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Wir sind Wirtschaft |
Da sitzen sie wieder und starren auf die Bildschirme oder Zeitungen. Sie warten auf gute Nachrichten aus Übersee, Frankfurt, London oder Brüssel. Und dann wenn geschrieben steht „…es geht aufwärts…“, dann können sie sich wieder gut fühlen. Dann können sie guten Gewissens wieder investieren und die Welt, das Leben und die Börsen genießen.
Aber wehe, wenn morgen die Nachrichtensprecher wieder mit sorgenvoller Miene „…von der größten Krise seit Jahrzehnten…“ sprechen, dann geht es ihnen wieder schlecht und alles wird reduziert, abgeblasen und storniert. Jede Entscheidung oder Planung wird verschoben mit dem Hinweis „…die Zeiten sind so unsicher…“ und sie setzen dann auch selbst so eine sorgenvolle Miene auf, damit es wirklich alle verstehen.
Aber man begegnet auch anderen Unternehmern, Kunden oder Machern, die lächeln einen an. Die planen, investieren und handeln. Die scharen interessierte Kunden, Partner und Mitarbeiter um sich. Menschen eben, die was bewegen und selbst wissen, was gut ist - für sie selbst und den Rest der Welt. Natürlich gehen sie wirtschaftlich sorgsam um und beachten Aufwand und Kosten - aber das haben sie immer schon gemacht, Krise hin oder her.
Schon vor einem Jahr habe ich in einem Blog geschrieben: „Die Krise macht aus Machern nun Zauderer…“ Es hat sich seit dem nichts verändert - mit dem einen Unterschied, dass die ehemaligen Macher immer noch zaudern und nicht mehr wissen, was sie wo wie einsparen und wo sie wen wann abbauen können. Die echten „Unter-Nehmer“, die handeln derweil und haben so mindestens schon ein Jahr Vorsprung. Gratuliere…
Meister-Tipp: Wo ist Deine Bestimmung? Was kannst Du wirklich gut? Wofür wirst Du von Kunden oder Auftraggebern bezahlt? Das musst Du weiter ausbauen und zur Meisterschaft bringen, dann können dich Konjunktur nicht aus der Bahn werfen. Im Gegenteil, dann machst Du deine eigene Konjunktur!
Was also tun? Ganz einfach nur auf das eigene Herz hören und den Bauch fühlen. Als Kunde selbst Entscheidungen für das eigene Geld treffen. Jenen vertrauen die man „gut riechen“ kann, die auf der „eigenen Wellenlänge“ liegen. Eigene Richtlinien aufstellen, die für mich als Kunde wichtig sind und dann den passenden Anbieter oder Berater suchen - und nicht umgekehrt. Nie mehr der Werbung, den Plakatwänden oder TV-Spots glauben…
Als Berater haben wir es noch leichter: Wir denken einfach wie Kunden! Wir fragen uns: „Würde ich bei mir kaufen?“ und „Was muss ich tun/verändern/verbessern, damit ich bei mir kaufen würde?“ Und dann, bei ehrlicher Eigenbetrachtung, kommt das heraus, was uns Spaß macht, was wir besonders gut können, wo unser Talent liegt - eben unsere Bestimmung. Und an der arbeiten wir weiter, dann können uns die in Übersee, Frankfurt, London usw. gestohlen bleiben. Wir wirtschaften dann selbst mit unseren Kunden, Partnern und Mitarbeitern. Wir sind Wirtschaft!
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: michael.mueller@securitykag.at
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Inflation, oder das Problem der Umverteilung - Teil 1 |
Obwohl derzeit der Markt in Europa keine nennenswerten Inflationssorgen kennt, taucht dieses Thema immer wieder in Diskussionen und Medien auf.
Das ist nur auf den ersten Blick verwunderlich und wohl auf die besonderen Voraussetzungen zurückzuführen, die der Veranlagungsbereich so mit sich bringt.
