnisse auch darauf hin, dass das Geldmengenwachstum Einfluss auf den Währungskurs hat?

Bei einer guten Theorie ist das der Fall: Aus der Theorie lässt sich auf eine Marktentwicklung schließen und umgekehrt aus der Marktentwicklung auch auf die Theorie.

Wenn dies nicht der Fall ist, bleibt mehr als ein Schönheitsfehler. Denn entweder befinde ich mich im Besitz einer schönen Annahme, die aber keine Praxisrelevanz hat, oder ich finde praktische Zusammenhänge, die ich mir aber nicht erklären kann.

Welche Managementstrategie nun eine gute Theorie entsprechend obiger Definition ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Es muss immer wieder neu getestet werden. Mit ein wenig Erfahrung kann man aber viele Tests vereinfachen. So reicht es oft zu zeigen, dass ein Marktsegment effizient ist, um vielen potentiellen Managementregeln den Garaus zu machen.

In der Praxis finden sich viele Managementkonzepte, bei denen die Gegenfrage nicht beantwortet werden kann. Eine gute historische Entwicklung ist hierfür zu wenig. Der Manager muss Ihnen auch zeigen können, dass sein Ergebnis kein Glückstreffer war.

Ich rate Ihnen: „Bleiben Sie skeptisch!“

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Josef Obergantschnig

Finanzmanagement der europäischen Länder im Vergleich …
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 19.05.2011 13:53

Kürzlich habe ich zwei interessante Grafiken gefunden, die ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten möchte. In der Abbildung 1 sehen Sie auf einer europäischen Landkarte den Verschuldungsgrad einzelner europäischer Länder. Wenig überraschend sind Italien und Griechenlande jene Länder, die mit dem höchsten Verschuldungsgrad in Relation zum Bruttoinlandsprodukt zu kämpfen haben. Das Problem Spaniens ist nicht die ausufernde Verschuldung - diese Kennzahl liegt deutlich unter dem EU-Durchschnitt - sondern die mangelnde Konkurrenzfähigkeit. Irlands Verschuldung ist auch nicht übertrieben hoch, allerdings drücken die Haftungen, die rund das zweieinhalbfache des Bruttoinlandsproduktes ausmachen, doch deutlich aufs Gemüt. Positiv hervorzuheben sind die „Nordländer“, allen voran Schweden, die neben einigen osteuropäischen Ländern die geringste Verschuldungsquote aufweisen.

Abbildung: Verschuldungslandkarte Europa (Source: The Economist)



Aus ökonomischer Sicht ist noch interessant, welche durchschnittliche Restlaufzeit die zugrundeliegenden Finanzierungen aufweisen.

Abbildung: Durchschnittliche Restlaufzeit Europa (Source: The Economist)



Hier sind deutliche Diskrepanzen zu beobachten. Am oberen Ende der Bandbreite befindet sich Großbritannien, das eine durchschnittliche Restlaufzeit von knapp 14 Jahren aufweist. Am unteren Ende befinden sich Norwegen und Rumänien, deren Außenstände in rund 2 Jahren abreifen. Damit ist ein hoher Refinanzierungsbedarf gegeben, den diese Länder bewerkstelligen müssen. Österreich hingegen weist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern die viertlängste Restlaufzeit aus. Dies würde ich persönlich grundsätzlich als positiv beurteilen, weil sich der Staat das nach wie vor geringe Zinsniveau über einen längeren Zeitraum einfriert …

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Martin Mikulik

Klassenkampf 2011
von Martin Mikulik, geschrieben am 12.05.2011 12:59

Wenn man die Statements der Politiker in den letzten Wochen heranzieht, so hat sich der Ton sehr verhärtet. Da wird über die bösen Banken und Kapitalisten hergezogen genau so wie über all jene, die wenig zum Steueraufkommen beitragen. Man möge meinen, wir befinden uns mitten in einem Wahlkampf. Ich finde diese Radikalisierung in den Aussagen sehr bedenklich.

