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Michael Müller

Wie hoch ist Ihr Honorar?
von Michael Müller, geschrieben am 05.04.2011 16:03

Wie viel verdienen Sie, zu verdienen? Ist Ihrer Meinung nach Ihre Kundenberatung beispielsweise € 400.- oder gar € 4.000.- wert? Der erste Betrag kann bekanntlich ein veranschlagter Honorartarif sein und der zweite eine mögliche Provision. In beiden Fällen gibt es einen Kunden und einen Finanzberater, die eine sehr ähnliche Dienstleistung abgewickelt haben. Dabei möchte ich in diesem Blog gar nicht darüber nachdenken, was dabei für den Kunden, den Berater und den Markt gut und fair ist. Ich möchte nur folgenden Gedanken verfolgen:

Was und wie viel ist Ihre Leistung wert? Welchen Betrag verdienen Sie Ihrer Meinung nach? Und welchen Betrag ist der Kunde bereit, zu zahlen?

Ich beobachte, dass in den wenigen Top-Gourmetlokalen in einer Metropole trotz überteuerter Speisen und Getränke oft über Wochen kein Tisch zu bekommen ist, dass aber auch die günstige Systemgastronomie an jeder Ecke boomt. Andererseits können sich die Gasthöfe und Pizzerias der Stadt nur mit billigen Mittagsmenüs über Wasser halten und manche sperren Abends, mangels Gäste, überhaupt gleich zu…

Ich staune über die Top-Boutiquen mit entsprechenden Modelabels wo man ein normales einfärbiges T-Shirt (ohne Markenaufdruck!) nicht unter hundert Euro bekommt und anderseits über den Kampf am Wühltisch in trendigen Modeketten, wo sich Teens um ganze zehn Euro schon einkleiden könnten.

Ich bewundere die Top-Anwälte und Steuerberater, wo Klienten schon einige Tausend Euro und ein persönliches Empfehlungsschreiben des Bürgermeisters aufwenden müssen um überhaupt ein unverbindliches Erstgespräch zu erhalten. Anschließend wird Ihr Fall dann ohnehin nur vom unerfahrenen Uni-Absolventen begleitet, aber immerhin können Sie den Gegner oder das Finanzamt dadurch einschüchtern, dass Sie von der Kanzlei XY vertreten werden. Andererseits gibt es auch Standesvertreter, die sich nächtelang durch Eingaben und Schriftverkehr kämpfen und doch nur mit einem Pauschalhonorar auf Bezirksgerichtsniveau abgespeist werden.

Können Sie als Finanzberater Ihrem Kunden gegenübertreten und ihm guten Gewissens Ihre Leistungen aufzählen und diese einzeln, auch mit Geldwerten versehen, dokumentieren? Ich darf Ihnen helfen: Unverbindliches Erstgespräch (erste Stunde kostenfrei, ab dann X-Euro), Ausarbeitung individuelles Kundenkonzept (X-Stunden zu je X-Euro), Einholung von Angeboten und Leistungsvergleich der Anbieter (Nutzung Software - Pauschale X-Euro), Vorbereitung und Aufbereitung, inkl. Kundenpräsentation (X-Stunden zu X-Euro, anschließende Nachbetreuung bis zur endgültigen Vertragsbeginn (eventuell Pauschale von X-Euro).

Eigentlich müssten Sie also, wenn Sie ihre Beratung ernst nehmen und wirklich diese individuellen Konzepte erstellen und über entsprechende Ausbildung/Erfahrung verfügen, das oben angeführte Honorar von € 4.000.- verlangen können. Mit den € 400.- sollten dann eigentlich nur die „Wald & Wiesen“ - Vermittler abgespeist werden, die Kunden ohnehin immer nur das Gleiche erzählen und verkaufen.