Schließlich ist das Thema der Vermögensverwaltung nicht ausschließlich aber sicherlich zu einem großen Teil einer Kundenschicht zuzuordnen, die nicht nur größere Besitztümer sondern auch das damit einhergehende Risiko, diese zu verlieren, ihr Eigen nennen. Und wer sogar Generationen überschreitend denkt, wird sich zu Recht wenig um die aktuelle Meinung des Marktes hierzu kümmern. Nicht selten fegten Inflationen in der Geschichte ganze Vermögen einfach hinweg.
Wir sollten uns also immer vor Augen führen, dass Inflation stets auch ein Thema der Umverteilung vom Reichen zum Armen bedeutet. Und gerade in Zeiten starker Ungleichgewichte der Verteilung scheinen die Risiken dieses Ausgleichs höher.
Doch wir dürfen auch nicht vergessen, mit welchen politischen Spannungen Inflation verbunden ist, ja verbunden sein muss. Und außerdem besteht auch die Möglichkeit ähnliche Maßnahmen der Umverteilung mittels Steuern und Subventionen viel gezielter und schonender umzusetzen.
In meinem nächsten Block werde ich mich mit dem Thema beschäftigen, welche Alternativen zur (starken) Inflation es geben kann und wie diese in der aktuellen Marktumgebung aussehen könnten.
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.winkler@securitykag.at
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Irrwege in der Krise |
Krisen gab es schon viele - und es wird auch noch viele geben. Doch in allen Krisen haben die Anleger gleich reagiert - nämlich mit Panik. Es wurden dann überhastet Transaktionen getätigt, um das Ersparte in Sicherheit zu bringen. Doch oftmals sind diese vermeintlichen Investments der Sicherheit nicht wirklich das, was die Anleger eigentlich wollen.
1. Flucht in Immobilien
Reale Werte zu kaufen sind in Zeiten von Finanzkrisen auf den ersten Blick gesehen ja sinnvoll, denn sie schützen (zumindest teilweise) vor Geldentwertung und Währungsreform. Doch risikolos sind Immobilien auch nicht. Nur ein Beispiel: Meine Großmutter hat 1978 in Graz in der Lazarettgasse eine Wohnung mit 83 qm gekauft. Der Preis damals lag bei ATS 950.000,--. Im Jahr 2005 wurde die Wohnung verkauft, und zwar zum Preis von umgerechnet ATS 800.000,-- (abzüglich Maklergebühr). Sowohl absolut als auch inflationsbereinigt ein katastrophales Anlageergebnis.
2. Flucht in Gold
Um den Unwegsamkeiten von Währungsbewegungen zu entkommen, wird vielfach auch Gold gekauft. Gold sieht gut aus, ist angreifbar und bietet Schutz vor Inflation - so der allgemeine Tenor. Stimmt aber nicht. Wenn man über die letzten Jahrzehnte den Goldpreis um die Inflation bereinigt, so hat dieser bei weitem nicht die Inflation erreicht, von einer positiven realen Rendite ganz zu schweigen. So müsste Gold heute zwischen 30 - 100 % höher notieren (je nach Betrachtung des Zeithorizonts).
3. Flucht aus dem Euro
Diese Flucht kann ich eigentlich nicht ganz verstehen. Den Euro als schwache Währung einzuschätzen kann ich nicht nachvollziehen. So hat er seit der Einführung noch immer über 20% gegenüber dem USD aufgewertet. Auch gegenüber anderen Währungen ist der EUR mittelfristig gesehen stabil. Und selbst wenn der EUR gegenüber dem USD auf 1:1 steht, dann ist 1 EUR innerhalb der EWU nach wie vor 1 EUR wert. Eine Flucht aus einer Weltwährung wie dem EUR in eine kleine Währung kann sehr teuer werden, was Inhaber von Isländischen Kronen nur bestätigen können. Denn wenn dies in großem Maße passiert, dann ist diese Währung nur mehr Spielball der Spekulanten und daher wahrscheinlich wesentlich schwankungsanfälliger als der EUR. Und eine Flucht in USD oder JPY wäre auch nicht nachvollziehbar, da beide Wirtschaftsräume ähnliche Probleme haben wie die Eurozone (Defizit, hohe Staatsverschuldung etc.)