Per se wird jeder gleich einmal vorverurteilt. Der Aktionär, der nur das Ziel hat die Arbeitnehmer zu seinem eigenen Vorteil auszubeuten und in seiner unerschöpflichen Profitgier dann zudem nicht bereit ist, auch noch Steuern auf sein Vermögen zu zahlen.

Aber ist jeder Aktionär profitgierig? Geht es jedem Aktionär nur um den schnellen Gewinn? Ist jeder, der über ein (kleines oder auch größeres) Vermögen verfügt, automatisch ein Ausbeuter? Gerade die Politik sollte irgendwann einmal wahrnehmen, dass das zur Verfügung stellen von Eigenkapital Arbeitsplätze schafft und so der Allgemeinheit dient. Gerade in Europa, wo die Arbeitnehmerrechte ausreichend gestärkt sind und niemand mehr „ausgebeutet“ wird. Der moderne Aktionär ist auch nicht auf den schnellen Profit ausgerichtet, sondern darauf, dass das zu Grunde liegende Unternehmen sich langfristig positiv entwickelt und gesund wächst. Die Quartalsbilanzen interessieren den Aktionär weniger als die Vorstände. Aber auch hier werden in Zukunft Unternehmen mit eben dieser kurzsichtigen Denke keine Geldgeber mehr finden.

Viele Aktionäre sparen beispielsweise für Ihre Pensionsvorsorge an. Somit ist davon auszugehen, dass dieser Investmenthorizont ein langfristiger ist und daher eine Quartalsbilanz nur von geringer Bedeutung. Und gerade diese Aktionäre wird es in den kommenden Jahren immer häufiger geben. Die Kunden werden privat für Ihre Altersvorsorge aufkommen und in Unternehmen investieren. Und das nicht kurzfristig, sondern um langfristig ein Auskommen im Alter finanzieren zu können. Hier von Profitgier zu sprechen ist schlichtweg zynisch.

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Josef Obergantschnig

Gewinner und Verlierer des europäischen Gedankens …
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 06.05.2011 08:57

Es wird immer deutlicher, dass sich in Europa die Spreu vom Weizen trennt. Auf der einen Seite stehen die sogenannten Peripherieländer, die in der Fachpresse oftmals auch wenig charmant als „PIIGS-Länder“ bezeichnet werden. Diese Länder haben essentielle Probleme. Das Wort Staatsbankrott wird immer häufiger in den Mund genommen. Nur durch rasche Hilfe der „Gemeinschaft“ in Form des Schutzschirmes war es (bisher) möglich, eine Staatsinsolvenz zu vermeiden. Auf der anderen Seite gibt es auch Gewinner. Gerade Deutschland wird häufig unterstellt, der große Profiteur der vergangenen Jahre zu sein. Auf der einen Seite sind besagte Problemstaaten (ausgenommen Irland) mit enormen Leistungsbilanzdefiziten konfrontiert. Dies verdeutlicht, dass die betroffenen Staaten - allen voran Griechenland, Portugal oder Spanien - nicht konkurrenzfähig sind, da Importe bei weitem die Exporte übertreffen. Um diese Importe zu finanzieren, ist die Verschuldung der Staaten und Privaten deutlich angestiegen. Die Schmerzgrenze wurde bereits erreicht und das ganze Kartenhaus droht in sich zusammenzubrechen. Auf der anderen Seite konnte Deutschland durch ein Leistungsbilanzplus in der Höhe von rund EUR 200 Milliarden glänzen. Unser Nachbarland ist äußerst konkurrenzfähig - aber wie ist es dazu gekommen?

In den PIIGS Ländern war nach der Einführung des Euros das Kapital sehr billig. Die tiefen Kreditzinsen veranlassten viele, Darlehen aufzunehmen und ihren Wohntraum zu verwirklichen. Durch die starke Nachfrage sind einerseits die Immobilienpreise deutlich angestiegen. Dies führte dazu, dass sich deren Besitzer „reicher“ fühlten und freizügig das Geld in den Konsum steckten. Ein Boom des Bausektors, ein sukzessiver Beschäftigungszuwachs sowie steigende Löhne waren die logische Konsequenz. Zudem sind die Importe angestiegen und dadurch wurde sukzessive ein Leistungsbilanzdefizit aufgebaut. Bei genauer Betrachtung dieser Zeilen wird der eine oder andere Leser erkennen, dass der Weg, den die USA in den vergangenen Jahren eingeschlagen haben, mit jenem der PIIGS Länder durchaus vergleichbar ist. Nur heißt der Handelspartner nicht Deutschland sondern China.

