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Stefan Winkler

Chancen und Aufgaben der Schwellenländer
von Stefan Winkler, geschrieben am 11.03.2011 11:29

Kaum zuvor übten Schwellenländer eine derart große Faszination auf Investoren aus, wie in den letzten Monaten und Jahren. Das verwundert wenig, denn fast jedes Problem, das die Märkte derzeit beschäftigt, können diese scheinbar mühelos lösen.

Sie sorgen sich um steigende Rohstoffpreise? Viele Schwellenländer sind bekanntlich äußerst reich an Erzen, Gas, Öl und Edelsteinen. Oder machen Sie sich Sorgen um die durchgängig hohe Staatsverschuldung der Industriestaaten? Nun, solch hohe Verschuldungsquoten sucht man in Argentinien & Co vergeblich. Und wo erwarten wir Wirtschaftswachstum? Wenn, dann wohl genau in jenen Staaten und nicht in Japan, Belgien oder Kanada. Oder sind Sie anderer Meinung?

Der Markt ist es jedenfalls nicht! Wie sind die enormen Kursanstiege philippinischer, vietnamesischer oder kasachischer Anleihen sonst erklärbar? Bis auf wenige Ausnahmen sind die Risikoprämien der Emerging Market Anleihen enger als jene von Belgien. Dies ist aber nur gerechtfertigt, wenn sich eine Entwicklung über die wirtschaftliche Prosperität hinaus vollzieht.

Wir haben Renditeniveaus erreicht, die nicht nur gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen, sondern auch ein hohes Maß an politischer Stabilität benötigen. Im Gegensatz zu entwickelten Ländern waren Zahlungsausfälle oder Restrukturierungen in Schwellenländern nichts Außergewöhnliches. Dieses Risiko wurde dem Investor durch höhere Risikoaufschläge abgegolten. Nun ist das nicht mehr der Fall.

Wir müssen also hoffen, dass in den Schwellenländern die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch für stabilere politische Rahmenbedingungen sorgen. Dies wird nur möglich sein, wenn die Verteilung des hoffentlich wachsenden Wohlstands breiter und ausgewogener wird. Das kann, muss aber nicht mit einer zunehmenden Demokratisierung einher gehen.

Auf jeden Fall gilt es, die weitere Entwicklung gut zu beobachten. Denn wenn die strukturellen Verbesserungen zu lange auf sich warten lassen, ist zu befürchten, dass im Markt die Einschätzung dieser sehr populären Asset Kategorie zu optimistisch ist.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.winkler@securitykag.at

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Josef Obergantschnig

Das BIP als „Wohlstandsindikator“?
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 01.03.2011 17:12

Das Wohlbefinden und der Wohlstand eines Landes werden oftmals an einer Kennzahl, dem Bruttoinlandsprodukt, gemessen. Der Indikator wurde in der großen Depression vom späteren Nobelpreisträger Simon Kuznets entwickelt und war damals der erste Hilfsindikator für die Wirtschaftspolitik. Im einundzwanzigsten Jahrhundert wird Innovation groß geschrieben. Umso mehr ist es verwunderlich, dass sich noch keine weiteren neuen Erkenntnisse zum Messen des Wohlstandes verankert haben.

Laut Definition entspricht das Bruttoinlandsprodukt unter anderem der Summe aller in einer Volkswirtschaft erbrachten Güter und Dienstleistungen. Aber was sagt dies über die Zufriedenheit der Menschen und die Perspektiven eines Wirtschaftsraumes aus? Was kann man aus dieser Kennzahl über die Lebensqualität eines Landes erfahren?

Um die Probleme dahingehend aufzuzeigen, möchte ich Ihnen ein paar plakative Beispiele nennen:

Nehmen wir z.B. einen Mann, der seine Haushälterin heiratet. Subjektiv empfunden wird sein Wohlbefinden sicher gestiegen sein (sonst hätte er wohl nicht geheiratet). Das BIP geht allerdings zurück, da die Leistung der Haushälterin durch die Hochzeit nicht mehr berücksichtigt wird. Einige von Ihnen werden jetzt sicher schmunzelnd feststellen, dass das „Wohlbefinden“ eines Mannes mit der Hochzeit stark abnimmt. In manchen Fällen mag das zutreffen, allerdings denke ich nicht, dass dieses Faktum „zwingend“ eintreten muss.