Doch was kann man dem Anleger jetzt in dieser Phase raten? Eigentlich etwas, das wir schon sehr lange als Allheilmittel empfehlen: STREUUNG. Möglichst viele verschiedene Anlagekategorien im Portfolio zu halten (dazu zählen natürlich auch die oben genannten).
Und niemals dem Ruf der Lemminge nachgeben und panikartig auf die Prophezeiungen der Prediger des Untergangs des Finanzsystems reagieren. Denn dieser kommt, wenn überhaupt, ohne Ankündigung.
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: martin.mikulik@securitykag.at
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Ein Blick in die Glaskugel ... |
Die letzten Tage waren dadurch gekennzeichnet, dass die Wachstumsprognosen vieler Länder deutlich nach oben revidiert wurden. Die OECD erhöhte beispielsweise ihre Wachstumsprognose für Österreich für 2010 auf 1,40% respektive 2011 auf 2,30%. Nichts desto trotz haben viele Anleger Angst. Angst davor, dass die ausufernden Budgetdefizite neues Ungemach heraufbeschwören werden. Diese Angst ist sicher meiner Meinung nach nicht ganz unbegründet. Viele gehen sogar davon aus, das uns ein „verlorenes“ Jahrzehnt bevorsteht. Andere wiederum fürchten sich vor einer Hyperinflation, die sie um ihr hart Erspartes bringen und versuchen dadurch beflügelt, ihr Geld- oder Finanzvermögen in Realwerte zu tauschen. Der aktuelle Goldpreis ist dahingehend ein deutliches Indiz.
Die Sorge, dass wir alle den Gürtel etwas enger schnallen müssen, teile ich durchaus. Eine Hyperinflation - sprich das stetige Hinzufügen einer Null auf den Geldscheinen - halte ich persönlich für sehr unwahrscheinlich, da eine inflationäre Entwicklung selten ohne Unterstützung vom Arbeitsmarkt ausgeht. Zudem ist die Kapazitätsauslastung noch deutlich unter der Vollauslastung - auch von dieser Seite ist demnach kein Inflationsdruck auszumachen. Dem widerspricht allerdings, dass die Notenbanken in den vergangenen Jahren die Geldmenge in bisher ungekanntem Ausmaß erhöht haben. Skeptiker und Kritiker gehen davon aus, dass es doch ein gutes Szenario wäre, die Schulden „wegzuinflationieren“. Die These ist meiner Ansicht nach zwar schlüssig, allerdings ist es sehr schwer, die Inflationsrate zu steuern, ohne eine „Hyperinflation“ zu riskieren.
Die globalen Finanzmärkte leiden unter den politischen Unsicherheiten in Europa und haben in den vergangen Wochen deutlich an Wert eingebüßt. Auch der schwache Euro wird oft angeprangert. Uns sollte aber auch bewusst sein, dass wir in Europa sehr exportlastig sind und ein „schwacher“ Euro für unsere Exportunternehmen durchaus positiv ist, da sie dadurch einen deutlichen Preisvorteil beispielsweise gegenüber USD basierten Unternehmen erlangen. Auch die Unternehmensergebnisse im ersten Quartal 2010 waren bombastisch - die im MSCI World notierte Unternehmen konnten ihre Gewinne um durchschnittlich 163% gegenüber dem Vorjahr steigern und damit die ohnehin hohen Erwartungen der Analystenschar deutlich übertreffen. 60% aller Unternehmen, die ihre Ergebnisse in den vergangenen Wochen veröffentlichten, konnten die Prognosen übertreffen. Zudem erfolgt die Erholung auf breiter Front, da 70% aller Unternehmen ihre Gewinne steigern konnten, wohingegen lediglich 30% der Unternehmen ein negatives Wachstum aufweisen. Dieser Trend wird noch zusätzlich damit untermauert, dass auch die Unternehmensumsätze im Berichtszeitraum deutlich angestiegen sind.
