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Ein angebissner Apfel erobert die Welt |
Viele Unternehmen haben einen Börsenwert, der höher ist als das Bruttoinlandsprodukt mancher Länder. Das gegenwärtig größte Unternehmen ist Apple, gefolgt von Exxon Mobil und Petrochina. Microsoft - langjähriger Branchenprimus rangiert „nur mehr an 9. Stelle. Das größte europäische Unternehmen ist Royal Dutch auf Plaz 10.
Wie groß sind diese Flagschiffe aber wirklich?
Apple hat gegenwärtig einen Börsenwert von 428 Milliarden USD - und das trotz der massiven Kursverluste in den vergangen Monaten. In der Spitze war der „angebissene Apfel“ rund USD 656 Milliarden wert.
Um die Größe zu untermauern, möchte ich Ihnen folgende Vergleiche nicht vorenthalten:
- Apple beschäftigt gegenwärtig 72.800 Mitarbeiter
- Der maximale Börsenwert entspricht
•1,19% des Börsenwertes aller börsenotierten Unternehmen weltweit
•3,68% des Börsenwertes aller US-Unternehmen
•dem 5,6fachen Wert aller österreichischen Unternehmen
•5% der Wirtschaftsleistung im Euroraum
- Im Jahr 2012 hat das Unternehmen USD 42 Milliarden Gewinn erwirtschaftet - das entspricht
•10% des östereichischem BIP
•knapp 50% der Staatseinnahmen Österreich
Das sind wirklich beeindruckende Zahlen. Die Produktpalette ist Kult und trendig. Wenn man sich die Entwicklung des Konzerns in den letzten 15 Jahren ansieht, wird dem Betrachter bewusst, welche Entwicklung der damals fast bankrotte Konzern genommen hat.
Abbildung 1: Börsenwert Apple Inc.
Source: Bloomberg
Der Börsenwert betrug 1997 „lediglich“ USD 3 Milliarden. Durch Innovationen wie i-Pod, i-Phone oder i-Pad haben sie die Welt revolutioniert. Und damit auch die Unternehmensbilanzen :-)
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen auch noch folgende Grafik nicht vorenthalten:
i-Phone - Aufteilung des Verkaufspreises
Quelle: Kenneth L. Kraemer, Greg Linden, Jason Dedrick (University of California, University of California, Berkely and Syracuse University (2011), Eigene Darstellung
In der sehr interessanten Studie „Capturing Value in Global Networks: Apple’s iPad and iPhone" haben die Autoren die Profiteure des i-Phones dargestellt. Vom Verkaufserlös am Ladentisch oder im Apple Shop gehen 58,5% an Apple direkt. Die Materialkosten belaufen sich auf 21,9%. Die Produktion erfolgt ausschließend in Fernost und China - es werden lediglich 1,8% des Verkaufserlöses an China (Arbeitskosten) sowie 3,5% an sonstige Länder, die an der Zusammenstellung des Kult-Telefons beteiligt sind, überwiesen.
Für uns wird damit offensichtlich, dass gerade Global Player sehr flexibel sind und sich an veränderte Rahmenbedingungen rasch anpassen. Schwellenländer weisen momentan die größten Wachstumsraten auf. Ein Anleger muss allerdings nicht unbedingt in lokale Aktien investieren, die nicht zwingend die großen Profiteure des Aufschwungs sind, sonder kann auch durch Beimischung von Global Player von diesem Boom profitieren. Im Durchschnitt erwirtschaften MSCI World Unternehmen 21% ihrer Umsätze in Schwellenländern - im Falle von Apple sind es sogar 34,26%.
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at
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Der „smarte“ Weg der Enteignung … |
Im abgelaufenen Kalenderjahr konnten nahezu alle Assetklassen eine positive Wertentwicklung aufweisen. Besonders überrascht war ich über die Entwicklung des Anleihensegments, welche trotz der niedrigen Renditen bei etwas längerer Zinsbindung sogar zweistellige Renditen erwirtschaften konnten.
Für die Investoren ist das zwar (zumindest) temporär erfreulich, allerdings ist das zukünftige Potenzial sehr eingeschränkt.
Abbildung 1: Zinslandschaft österreichischer Bundesanleihen
Quelle: Bloomberg, Security KAG
Bei Betrachtung der aktuellen Zinslandschaft wird relativ rasch klar, dass Anleger schon eine längere Zinsbindung eingehen müssen, um eine Rendite von mehr als 2% (= langfristiges Inflationsziel der EZB) zu lukrieren. Besonders offensichtlich ist, die Sparer dieses Landes bekommen das bei jedem Nachtrag am Sparbuch deutlich vor Augen geführt, dass man mit Cash nicht wirklich glücklich wird. Denn dies ist mit einem realen Geldwertverlust verbunden. In unseren Rentenmandaten versuchen wir durch strategische Positionierung auf der Zinskurve einen Mehrertrag für unsere Investoren zu erwirtschaften. Laut unserem FIXIS-Modell kann aufgrund der Steilheit der Zinskurve bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen mit einem Mehrertrag von 0,50% bis 1,00% gerechnet werden (= Abhängig von der Zinsbindungsdauer).
Aufgrund der stetig steigenden Schulden wäre es vielen Staaten nicht unrecht, wenn man die Schulden einfach „weginflationieren“ könnte. Dies hätte neben einer sanften Entschuldung auch den Vorteil, dass von Seiten der Bevölkerung mit wenig Gegenwehr zu rechnen ist, da sich nominell ja nichts ändert. Im Vergleich dazu würde beispielsweise ein Drehen an der Steuerschraube oder eine Reduzierung der Sozialleistungen nicht so widerstandslos hingenommen werden. In einigen Gesprächen habe ich immer wieder folgendes gehört:
„Was soll’s, dass die Zinsen so tief sind - 100 Euro bleiben schließlich 100 Euro!“.