Wenn Sie nun denken, Kunden wären niemals bereit, so viel zu zahlen, dann lesen Sie bitte nochmals meine Beispiele von oben. Es gibt nachweislich Anbieter, die sich diesen Status erarbeiten und es gibt Kunden, die dann das „Wertvolle“ haben wollen. Daher liegt es an Ihnen zu entscheiden, wie viel Sie verdienen, zu verdienen…

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Josef Obergantschnig

Emotionen sind kein guter Ratgeber für Investmententscheidungen
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 31.03.2011 12:45

In diesem Blog möchte ich mich auf unsere News „Aus gegebenem Anlass: Stellungnahme zu den Ereignissen in Japan“ vom 16.3.2011 beziehen. In dieser News haben wir darauf hingewiesen, dass Investitionsentscheidungen, die auf emotionaler Basis getroffen werden, meist nicht von Erfolg gekrönt sind.

Die vergangenen zwei Wochen waren sehr turbulent. An den Märkten ist die Verunsicherung nach wie vor sehr groß. Hätten wir am Tag der japanischen Katastrophe überstürzt gehandelt, hätten wir sämtliche Aktien verkaufen müssen. Japanische Aktien (Nikkei-225) konnten seit dem Tiefststand rund 18% an Wert zulegen. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie rasch sich die Märkte auf Hiobsbotschaften einstellen und vergessen. Gerade in Mitteleuropa versinkt die Naturkatastrophe und der dadurch ausgelöste atomare „Super-Gau“ langsam aber sicher in der medialen Versenkung. An den Märkten ist wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt und die Kurse befinden sich wieder im Steigen. Der Mensch vergisst schnell und das ist wahrscheinlich auch gut so.

Politische Auswirkungen sind allerdings nicht von der Hand zu weisen. In Deutschland wurde vergangenes Wochenende eine Wahl geschlagen, die einen eindeutigen Sieger - die Grünen - hervorgebracht hat. Damit wird für mich deutlich, dass nicht nur die Investoren sondern auch die Wähler emotional handeln. Der Wähler vergisst anscheinend nicht so schnell wie die Akteure an den Finanzmärkten.

Auch ich würde es sinnvoll finden, wenn wir global versuchen, den Anteil erneuerbarer Energien sukzessive zu erhöhen. Aufgrund des hohen Anteils und der Effizienz von Kernenergie ist dies realistischerweise nicht rasch umsetzbar. Ich hoffe, es bleibt dahingehend kein Traum. Wir sollten uns nur kritisch an der Nase nehmen. Wie schnell ist das Unglück in Tschernobyl in Vergessenheit geraten. Das läuft immer nach dem gleichen Muster ab. Zuerst die Betroffenheit, dann der Aufschrei und schlussendlich die Vergessenheit. Das sieht man beispielsweise daran, dass mittels Kernspaltung rund 20 Jahre nach dem Unglück nach wie vor ein wesentlicher Anteil der benötigten Energie gewonnen wird.

Aber nun wieder zurück zu den Finanzmärkten. Für mich wird wieder einmal klar, dass Emotionen gerade in unserem Geschäft nichts verloren haben. Das sollten wir uns bei aller Tragik gerade dann vor Augen führen, wenn wieder einmal der Hut brennt. Ich maße mir zwar nicht an, in die Zukunft blicken zu können, allerdings springe ich in diesem Blog über meinen Schatten. Emotionen sind Teil des Geschäfts und werden immer wieder in die Kursbildung entscheidend einwirken. Gerade hierbei ist eine ruhige Hand, ein reichhaltiger Erfahrungsschatz und vor allem Hausverstand von immenser Bedeutung.