Vergleicht man jetzt die Attraktivität einzelner Assetklassen, muss ich trotz der aktuell zweifelsohne vorherrschenden Probleme eine Lanze für die Aktien brechen. Vergleicht man beispielsweise die Rendite für 10-jährige deutsche Bundesanleihen - aktuell bei rund 2,70 % und nahe den historischen Tiefständen - mit der Dividendenrendite der Aktienmärkte (Dow Jones Euro Stoxx 50: 4,23%), ziehen Staatsanleihen deutlich den Kürzeren. Zudem ist anzumerken, dass die Bewertungen der Aktienmärkte aktuell durchaus attraktiv sind. Das aktuelle PE-Ratio des Euro-Stoxx-50 beträgt aktuell rund 12,50 - dies entspricht im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen einer Risikoprämie von rund 5,30%! Anleihenmärkte sind auch dadurch gekennzeichnet, dass die Renditen seit rund 20 Jahren sukzessive gesunken sind. Eines muss man sich aber bewusst sein - die historische Wertentwicklung der vergangenen Jahren wird in der Zukunft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht erreicht werden. Spitz formuliert hoffe ich, dass Anleiheninvestoren kein verlorenes Jahrzehnt bevorsteht …
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at
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Geht die Welt jetzt unter ... |
Die letzten Tage beanspruchten die Nerven der Anleger sehr. Die Aktienmärkte steigen oder fallen täglich um bis zu 10 %. Der Ölpreis fällt am 20.5.2010 von USD 71 auf USD 64 um heute am 21.5. wieder auf 70 USD anzusteigen. Der Australdollar bewegt sich innerhalb eines Tages von EUR 1,40 auf EUR 1,51.
Als Investor kann man sich hier nur fernhalten und die Nerven bewahren. Die Wirtschaft in Japan ist im 1. Quartal um 1,2 % real gewachsen und auch Deutschland konnte real um 0,2 % im 1. Quartal zulegen. Die Einkaufsmanagerindizes zeigen weltweit nach oben.
Die "Krise" im Euroraum hat zu tieferen Zinsen im gesamten EUR-Raum geführt. Der durchschnittliche Refinanzierungszinssatz für EUR Staaten ist trotz "Krise" von Juni 2009 bis heute von 4,10 % auf 3,37 % gesunken. Dies erleichtert die Refinanzierung der Schuldenberge und führt auch gleichzeitig zu deutlich günstigeren Finanzierungen für die Realwirtschaft. Verbunden mit einer erhöhten Konkurrenzfähigkeit der europäischen Wirtschaft aufgrund der Abwertung des Euro wird die Wirtschaft durchaus positiv überraschen können.
Das Wirtschaftswachstum wird aber in den nächsten Jahren, aufgrund des Konsolidierungsbedarfs nach der Finanzkrise, geringer als in der Historie ausfallen. Dass aber sämtliche europäische Unternehmen nicht mehr als ihr in der bilanzmässiges Eigenkapital wert sein sollen, kann ich langfristig nicht nachvollziehen. Dass der Ausblick für die nächsten Jahre bescheidener ist, muss aber den Marktteilnehmern wohl bekannt gewesen sein.
Betrachtet man den Datenkranz nüchtern besteht kein Grund für die derzeitigen Marktreaktionen. Die Nervosität an den Märkten wird uns wohl aber noch eine Zeit lang erhalten bleiben.
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: dieter.rom@securitykag.at
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Wirtschaftspolitik |
Zugegeben, die verantwortlichen Wirtschaftspolitiker haben es momentan nicht leicht.
Aber wie hier zur Zeit agiert wird, lässt auf Panik schließen, und das ist insbesondere für Deutschland nicht gut.
Das Verbot der Leerverkäufe europäischer Staatsanleihen und das Verbot der Absicherung über CDS’ (Credit Default Swaps) ist vielleicht eine gute Idee.
Aber warum macht Deutschland allein und für sich so einen Vorstoß? Gehören wir nicht alle zur EU? Wäre hier nicht ein koordiniertes Handeln der EU nötig? Meiner Ansicht nach wurde durch dieses rasch verabschiedete Verbot die Glaubwürdigkeit des Euro und der EU in Frage gestellt. Die Staaten handeln mal allein, dann wieder zusammen, wer soll sich da noch auskennen?