Ein hohes Leistungsbilanzplus geht mit einem Kapitalexport einher. Gerade der Banken- und Versicherungssektor in Deutschland sammelte viel Geld ein und trug es unter hohen Renditeversprechungen in die Welt hinaus. Ob Sub-Prime-Bonds oder Staatsanleihen in den Peripherieländern - deutsche Investoren waren immer gut vertreten. Global muss die Leistungsbilanz ausgeglichen sein - das ist wie die linke und die rechte Seite der Bilanz. Um ein Leistungsbilanzplus zu erzielen, muss ein Land sehr konkurrenzfähig sein. Das ist eine komfortable Situation - aber wie kam es dazu?

Deutschland hat durch die Wiedervereinigung seine Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zu den Handelspartnern deutlich eingebüßt. Seit 1995 hat kein Land in der EU die Löhne weniger erhöht als unsere Nachbarn. Dadurch hat Deutschland laut dem IFO-Institut eine „reale Abwertung“ von rund 18% gegenüber anderen EU-Ländern durchgeführt. Dadurch wurde die Konkurrenzfähigkeit über 15 Jahre sukzessive erhöht, während andere Länder durch „überhöhte“ Lohnsteigerungen weiter an Boden verloren. Es ist allerdings auch festzuhalten, dass Deutschland zwischen 1995 und 2010 neben Italien das geringste Wirtschaftswachstum aufgewiesen hat. Die höchsten Wachstumsraten wiesen Irland, Griechenland bzw. Spanien auf.

Im Zuge der Finanzkrise ist die Risikoaversion der Investoren sukzessive gestiegen. Dies trifft auch für deutsche Investoren zu. Aufgrund dieser Tatsache haben Banken ihr Auslandsexposure in den vergangenen beiden Jahren deutlich zurückgefahren. Anstelle der hohen Renditeaussagen im Ausland rückt das „langweilige“ Kreditgeschäft wieder verstärkt in den Fokus. Dadurch schlägt Deutschland jetzt den Weg ein, den die PIIGS Länder bereits vor vielen Jahren eingeschlagen haben. Tendenzen sind bereits erkennbar, dass die Bautätigkeit zunimmt und Immobilienpreise langsam in die Höhe klettern.

Was bringt die Zukunft?

Es ist davon auszugehen, dass die Löhne in Deutschland überproportional steigen werden. Dies führt zu einer Verringerung des Leistungsbilanzüberschusses (Anstieg der Importe, Rückgang der Exporte). Um die Konkurrenzfähigkeit der Peripherieländer zu erhöhen, müssten die Löhne in den betroffenen Ländern deutlich gesenkt werden. Prognosen zufolge geht man davon aus, dass Lohnkürzungen von 30 % von Nöten wären, um die Konkurrenzfähigkeit wieder zu erhöhen. Deutschland hatte den „Vorteil“, sich seine Position über viele Jahre erarbeitet zu haben. Es ist davon auszugehen, dass den PIIGS-Ländern keine 15 Jahre zugestanden werden, um ihre Probleme in den Griff zu bekommen …

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Martin Mikulik

Private Altersvorsorge - Produktgeber und Berater sind ebenso gefordert! (Teil 2)
von Martin Mikulik, geschrieben am 04.05.2011 17:49

Nachdem ich in meinem letzten Blog meine Forderungen gegenüber der Politik in Punkto private Altersvorsorge kundgetan habe, möchte ich diesmal die Situation bei Produktgebern und Beratern etwas durchleuchten. Zugegeben, die Auswahl an geförderten Altersvorsorgeprodukten ist durch den Gesetzgeber stark limitiert und auch die Ausgestaltung lässt zu wünschen übrig. Aber trotzdem haben auch die Produktgeber eine gewisse Schuld daran, da die Produkte zu wenig transparent sind (Stichwort Informationspolitik bei „ausgestoppten“ Produkten) und die Informationspolitik teilweise spärlich und unüberschaubar ist.