Das ist zwar richtig, allerdings stellt sich natürlich die Frage, wie viel 100 Euro dann auch wirklich Wert sind? Um die Auswirkungen des Realwertverlust für den Einzelnen darzustellen habe ich eine Szenariorechnung durchgeführt, deren Ergebnis ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten möchte.
Abbildung 2: Auswirkungen Realwertverlust
Quelle: Security KAG, Eigene Berechnungen
In der Grafik habe ich Ihnen unterschiedliche Szenarien dargestellt, die einen Realwertverlust (Inflation > Rendite) von 0,5%, 1,0%, 1,5% bzw. 2,0% unterstellt. Die „realen“ Endwerte nach 40 Jahren (= ungefähre Dauer eines Arbeitslebens) schwanken zwischen EUR 45 und EUR 82. In Österreich sind viele Produkte mit einer „nominellen“ Kapitalgarantie ausgestattet. Bei einer von der EZB angestrebten Inflationsrate von 2,0% würde sich der „reale“ Wert des 100-Euro-Scheins in ca. 35 Jahren halbieren. Die Frage stellt sich nun, warum man dafür eine Kapitalgarantie einfordert und dafür auch noch etwas bezahlen muss?
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Warum die meisten Unternehmer leider dumm sind... |
Dummheit ist, immer das Gleiche zu tun, aber andere Ergebnisse zu erwarten. Als Ableitung dieses Satzes ist der provokative Blog-Titel zu verstehen. Nahezu wöchentlich lesen wir Analysen, wie der Markt der Finanzberatung zu leiden hat wobei mittlerweile auch das bisher verschonte Segment der Versicherungsmakler betroffen ist. Durch deren Konzentration auf das Sachgeschäft haben diese zwar die Finanzkrise scheinbar umschifft, allerdings sorgt nun das Fehlen von Innovation und die Überalterung der Branche für die selbst verursachte Krise.
In den letzten Jahren hat sich der Beratermarkt eindeutig reduziert und viele sprechen von einer Marktbereinigung. Eine Vielzahl von „Glücksrittern“ ist wieder in ihre ursprünglichen Berufe zurückgekehrt und die gut positionierten Berater müssen mittlerweile ungleich mehr Energie aufbringen, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Die Mehrzahl der verbliebenen Marktteilnehmer haben aber leider die Unfähigkeit zu regelmäßiger und andauernder Veränderung gemein.
"CANI - constant and never ending improvement" ist ein Begriff, den man wohl am besten mit der andauernden Arbeit an der eigenen Verbesserung übersetzen könnte. Nehmen wir dazu kurz Anleihe an großen bekannten Marken: McDonalds, IKEA, Apple, Mircrosoft, IBM oder nationale Beispiele wie BILLA, Hofer, Red Bull, GRAWE, UNIQA usw. Alle diese Marken sind seit Jahrzehnten ungeschlagen an der Spitze des Wiedererkennungswertes. Jeder kennt sie und verbindet sie mit unterschiedlichen nützlichen Eigenschaften.
Deren andauernder Erfolg wurde gerade durch laufende Veränderung hervorgerufen - das Eine bedingt sogar das Andere! Ganze Abteilungen arbeiten daran, jährlich eine Vielzahl von Innovationen und neuen Produkten zu positionieren. Ich habe das folgende plakative Beispiel schon mehrfach gebracht: Würde McDonalds immer nur den „Bic Mac“ verkaufen, hätten wir uns alle längst gelangweilt anderen Anbietern zugewandt. Gerade durch die nahezu monatlich neuen Burger-Variationen werden Kunden wieder in die Geschäfte gelockt - ordern dort aber dann doch immer wieder nur den „Big Mac“!!! Konstante Marktpositionierung hervorgerufen durch laufende Veränderung und Innovation.
Wann haben Sie ihr bestehendes Geschäftsmodell zum letzten Mal überdacht und auf neue Beine gestellt? Welche grundlegenden neuen Dienstleistungen haben Sie nach den bedeutenden Marktumwälzungen der letzten Jahre umgesetzt? Was haben Sie bereits aktiv gegen die vorhandene Verunsicherung der Kunden und den vorhandenen Investitionsstau unternommen? Sie beobachten und prüfen noch? Es läuft ja eh noch ganz gut? Na viel Spaß...
Ich mache als „Netzwerker“ seit nunmehr 12 Jahren immer das Gleiche und trotzdem jährlich was Neues! Ich organisiere Marktplätze, vernetze Finanzberater und Produktanbieter - allerdings ändern sich diese über die Jahre und werden laufend neu ausgerichtet und den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Einige wenige Events („Investmenttrends-Kongress“ in den Börsesälen oder „Investmenttrends-Symposium" in Fuschl/See) sind zwar jährliche Fixpunkte, müssen sich trotzdem laufend verbessern, um attraktiv zu bleiben. Zusätzliche Innovationen der letzten Jahre waren die Online-Plattform „Finanzberaterforum.at“ oder die Wissens-Roadshow für Kunden und Berater „Anlegerwissen.at“ und in Kürze kommt das „Finanz-TV“...