Ein anderes Beispiel aus dem Bereich Familie. Wenn sich eine berufstätige junge Mutter vorübergehend der Kindererziehung widmet, wirkt sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit negativ auf das BIP aus, da das Haushaltseinkommen deutlich zurückgeht. Das Wohlbefinden der Familie dürfte allerdings trotz teils schlafloser Nächte oder quirliger Baby’s (ich spreche aus eigener Erfahrung :-)) deutlich gestiegen sein.

Als letztes Beispiel möchte ich die ökologische Komponente einfließen lassen. Ein Staat könnte beispielsweise versuchen, den Unternehmen durch geringe Umweltstandards Vorteile zu verschaffen. Es wird höchstwahrscheinlich funktionieren, da lokale Unternehmen im Vergleich mit den jeweiligen Konkurrenten, die in Ländern mit höheren Standards tätig sind, von geringeren Produktionskosten profitieren. Das BIP des Landes mit den geringen Umweltstandards wird wahrscheinlich zumindest relativ steigen. Für das Wohlbefinden der Bevölkerung wird dies langfristig aber nicht zutreffen, da mit zunehmender Umweltverschmutzung die Lebensqualität deutlich zurückgehen wird.

Das BIP hat sicher seine Berechtigung und es würde auch keinen Sinn machen, die Kennzahl abzuschaffen. Gerade im Vergleich mit anderen Nationalstaaten hat sich das BIP/Kopf als Kennzahl etabliert. Für andere Analysen und Aussagen hat das BIP durchaus auch seine Berechtigung. Nichts desto trotz wäre der nächste logische Schritt, einen Indikator zu implementieren, der den Wohlstand eines Land widerspiegelt. Die Volkswirte sind also durchaus gefordert …

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at

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Michael Müller

Der Produktverkauf ist vorbei...
von Michael Müller, geschrieben am 01.03.2011 14:05

Wir beobachten schon den länger den Wandel vom „Verkäufermarkt“ hin zum „Käufermarkt“. Die Zeiten sind längst vorbei, wo es uns gelungen ist, mit tollen Prospekten und schlagenden Argumenten jeden mit dem Produkt unserer Wahl zu beglücken. Gekauft werden jetzt Produkte nur mehr wegen einem höchstmöglichen Nutzen oder einem möglichst günstigen Preis.

Sehr wohl werden aber Ideen gekauft oder Konzepte beauftragt, es wird auch Expertise honoriert und Kreativität belohnt. Immer mehr Berater und Produktanbieter erkennen diesen Trend der letzten Jahre und stellen sich darauf ein. Daraus resultiert eine neue Vielfalt an Dienstleistungen welche die Finanzbranche, alle Jahre wieder, sich neu erfinden lässt. Und es werden jene Marktteilnehmer aussortiert, die noch nach den althergebrachten Mechanismen agieren - jetzt jammern sie zwar noch aber bald werden sie verstummen.

In einem persönlichen Rückblick meiner bald drei Jahrzehnte in dieser Branche zeigt sich, dass sich immer wieder alle 3-5 Jahre Produkt- und Markttrends verändern. So erinnern wir uns an den Boom von Dachfonds ebenso wie an das breite Publikumsinteresse an Zertifikaten. Auch im Versicherungsbereich war die individuelle Fondsauswahl bei Fondspolizzen ebenso gefragt wie Absicherungsprodukte, die alle möglichen Ereignisse in einem Menschenleben pauschal absichern. Alles bewegt sich und nur die Veränderung ist verlässlich…

Kunden wollen keine Produkte, denn sie suchen eigentlich nur Antworten und Lösungen. Jene Berater, die informieren und aufklären werden Vertrauen ernten. Jene Experten die individuelle Lösungen für Einzelne oder bestimmte Zielgruppen liefern sind gefragt. Das jeweils zu Grunde liegende Produkt ist dann meist sekundär, denn auch wenn ich einen Tisch zimmern möchte brauche ich einen Plan - der Erzeuger des Hammers und der Säge ist unwichtig.

