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Michael Müller

Kunden gegen Berater - oder doch gemeinsam?
von Michael Müller, geschrieben am 04.08.2010 16:17

In den letzten Monaten lässt sich eine unangenehme Entwicklung beobachten, die besonders nach den starken Kursverlusten im letzten Jahr begonnen hat, alle Bereiche des Finanzlebens zu überschatten: Kunden und Berater agieren oft nicht mehr im gemeinsamen Interesse, sondern vereinzelt lässt sich eine Konfrontation Kunde gegen Berater feststellen.

Die Indizien sind eindeutig: Kein Produktanbieter oder Berater kann mehr irgendein Schriftstück an den Kunden verfassen, ohne dass die Risikoausschlüsse penibel aufgelistet sind. Erfahrene Anwälte raten Beratern ernsthaft, ein Kundengespräch nicht nur schriftlich zu dokumentieren, sondern am besten per Ton oder gar Video festzuhalten damit anschließend vom Kunden nicht das Gegenteil behauptet werden kann.

Andere Anwälte wieder raten Ihren Kunden, ihren Berater oder die depotführende Bank zu verklagen, wenn seine Veranlagung negative Ergebnisse erzielt hat. Die Protokolle des Schriftverkehrs oder gar Gerichtsverhandlungen lesen sich dann oft so, als ob ein im „normalen Leben“ erfahrener Geschäftsmann in Finanzfragen plötzlich zum unbedarften Kind mutiert, das von absolut Nichts eine Ahnung hat. Natürlich wollte der Kunde Erträge erzielen, aber sicher nie ein Risiko eingehen. Darüber hat der Berater nie aufgeklärt, daher müsste dieser nun den Schaden zurückzahlen.

Allgemeine Marktentwicklungen, Kurseinbrüche an den internationalen Börsen und negative Ergebnisse von selbst erfahrenen institutionellen Investoren werden dabei nicht beachtet. Stattdessen sehen Kundenanwälte und manche Richter das Investieren in Investmentfonds lieber als „Spiel ohne Risiko“: Gewinn gehört dem Kunden, ein Verlust muss ersetzt werden.

Mir ist klar, dass dieser Blog von Vielen als ungerecht empfunden wird, denn natürlich gibt es auch schlechte Berater, die Kunden wirklich zu Produkten motiviert haben, die zu deren Nachteil sind. Natürlich wurde oft schlichtweg falsch beraten (nachweislich auch von Banken) und dabei Kunden Produkte angeboten, die nicht zur persönlichen Risikoklasse passen.

Mich stört an der aktuellen Entwicklung, dass Kunden viel zu oft nicht mehr ein Vertrauensverhältnis oder eine Geschäftsbeziehung mit einem Berater, Banker oder Produktanbieter eingehen und sich dabei der Chancen aber auch Risken bewusst sind. Stattdessen kann man es vom Bundeskanzler abwärts und in vielen lauten Medien lesen: Die Banken (inkl. Finanzberater) und die Reichen sind schuld an der Krise und sollen möglichst alles zurückzahlen.

Ich mache mir keine Sorgen um die Reichen, aber sehr wohl um die Finanzwirtschaft (Banken, KAGs, Finanzberater), denn „gegen“ die Kunden geht gar nichts. Die schlechten Berater sind ohnehin schon wieder in ihre ursprünglichen Berufe zurückgekehrt, nur die Guten die noch da sind leiden unter dieser Situation.

Es ähnelt ein wenig der Situation von Frauen, die wegen schlechter Erfahrungen der Meinung sind „Alle Männer sind Schweine“. Was können wir da tun, um auch unseren Kunden zu demonstrieren, dass wir uns ernsthaft engagieren / dass wir an einer langfristigen Beziehung interessiert sind / dass wir bemüht sind positive Erlebnisse zu schaffen…

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: michael.mueller@securitykag.at

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Martin Mikulik

Krisenportfolios - aber wie verhalten sie sich in "normalen" Marktphasen
von Martin Mikulik, geschrieben am 04.08.2010 10:12

Im Zuge der Finanzmarktkrise gab es auch bei den Produktanbietern einen Shift von ertragreichen Veranlagungen zu sicheren, konservativen Strategien. Vor allem Sicherheitsportfolios, welche hohe Sicherheit bei Systemversagen bzw. Währungszusammenbrüchen das Vermögen möglichst sichern soll.