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Michael Müller

Die 5 Regeln von Peter F. Drucker...
von Michael Müller, geschrieben am 26.03.2011 16:09

Lernen von den Besten - Das ist eine Regel, die ich Ihnen immer wieder ans Herz lege. Letztens habe ich wieder etwas von Peter F. Drucker gelesen, sicher einer der bedeutendsten Managementautoren und Unternehmensberater weltweit. Mit österreichischen Wurzeln ist er in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts ausgezogen und hat Konzerne wie „General Electric“ oder „Toyota“ zum Teil entscheidend beeinflusst:

So geht das „Management by Objectives“, also Führung durch Zielvorgaben, auf seine Arbeiten zurück und ist heute nicht mehr aus unserem Wirtschaftsleben wegzudenken. Er hat aber auch neue Regeln des Marketings aufgestellt - damals revolutionär und heute ein immer wiederkehrendes Muss für jedes Unternehmen: Was ist unsere Mission? / Wer ist unser Kunde? / Worauf legt der Kunde wert? / Was sind unsere Ergebnisse? / Was ist unser Plan?

Egal welches Produkt oder welche Dienstleistung Sie verantworten, diese Fragen müssen Sie für sich und Ihre Mitarbeiter immer präsent haben. Gerade Sie als Führungskraft müssen eine klare Richtung (=Mission) vorgeben und auch leben. Ihre Mitarbeiter orientieren sich laufend an Ihnen, enttäuschen Sie diese nicht. Beispielsweise könnte so eine Mission heißen: Unsere Kunden vermehren durch unsere objektiven Vergleiche X-Prozent ihres Ersparten. Oder, unsere Kunden verdienen mit unseren Produkten immer einen positiven Ertrag von X-Prozent pro Jahr.

Ihnen und ihrem Team sollte auch klar sein, wer Ihre Zielgruppe ist und wie diese tickt. Welche Prinzipien, Erwartungen und Forderungen hat diese an Ihr Produkt oder Dienstleistung. Aktive Befragungen bestehender Kunden und Repräsentanten Ihrer Zielgruppe sind hier hilfreich. Aber wichtig ist natürlich auch immer eine ehrliche Standortbestimmung (=Ergebnis/Plan) wie diese Ziele auch wirklich umgesetzt werden und was zur weiteren Verbesserung notwendigerweise zu tun ist.

Sollten Sie sich schon länger nicht mit diesen Fragen beschäftig haben, dann nehmen Sie diesen Blog als Anregung dazu. Nutzen Sie zuerst ein nahendes Wochenende, um diese Fragen für sich alleine zu beantworten und binden Sie in weiterer Folge auch Ihre Partner und Mitarbeiter ein. Sie werden sehen, alles was danach passiert, ist besser als jetzt, denn Stillstand ist bekanntlich Rückschritt.

Noch eine spannende Idee hat Peter F. Drucker anlässlich seiner Arbeit für den Toyota-Konzern entwickelt, in Japan heißt es „KAIZEN“, US-Trainer nennen es auch „CANI“. Letztgenanntes ist kein Hundefutter, sondern möglicherweise Ihre persönliche Erfolgsstrategie - mehr dazu im nächsten Blog…

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Martin Mikulik

Die Wahrnehmung der Menschen
von Martin Mikulik, geschrieben am 24.03.2011 11:01

Was lockt heute noch jemanden hinter dem Ofen hervor. In der Finanzwelt sind Zahlenbeträge die das Wort Mio. angehängt bekommen schon recht langweilig. Vielmehr wird nur mehr in Mrd. gerechnet. Nicht zuletzt auch durch die enormen Summen der Finanzkrise ist der Interessierte mittlerweile an diese Dimensionen gewöhnt.

Was mir im Zuge des Atomunfalls in Japan ebenso auffiel ist die Tatsache, dass nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind. In Interviews wurden jene Experten, welche den Unfall nicht als kritisch bezeichneten mit nur sehr kurzen Redezeiten gestraft, wohingegen die Katastrophenprediger viel mehr Aufmerksamkeit durch den Interviewer erhielten. Auch in den Zeitungen sind die Überschriften immer mit sehr negativen Attributen geschmückt. Vor allem Europa scheint in dieser Hinsicht sehr empfänglich zu sein, denn in den USA erfolgt die Berichterstattung etwas differenzierter.