Welche neue Dienstleistung haben Sie im letzten Jahr eingeführt? Womit haben Sie Ihre Kunden neu begeistert? Marketingspezialisten sprechen davon, dass man seinen Kunden jährlich 2-3 neue(!) Stories liefern muss, um attraktiv zu bleiben. Letztendlich möchte jedes Unternehmen seinen persönlichen „Big Mac“ (=Topseller) verkaufen, aber genau deshalb muss es immer wieder neue Angebote geben, um attraktiv zu bleiben. Es ist wie in der Liebe/Beziehung, wo wir uns auch laufend neu „verkaufen“ und attraktiv halten müssen - aber das ist eine andere Geschichte...
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David gegen Goliath |
Der Waldviertler Schuhproduzent Heini Staudinger hat Probleme mit seinem Finanzierungsmodell. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) untersagt ihm per Bescheid, sein Modell einzustellen und den Kunden die Gelder rück zu überweisen, da dieses Geschäft einer Konzession bedarf. Die Solidarität in der Bevölkerung und bei den Anlegern für Herrn Staudinger ist hoch, da das Misstrauen gegen die Banken derzeit auch sehr hoch ist.
Mich erinnert diese Auseinandersetzung an den biblischen Kampf David gegen Goliath und daher ist natürlich für den David (Staudinger) eine gewissen Sympathie vorhanden. Trotzdem, in diesem Fall ist dies unangebracht. Erinnern Sie sich nur an die letzten Skandale zurück. Bei AMIS oder bei AVW war der Ruf nach der Aufsicht sehr groß und der Tenor damals war: „Wie konnten die Behörden dies nur zulassen?“ Die Anleger gingen auf die Barrikaden und klagten den Staat mit der Begründung eben, dass die Aufsicht zu wenig tätig war.
Nun, gesetzt den Fall, dass Herr Staudinger mit seinem Geschäftsmodell (was ich ihm nicht wünsche) nun doch nicht so erfolgreich ist und die Anleger ihr eingezahltes Geld doch nicht zurückbekommen - was meinen Sie wird dann der allgemeine Tenor sein? Genau - warum hat die Behörde dies denn nur zugelassen! Daher, bei aller Wertschätzung für David: in diesem Falle hat doch Goliath meine vollste Zustimmung.
In derstandard.at habe ich heute die Postings zu diesem Fall gelesen. Oftmals kam die Kritik, dass die FMA hier nur den kleinen Leuten Probleme bereitet, aber die großen Banken ungeschoren davonkommen. All jene, die in der Finanzindustrie arbeiten, können ein Lied davon singen: die Aufsicht ist aktiver denn je und es wurden (auch auf europäischer Ebene) Regelungen geschaffen, die wirklich harte Einschnitte in die bisherige Geschäftspraxis von Banken und Finanzdienstleistern bedeuten.
Wenn Sie beispielsweise die Offenlegungsverpflichtungen bei Finanzprodukten ansehen - hier bestehen Informationsverpflichtungen an den Anleger, welche einzigartig sind. Würden beispielsweise im Lebensmittelhandel ähnliche Vorschriften gelten, dann müssten die Geschäfte angeben, was der Produzent an dem Produkt verdient, was der Handel verdient, wie hoch die sonstigen Kosten (Transport, Lagerung, Werbung) sind, wie die Preisentwicklung des Produktes seit Einführung ist, was andere vergleichbare Produkte kosten und die Risikohinweise auf den Verpackungen ließen keinen Platz mehr für andere Dinge.
Es hat sich viel in der Finanzindustrie in den letzten Jahren getan. Hier zu behaupten, dass die Aufsicht bei den großen Banken und Finanzdienstleistern untätig ist, kann von der Hand gewiesen werden.
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Der Respekt an großen „Zahlen“ geht verloren … |
Wenige Minuten nach Jahreswechsel konnten sich die Republikaner und Demokraten in den USA einigen, und die von den Börsen befürchteten Auswirkungen des „Fiscal Cliff“ vermeiden. Es darf aber nicht vergessen werden, dass dies zwar vorübergehend die Wirtschaft unterstützt, da die automatisch in Kraft tretenden Sanktionen nun doch nicht umgesetzt werden müssen, allerdings die Grundprobleme nach wie vor intakt sind. Zwei elementare Gefahrenherde sind die exorbitant hohe Gesamtverschuldung und das sehr hohe Budgetdefizit. Solange dies nicht durch strukturelle Maßnahmen in den Griff bekommen wird, wird der Handlungsspielraum der Entscheidungsträger gering bleiben.
Mir fällt auf, dass viele (mich eingeschlossen) mit immer größeren Zahlen konfrontiert werden und etwas den Bezug zu deren Höhe verloren haben. Vor einigen Jahren war eine Million schon eine schier undenkbar große Zahl, die jedem seinen Respekt abgedungen hatte. Mittlerweile bewegen wir uns schon im Milliarden oder gar Billionen Bereich und ein Millionenbetrag wird häufig naserümpfend nur mehr als „Peanuts“ abgetan. Im Zuge dessen möchte ich Ihnen anhand eines Beispiels die besonderen Gefahren daraus etwas plakativer darstellen:
Die Verschuldung der USA beträgt gegenwärtig rund USD 16,5 Billionen. Seit dem Amtsantritt Barrack Obamas im Jahr 2009 ist der Schuldenstand von USD 10,6 Billionen um knapp USD 6 Billionen angestiegen. Dieser Anstieg innerhalb einer Amtsperiode ist höher als der Gesamtwert sämtlicher angehäuften Schulden von George Washington bis zu Beginn der Bill Clinton Ära. Jeden Tag steigt der Schuldenstand der USA um USD 3,5 Milliarden an. Bei rund 315 Millionen Einwohnen bedeutet dass, dass die pro Kopf Verschuldung täglich um ca. USD 11 ansteigt - auf Jahressicht bedeutet das pro Kopf immerhin USD 4.045 - das wiederum entspricht etwas mehr als 10% des Durchschnittseinkommens der Amerikaner.