Zudem wird der Kunde auch von Beratern häufig zum Ausstieg bzw. Wechsel zwischen den Produkten überredet. Zumeist sind diese Wechsel aber nicht wirklich zum Vorteil der Kunden (Ausnahmen gibt es), denn die Kosten des Wechsels überwiegen zumeist den Vorteil. Es ist halt die hohe Provision dieser Produkte sehr verlockend, da durch die lange Laufzeit meist höhere Provisionen bezahlt werden. Dies ist ein Umstand, der mir nicht ganz verständlich ist. Ist es also schwieriger bzw. mit mehr Aufwand seitens des Beraters verbunden, wenn die Polizze statt 20 Jahre 35 Jahre läuft? Warum sind die Provisionen dafür so eklatant höher? Dieser Umstand könnte Außenstehende ja dazu verleiten zu glauben, dass die Höhe der Provision die Produktentscheidung für den Kunden mit beeinflusst.

Ich würde mir hier eine Art „Nichtangriffspakt“ der Branche wünschen, indem Kunden, sollten sie bereits über ein privates Pensionsprodukt verfügen, nicht geraten wird, dieses zu kündigen (außer, es ist wirklich nicht geeignet). Man könnte hier eine Art „Gentlemen-Aggreement“ abschließen.

In der Beratung müssen wir auch lernen, langfristiger zu denken. Ein Tsunami in Japan sollte für ein Pensionsinvestment von keinerlei Bedeutung sein. Auch die Finanzkrise 2008 sollte für jemanden, der 2030 in Pension geht und heute anspart kein Anlass sein, die Veranlagungsstrategie zu ändern oder gar das Produkt zu kündigen. Bedenken wir: Wenn Sie 2012 in Pension gehen, haben sie Ende der 70er Anfang der 80er Jahre begonnen, Vermögen anzusparen. Damals sah die Welt ganz anders aus und auch damals gab es sogenannte Experten, die den Zusammenbruch des Finanzsystems vorhersagten. Wie viele Krisen hat es dazwischen gegeben? Und was war der Outcome der letzten 25 Jahre ¬- einer der größten Aktienbooms der letzten 100 Jahre. Wenn Sie in den Markt investieren, kaufen Sie auch Krisen mit. Die gab es immer und wird es auch wieder geben. Wir lassen uns aber leider von Krisen zu sehr in unserem Handeln beeinflussen - gerade in der Altersvorsorge.

Ein weiterer Punkt wäre, dem Kunden das Wort Risiko in der Altersvorsorge genauer zu erklären. Natürlich gib es das Risiko eines Kapitalverlusts. Dieses ist jedoch durch die lange Laufzeit und durch ein eventuelles Ablaufmanagement im Produkt zu einem großen Teil minimiert. Viel größer ist jedoch auch das Risiko eines zu geringen Ertrages. Denn was hilft es mir, wenn ich gerade einmal mein eingesetztes Kapital in 30 Jahren zurückbekomme. Durch die Inflation werde ich von dieser Pension nicht wirklich leben können und mein Ansparziel bei Weitem verfehlen.

Es muss daher, um auch eine entsprechende Pensionshöhe erreichen zu können, Risiko eingegangen werden. Denn nur dadurch kann langfristig auch ein gewisses Ertragspotenzial erzielt werden. Risiko vor allem zu Beginn der Vorsorge ist unumgänglich. Durch die lange Laufzeit und wie schon oben erwähnt ein zwingendes Ablaufmanagement kann dieses Risiko aber gut gehandhabt werden.