Wir stehen diesen Strategien grundsätzlich offen gegenüber, man muss dem Kunden jedoch klar machen, dass es absolute Sicherheit nicht gibt. Und, man muss auf alle Fälle beachten, wie diese sogenannten Sicherheitsportfolios in 99 % der Fälle (normale Märkte) reagieren.

Als Beispiel möchte ich hier das Sicherheitsportfolio einer Österreichischen Privatbank erwähnen. Dieses Portfolio wurde konstruiert, um vor allem einer möglichen Schuldenkrise durch Zusammenbruch eines (oder mehrerer) Staaten entgegen zu wirken. Das Portfolio beinhaltet neben Immobilien und Rohstoffe auch Aktien und Anleihen (auch aus Emerging Markets).

Dieses nun Sicherheit suggerierende Portfolio weist jedoch eine relativ hohe Volatilität in "normalen Märkten aus". So schwanken Emerging Market Anleihen (empirisch nachgewiesen) doch mit einer Volatilität von rund 15 %. Auch Rohstoffe weisen eine Volatilität von 23 % aus, Emerging Market Aktien eine Volatilität von 25 %. Bei Immobilien(aktien) liegt in Europa die Volatilität bei 16 %.

Man sieht also, dass Portfolios, welche (unter Umständen) in extremen Krisen sich gut entwickeln können in "normalen" Märkten eine hohe Schwankung aufweisen. Dies sollte Investoren klar sein, wenn solche Veranlagungen für Horrorszenarien angedacht werden.

Bei der strategischen Finanzplanung ist es daher wichtig, sich teilweise auch für solche Szenarien zu wappnen, jedoch darf man nicht vergessen, wie viel Risiko man bereit ist, auch in "normalen" Märkten einzugehen. Ein Portfolio aus Rohstoffen, Immobilien (teilweise auch Immobilienaktien), Aktien (teilweise Emerging Market Aktien) und Staatsanleihen (Emerging Markets) kann daher nicht konservativ sein.

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Josef Obergantschnig

Earning Season bisher durchaus erfreulich …
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 02.08.2010 09:25

Seit Anfang Juli ist die Berichtsaison in vollem Gange - bisher haben 700 Unternehmen des renommierten MSCI World Index, in dem Unternehmen aus entwickelten Regionen dominieren, ihre Ergebnisse veröffentlicht. Trotz der bereits hohen Gewinnerwartungen seitens der Analysten konnten rund 60% der Unternehmen die Erwartungen übertreffen, wohingegen lediglich 28% hinter den Prognosen zurückblieben. Einzig die defensiveren Sektoren Utilities und Telecom konnten nicht 100%-ig überzeugen (Details siehe Grafik).



Um einen breiten Überblick zu erhalten, empfiehlt es sich, sämtliche börsenotierten Unternehmen zu berücksichtigen. Fokussiert man sich auf Schwellenländer, zeigen sich deutlich schlechtere Ergebnisse. Gerade die „alten“ Industrienationen konnten die Analysten-Einschätzungen deutlich übertreffen, wohingegen Aktien aus den boomenden Volkswirtschaften (allen voran Emerging Asia) doch etwas hinterherhinken.



Auch das Gewinnwachstum in der Region Asia Pacific (Emerging) ist mit 13,32% deutlich im Hintertreffen. Im Vergleich dazu konnten westeuropäische Unternehmen ihre Gewinne durchschnittlich um 20,24 % respektive nordamerikanische Unternehmen sogar um 50,28% gegenüber dem Vorjahr erhöhen. In diesem Zusammenhang kommt der Globalisierung meiner Ansicht nach eine zentrale Bedeutung zu Aus diesem Grund profitieren auch Europäer und Amerikaner von hohem Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern. Die These, dass Unternehmensgewinnen in Ländern mit überproportionalen Wachstum auch überdurchschnittlich steigen, ist demnach nicht zulässig …

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Stefan Winkler

Die vollkommene Ungewissheit
von Stefan Winkler, geschrieben am 30.07.2010 16:10

Die Zukunft ist ungewiss! Oder doch nicht? Wir versuchen ständig, ihr bereits heute ihre Geheimnisse zu entlocken. Doch wie realistisch gehen wir dabei vor? Und noch interessanter ist: Wie ergeht es dem Markt?