Der Anstieg der Verschuldung ist zwar (für mich zumindest) beängstigend, allerdings nur eine Kehrseite der Medaille. Es muss allerdings auch hinterfragt werden, wie das aufgenommene Geld „investiert“ wurde. Im „Best-Practice“ wird das Geld in Projekte investiert, die mehr als die aufzubringende Zinslast lukrieren. Damit verbessert sich die finanzielle Situation des Kreditnehmers, obwohl die Gesamtverschuldung angestiegen ist. Dies ist beispielsweise im privaten Umfeld z.B. mit einem klassischen „Häuselbauer“-Kredit zu vergleichen. Gerade der USA würde diesbezüglich das tiefe Zinsniveau zugute kommen, welches durch das Anwerfen der Notenpresse „gefördert“ wird.
Im negativen Fall werden damit Budget-Löcher gestopft. Damit wird keine Wertschöpfung (sprich Vermögen) geschaffen. Verglichen mit dem einfachen Bürger würde dies einem Konsumkredit entsprechen. In den USA ist meiner Ansicht nach genau das das Problem. Um dies zu lösen, sind meiner Einschätzung nach strukturelle Bereinigungen zur nachhaltigen Problemlösung nötig.
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2013 - Kommt es wieder anders, als man denkt? |
Es ist wieder so weit - ein Jahreswechsel wurde vollzogen (und die Maya hatten nicht Recht - die Welt steht noch). Doch bevor ich versuche, in die Zukunft zu blicken, versetzen wir uns ein Jahr zurück - Ausblick 2012. Wie waren alle froh, dass 2011 zu Ende war, ein Jahr, welches sehr von Rückschlägen und Enttäuschungen geprägt war. Doch 2012 wird nicht besser werden - so war der allgemeine Tenor der Marktteilnehmer. Doch sie sollten Unrecht behalten. Nach der Versorgung des Marktes mit EZB Liquidität Ende 2011 und der Ankündigung des Präsidenten Draghi, genügend Mittel in die Hand zu nehmen, um einen Euro-Kollaps zu vermeiden, entpuppte sich 2012 als hervorragendes Börsenjahr.
Nun am Ende dieses Jahres blicken wir auf zweistellige Zuwachsraten bei Aktien sowie 9 - 14% bei Renten im Jahr 2012 zurück. Die Eurokrise scheint zunächst einmal überwunden und man wendet sich wieder fundamentalen Daten zu. Das Wachstum für die kommenden beiden Jahre wird äußerst gering erwartet und die Gewinnsteigerungen der Unternehmen ebenso. Viele Investoren, welche im Jahr 2012 in Cash verblieben sind (und damit viel verpassten) kaufen jetzt Anleihen bzw. Aktien in der Hoffnung, dass diese nicht 11% aber immerhin so um die 4% bringen werden (was mit Ausnahme von österreichischen und deutschen Staatsanleihen möglich sein könnte). Und man kauft Aktien, um einige Ertragsbringer im Portfolio zu haben, denn die eingepreisten Erwartungen sind scheinbar recht konservativ.
All das kann ich nur unterstreichen und ich würde hier mit den meisten Marktteilnehmern übereinstimmen. Lediglich ein Punkt stört mich an dem Ganzen. Es werden nun Investoren in gewisse Anlageklassen „gedrängt“, welche für die jeweiligen Kunden nicht geeignet sind. Es kaufen nun stockkonservative Investoren High Yield Anleihen, was zwar in geringem Ausmaß äußerst sinnvoll ist, jedoch wenn es zu viel wird, passt die Risikotangente nicht mehr. Das ist meines Erachtens das größte Risiko, denn wenn diese Investoren sich nicht mehr wohlfühlen, werden die Papiere sehr schnell ohne Rücksicht auf Verluste abgestoßen. Und das kann wieder zu Marktverunsicherung führen….
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DIE Kunden gibt es nicht - nur Zielgruppen mit unterschiedlichen Interessen |
Lesen Sie mit Vorsicht Einschätzungen von Vertriebsexperten oder Trendexperten in denen diese darlegen, was Kunden alles wünschen und benötigen. Gerne gebe ich hier den Tipp einer Zeitungsredakteurin weiter, in dem Sie jeden Trendexperten auch nach seinen Einschätzungen in der Vergangenheit fragen und bewerten sollten, denn das Problem an der Zukunft ist, dass wir diese noch nicht kennen aber die Ergebnisse der Vergangenheit können wir schonungslos messen. Dieses letzte Thema betrifft andererseits auch die sogenannten „Vertriebsexperten“, denn nur Jenen die auch selbst nachweislich wirtschaftlich Erfolg (ausser der Eigenvermarktung) haben sollten wir Glauben schenken.
Eine der am meisten verwendeten Formulierungen ist: „Die Kunden wünschen / erwarten / verlangen etc.“ Dabei wissen die wahren Experten aus der gelebten Praxis, dass es „die Kunden“ eben nicht gibt - egal in welcher Branche man mit seiner Dienstleistung oder Produkten tätig ist. Immer sind es verschiedene Zielgruppen mit zum Teil extrem unterschiedlichen Erwartungshaltungen, auch dann wenn es die gleichen Produkte und Dienstleistungen betrifft.