Fazit: Die Produkte müssen einfacher und transparenter werden. Die Berater und in weiterer Folge auch die Kunden müssen lernen, mit Langfristigkeit umzugehen. Die Kunden müssen dazu ermuntert werden, das Produkt auch bis zur Pension zu besparen. Auch jene Produkte, die vielleicht bei einem Mitanbieter abgeschlossen wurden (so ferne sie noch sinnvoll sind). Der Kunde und der Berater müssen Risiko in zwei Dimensionen betrachten. 1. das Risiko eines Kapitalverlustes (kann durch entsprechende Streuung sowie durch eine Optimierung des Portfolios in Richtung Pension erfolgen). 2. das Risiko eines zu geringen Ertrags (durch zu geringes Risiko). Beide Risiken sind meines Erachtens nach gleichrangig.

Wenn wir also alle an einem Strang (und in die gleiche Richtung!) ziehen, wird es uns gelingen, die private Altersvorsorge in Österreich weiter zu etablieren.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: martin.mikulik@securitykag.at

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Michael Müller

Investieren Sie auch in sich...
von Michael Müller, geschrieben am 01.05.2011 11:15

Sie alleine gestalten Ihr Unternehmen, welches in vielen Fällen von Ihnen gegründet wurde und oft auch nur auf Basis Ihrer Kompetenz und Ihrer Kontakte existiert. Vermeiden Sie daher die Falle vieler Selbstständiger, nämlich nur für die Ansprüche anderer (Mitarbeiter, Kunden, Finanzamt etc.) zu arbeiten. Erkennen Sie, dass Ihr Unternehmen nur dann erfolgreich ist, wenn Sie gut verdienen und sich auch persönlich wohlfühlen. Kurzurlaube, Bewegung/Sport und Entspannung in der Freizeit sind dafür notwendige Eckpfeiler.

Investieren Sie aber auch regelmäßig in Ihre persönliche Weiterentwicklung, denn „wer rastet der rostet“. Ruhen Sie sich nicht auf Ihren Erfolgen der Vergangenheit aus, denn diese sind bereits „vergangen“. Sie müssen auch als Person wachsen und dazu sind, meiner persönlichen Einschätzung nach, folgende Punkte notwendig:

PLANUNG - Als Autofahrer sind Sie es gewohnt die Strecke von A nach B zuerst gedanklich zu erfassen. Sie überlegen welche Wege Sie nutzen werden und beachten dabei auch die äußeren Umstände um beispielsweise Staus zu vermeiden. Anschliessend können Sie abschätzen, wie lange die Fahrt dauern wird und dem entsprechend setzen Sie den Abfahrtszeitpunkt fest.
Nur die wenigsten Autofahrer setzen diese Methode allerdings im persönlichen oder beruflichen Umfeld ein: Wenn ich einen Unternehmer frage, wo sein Unternehmen in einem Jahr stehen wird und wie viel Umsatz er in sechs Monaten machen wird - und er kann es mir nicht beantworten, dann sollte er an sorgfältiger Planung arbeiten. Zitat: „Die Meisten planen Ihren Urlaub, aber die Wenigsten planen ihr Leben.“

WEITERBILDUNG - Unter erfolgreichen Persönlichkeiten gilt die Regel, mindestens zehn Prozent seines Einkommens auch in die persönliche Weiterbildung zu investieren. Auch bei Unternehmen sollte dies für Ihre wichtigsten Mitarbeiter gelten, denn „Stillstand ist Rückschritt“.
Überlegen Sie, wie viel Sie monatlich/jährlich verdienen und setzen Sie dann bewusst 10 Prozent davon für Seminare und Bücher ein. Egal ob Fachliteratur um Ihre Kompetenz zu steigern oder Managementliteratur um Ihre Persönlichkeit zu stärken. Lesen Sie gerne auch die Biografien von anderen erfolgreichen Persönlichkeiten um von deren Erfahrungen zu lernen.