Man muss wohl wirklich ein bisschen in die Zukunft sehen können, um eine Idee zu bekommen, wie sehr sich die Marktteilnehmer aus dem Fenster lehnen. Glücklicherweise kann ich das als Renteninvestor ein wenig. Schließlich weiß ich, wann meine Anleihen wie viel bezahlen werden. Und ich kann Ihnen sagen, meine Kollegen wetten gerne; nicht besonders offensichtlich, aber mit System. Doch was ist, wenn wir uns nicht einen einzelnen Investor, sondern die Summe aller ansehen? Können alle Marktteilnehmer falsch liegen?

Wir haben in den letzten Monaten und Jahren viel Zeit damit verwendet zu verstehen, was in Zinsmärkten vor sich geht. Und noch mehr Zeit wurde dafür verwendet nachzurechnen, ob wir wirklich richtig liegen. Das Ergebnis ist eindeutig und soll Ihnen hier nicht verwehrt werden: Die Kräfte des Zufalls sind stärker als die geballte Meinung des Marktes.

Zumindest für die hochliquiden Zinsmärkte können wir guten Gewissens behaupten: Die freien Kräfte des Marktes führen nicht zwingend zu effizienten Märkten.

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Martin Mikulik

Bankenstresstest überstanden - Feuer aus?
von Martin Mikulik, geschrieben am 30.07.2010 14:14

Der Bankenstresstest der EU wurde mit Spannung erwartet und hat eigentlich wenig Überraschendes gebracht. Kann man nun als Schluss daraus ziehen, dass die Gefahr gebannt und das Finanzsystem aus dem Gröbsten heraus ist?

Ich würde es so sehen, dass der Stresstest ein Mosaiksteinchen in diese Richtung ist, er aber auch nicht überbewertet werden soll. Beruhigend ist, dass sich die Banken im Großen und Ganzen weitere Abschreibungen leisten können ohne weiteres Eigenkapital zu benötigen. Aber man darf nicht vergessen, dass das getestete Szenario ein willkürliches Szenario ist. Es deckt daher bei Weitem nicht die Vielzahl möglicher Krisenverläufe in der Zukunft ab, denn es kann eine Krise auch anders verlaufen (Stichwort Staatspleite eines oder mehrerer EU-Staaten).

Für die Banken war der Test aber auch wichtig, da dies eine europaweite Vorgehensweise darstellt und die Banken auf eine zukünftige europäische Bankenaufsicht vorbereitet (Obwohl die Teilnahme an diesem Test in den verschiedenen Staaten unterschiedlich interpretiert wurde).

Das Finanzsystem kann daher noch nicht als gerettet betrachtet werden. Die Anleger sind daher weiterhin gut beraten, sich jene Emittenten, in die investiert wird genauer anzusehen oder zumindest das Investment eine Vielzahl unterschiedlicher Schuldner zu streuen.

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Josef Obergantschnig

Q2-Ergebnisse - der Spätsommer kann kommen …
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 26.07.2010 14:55

Die Berichtssaison für das 2. Quartal 2010 ist seit Juli voll im Gange. Bisher konnten die 262 Unternehmen, die im MSCI World gewichtet sind und damit zu den größten ihrer Zunft zählen, ein durchschnittliches Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahr von 38,53% aufweisen. Das ist schon sehr beachtlich - vor allem vor dem Hintergrund dass die globale Konjunktur im selben Berichtszeitraum, gestützt von staatlichen Impulsprogrammen und signifikanten Unterstützungsaktionen der Notenbanken, um geschätzte 4 % zulegen konnte.