Also machen Sie sich auf die Suche nach Zielgruppen und erstellen Sie für diese individuelle Lösungen. Machen Sie sich auf die Suche nach Ratlosen oder Unwissenden und informieren sie. Und nicht vergessen: Sorgen Sie immer dafür, Ihren Expertenstatus auszubauen - deshalb muss man auch immer wieder von Ihnen lesen (Newsletter, Blogs…), hören (Podcasts) oder Sie sehen (Videoblogs). Arbeiten Sie vorrangig an dieser Positionierung und suchen Sie sich nur Produktpartner, die Sie dabei auch unterstützen…

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Dieter Rom

Der Ölpreis und die demokratische Handlungsweise der westlichen Welt
von Dieter Rom, geschrieben am 24.02.2011 12:44

Fast 57 % der Weltölreserven befinden sich im mittleren Osten. 61 % der weltweiten Ölexporte stammen aus dem mittleren Osten, Nord- und Westafrika. 59 % der weltweiten Exporte werden von der westlichen Welt absorbiert. Ca. 2 % der weltweiten Produktion stammt aus Libyen. Im Rahmen der Wirtschaftskrise ging der weltweite Energieverbrauch von 2008 auf 2009 um 1,33 % zurück. Dieser kleine Rückgang des Energieverbrauches bewirkte einen Absturz des Rohölpreises von USD 140 auf USD 40 pro Barrel. Also ein Preisrückgang von 71 %. Man sieht wie sensibel der Ölpreis auf marginale Verbrauchsänderungen reagiert. Der Produktionsausfall in Libyen entspricht in etwa dem Verbrauchsrückgang im Jahr 2009. Die westliche Welt (Politik, Wirtschaft und Privatpersonen) haben noch nicht erfasst, dass das Peak Oil schon erreicht ist. Es gibt fast keine Hinweise in der Energiepolitik (höhere Energiesteuern in den USA, Besteuerung von Flugbenzin und Treibstoffen im weltweiten Transport, Massnahmen allgemeiner Energieeffizienz/dezentrale Energieversorgung) und im Verbraucherverhalten (Mobilitätverhalten) die Abhängigkeit von Öl zu vermindern und alle Teilnehmer der Wirtschaft in Richtung Energieeffizienz zu drängen.

Die demokratischen Staaten des Westens (USA, EU, Japan) sind hier absolut abhängig von nachweislich nicht demokratischen Ländern. Autokratien in Form von Diktaturen, Monarchien und religiös inspirierten Staatsstrukturen, die weit weg von der Einhaltung der Menschenrechte stehen, werden hier im Interesse der westlichen Welt gestützt.

Wenn es nur den kurzfristigen westlichen Interessen dienlich ist, werden diese Länder in Form von finanzieller und/oder militärischer Hilfe gestützt. Man bräuchte in der UNO über keine Sanktionen gegen einzelne Länder wie den Iran diskutieren (keine Lieferung von Technologie, Einfrieren von Konten, Einreiseverbote von Politikern, Lieferung von Medikamenten etc..). Würde der Westen die mögliche Entwicklung von Demokratien in diesen Ländern unterstützen wollen, müsste er z.B. nur sämtliche Ölimporte aus dem Iran einstellen und die finanzielle Basis wäre den Regimen entzogen. Dies ist sicher eine wirksamere und friedlichere Maßnahme als diese Regime in Form von Kriegshandlungen zu stürzen oder diese militärisch zu stützen.

Wir (der Westen) sind anscheinend nicht an einem Aufbau demokratischer Strukturen interessiert, wenn es uns kurzfristige, wirtschaftliche Schmerzen (bzw. Veränderung der Strukturen) verursacht. Daher können wir davon ausgehen, dass egal, ob sich im Arabischen Raum jetzt demokratische Regierungsformen oder neue Diktaturen ausbilden, diese von der westlichen Welt gestützt werden, um den Ölfluss wieder in Gang zu bringen.

Fazit: die Länder, die einen Umstieg auf nachhaltiges Wirtschaften (Energieeffizienz) und alternative Energieversorgung rasch schaffen, werden sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch auf der Gewinnerseite stehen. Daher: Investitionen - in thermische Sanierung und erneuerbare Energien - statt Hacklerpensionen!