NACH- & VORAUSDENKEN - Dieser Punkt ist meiner Ansicht nach eine stark unterschätzte Tätigkeit erfolgreicher Unternehmer, denn „wer keine Zeit zum Denken hat, tut nur mehr jene Dinge, die andere erdacht haben!“ Wie viel mehr kann ein Unternehmer erreichen, wenn er darüber nachdenkt, was in der Vergangenheit gut gelaufen ist und welche Fehler begangen wurden. Anschliessend denkt er voraus, in dem er beschließt in erfolgreiche Aktionen zu intensivieren und die Fehlgriffe zukünftig abzustellen.
Für so eine Reflexion braucht man Zeit und Ruhe, besonders geeignet ist dafür eine Stunde am Freitag-Abend oder am Wochenende. Reservieren Sie diese Zeit in Ihrem Terminkalender - wie ein Meeting mit Ihrem wichtigsten Mitarbeiter! Stellen Sie alle Störfaktoren (Handy, Mail etc.) ab und gehen Sie in eine persönliche Klausur. Arbeiten Sie schriftlich und halten Vergangenes und zukünftige Aktionen fest: Beschreiben Sie den „Zielort“, überlegen Sie die „Fahrroute“, berücksichtigen Sie eventuelle „Staus“ und dann setzen Sie den „Startzeitpunkt“ fest.

Gewinnen Sie als Unternehmer Sicherheit durch die Gewissheit, das Richtige zu tun. Diese Gewissheit erhalten Sie durch die Konzentration auf das eigene Wachstum, durch die zielorientierte Planung und ein entspanntes Nach- & Vorausdenken. Dadurch entsteht auch die Gelassenheit an der man die „erfolgreichen Persönlichkeiten“ gleich erkennt…

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Martin Mikulik

Warum die private Pensionsvorsorge in Österreich wie ein Stiefkind behandelt wird.
von Martin Mikulik, geschrieben am 27.04.2011 18:34

Heute widme ich mich wieder einmal einem meiner Lieblingsthemen - der Altersvorsorge. Wie steht es in Österreich um dieses Thema? Wird es von den Österreichern ernst genommen? Was sind die Gründe, warum sich Mitbürger für oder gegen eine Altersvorsorge entscheiden.

Nun, zunächst sei einmal festgestellt, dass die Pensionen für künftige Pensionisten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geringer sein werden als jene der aktuellen Pensionisten. Das ist aber nicht neu. Selbst meine Mutter hat schon während der 90er Jahre gemeint, dass ihre Pension geringer ausfallen wird - und hat relativ wenig dagegen unternommen. Übrigens viele Menschen in ihrem Alter sind in derselben Situation. Eigentlich wussten sie, dass es mit der Pension zu Abschlägen kommen wird, doch unternommen haben sie relativ wenig (eventuell einen Bausparer oder ein Sparbuch, welches im Laufe der Jahre aber auch immer wieder „geplündert“ wurde).

Unsere Elterngeneration hat das Problem zwar am Horizont auftauchen gesehen, aber sich nicht ausreichend damit auseinandergesetzt. Das liegt sicher auch daran, dass sich die Generation davor (also unsere Großeltern) in keinster Weise mit diesem Thema auseinander setzen mussten. Denn für sie ist der Lebensstandard nach dem Krieg rasch gestiegen und auch in der Pension hielt dieser Trend an, denn diese machte rund 80 % der letzten einkommensstärksten Jahre aus. Der Staat wird es schon richten…

Doch wie sieht es heute aus. Die heutige Generation lebt in einem permanenten Wandel, Flexibilität ist gefragt und die langfristige Lebensplanung wird diesem Umstand geopfert. Es ist heute schlichtweg sehr schwer möglich, langfristig zu planen. Habe ich morgen meinen Job noch? Wie sieht mein soziales Umfeld in 5 Jahren aus? Soll ich überhaupt eine Familie gründen? Wie sieht die Rechtssituation in 20 Jahren aus? Gibt es den EUR 2035 noch oder folgt eine Währungsreform?