Auch die Analysteneinschätzungen, die vor der Earning-Season als ambitionieren „angesehen“ wurden, konnten deutlich übertroffen werden. Knapp 70% der Unternehmen, die ihre Ergebnisse vorgelegt haben, konnten die Erwartungen übertreffen. Damit ist die These zutreffend, dass die Erholung auf breiter Front basiert und nicht lediglich auf einige wenige Ausnahmen zurückzuführen ist. Dieser Umstand wird auch durch steigende Umsätze (im Vergleich zum Vorjahr + 9,51 %) untermauert.

Es ist sicher zutreffend, dass es noch genug Probleme zu bewältigen gilt. Allen voran wird immer wieder das Auslaufen der Unterstützungsmaßnahmen der Staaten und Notenbanken von kritischen Geistern als größtes Risiko genannt. Nichts desto trotz - unter Berücksichtigung des Hausverstandes - möchte ich folgendes festhalten:

1. Aktienmärkte sind fundamental billig bewertet (im Vergleich zur eigenen Historie bzw. auch im Asset-Klassen-Vergleich).
2. Die Restrukturierungsmaßnahmen innerhalb der Unternehmen haben sich ertragsseitig in den Bilanzen manifestiert.
3. Die Konsumenten sind wieder positiver gestimmt (steigende Umsätze).
4. Die Aktienkurse notieren noch deutlich unter ihren Höchstständen.



Dies könnte sich als Gemisch herausstellen, das Aktieninvestoren in den kommenden Monaten noch viel Freude bereiten wird …

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Martin Mikulik

Achtung Konsumenten: Vieles ist nicht so wie es scheint!
von Martin Mikulik, geschrieben am 23.07.2010 12:50

Zugegeben, die Finanzbranche hat sich in den letzten Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert und das Image ist nicht das Beste. Ist das aber gerechtfertigt? Wird der Konsument nicht generell häufig in die Irre geführt bzw. manipuliert Dinge zu kaufen, die nicht ganz so sind, wie sie scheinen.

Viele Dinge, die salbungsvoll angepriesen werden sind eigentlich nicht so, wie man es erwarten würde. Nehmen wir nur in der Lebensmittelindustrie Produkte wie Süßigkeiten mit Vitaminen (sogenannte Vitaminzusätze, die der Körper nicht aufnimmt und ausscheidet) her. Der Konsument erhält den Eindruck, dass mit diesem Produkten die Quadratur des Kreises geschaffen wurde. Süßigkeiten, die auch noch gesund sind, da ja Vitamine drinnen...

Über viele Unklarheiten im Bereich Biolebensmittel möchte ich hier jetzt gar nicht schreiben bzw. über die Feinheiten im Ausweis von Lebensmittel. Die neue Regelung der Verpackungsgrößen hat auch für Möglichkeiten der Verschleierung geführt (Preis bleibt gleich, Produktinhalt wird jedoch geringer).

Ähnlich verhält es sich mit den „Statt-Preisen“. Die Konsumenten sind zu Schnäppchenjägern geworden. Es wird nur noch nach Rabatten und Ausverkäufen Ausschau gehalten. Dass zumeist niemand jemals den „Statt-Preis“ gezahlt hat und man unter Umständen dasselbe Produkt wo anders vielleicht sogar zum regulären Preis billiger erhalten könnte (ist mir bei einem Trampolin passiert), ärgert dann natürlich.

Auch in der Finanzbranche sind viele verwirrende Werbemaßnahmen bekannt. Da wird es oft mit Brutto- und Nettorendite in der Werbung nicht so genau genommen oder bei garantierten Zinsen wird die Basis der Verzinsung (eingezahlte Prämie oder Sparprämie) nicht immer ganz klar deklariert oder es wird mit Rückrechnungen beraten etc.