Diese Verbote könnten bewirken, dass die Unsicherheit auf den Finanzmärkten noch zunimmt. Möglicherweise gibt es Investoren, die ohne eine Absicherung in Form von CDS nicht mehr in europäische Staatstitel investieren wollen, da ihnen das eingegangene Risiko ohne Versicherung zu hoch ist.
In der Vergangenheit haben auch immer wieder Eindeckungen von Leerverkäufen dazu geführt, dass sich die Kurse nach einem Kursrutsch wieder erholt haben. Die Leerverkäufer traten als Käufer auf, um ihre leer verkauften Titel zurück zu kaufen. Wenn diese Eindeckungen ausbleiben, könnte es sein, dass zu wenig Käufer auf den Plan treten und das die Kurse negativer beeinflusst als die nun verbotenen Leerverkäufe auf höheren Kursniveaus. Die Folge wären (evt. kurzfristige) Kurscrashs, die auf potentielle Investoren sicher nicht vertrauenerweckend wirken.
Ob also das Verbot von Leerverkäufen eine gute oder schlechte Idee ist, will ich nicht beurteilen. In dieser Phase ohnehin unsicherer Märkte hätte ich aber ein koordiniertes Vorgehen der EU einem überhasteten Handeln Deutschlands jedenfalls vorgezogen.
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Ständiger Wechsel und reges Treiben in Vorstandsetagen… |
Die Wirtschaftskrise hat auch von den Vorständen ihren Tribut gefordert. Mehr als 25% aller Vorstandsvorsitzenden (CEOs) musste im deutschsprachigen Raum freiwillig oder unfreiwillig seinen Sessel räumen. Das ist ein Wert, der in der Vergangenheit noch nie erreicht wurde. Der bisherige Höchstwert lag bei 21% und wurde im Jahr 2008 erreicht. Der deutschsprachige Raum nimmt damit eine Sonderrolle ein. Laut der neuen „Global CEO-Succession“-Studie, die die Veränderungen in den Top-Positionen der 2.500 größten börsenotierten Unernehmen analysiert, liegt die europäische Wechselquote stabil bei 15% bzw. die globale Wechselquote bei 14%.
Laut der Studie sind zwei globale Trends festzustellen: Die für die Bestellung der Vorstände betrauten Aufsichtsräte greifen immer häufiger auf interne Kandidaten zurück. Allerdings wird diesen immer weniger Zeit eingeräumt, um die entscheidenden quantitativen Ergebnisse und Ziele zu erreichen. Aufgrund dessen verkürzte sich die durchschnittliche Amtszeit von 8,1 Jahre auf 6,3 Jahre. Die interne Besetzung ist auch bei einer detaillierten Analyse durchaus erfolgversprechend, da „Insider“ ex-post betrachtet eine bessere Performance erwirtschaften konnten als „externe“ Kandidaten.
Für mich wird dadurch wieder manifestiert, dass Vorstände global tätiger Unternehmen gar nicht die Zeit und Möglichkeit haben, ein nachhaltiges Wachstum zu erwirtschaften. Die beste und einfachste Möglichkeit, Kosten zu sparen ist immer noch der Personalabbau …
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at
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Staatsschuldenquotienten - ein Nachtrag |
Letzte Woche fanden Sie in unserem Newsletter einen Artikel über das Schuldenproblem in Europa. Ein interessierter Leser stellte die Frage, wie es möglich ist, dass im Fall von Portugal (Defizit von 4,11% und einem Wachstum von 3,17%) der Staatsschuldenquotient im Zeitverlauf fallen kann. Dazu muss man sagen, dass aus einem bloßen Vergleich dieser beiden Werte sich nicht sagen lässt, wohin die Reise des Staatsschuldenquotienten geht. Für Länder mit einem hohen Schuldenquotienten ist bei einer gegebenen Defizitquote die Schuldenwachstumsrate vergleichsweise klein. Insbesondere gilt, wenn der Schuldenquotient größer als 100% ist, dann ist die Schuldenwachstumsrate kleiner als die Defizitquote, bei einem Schuldenquotienten kleiner all 100% gilt entsprechend vice versa. Gemäß der Staatschuldenarithmetik gilt folgendes:
ΔB = absolute Zunahme der Staatschulden
Y = nominelle Wirtschaftsleistung
ΔB/Y = Defizitquote
B/Y = Schuldenquote
Die Wachstumsrate der Staatsschulden lässt sich dann schreiben als:
Da der Staatschuldenquotient Portugals Ende 2009 bei 76,8% lag, ist die Schuldwachstumsrate größer als 4,11% (nämlich 5,35%) und übersteigt somit das nominelle Wirtschaftswachstum von 3,17%. In diesem Fall zeigt der Staatsschuldenquotient über die Zeit zwingend einen steigenden Verlauf. In der Grafik der letzten Woche wurde der Verlauf dargestellt, wenn die Länder die österreichische Budgetdisziplin und das österreichische Wachstum aufweisen. Mit anderen Worten, würden sich die angesprochenen Problemländer an der österreichischen Wirtschaftsentwicklung der letzten 10 Jahre ein Beispiel nehmen, dann würde das Schuldenproblem in den nächsten Jahrzehnten deutlich abnehmen. Für alle 4 Länder gelten dann die in der letzten Woche getätigten Aussagen.