Interessant wäre für mich auch noch die Definition des „Größten anzunehmenden Unfalls“, kurz GAU genannt. Eigentlich müsste dieser das Schlimmste sein, was einem Atomkraftwerk geschehen kann, nämlich jener Unfall, der die schlimmsten Auswirkungen nach sich ziehen würde. Weit gefehlt - denn es gibt ja noch den Super-GAU, welcher die schlimmsten Befürchtungen sogar noch übertrifft. Und in einem ZiB Interview im Zuge der Katastrophe in Fukushima wurde sogar noch nachgelegt, indem der interviewte Risikoforscher noch meinte, wie super super der GAU noch wird, kann im Moment noch nicht gesagt werden.

Ist also ein GAU zu wenig, um die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zu ziehen. Muss es ein Super-GAU oder gar ein Supersuper-GAU sein? Aber auch in anderen Belangen wird mit Superlativen gearbeitet. Das Meganetz von … (einem bekannten österr. Handynetzanbieter) oder auch der Super-Summer-Sale von xy und ähnliches.



In der Finanzwelt ist es ähnlich. Nur Analysten, die eine extreme Meinung vertreten, werden von den Anlegern gerne gehört. Die Leute möchten einfach was anderes hören als den Mainstream. Ob das Gesagte sich dann als richtig oder als falsch erweist, ist zumeist sekundär. Hauptsache es war eine gute Story. Auffallende Storys verkaufen sich besser als gute Produkte. Leider!

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Michael Müller

Lernen von den Besten...
von Michael Müller, geschrieben am 21.03.2011 11:20

Letztens durfte ich beim FONDSKONGRESS wieder spannenden Vorträgen von Experten lauschen. Zwei Kernsätze darin haben mich wieder motiviert und auf meinem Weg bestärkt, denn beide sind jeder für sich eine Grundvoraussetzung für Erfolg und Karriere. Erschreckend ist dann leider immer nur die Erkenntnis, dass sich so Wenige daran halten. Ich fordere Sie auf: Blicken Sie sich nach dem Studium dieses Blogs in Ihrem Umfeld um und Sie werden sehen, dass Sie, wenn Sie diese Grundsätze beachten, in Ihrer „Peergroup“ bald zur Spitze zählen !

Take the big rocks first - Entwickeln Sie einen Sinn für Dringlichkeit und erledigen Sie, wenn möglich, immer alles sofort. Verschwenden Sie keine Zeit, sondern handeln Sie, packen Sie zu und seien Sie aktiv. Die amerikanischen Trainer nennen dies gerne „quick quality work“ - damit sollten Sie sich einen Namen machen.

Ein Beispiel: Auf einem Messetag vereinbart man in vielen Gesprächen die Übermittlung von Angeboten und Unterlagen. Man notiert sich diese „To Do“-Punkte und wenn dann Ihre jeweiligen Gesprächpartner am kommenden Tag ins Büro kommen, finden Sie Ihre Infos bereist im Posteingang. Ihr Gesprächspartner denkt sich: „Wow - der ist aber flink, der verspricht nicht nur sondern handelt auch, auf den kann man sich verlassen…“

Love it, change it, leave it - Überprüfen Sie regelmäßig, ob das was Sie tun auch Ihren Talenten entspricht und Sie noch ausreichend motiviert sind. Wenn nicht, dann versuchen Sie es zu ändern oder Sie ziehen die Konsequenzen und suchen sich ein anderes Betätigungsfeld. Auch diese Handlungsweise lässt sich vom kleinen Anlass bis ins Grundsätzliche verfolgen und unterscheidet die „Jammerer“ von den „Akteueren“, jenen die nicht über den Markt klagen, sondern einen eigenen gestalten.