Der Vergleich zeigt jedoch, dass der Konsument, egal was immer er kauft, sehr sorgfältig sein muss, da die Industrie mit sehr ausgefeilten Methoden ihre Waren feilbietet. Und dass das besonders schlechte Image der Finanzbranche im Vergleich zu vielen anderen Branchen nicht ganz gerechtfertigt ist. Was jedoch nicht heißen soll, dass wir als Branche nicht weiter daran arbeiten müssen…

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Stefan Winkler

Volatile Seitwärtsmärkte - eine Bewährungsprobe
von Stefan Winkler, geschrieben am 23.07.2010 12:27

Nach der Krise mit immensen Kursrückgängen und der anschließenden eindrucksvollen Erholung dieser Assetkategorie hat sich das Bild der Aktienmärkte in den letzten Monaten gewandelt. Derzeit prägen Seitwärtsmärkte mit größeren temporären Schwankungen das Marktbild.

Während diese Entwicklung für herkömmliche Mischfonds aufgrund der Volatilität unangenehm, aber keinesfalls tragisch ist, stellt sie für Trendfolger eine echte Bewährungsprobe dar. Im ungünstigsten Falle gestaltet es sich so, dass der Trendfolger investiert ist, die Märkte fallen (mit ihm) und er dann aussteigt. Beim anschließenden Anstieg fehlt dann natürlich das Investment. Erst spät wird wieder eingestiegen - und das Spiel beginnt von vorne.

Nun sollte sich die Spreu vom Weizen trennen. Jetzt kann bewiesen werden, dass die gute Historie keine Folge der besonderen Rahmenbedingungen sondern die einer gut umgesetzten Strategie ist. In den vergangenen Jahren schien schließlich für diese Art des Investments beinahe immer die Sonne. Momentan haben wir Regen. Und die Qualität des Investments sollte immer auch in Regenzeiten gemessen werden.

Es bleibt zu hoffen, dass die Erwartungen erfüllt werden.

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Dieter Rom

Bringen die europaweiten Stresstests für Banken und die QIS 5 Studien als Vorläufer für Solvency II bei den Versicherungen die Finanzbranche ins Schwitzen?
von Dieter Rom, geschrieben am 23.07.2010 09:42

Seit der Finanzkrise steht nicht mehr

1.) die Profitabilität (möglichst hoher Gewinn und möglichst geringe Kapitalausstattung)
sondern

2.) die Stabilität (entsprechende Kapitalaustattung) im Vordergrund.

Ob man allerdings in der Finanzbranche je von Profitabilität sprechen kann (hat sprechen können) ist fraglich. Im Rahmen der Finanzkrise sind mit AIG die größte Versicherung der Welt sowie mit Citigroup die größte Bank der Welt defacto in Konkurs gegangen (die Citigroup das 2. mal - der erste Zusammenbruch war Ende der 80er Jahre).
Die großen Institute der Welt haben damit nichts zum Wohle der Wirtschaft beigetragen.

Vor diesem Hintergrund sind strengere Eigenmittelvorschriften unter Berücksichtigung der jeweiligen Geschäftsmodelle sicher sinnvoll und begrüßenswert. Die Bankwirtschaft ist hier bei der Aufarbeitung den Versicherungen schon einen Schritt voraus. Bei den Banken hat die Krise in Europa allerdings auch voll eingeschlagen, im Gegensatz zur Versicherungsbranche. Vergleicht man die Geschäftsmodelle von Banken und Versicherungen, so kann man erkennen, dass die Banken einen wesentlich höheren Leverage als Versicherungen verwenden. Bei den Versicherungen gibt es keine "Nostroveranlagungen auf Kredit" und die Struktur der Aktivseite weist im Schnitt eine wesentlich höhere Bonität auf.

Diese Stresstests sollen den Finanzinstituten vor Augen halten wie viel Risiko (sprich notwendige Eigenmittelunterlegung) ihr jeweiliges Geschäft beinhaltet und damit auch zur Verringerung allzu risikoreicher Geschäfte führen. Viele Unternehmen werden bei diesen Tests die Erfahrung machen, dass in den jeweiligen Geschäftsmodellen der benötigte Kapitaleinsatz oft nicht entsprechende risikoadjustierte Erträge bringt.