Ein Beispiel: Alle Bevölkerungsgruppen eines Landes, Menschen jeden Alters und jeder Einkommensstufe, egal ob Mann oder Frau, ob Landbewohner oder Städter - alle benutzen, kaufen, besitzen Autos. Natürlich ist es uns sofort klar, dass ein Landwirt aus der Südsteiermark, ein Architekt aus Wien und eine Jungfamilie mit zwei Kindern aus Tirol unterschiedliche Anforderungen an das Fahrzeug betreffend Ausstattung, Type und Funktionalität haben. Ich würde sogar behaupten, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass diese drei Zielgruppen jeweils das gleiche Fahrzeug kaufen.
Kein Autohersteller würde auf die Idee kommen nur ein Fahrzeug-Modell am Markt für alle Autofahrer positionieren zu wollen - leider agiert aber genauso die Finanzindustrie! Eine Pensionsversicherung, der ultimative vermögensverwaltende Investmentfonds und der erfahrene unabhängige Finanzberater für Jedermann - egal wie alt oder jung, ob Mann oder Frau und mit welchem wirtschaftlichen oder fachlichen Hintergrund. Warum tendieren wir gerade in der Finanzwelt gerne dazu immer die allein selig machenden, umfassenden Lösungen zu suchen? Warum agieren aber auch Berater immer noch gerne als Spezialisten für „eh Alles“?
Nehmen Sie sich ein Beispiel an den jeweils drei „Finanzberater des Jahres“ 2011 & 2012 (www.finanzberater-des-jahres.at). Alle mittlerweile sechs Preisträger stehen für eine ganz konkrete spezialisierte Dienstleistung: Der eine ist Versicherungsmakler für Ärzte und Musiker und der Andere verbindet Gesundheit, Familie und Finanzen zu einer grossen Kunden-Community. Der Eine ist Finanzierungsspezialist in enger Kooperation mit Immobilienmaklern und zwei andere Preisträger haben strenge Anforderungskriterien an ihre potentiellen Kunden, da sie nur so ihre qualitativ hochwertige Beratung bieten können.
Als themenbezogenes Vorbild soll hier der Kollege Hoppacher aus der Steiermark dienen, der früher auch immer mit der Marke „Ansprechpartner in allen Finanzfragen“ geworben hat. Seit einem Jahr hat er zusätzlich unterschiedliche Markenauftritte geschaffen, die sich mit differenzierten Internet-Auftritten und Leistungsangeboten auch an unterschiedliche Zielgruppen richten. Einerseits lukriert er neue Online-Kunden mit einer eigenen „Bauspar-Seite“ und ebenso verspricht er Hilfestellung mit einer eigenen „Finanzierungsseite“.
Die jeweiligen Zielgruppen und deren Anforderungen sind unterschiedlich, ebenso differenziert sind auch die jeweiligen Auftritte und doch steht dahinter ein und derselbe Berater und sein Team. Dieser Kollege ist intelligent genug zu erkennen, dass es den „Hoppacher-Kunden“ eben nicht gibt, sondern diese immer nur aus den unterschiedlichsten Gründen den Weg zu ihm finden können und dazu bietet er eben die verschiedensten Anlässe.
CONCLUSION: Es gibt nicht DEN KUNDEN, es gibt nicht DAS PRODUKT und es gibt nicht EINEN SPEZIALISTEN für Jedermann. Aber es gibt immer genau den einen spezialisierten Berater, der die eine passende Lösung für den einen spezifischen Kunden hat und damit diese zusammenfinden muss der erfolgreiche Verkäufer sich auf jede mögliche Zielgruppe mit unterschiedlicher Sprache und Kommunikationswege einrichten. Aber dazu im nächsten Blog mehr...
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Die Geister, die die Finanzindustrie rief |
Teil 3: Biene Maja, zukünftig und fleißig
Ich liege noch im Bett, schließlich ist ja Wochenende. Ein seltsames Summen, das meine Ohren im Halbschlaf wahrnehmen, bringt mich aus meinem gerechten Schlaf. Ich denk mir, durch diese ständigen geisterhaften Reisen habe ich mir einen Tinnitus geholt. Aber weit gefehlt. Ich sehe ein gelb-schwarzes Etwas langsam auf mich zukommen. Plötzlich sieht mich ein freundliches Gesicht an und sagt „Gemma, gemma, auf geht’s, da Goas noch“. Die Biene Maja im Steirerdialekt, unglaublich. Während ich mich anziehe, erzählt sie mir, dass sie eigentlich nur für das Jahr 2052 zuständig ist und mich eigentlich ihr Freund, der faule Willi besuchen hätte sollen. Aber nachdem sie so fleißig ist, hat sie jedes Jahr intus und der Willi ist außerdem irgendwo falsch abgeflogen. 40 Jahre hat auch der Club of Rome in die Zukunft gesehen, um die jetzige Gesellschaft ein wenig sensibler für zukünftige Generationen zu machen. Die Finanzindustrie ist da nur ein Teil davon. Vieles deutet einfach darauf hin, dass sich im Großen wie im Kleinen was ändern soll und muss. Aber natürlich hängt es vom Blickwinkel ab, von dem aus ich die Dinge betrachte. Wenn ich jetzt einer der ca. tausend Milliardäre bin, werde ich froh sein, dass Jahr für Jahr mehr und mehr Gleichgesinnte auf dieser Erde eine immer schlechter werdende Luft einatmen. Wenn ich ein Handmäher irgendwo in Afrika bin, der für 2 Tage mähen 2 Cent bekommt, kann ich nur eines machen: Mir einen Mikrokredit borgen, damit ich in ein Seminar einer dieser Milliardäre gehen kann, damit sie mir zeigen, wie ich mit Fleiß und Einsatz reich werde und ich mir die Umverteilung des Vermögens zunutze mache. Dazwischen sind die Blickwinkel ebenfalls mannigfaltig.