Auch hier einige Beispiele: Sie sind in einem Gespräch und dieses droht zu erlahmen, dann ergreifen Sie die Initiative und suchen ein anderes Thema - wenn auch das nicht funktioniert, verabschieden Sie sich höflich. Oder Sie haben einen Kunden, bei dem alles schief läuft oder der sich immer wieder bei Ihnen beschwert. Suchen Sie das persönliche Gespräch und fragen Sie nach dem wahren Grund für seine Unzufriedenheit - auch ob es an Ihnen liegt. Sollte diese Aussprache zu keinem Ergebnis führen, dann schlagen Sie einen Wechsel zu einem befreundeten Beraterkollegen vor. Möglicherweise wird der Kunde sich dort besser betreut fühlen. Beide werden Ihnen dankbar sein…

Zum Abschluss: Schauen Sie sich Ihren Geschäftspartner oder Lebenspartner in einer ruhigen Minute genauer an. Würden Sie heute mit einem guten Gefühl nochmals eine Partnerschaft eingehen? Gibt es etwas anzusprechen oder zu verbessern, dann tun Sie es. Wenn nicht, dann machen Sie sich beide glücklich und beenden diese Partnerschaft. WICHTIG: Hier möchte ich aber besonders die Verantwortung bei Ihnen sehen und zuerst einen ehrlichen und dauernden Versuch der Verbesserung einfordern - erst wenn dies nach mehreren Anläufen und über einen längeren Zeitraum nicht gelingt, dürfen Sie guten Gewissens gehen…

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Martin Mikulik

Japan - Angst und Fakten
von Martin Mikulik, geschrieben am 17.03.2011 18:15

Angst ist niemals ein guter Ratgeber. Denn Angst ist Emotion und Emotionen lassen alle Fakten vergessen. Das Angstpotenzial ist zumindest in den europäischen Märkten sehr groß. Die dramatischen Auswirkungen des Bebens in Japan haben zu starken Schwankungen an den Kapitalmärkten geführt.

Ich möchte hier nochmals in Erinnerung rufen, dass die meisten Marktteilnehmer an den Aktien- und Rentenmärkten ihr Geld nicht damit verdienen, dass sie investiert sind. Vielmehr wird Geld durch Bewegungen am Markt verdient. Und so wird die von den Medien verbreitete Panik durch Analysten an den Märkten noch weiter verstärkt. Doch fassen wir zunächst die Fakten nochmals zusammen:

Das Beben hat drei Präfekturen betroffen, nämlich Fukushima, Miyagi und Iwate. In diesen Präfekturen wohnen 5,75 Mio Menschen (von insgesamt ca. 125 Mio). In diesen 3 Präfekturen wird ein BIP, das ca. 4,1 % der gesamten japanischen Wirtschaftsleistung entspricht, erzielt. Die jetzige atomare Verstrahlung betrifft nur die Präfektur Fukushima und ist derzeit noch lokal eingeschränkt. Die Gefährdung anderer bevölkerungsreicherer Regionen ist vorerst durch die Wetterlage abgewandt. Je länger die Reaktoren in ihrem derzeitigen Stadium verbleiben, desto unwahrscheinlicher wird das Horrorszenario der Explosion der Reaktoren.

Nun zur Bedeutung Japans für die Weltwirtschaft. Japan ist global keine Konjunkturlokomotive, sondern vielmehr ein Nutznießer des globalen Wachstums. Japan ist ein Exportland von Fertig- und Halbfertigprodukten. Der Anteil Japans am weltweiten BIP ist von rund 20 % Anfang der 90er Jahre auf aktuell knapp über 8 % gesunken. Haupthandelspartner von Japan ist China, gefolgt von den USA. Rund 10 % der chinesischen Exporte gehen nach Japan, rund 6 % der US-Exporte. Europa exportiert nur ca 2,3 % seiner Gesamtexporte nach Japan.

Das japanische Energienetz ist zu 25 % von der Atomkraft abhängig, rund 8 % betrifft die vier aktuell stillgelegten Kraftwerke. Fukushima 1 wird voraussichtlich nie mehr ans Stromnetz gehen. Manche Fabriken verfügen übrigens über eigene Kraftwerke und sind daher vom öffentlichen Stromnetz nicht abhängig.