Werden die nationalen Werte der letzten 10 Jahre für die zukünftige Entwicklung zugrunde gelegt, so zeigt sich nur im Fall von Portugal eine deutliche Zunahme des Schuldenquotienten. Portugal würde bis zum Jahr 2027 bei einer Defizitquote von 4,11% und einem Wachstum von 3,17% Schulden in der Höhe der Wirtschaftleistung anhäufen und bis 2032 mit Griechenland gleichziehen. Italien würde nur einen minimalen Anstieg des Schuldenquotienten in den nächsten 40 Jahren erleiden (rund +3%). Griechenland könnte bei einer Defizitquote von 6,13% und einem Wachstum von 6,14% bis 2050 den Schuldenquotienten um rund 15% Punkte auf rund 100% senken. Spanien wird bis zur Mitte des Jahrhunderts unter 30% gelangen.

Die obigen Aussagen gelten nur unter der Annahme, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung der Vergangenheit auch in den nächsten Jahrzehnten fortsetzt. Ob diese auch tatsächlich eintreten wird, lässt sich wohl nur sehr schwer prognostizieren. Die den Griechen auferlegten Sparpläne könnten sich für eine derart von der Binnennachfrage abhängige Wirtschaft auch ins Gegenteil umschlagen, da sie zwar das Defizit aber zugleich auch das Wachstum empfindlich dämpfen werden. Welcher Effekt stärker ist, werden die nächsten Jahre zeigen.
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: oliver.hann@securitykag.at
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Earning-Season - Strohfeuer oder nachhaltig? |
Die Earning-Season neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Von den größten börsenotierten Unternehmen, die beispielsweise durch den renommierten MSCI World Index repräsentiert wird, haben bereits 90% der Unternehmen die Ergebnisse des 1.Quartals 2010 veröffentlicht. Durchschnittlich sind die Unternehmensgewinne um unglaubliche 142% gewachsen. 71% der Unternehmen konnten innerhalb der letzten zwölf Monate ihre Gewinne steigern, wohingegen „lediglich“ 29% einen Gewinnrückgang verzeichnen mussten. Der Schluss liegt also nahe, dass sich die wirtschaftliche Erholung auf breiter Front ausgewirkt hat. Positiv ist zudem zu erwähnen, dass knapp zwei Drittel der Unternehmen die hohen Erwartungen der Analysten übertreffen konnten.