Ich bin etwas schroff zur lieben Maja und sage, „Sorry, aber erstens haben deine Namensvetter den Weltuntergang für 21.12.12 angekündigt und zweitens schaue ich nur bis zum Tellerrand, sprich das nächste Jahr. Alljene, die an Triskaidekaphobie leiden, haben ein schlechtes Jahr erwischt. Soviel Zukunftsforscher kann ich schon mal spielen.“ Eine Zungen zeigende Biene bezüglich des Weltuntergangs hat mich zu einer kleinen Umkehr bewogen und ich frage sie, was denn die Finanzindustrie für uns auf Lager hat, ob alles zusammenbricht oder sich alles in Wohlgefallen auflöst, sodass wir ohne Erinnerung an die Vergangenheit wieder und wieder und wieder die gleichen Fehler machen können.
Sie sieht mir in die Augen und sagt, stell dir vor, du bist Investor, ein Professioneller wohlgemerkt. Du hast Trillionen Cents an AuM (für alle Nicht-Insider, es bedeutet Assets under Management) und möchtest diese natürlich zu Trilliarden vermehren. Wie schaffst du das? Am Anleihenmarkt? Seit 30 Jahren sehen wir einen Bullenmarkt, sprich Renditen die vom 16. Stock langsam aber sicher in den Keller ziehen. Nippons Jünger sind da der negative Vorreiter für die restliche Welt. Jetzt mit dem zweiten Versuch von Abe wird die Notenbank noch mehr an die Kandare genommen. 10 Jahre zu 0,70%, ist das jetzt eine Beleidigung oder eine Okkasion? 2-3% sind im Schnitt mit einer vernünftig sicheren Vermögensveranlagung, oder auch Asset Allocation, realistisch, egal ob USD oder EUR, außer man zeigt Cojones und geht das Risiko ‚All-in‘. Wenn man viel, viel Eigenkapital eingesteckt hat, ist das unter Solvency II auch kein Problem. Aber erst muss es mal kommen. Genau wie Basel III. Aber den US-Cowboys ist das zu viel Restriktion und sie verschieben es einfach auf unbestimmte Zeit. Europa kann den Wettbewerbsnachteil nicht akzeptieren und muss auch warten. Ein ewiges Hin und Her.
Was bleibt, genau Eigenkapital Instrumente, sprich Aktien. Die mausern sich zum neuen Einkommensinstrument für institutionelle Anleger. Vom Aktienindex STOXX 600 haben schon 50% eine höhere Dividendenrendite als Anleihenrendite. Billiges Geld wird nicht für Investitionen, sondern für Aktienrückkäufe verwendet. Dazu die Nachricht noch mit Mitarbeiterabbau schmücken und schon frohlockt der Aktienkurs. 2011 haben US-Firmen für Aktienrückkäufe und Dividenden USD 650 Mrd. ausgegeben, für Investitionen hingegen USD 580 Mrd. Irgendwie ist das nicht das langfristige Unternehmertum. Steigen werden die Aktienkurse nächstes Jahr trotzdem. Schon allein wegen der Alternativlosigkeit.
Ich werd verrückt, Maja will und will mir nicht sagen, wo Renditen und Aktienkurse Ende 2013 stehen werden. Ist eh besser, sonst wird’s langweilig. Mit einem freundlichen Lächeln philosophiert sie weiter. Im Grunde ist alles miteinander verbunden. Ein Zahnrad bewegt das Nächste. Am Ende stehen die Bürger und müssen bittere Pillen schlucken. Ob Entscheidungen oder Wahlen, von denen ja einige nächstes Jahr anstehen. Nicht nur in der Finanzindustrie siegen zu oft die Interessen von wenigen über das Sinnvolle für Alle. Aus der Zukunft betrachtet gibt es zu viele Egomanen, die sich als Entscheidungsträger wie verzankte Nachbarn benehmen, bei denen gerade nebenan das Haus brennt. Sie kommen zusammen, sehen das brennende Haus. Jeder weiß, wie es zu löschen geht, aber keiner bewegt sich, bis das Haus niedergebrannt ist.
Danke Maja, aber genug philosophiert. 2013 wird also ähnlich wie 2012. Vielleicht besser, vielleicht schlechter, vielleicht wärmer. Nicht so warm wie 2052. Vielleicht zeigt das Geo Risk Research der Münchner Rück für nächstes Jahr mehr Ereignisse. 450 waren es im 1. Halbjahr 2012 (plus größere Kat. nach 30.6.12). Ich verspreche dir Maja, dass ich meine Lektion gelernt habe, und wenn es sein muss, werde ich auch offene Briefe an Entscheidungsträger schreiben, damit sich etwas ändert. Oder ich schlage die Finanzindustrie mit ihren eigenen Waffen und unterwandere ihre eigenen Lobbyisten, damit ich bald Gesetze, die zu meinen Gunsten sind, mitentscheiden kann.