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Martin Mikulik

Die (Un)Wissenschaft der Berechnung von Wirtschaftsdaten
von Martin Mikulik, geschrieben am 24.02.2011 09:28

Grundsätzlich ist Inflation nichts Schlechtes. Dass der Wert des Geldes im Verhältnis zu Gütern abnimmt ist eigentlich Garant dafür, dass es auch investiert wird. Denn würde das Gegenteil passieren, nämlich Deflation, dann würde der Wert von Waren und Güter im Verhältnis zum Bargeld sinken und somit die Konsumenten dazu bewegen, kein Geld auszugeben. Japan kann davon ein Lied singen und wehrt sich schon seit Jahren gegen die Deflation.

Doch was ist Inflation eigentlich. Die Feststellung der Inflation richtet sich nach einem möglichst repräsentativ zusammen gestellten Warenkorb eines Durchschnittskonsumenten. Nun sehen wir schon, dass es sich um eine willkürliche Annahme handelt. Die offizielle Inflationszahl betrifft daher einen Durchschnittsmenschen, jedoch nicht jedes Individuum gleichermaßen. Die tatsächliche Auswirkung der Inflation hängt vom Konsumverhalten des Individuums ab.

Hier gibt es also bereits einen gewissen Spielraum die offiziellen Inflationszahlen zu verändern. In Japan waren im Inflationskorb bis in die 80er Jahre beispielsweise Schwarz-Weiß-Fernseher inkludiert. Dass sich diese in dieser Zeit was den Preis betrifft nicht gerade sehr positiv entwickelten versteht sich von selbst. In den USA hätte man in die Inflation gerne auch die verbesserte Qualität der Produkte in die Inflation gerechnet. Das bedeutet, dass ein Computer 2011 genau so viel kostet wie 2010, jedoch die Rechenleistung wurde besser, also wäre hier ein Preis dämpfender Faktor zu berücksichtigen.

Aber auch andere Wirtschaftsdaten werden sehr ungenau ermittelt. Man denke hier nur an die kreativ gerechneten BIP-Zahlen für Griechenland während des Euro Beitritts. Oder auch in der Arbeitslosenrate gibt es sehr unterschiedliche Berechnungsmethoden und man kann die Rate der USA nicht mit jener der EU vergleichen. Selbst Österreich hat eine von der EU abweichende Berechnungsart der Arbeitslosenrate.

Doch wie gehen wir in der Finanzwelt mit diesen Zahlen um? Wir nehmen sie für bare Münze. Exakt fließen diese Wirtschaftsdaten, ungeachtet ihrer ungenauen Berechnung, in diverseste Modelle ein. Sie beeinflussen daher in starkem Maße die Investitionsentscheidungen von Marktteilnehmern.

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Stefan Winkler

Kosmetik im Asset Management
von Stefan Winkler, geschrieben am 17.02.2011 16:52

Seriöses Auftreten, gute Rhetorik und einen schönen Chart in der Tasche; die Zutaten für ein erfolgreiches Verkaufsgespräch sind angerichtet. Jeder weiß, dass ein guter Anzug nicht die Welt kostet und Rhetorik sich gut erlernen lässt, doch wie man einen schönen Chart hinbekommt, sollten Sie auch wissen.

Dabei möchte ich gar nicht allzu sehr auf Rückrechnungen eingehen. Wenn man weiß, wie sich Kapitalmärkte verhalten, ist eine schöne Rückrechnung ein Kinderspiel. Ich persönlich lege Rückrechnungen gleich zur Seite. Aber auch tatsächlich erzielte Ergebnisse sind trügerisch, denn oft zeigen sie nur einen Teil der Wahrheit.

Dabei hielten in unserer Branche schon vor Jahren die sogenannten Wohlverhaltensregeln Einzug. Das sind verpflichtende Regeln, die unter anderem davor bewahren, dass nur die Sahnehäubchen der Wertentwicklung präsentiert werden. Diese Klassiker im Verkauf sollten also inzwischen der Vergangenheit angehören.