Im Gegensatz zu den Vorquartalen wird die Erholung auch auf der Umsatzseite ersichtlich. Die Unternehmensumsätze sind innerhalb des vergangenen Jahres um 14% angestiegen. Summa Summarum kann man mit der Berichtssaison durchaus zufrieden sein. Anbei sei mir erlaubt, noch ein paar kritische Aspekte hinzuzufügen, die das Bild etwas trüben:
- Anhaltend hohe Arbeitslosenraten
- Geringe Kapazitätsauslastung der Unternehmen
- Hohe Verschuldung des US-Konsumenten (rund 15% des globalen BIP’s)
- Ergebnisse kann zu großen Teilen auf Restrukturierungsmaßnahmen und die „günstigen“ Refinanzierungskosten zurückgeführt werden
- Auslaufende fiskalpolitische Impulse (hohe Verschuldung der Staaten)
Für mich sind damit durchaus einige Tretminen ersichtlich - bleibt zu hoffen, dass ich mich täusche und uns eine nachhaltige Erholungsphase mit steigenden Aktienkursen bevorsteht …
Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at
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Eine Relativierung des Schuldenproblems |
In den letzten Wochen und Monaten wurde vehement behauptet, dass die Eurozone im Allgemeinen und einige Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien im Speziellen immer tiefer in ein Schuldenproblem geraten, dass die Stabilität der europäischen Wirtschaft erschüttern könnte. Derartige Behauptungen bedürfen einer Relativierung. Betrachtet man die Defizitquote der letzten 10 Jahre, dann ist Griechenland mit einer durchschnittlichen Neuverschuldung von 6,13% p.a. der absolute Spitzenreiter. Spanien, Portugal und Italien erreichten ein strukturelles Defizit von 1,3%, 4,11% und 3,1%. Absolut gesehen ist in den betreffenden Ländern der Schuldenstand also durchaus beträchtlich gestiegen. In Europa konnten abgesehen von Bulgarien nur die skandinavischen Länder im Durchschnitt Budgetüberschüsse erzielen und somit die Staatsschuld verringern. Man hört sehr häufig das Argument, dass Staaten auf lange Sicht nicht mehr ausgeben können als sie einnehmen, da es anderenfalls zu einer unverantwortlichen Zunahme der Schulden kommt, die zukünftige Generationen gefährdet. Schuldenfinanzierte Investitionen kommen allerdings auch zukünftigen Generationen zu Gute, es ist daher wirtschaftlich durchaus vertretbar, wenn zukünftige Profiteure sich an der Finanzierung dieser Investitionen beteiligen. Darüber hinaus vererben die heutige Generation ihren Nachkommen nicht nur die Schulden, sondern auch Forderungspapiere gegenüber dem Staat. Eine absolute Betrachtung der Staatschulden scheint ohnedies problematisch, da Schulden stets im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung des Schuldners gesehen werden müssen. Das gilt für den Staat wie für Private. Für einen Langzeitarbeitslosen ohne Aussicht auf eine zukünftige Beschäftigung kann ein Betrag von € 5000 bereits Existenz bedrohend sein während für den CEO eines mittelständischen Unternehmens mit einem hochdotierten Vorstandsvertrag dieser Betrag wohl eher kein Problem darstellt. Ähnliches gilt für Staaten. Staatsschulden müssen in Relation zur nominellen Wirtschaftsleistung gesehen werden. Italien stellt mit Stichtag Ende 2009 den Spitzenreiter in der Eurozone mit einer Verschuldungsquote von 115,8% dar, dicht gefolgt von Griechenland, das beachtliche 115,1% erreicht. Portugal ist mit 76,8% im oberen Drittel angesiedelt, während Spanien nur unbedenkliche 53,2% erreicht. Für alle 4 Länder gilt eines gemeinsam. Unterstellt man, dass sich die oben angeführten strukturellen Defizitquoten in den nächsten Jahren nicht ändern und die Länder in den kommenden Perioden das durchschnittliche nominelle Wirtschaftswachstum der letzten zehn Jahre erreichen (Griechenland 6,14%; Spanien 4,91%; Italien 2,5% und Portugal 3,17%) dann werden die Staatsschuldenquotienten in den nächsten Jahren deutlich abnehmen. Italien und Griechenland werden bis zum Jahr 2050 die Verschuldensquote deutliche unter 70% senken können, Portugal wird bis 2037 die zulässige Verschuldensgrenze laut Maastricht von 60% erreichen und Spanien wird bis zur Mitte des Jahrhunderts den Staatsschuldenquotient auf unter 50% drücken können. Die Behauptung, dass ausufernde Staatsverschuldung zu einem Kollaps der europäischen Wirtschaft führt, kann wohl eher als Panikmache verstanden werden.
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