Maja und ich schauen uns an und sehen einander in verschmitzt lächelnde Gesichter, die wissen, was zu tun ist…
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Seppo, Gordon, Maja und Ich wünschen allen und allinnen, je nach Glaubensrichtung, einen berauschenden Weltuntergang, ein schönes Wochenende, ein frohes Weihnachtsfest und alles Bessere für das Neue Jahr.
Fröhliche Weihnachten!, Merry Christmas!, Sretan Bozic!, Vesele bozicne praznike!, Feliz Navidad!, God Jul!, Joyeux Noël!, Vasel Koleda!, Hyvää Joulua!, Kala Christougenna!, Vrolijk Kerstfeest!, Nollaig Shona Dhuit!, Buon Natale!, Schéi Krëschtdeeg!, Wesolych Swiat!, Glædelig Jul!, Craciun fericit!, Boas Festas!, Prejeme Vam Vesele Vanoce!, Kellemes Karacsonyiunnepeket!, Vesele Vianoce!, Nixtieklek Milied tajjeb!, Linksmu Kaledu!, Prieci'gus Ziemsve'tkus!, Rõõmsaid Jõulupühi!,
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Die Geister, die die Finanzindustrie rief |
Teil 2: Gordon, der Gegenwärtige
Die Hochfinanz unserer Tage hat mit Gordon Gekko das personifizierte Aushängeschild bekommen. Niemand hat jemals, oder kann zukünftig die Hochfinanz besser repräsentieren als seine wohlgeborene Geldheit. Seine Zitate sind legendär, seine Lebensart war und ist Vorbild für eine ganze Branche. Moral hat in dieser Branche nichts zu suchen. Das gerade er mich heute aufsucht, um mich in der Gegenwart unserer Finanzindustrie ein wenig herumzuführen, braucht mich also nicht zu wundern. Anfangs wird er politisch, und erzählt mir mit einem Joker-Lächeln, dass die EU den Friedensnobelpreis bekommen hat. Ich wollt‘ ich könnte mich so freuen, wie die nordkoreanische Nachrichtensprecherin, als sie über den erfolgreichen Raketentest berichtete.
Aber um ehrlich zu sein, finde ich, dass dieser noble Preis eher Hrn. Schuman gebührt. Denn immerhin hat mit seinem Plan das Friedensprojekt EU 1951 begonnen. Die beiden ewigen Streithähne Deutschland und Frankreich haben sich mit den Benelux-Staaten und Italien zur EGKS zusammengerungen. Bravo Mr. Schuman, ich gebe ihm twelve points! Mittlerweile haben wir 27 Staaten zur EU zusammengefasst. In meiner Sprache hieß es Anfangs Europäische Gemeinschaft, die später zur Union wurde. Ein kleiner aber feiner Unterschied. Wie auch immer. Gordon fährt mit mir standesgemäß in einer Limousine nach Frankfurt, den Sitz der EZB. Unsere Gelddruckmaschine für 17 Länder innerhalb Europas. Aber den Druckjob hat sie nicht alleine gepachtet. Die amerikanische Fed, die BOJ, BOE u. SNB machen Magisches. Ja fast überirdisch verzaubern sie uns mit ihrer Flut an Banknoten. Dieses weltweite Phänomen ist selbst Gordon nicht mehr geheuer. Er wünscht sich wieder seine Zeit zurück. Aber wehe wenn sie losgelassen, dann drucken sie auf Teufel komm raus. Momentan ist es das einzige Mittel, dass die Herren Notenbanker zur Krisenbewältigung schaffen. Sie haben sich damit Zeit gekauft. Zeit für Reformen, Zeit die genutzt werden sollte. Aber wenn ich nur bis zum Tellerrand schaue, brauche ich nur Jahr für Jahr denken. Langfristanschauung hat da nichts verloren.
Egal, Hauptsache das Finanzsystem bleibt so, wie es ist. Ja keine Änderungen zulassen. Ja nicht überlegen, wie man die Wirtschaft langfristig wirklich in Gang bringt und wie man ein Finanzwesen erhält, wo nicht jeder Normalsterbliche, die dort Angestellten sogar noch unter den Politikern kategorisiert, und wie man am sichersten aus den Fängen der Plutokratie wieder herauskommt, und wie man Banken zu Dienern der Wirtschaft macht und nicht umgekehrt, und wie man all jene Banken vom Status ‚systemrelevant‘ wegbringt. Gewinnmaximierung ist eine Sache, aber in dem Fall glaube ich, ist der Weg das Ziel. Gordon macht sich wichtig und zeigt mir am Bloomberg einen Chart nach dem anderen, der nach Süden zeigt. Eintrübung pur. Ein schleichender Patschen, wie er es nennt. Langsam geht die Luft aus. Wir alle leben in einer endlichen Welt. Die Notenbanker und viele Gleichdenkende leben aber in einer Unendlichen. Aber solange uns der IWF, die Weltbank, die OECD oder wer auch immer mit Prognosen ihre Einschätzungen der Wirtschaftslage mitteilen, wissen wir, dass alles gut wird. Sie wünschen, wir spielen. Die modernen Rattenfänger, unsere Einschätzer. Egal wie und wann, der Mensch ist von seiner Art her so gestrickt, dass immer erst etwas Gravierendes passieren muss, damit etwas passiert. Selbst als die Gebrüder Lehman sich von der Finanzindustrie verabschiedet haben, wurde im Endeffekt nur heiße Luft kommentiert. Bla bla bla fasst die Statements aller Entscheider mustergültig zusammen. Zu unterschiedlich sind die Interessen. Zu stark die Lobby. Zwar nicht so stark wie die Waffen- oder die Lebensmittellobby in den USA, aber auch mächtig.