Doch gibt es trotzdem nach wie vor genügend Möglichkeiten, Hollywood alle Ehre zu machen. Nehmen wir als Beispiel die ausufernde Preiskultur: Es gibt Preise in allen möglichen Kategorien und Laufzeiten. Jeder schmückt sich gerne. Doch wie viele 1-jahres Gewinner haben nur das aufgeholt, was sie im Vorjahr jämmerlich verloren hatten.

Es ist aber natürlich möglich, die gesamte Historie zu prüfen. Eintagsfliegen fallen dabei sofort auf. Übrig bleibt nur, wer über Jahre gute Leistung erbracht habt. Ist das ein Gütesiegel? Nein, nicht unbedingt.

Nicht selten werden von einer Gesellschaft mehrere Fonds aufgelegt, die im Wesentlichen das gleiche Anlageuniversum abdecken. Mit jedem Fonds mehr steigt natürlich die Chance, dass alleine aus Gründen des Zufalls einer davon positiv hervorsticht. Ich konnte schon öfters beobachten, dass eine Fondsgesellschaft nicht nur einen Fonds im absoluten Spitzenfeld, sondern auch einen vergleichbaren im Bereich der größten Verlierer ausweisen musste - für mich ein Resultat einer wenig Vertrauen erweckenden Strategie. Dieser „Schönheitsfehler“ lässt sich aber ausmerzen, indem man den schlechten Fonds in den guten fusioniert, also verschwinden lässt.

Und wenn man nur mehr einen Fonds hat, der sich zudem schlecht entwickelt, ist es immer noch möglich einen neuen zu gründen und mit der Fusion des alten zumindest die schlechte Historie verschwinden zu lassen. Das klingt ein bisschen nach Verschwörungstheorie, hat aber Praxisrelevanz. So kenne ich etwa ein aktuelles Beispiel, bei dem genau dies gemacht wurde. Zusätzlich wurde noch der Name des neuen Fonds dem alten angepasst. Somit ist es nur mehr dem geübten Investor vergönnt, die wahre Historie zu erfahren.

Am Ende dieses Blogs möchte ich betonen, dass die oben genannten Maßnahmen weder illegal noch die Regel sind. Sie sind Ausprägungen im Umfeld eines harten Verdrängungswettbewerbes. Ich bin nur der Meinung, dass Sie diese auf Ihrer Suche nach einer vertrauenswürdigen Veranlagung kennen sollten.

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Martin Mikulik

Überalterung ist nicht nur ein Pensionsproblem.
von Martin Mikulik, geschrieben am 14.02.2011 15:54

In den letzten Jahren wurde immer häufiger über das Problem der Demographie gesprochen. Wir werden immer älter und haben immer weniger Kinder, das führt zu Problemen.

Bisher wurden diese Probleme in Diskussionen jedoch häufig nur mit den Pensionen in Verbindung gebracht. Dadurch, dass wir länger leben und die Einstiege in das Berufleben immer später erfolgen ergibt sich die Notwendigkeit, dass wir länger arbeiten. Nur dann ist das Pensionssystem gesichert (was ja nicht allen Politikern so klar ist, aber das ist eine andere Sache).

Mit der Diskussion der Pensionen scheint jedoch das Thema Demographie abgeschlossen. Nur wenige machen sich eigentlich Gedanken darüber, was diese Verschiebung in der Altersstruktur der Gesellschaft noch für Auswirkungen haben kann. Schauen wir nur nach Japan - jenes Land, welches die größten demographischen Probleme hat.

In Japan ist die Wirtschaft in den letzten 20 Jahren nahezu gar nicht gewachsen. Die Zinsen verharren auf extrem tiefen Niveaus und der Konsum der Japaner ist schon seit Jahren sehr sparsam. Könnte dies vielleicht die Auswirkung des Problems der Überalterung sein? Müssen auch andere Länder mit ähnlichen Problemen mit solchen schwachen Wachstumsraten rechnen?

Unsere Wirtschaftssysteme sind eigentlich darauf ausgelegt, dass immer junge Menschen nachkommen. Hersteller von Mopeds vertrauen darauf, dass es jedes Jahr wieder neue 16-jährige gibt, die sich einen fahrbaren Untersatz zulegen oder auch die Handyindustrie setzt darauf, dass es immer Jungendliche gibt, die die speziellen Features neuer Handymodelle benötigen (Stichwort Facebook oder Apps).