Wenn man all diese Fakten zusammenrechnet so kann man einerseits sehen, dass eine Verringerung der Exporte Japans sehr schnell durch Substitutionen durch andere Länder kompensiert werden. Es kann zwar zwischenzeitlich, vor allem in der Elektronik- oder Autoindustrie, zu Lieferengpässen kommen, diese sind jedoch temporär. Die Schäden in Japan selbst beschränken sich auf eine wirtschaftlich nicht so bedeutende Region, Investitionen in den Wiederaufbau der Infrastruktur sollten kurzfristig sogar für Stimuli sorgen.

Die internationalen Auswirkungen sind daher, entgegen der menschlichen Schicksale, nicht so bedeutend und ein Crash an den Märkten daher auch nicht angebracht. Doch jene Marktteilnehmer, welche in Angst agieren kümmern sich nicht um Fakten…

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Martin Mikulik

Große Katastrophen und deren Wahrnehmung
von Martin Mikulik, geschrieben am 17.03.2011 15:28

Man darf ein Leid niemals gegen ein anderes Leid aufwiegen. Das ist ja grundsätzlich richtig. Jedoch ist mir im Zuge der Vorkommnisse der letzten Tage immer öfter die kritische Frage gestellt worden, wie ich in Anbetracht der Situation in Japan an die wirtschaftliche Entwicklung und an die Auswirkung für die Märkte denken kann. Ist das pietätlos?

Derzeit rechnet man mit über 10.000 Opfern durch das Beben und den Tsunami alleine - Strahlenopfer sind derzeit noch keine zu beklagen. Die Bilder aus der Region bestürzen uns sehr, vor allem auch die Atomgefahr ist, durch das Trauma aus dem Jahr 1986, viel stärker in der Wahrnehmung der Bürger.

Wenn man sich aber beispielsweise nur die Verkehrsstatistik ansieht, kann man erkennen, dass jährlich weltweit mehr als 1 Mio Menschen dem Straßenverkehr direkt zum Opfer fallen (indirekte Opfer noch gar nicht mitgerechnet). Allein in Brasilien sterben täglich rund 100 Personen, was in Summe über 36.000 Todesopfer ausmacht - und das jährlich. Die Anzahl an Hungertoten möchte ich erst gar nicht erwähnen.

Es spielen sich also tagtäglich auf der Welt Tragödien ab, die teilweise sogar noch größere Opferzahlen mit sich ziehen, ohne dass jemand davon Notiz nimmt. Nur große Katastrophen bzw. das Schicksal einer kleineren, für den Menschen fassbareren Anzahl von Menschen (wie beispielsweise das Grubenunglück in Chile), berühren uns und werden in den Medien verbreitet.

Wenn mir also jemand vorwirft, wie ich in der aktuellen Situation an Dinge wie Wirtschaft oder Marktverhalten denken kann, dann halte ich das für puren Zynismus.

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Michael Müller

Österreicher werden ist schwer - Finanzberater um so mehr...
von Michael Müller, geschrieben am 12.03.2011 17:31

Letztens konnte ich auf der PRESSE-Homepage auszugsweise die Fragen beantworten, die Aspiranten auf die Österreichische Staatsbürgerschaft positiv bewältigen müssen. Ich gestehe es gleich, obwohl hier geboren und ein echter Patriot konnte ich nur ein Ergebnis von 70% erzielen. Dies demonstriert wohl eindrücklich den Sinn dieses „Österreicher-Test“, nämlich jene, die drinnen sind, wollen nicht, dass zu Viele nachkommen - aber das ist wohl keine neue Erkenntnis…

Vielleicht zweifeln jetzt noch manche an meiner Intelligenz? Nun gut, hier einige Beispiele für Ihren Selbsttest: Wer war der erste gewählte Bundespräsident: Renner, Körner, Schärf…? Wann wurde die Europäische Menschenrechtskonvention in den Verfassungsrang erhoben: 1918, 1964, 1985? Natürlich gibt es auch leichte Fragen, wie die Wasserversorgung Wiens (Hochquellwasser) oder die vier Besatzungsmächte nach dem zweiten Weltkrieg, mit denen man sich wieder Selbstbewusstsein holt…