Ich und Gordon haben genug vom Geldzählen. Wir wollen was erfinden. Eine Handelsplattform, die den Handel revolutioniert, die Börsenplätze und ihre arroganten Market Maker vom Grund auf erschüttern. Aber was sehen wir, da war schon einer vor uns da. Josh Levine hat 1996 sein Programm ‚Island‘ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit Island begann ein regelrechter Kampf um Handelsvolumen. Instinet, Archipelago und viele andere haben die Gunst der Stunde genutzt. Diese Handelsplattformen waren ideal für Algorithmen basierende Handelssysteme, die immer ausgetüftelter wurden. Und mit dem technischen Fortschritt auch schneller. Wahnsinnig schnell. Bis zum ersten Flash-Crash hat es zwar noch gedauert, aber am 06.05.2010 war es dann soweit. Die Öffentlichkeit wurde auf den Hochfrequenz-Handel aufmerksam. Höher, weiter, schneller und nicht ganz faire Ordertypen sind das Markenzeichen dieses Handels. Jeder Investor ist Zweiter gegen eine Maschine, die in der Sekunde zig-tausend Orders gibt. Gegenwärtig liegen wir bei möglichen 250.000 Transaktionen pro Sekunde. Bis 2014 werden 400.000/sek. als Ziel deklariert. Das Handelsvolumen des HF-Handels wird immer größer. 60% in den USA, 40% in Europa sprechen eine deutliche Sprache. Es ist nur logisch, dass das Vertrauen in Finanzplätze durch diese Art von Handelsmaschinen nicht gerade positiv beeinflusst wird. Durch spezielle Kabel haben diese HF-Trader einen Geschwindigkeitsvorsprung über den Atlantik von 5 Millisekunden. Ein Augenzwinkern braucht 350 Millisekunden. Mit Mikrowellen soll‘s noch a bissi schneller gehen. Wow! Ein unfairer Kampf. Aber auch bei Terminator hat ein schier unbesiegbarer Gegner den kürzeren gezogen.
Wir sind wieder zu Hause.
Gordon hat sich eine Zigarre angezündet und eine gute Flasche Wein geöffnet. Beim Einschenken höre ich ein Zitat von Warren Buffett aus seinem Munde: „Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht“. Wir sinnieren noch eine Weile und genießen den Wein und die neue CD der Gruppe Mumford&Sons. Herrlich. Bei Lied Nr. 9 sitze ich alleine da. Nur ein Zettel mit der Aufschrift „der Geist der zukünftigen Finanzmärkte wird dich bald heimsuchen, gierige Grüsse Gordon“ liegt neben mir.
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Die Bank gewinnt immer? |
Vergangene Woche schon habe ich über die Rolle der Banken in den jüngsten Finanzskandalen geschrieben. Sind sie wirklich die Sündenböcke bzw. das Übel dieser Zeit? Heute möchte ich dieses Thema nochmals aufgreifen und von einer anderen Seite beleuchten: Gewinnt die Bank immer? Wenn zwei Parteien ein Swap-Agreement abschließen, so haben beide Seiten das gleiche Risiko. Es ist nicht so, wie es in den Medien und in der allgemeinen Meinung geschildert wird, dass die Banken bei Swaps immer im Vorteil sind - das Risiko ist für beide Parteien gleich. Der Swap kann für die eine oder die andere Partei gut bzw. auch schlecht laufen.
Zugegeben - die Banken verfügen über riesige Ressourcen in der Abwägung dieser Risken, aber grundsätzlich ist das Risiko für beide gleich. Wenn ich mir jedoch ansehe, dass die Banken aus diesem Risiko zumeist keine Schäden davontragen, die andere Partei (Land, Stadt oder wer auch immer) riesige Verluste einfährt, dann stellt sich mir schon die Frage, ob hier nicht grob fahrlässig gehandelt wird. Vor allem dann, wenn mit großen Underlyings bzw. hohen Geldbeträgen gehandelt wird. Kann man nun als Bank davon ausgehen, dass der Swappartner, welcher mehrere hundert Millionen EUR handelt, über das ausreichende Know-How in dieser Beziehung verfügt? Ich würde meinen ja. Oder kämen Sie auf den Gedanken, einen Autohersteller zu klagen, nur weil Ihr Auto schneller als die erlaubte Höchstgeschwindigkeit fahren kann und Ihnen das beim Kauf desselben nicht bewusst war?
In den USA ist es vielleicht anders - hier kann man Zigarettenhersteller klagen, weil man Lungenkrebs bekam oder McDonalds, weil der Kaffee zu heiß war und kein Warnschild dran war oder dass man die Katze nicht in der Mikrowelle trocknen kann. Aber in Europa sind wir hier im Rechtsverständnis etwas weiter und daher kann ich diesem Zugang nicht viel abgewinnen. Wenn also jemand Millionen mit diesen Geschäften handelt, dann kann ich nicht die Bank in die Verpflichtung nehmen. Wenn Finanzbeamte mit riesigen Kompetenzen ausgestatten sind, dann muss ich als Bank davon ausgehen, dass diese auch über die entsprechende Fachkenntnis verfügen. Im Übrigen ist das in den Kapitalanlagegesellschaften auch so - hier wird sehr streng von der Aufsicht kontrolliert, wer wann welche Geschäfte tätigt und ob sie/er die grundsätzliche Befähigung dazu hat.
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