Wenn sich diese Denkweise bei Aufsicht und Finanzinstituten durchsetzt, werden wir in Zukunft ein stabileres Finanzsystem besitzen, welches seiner ursprüngliche Aufgabe (die Unterstützung der Realwirtschaft als Kreditgeber und als Übernehmer von Risiko) gerecht wird. Dies wird allerdings zu einer hoffentlich geringeren Bedeutung der Finanzwirtschaft (vor allem der Banken) in der Gesamtwirtschaft führen.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: dieter.rom@securitykag.at

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Josef Obergantschnig

Wo bleiben die „schmerzhaften“ Reformen?
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 20.07.2010 09:59

Es ist eine Binsenweisheit, dass Staaten nicht Bankrott gehen können. Das wissen wir nicht erst seit den aufkeimenden Sorge um Griechenland. Staatsbankrotte sind beinahe so alt wie die Staaten selbst und gehen bis weit in das vergangene Jahrtausend - beispielsweise Frankreich nach der französischen Revolution oder Spanien als Folge der Armada-Expedition - zurück. Auch das „sichere“ Deutschland ging im vergangenen Jahrhundert nach den verlorenen Weltkriegen 1923 und 1948 pleite. Jüngstes Beispiel ist Simbabwe - ausschlaggebend dafür war eine Inflationsrate von 100.000 %.

Staatsbankrotte sind zwar diffizil - allerdings lässt sich das „Standardmodell“ vereinfacht ausdrücken: Wirtschaftet ein Staat über seine Verhältnisse, wird ein Staatsbankrott unausweichlich. Aber wie ist es überhaupt möglich, dass ein Staat in die Pleite schlittert?

Ich habe versucht, den „Klassiker“ in einem Beispiel darzustellen: In der ersten Phase wird durch hochmütige Ausgabenvorhaben, die die Steuerkraft bei weitem übersteigen der Schuldenberg sukzessive aufgebaut. Durch den steigenden Schuldenberg steigt naturgemäß auch die Zinslast. In weiterer Folge weist die Regierung die Zentralbank an, eigene Anleihen über den Markt aufzukaufen. Finanziert wird das Ganze durch eine Geldschöpfung. Die schlauen Marktteilnehmer durchschauen das Vorhaben und fordern höhere Zinsen, um für die gestiegenen Risiken kompensiert zu werden. Die Zentralbank kauft weitere Staatsanleihen unter Pari zurück und „übertragt“ damit dem Kapitalanleger die Zeche für das schlechte Wirtschaften. Dies führt über kurz oder lang zu einer erhöhten Inflation. Im Extremszenario steigen die Angst der Gläubiger und damit verbunden auch der geforderte Zins in ungeahnte Höhen. Dadurch ist es dem betreffenden Staat nahezu unmöglich, sich über den Kapitalmarkt zu refinanzieren. Die logische Konsequenz aus diesen Vorgängen: Der Staat ist „kreditrationiert“, zahlungsunfähig und bankrott.

Europa hat versucht, das Erfolgsmodell der Deutschen Mark zu kopieren. Ziel ist es, dass alle Euroländer gemeinsam darauf achten, ihre nationalen Haushalte auszugleichen. Im Vertrag von Maastricht steht beispielsweise, dass das Budget über den Konjunkturzyklus ausgeglichen sein soll. In den vergangenen Jahren haben wir erlebt, dass wir - überspitzt formuliert - in Phasen der Hochkonjunktur ein Defizit von 3% „erwirtschaften“ konnten. In Zeiten einer Rezession ist dieses Defizit ungleich höher. Dadurch ist ein Anstieg der Verschuldung vorprogrammiert. Auch die EZB hat bereits begonnen, Staatsanleihen in großem Umfang aufzukaufen. Damit wird deutlich, dass wir uns bereits in einem fortgeschrittenen Stadium auf dem Weg zu möglichen Staatsbankrotten befinden. Daher bin ich der Meinung, dass es höchste Zeit ist, umzudenken und die nötigen, sicher auch schmerzhaften Reformen, trotz der zu erwartenden Widerstände umzusetzen, um Schlimmeres zu verhindern …

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at

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