Wir sind einem permanenten Wandel ausgeliefert und haben dadurch verlernt, langfristig zu denken. Es ist für einen 30-jährigen daher auch schwierig, für die Pension vorzusorgen. Und wenn er es vielleicht trotzdem tut, dann nicht mit der Konsequenz die dafür nötig wäre. Denn wenn man sich ansieht, wie sich das Kundenverhalten bei langfristigen Ansparvarianten gestaltet, so kann man erkennen, dass nur wenige dieser Ansparformen auch wirklich widmungsgemäß verwendet werden. Viele Verträge werden vorzeitig gekündigt und für andere, dringlicher erscheinende Investitionen gebraucht. Nur etwas mehr als die Hälfte der Lebensversicherungsverträge „erlebt“ das Vertragsende!

Welche Gründe gibt es noch dafür, dass die Menschen nicht ernsthaft für ihre Pension vorsorgen? Zum Einen ist dafür einmal ein Defizit in der Politik auszumachen. Grundsätzlich gilt jemand, der langfristig in Aktien veranlagt in der Diktion der Politiker als „Spekulant“. Die zuletzt verwendeten Slogans von „Reichensteuer“ etc. führen auch nicht gerade dazu, dass die Menschen Pensionsvermögen aufbauen. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für echte Pensionsprodukte sind denkbar ungünstig. Es gibt zwar Pensionskassen, welche jedoch einem nicht gut gestalteten Pensionskassengesetz unterliegen. Auch werden in der Veranlagung vieler Pensionskassen alle Menschen gleich veranlagt - egal ob es sich um 30-jährige oder 70-jährige handelt. Dadurch kam es vor allem im Krisenjahr 2008 zu empfindlichen Pensionskürzungen, welche sich vor allem bei älteren Menschen katastrophal auswirken. Und die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge (PZV) ist zwar im Grundgedanken eine gute Sache, die Förderung dieser ist jedoch an eine teure Kapitalgarantie gebunden, welche sinnloser nicht sein könnte! Denn diese kostet extrem viel und schränkt zudem die Ertragserwartung des Produktes massiv ein.

Ein Beispiel: Ein Kunde, der 30 Jahre in eine PZV spart, zahlt 30 Jahre dafür jährlich eine Garantiegebühr, sodass er am Ende der Laufzeit für heute eingezahlte 100 EUR gerade einmal 50 EUR real zurückbekommt. Wo ist hier der Sinn einer Kapitalgarantie? Man sieht also, dass die Politik keine geeigneten Rahmenbedingungen für eine private Altersvorsorge geschaffen hat.

Eine weitere Sorge vieler Bürger liegt darin, dass all jenen, die privat etwas angespart haben dies in einem zukünftigen Pensionssystem sogar zum Nachteil gereichen könnte. Hartz IV in Deutschland oder auch die Mindestsicherung in Österreich beruhen bei der Auszahlungshöhe darauf, dass privates Vermögen angerechnet wird. Ist sonstiges Vermögen vorhanden, wird die Mindestsicherung nicht oder nur teilweise ausgezahlt. Könnte dies nicht auch für zukünftige Pensionen gelten? Wenn es beim Staat knapp wird könnten ja sonstige Vermögensgüter in eine Art Mindestpension mit einberechnet werden und so die staatliche Pension schmälern.

Es müsste also der Staat dieses Problem einmal angehen und die Angst der Bürger nehmen. Aber so lange die Politiker versuchen, mit markigen Sprüchen und kurssichtigen Maßnahmen weiterhin um Wählerstimmen zu buhlen wird sich auch in der Einstellung der Menschen zum Thema Pension nichts ändern. Es müssen auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Pensionsprodukte begünstigen und auch so weit Rechtssicherheit geben, dass diese bei späteren Pensionsreformen nicht zum Nachteil der weitsichtig vorsorgenden Menschen gereichen. Man müsste auch noch weiter gehen und Investoren in Aktien nicht als „Spekulanten“ brandmarken, denn diese stellen für Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung und schaffen sogar noch Arbeitsplätze.

Welche Maßnahmen von Seiten der Produktgeber und Berater angegangen werden sollten, möchte ich in meinem nächsten Blog behandeln.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: martin.mikulik@securitykag.at

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