Aber der Klassiker war dann das Zusatzgebiet für jenes Bundesland in welchem man leben möchte: Wussten Sie was das „rote Wien“ ist oder wie viele Wohnungen in Wien während der Zwischenkriegszeit gebaut wurden? Also wie gesagt, ich schaffte nur 70% und unter 50% heißt es wieder zurück ins Herkunftsland…

Ähnlich spannend würde ich mir auch die Testergebnisse vorstellen, wenn wir alle nochmals zur Führerscheinprüfung antreten müssten?! Aber ganz sicher bin ich mir über eine verbreitet negative Testquote, wenn alle Gewerbescheininhaber (Vermögensberater, Kreditvermittler, Versicherungsmakler etc.) nochmals zur Befähigungsprüfung antreten müssten…

Ich bezweifle ganz stark, dass die Mehrheit der Kollegen wirklich noch fachlich auf der Höhe ist. Dies lässt sich am besten daran messen, wie stark die Alteingesessenen gegen den Neuzugang von jungen (gut ausgebildeten) Kollegen opponieren. Die gängigen Ausbildungsplätze sind nun mal die großen Finanzvertriebe, wo mittlerweile auch regelmäßige Fachschulungen und staatlich anerkannte Befähigungsnachweise zum guten Ton gehören. Manche „alte“ Kollegen kommen da mit ihren tradierten Weisheiten nicht mit und haben, außer kostenfreie Produktschulungen, wohl schon lange nicht mehr in Ihre Fachausbildung - auch finanziell - investiert...

Ein bestätigendes Erlebnis hatte ich bei einer Konferenz der Versicherungsmakler Österreichs, anlässlich des Alpbach-Forums, wo heftig für einen strengen Ausbildungsnachweis neuer Kollegen argumentiert wurde. Mein Vorschlag bei dieser Gelegenheit mit diesem neuen Fragenkatalog auch die bestehende Maklerschaft zu „screenen“ führte zu Todesstille im Saal und Blicken in meine Richtung, bei denen ich mich wundere, dass ich nun - Monate danach - überhaupt schmerzfrei gehen kann…

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Josef Obergantschnig

Banken haben die Krise längst verdaut ...
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 11.03.2011 11:37


Während viele Nationalstaaten nach wie vor mit den Auswirkungen der Finanzkrise kämpfen, haben Banken diese schon längst hinter sich gelassen. Die Summe der Marktkaptitalisierung des weltweiten Bankensektors ist seit dem Krisenjahr 2008 von USD 4,2 Billionen auf USD 7,1 Billionen (per 31.12.2010) gestiegen. Das entspricht einer Wertsteigerung von knapp 70%. Allerdings konnten noch nicht alle Verluste wettgemacht werden (die Marktkapitalisierung betrug per 31.12.2007 immerhin USD 8,7 Mrd.). In Anbetracht der immensen Verluste, die in vielen Bankbilanzen verdaut werden mussten, grenzt das fast an ein Wunder. Die Banken wiesen im Jahr 2010 durchschnittlich eine Eigenkapitalrentabilität nach Steuern von 9,60% auf. Das Vorkrisenniveau war zwar mit 14,8% im Jahr 2007 noch höher, allerdings ist in naher Zukunft nicht davon auszugehen, dass diese Werte wieder erreicht werden. Dafür sind die „Nachbeben“ der Finanzkrise noch zu groß. Auch die künftigen „Bremseffekte“ durch die kommenden Kapitalvorgaben nach Basel III dürften sich hierbei auswirken.

Eines noch am Rande. Die größte Bank der Welt nach Marktkapitalisierung bleibt die chinesische ICBC (Marktkapitalisierung ca.USD 233 Mrd.). Auffallend ist, dass es mittlerweile vier chinesische Vertreter in die Top-10 geschafft haben. Zudem haben bereits 11 der weltweit 30 größten Institute ihren Sitz in Schwellenländern. Auch in dieser Analyse werden die globalen „Umschichtungen“ durchaus augenscheinlich.