Was passiert jedoch, wenn die Anzahl der potenziellen Kunden stetig zurückgeht. Wenn der Pool der Älteren immer größer wird und zu wenig Jungendliche nachkommen? Die Unternehmen werden sich dieser Gruppe der Älteren zuwenden, die Produkte werden anders werden (müssen). Die Innovation wird nicht in Richtung schneller und umfangreicher gehen sondern man wird sich auf Design oder auf Anwenderfreundlichkeit spezialisieren.

Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, hat in einem Vortrag darauf hingewiesen, dass in den kommenden 10 Jahren umfangreiche Umwälzungen auf Grund dieser demographischen Veränderungen passieren werden. Er prognostiziert, dass wir unser Land im Jahr 2020 nicht mehr wieder erkennen werden und dass der Prozess der demographischen Veränderung bis ins Jahr 2060 unumkehrbar sein wird. Selbst durch Zuwanderung ist die Überalterung nicht aufzuhalten, da sie die Problematik zwar kurzfristig verringert, jedoch auch die Zuwanderer älter werden.

Es bleibt daher zu hoffen, dass sich unsere Wirtschaft besser auf diese Situation einstellen kann, denn ansonsten droht uns ein Szenario wie in Japan.

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Oliver Hann

Volkssport Steuerhinterziehung
von Oliver Hann, geschrieben am 11.02.2011 13:41

Die Causa Grasser hat das Thema Steuerhinterziehung erneut angeheizt. Die Frage ob und wieviel jemand an Steuern hinterzieht, stellt ein Entscheidungsproblem unter Risiko dar. Der Steuerpflichtige hat darüber zu entschieden, wieviel von seinem erwirtschafteten Einkommen er dem Finanzamt berichtet. Grundsätzlich können zwei Umweltzustände eintreten. Zum einen besteht die Möglichkeit, beim Hinterziehen erwischt zu werden. In diesem Fall ist einerseits das wahre Einkommen zu versteuern und andererseits eine Strafsteur F auf den hinterzogenen Betrag zu zahlen. Wird man beim Hinterziehen nicht erwischt, dann wird die Steuer vom berichteten Einkommen berechnet. Zwischen den beiden Umweltzuständen besteht ein trade off. Je wahrheitsgemäßer die Einkommensberichterstattung gegenüber der Finanzbehörde, desto niedriger ist das Nachsteuereinkommen, wenn der Steuerpflichtige nicht beim Hinterziehen erwischt wird, da die Steuerbemessungsgrundlage steigt. Dafür steigt das Nachsteuereinkommen im Fall, dass er beim Hinterziehen erwischt wird, da der hinterzogene Betrag die Basis für die Strafsteuer darstellt. Es kann gezeigt werden, dass Steuerhinterziehung unabhängig von den Präferenzen des Steuerpflichtigen rational ist, wenn nachfolgende Ungleichung erfüllt ist:

p < 1/(1+F)

p meint dabei die Wahrscheinlichkeit, beim Hinterziehen erwischt zu werden, F repräsentiert den Strafsteuersatz auf den hinterzogenen Betrag. In den entwickelten Ländern werden jährlich zwischen ein und zwei Prozent der Steuerpflichtigen geprüft. Dieser Prozentsatz stellt somit auch eine Obergrenze für die Wahrscheinlichkeit des „Erwischt Werdens“ dar. Die Strafsteuer beträgt in den meisten Ländern zwischen 50 und 100%. Der rechte Term der Ungleichung nimmt damit einen Wert von zumindest 0,5 an, während p maximal 0,02 beträgt. Aus den dargestellten Relationen geht hervor, dass es einen starken ökonomischen Anreiz gibt, Steuern zu hinterziehen. Möchte man das Problem in den Griff bekommen, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Drakonischere Strafen oder mehr Finanzbeamte, sodass mehr Steuerpflichtige geprüft werden können und die Aufklärungsrate steigt.