Es ist aber nicht alles Eitel-Wonne-Sonnenschein. Die Ratingagentur Fitch schätzt das Risiko für eine Bankenkrise in China temporär hoch ein. Fitch sieht laut Richard Fox (Leitender Direktor bei Fitch London) ihm Rahmen eines Bloomberg-Interviews „das Risiko von Löchern in der Bilanz, falls die Immobilienblase platzt“. Beunruhigend ist, dass dieser Indikator, der seit 2005 im Einsatz ist, bereits auf die Krisen in Island und Irland hingewiesen hat. Allerdings hat der Indikator bei spanischen Banken nicht Alarm geschlagen.

Chinesische Banken haben in den vergangenen Jahren durch eine rekordhohe Kreditvergabe unter einem staatlichen Konjunkturprogramm wesentlich dazu beigetragen, die Immobilienpreise in die Höhe zu treiben. Das Kreditwachstum lag in den Jahren 2008 und 2009 bei durchschnittlich 18,6%. In Anbetracht der globalen Verflechtungen und des sukzessiven Aufstiegs Chinas in den vergangen Jahren kann man nicht mehr von einem „Peripherie-Problem“ ausgehen. Es bleibt zu hoffen, dass sich da nichts zusammenbraut …

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Stefan Winkler

Chancen und Aufgaben der Schwellenländer
von Stefan Winkler, geschrieben am 11.03.2011 11:29

Kaum zuvor übten Schwellenländer eine derart große Faszination auf Investoren aus, wie in den letzten Monaten und Jahren. Das verwundert wenig, denn fast jedes Problem, das die Märkte derzeit beschäftigt, können diese scheinbar mühelos lösen.

Sie sorgen sich um steigende Rohstoffpreise? Viele Schwellenländer sind bekanntlich äußerst reich an Erzen, Gas, Öl und Edelsteinen. Oder machen Sie sich Sorgen um die durchgängig hohe Staatsverschuldung der Industriestaaten? Nun, solch hohe Verschuldungsquoten sucht man in Argentinien & Co vergeblich. Und wo erwarten wir Wirtschaftswachstum? Wenn, dann wohl genau in jenen Staaten und nicht in Japan, Belgien oder Kanada. Oder sind Sie anderer Meinung?

Der Markt ist es jedenfalls nicht! Wie sind die enormen Kursanstiege philippinischer, vietnamesischer oder kasachischer Anleihen sonst erklärbar? Bis auf wenige Ausnahmen sind die Risikoprämien der Emerging Market Anleihen enger als jene von Belgien. Dies ist aber nur gerechtfertigt, wenn sich eine Entwicklung über die wirtschaftliche Prosperität hinaus vollzieht.

Wir haben Renditeniveaus erreicht, die nicht nur gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen, sondern auch ein hohes Maß an politischer Stabilität benötigen. Im Gegensatz zu entwickelten Ländern waren Zahlungsausfälle oder Restrukturierungen in Schwellenländern nichts Außergewöhnliches. Dieses Risiko wurde dem Investor durch höhere Risikoaufschläge abgegolten. Nun ist das nicht mehr der Fall.

Wir müssen also hoffen, dass in den Schwellenländern die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch für stabilere politische Rahmenbedingungen sorgen. Dies wird nur möglich sein, wenn die Verteilung des hoffentlich wachsenden Wohlstands breiter und ausgewogener wird. Das kann, muss aber nicht mit einer zunehmenden Demokratisierung einher gehen.

Auf jeden Fall gilt es, die weitere Entwicklung gut zu beobachten. Denn wenn die strukturellen Verbesserungen zu lange auf sich warten lassen, ist zu befürchten, dass im Markt die Einschätzung dieser sehr populären Asset Kategorie zu optimistisch ist.

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