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Josef Obergantschnig

Hohes Wirtschaftswachstum „garantiert“ noch keine Outperformance…
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 10.02.2011 08:25

Es ist naheliegend, dass die makroökonomische Entwicklung - allen voran das Wirtschaftswachstum - einen entscheidenden Faktor für die Entwicklung von Aktienkursen darstellt. Der Trugschluss, dass Regionen oder Länder, die das höchste Wirtschaftswachstum aufweisen, auch die beste Performance erzielen, führt jedoch oftmals zu einem „bösen“ Erwachen. Gerade sogenannte Schwellenländer - besonders die in den Medien hochgelobten BRIC’s Staaten - boomen. Viele Produktanbieter argumentieren, dass gerade Unternehmen von dem überproportionalen Wirtschaftswachstum profitieren sollten und der gewiefte Investor mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Outperformance erzielen wird.

Im Zeitalter der Globalisierung sind die großen Unternehmen in allen wesentlichen Volkswirtschafen der Welt vertreten. Nehmen Sie z.B. Nike - der Sportartikelhersteller produziert einen Großteil der Waren bereits seit Jahren in den sogenannten Billiglohnländern und setzt die Produktpalette weltweit ab. Dadurch ist auch gewährleistet, dass das Unternehmen beispielsweise von der stark ansteigenden Binnennachfrage in China profitieren wird, da auch die Chinesen die Möglichkeit haben, auf Nike-Schuhe zurückzugreifen.

Dies möchte ich anhand der Länder Frankreich und China untermauern (Zeitraum: 1.1.1994 - 31.12.2009). Innerhalb des Berichtszeitraumes hat China ein nominelles Wirtschaftswachstum von 14,90 % p.a. erzielen können, wohingegen die französische Wirtschaft nominell lediglich um 3,30 % wuchs. Folgende Referenzindizes dienen als Berechnungsbasis:
- China Nominal GDP by Income Approach
- France GDP Level in Billion Euros Current Prices

Rückblickend betrachtet liegt die Vermutung nahe, dass chinesische Aktien eine deutlich bessere Wertentwicklung aufweisen als ihre französischen Pendants. Aber entspricht das auch wirklich der Realität?

Leider nein! Im Beobachtungszeitraum konnten folgende Renditen erzielt werden:
- MSCI China (in Lokalwährung): - 8,11 % (- 0,56 % p.a.)
- MSCI Frankreich (in Lokalwährung: + 128,71 % (+ 5,66 % p.a.)

Daher kann meiner Erfahrung nach die These widerlegt werden, dass eine boomende Volkswirtschaft zwingend zu einer Outperformance der lokalen Unternehmen führen muss …

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Stefan Winkler

Zinsangst, ein steter Begleiter
von Stefan Winkler, geschrieben am 04.02.2011 09:43

Haben Sie Angst vor steigenden Zinsen? Wenn ja, dann sind Sie damit wahrlich nicht alleine. Es gibt nur wenige Marktphasen, in denen die Marktteilnehmer das Thema Zinsrisiko sehr entspannt sahen: Angst vor Zinsanstiegen ist sozusagen ein Dauerbrenner! Das bestätigen nicht nur persönliche Erfahrungen sondern auch historische Zinskurven, deren meist steile Form diesbezügliche Rückschlüsse zulässt.

Ganz überraschend ist das nicht. Schließlich finden sich viele Investoren, die auf der Suche nach sicheren Investments sind, in Veranlagungen wie Staatsanleihen oder in Anleihen anderer Emittenten, die eine sehr vertrauenswürdige Bonität bieten. Und das größte Risiko dieser ist - ganz klar - eben das Zinsänderungsrisiko. Vor allem Anleihen mit längeren Laufzeiten sind diesem ausgesetzt und es zu ignorieren wäre unangebracht und verantwortungslos.

Es ist leider auch nicht möglich durch gezieltes Timing oder durch Prognosen dieses Risiko seriös auszuschalten. Sehr wohl kann man aber dieses Risiko streuen. Entweder, indem man das Zinsrisiko sehr bewusst auf die Schultern mehrerer Währungen verteilt, oder indem man andere Asset Kategorien miteinbezieht, die einen Teil dieser Last nehmen können.

Wenn Sie auch zu jenen gehören, die ein ungutes Gefühl haben wenn Sie das Wort Zins hören: Reden Sie doch mit dem Veranlager Ihres Vertrauens. Er sollte Ihnen zumindest Linderung verschaffen können.

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