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Stefan Winkler

Wohin mit dem vielen Geld?
von Stefan Winkler, geschrieben am 25.09.2009 13:02

Dass die Geldschleusen der Notenbanken geöffnet sind, ist kein Geheimnis. Wenn die Geldmenge derart erhöht wird - und im Gegenzug der reale Wert der umlaufenden Produkte und Güter nicht steigt - müsste doch Inflation für eine Geldentwertung sorgen, oder? Genau das Gegenteil ist aber der Fall. Wohin sickert also das ganze Geld?

Man sehe sich die Kapitalmärkte an. Obwohl Arbeitslosigkeit und geringe Kapazitätsauslastungen der Realwirtschaft und den Staaten Problem bereiten, obwohl die Anzahl der Firmenpleiten steigen, kümmert das weder den Aktien- noch den Rentenmarkt. Die Risikoprämien für Kredite sind schon wieder unter die Niveaus von vor der Lehman Pleite gesunken. Und viele Unternehmen haben die Krise noch lange nicht überstanden, was sich aber nicht auf die Aktienkursentwicklung auswirkt.

Es ist derzeit leicht für Banken sich neues Geld (zu niedrigsten Zinsen) zu verschaffen und damit auf Einkaufstour zu gehen. Schließlich sind die Anforderungen zur Hinterlegung bei den Zentralbanken kaum mehr der Rede wert. Dies verschafft den Banken eine „versteckte“ Subvention und einen Vorteil, der aber durchaus auch Sinn hat. So können die Katastrophenbilanzen verbessert und die Panik aus den Märkten genommen werden.

Doch als Ottonormalinvestor sollte man sich dies immer wieder vor Augen führen, denn zu Recht wird von den Notenbanken bereits angekündigt, dass diese Praxis nicht ewig andauern wird.

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Josef Obergantschnig

Mögliche Auswirkungen einer expansiven Geldpolitik …
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 25.09.2009 11:36

Die Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise haben viele Experten überrascht - aber ist es so „außergewöhnlich“?

Charles P. Kindelberger hat sich intensiv mit „historischen“ Finanzkrisen beschäftigt und macht innerhalb des Zeitraumes 1720 bis 1975 unglaubliche 29 Finanzkrisen aus. Grob gerechnet werden wir also alle 10 Jahre mit einer Krise konfrontiert. Der Schluss liegt also nahe, dass wir trotz aller Reformen und Ansätze auch künftig nicht in der Lage sein werden, Krisen vollkommen zu vermeiden. Es ist aber auch festzuhalten, dass sich die Welt als ganzes innerhalb des Betrachtungszeitraumes enorm weiterentwickelt hat. Der Wohlstand und die Lebenserwartung haben sich trotz aller Rückschläge deutlich erhöht.

Die Notenbanken und Regierungen haben in den vergangenen Quartalen mit einer expansiven Geldpolitik auf die Krise reagiert und die Leitzinsen auf ein historisch gesehen ungekannt tiefes Niveau gedrückt. Die Frage stellt sich nun, welche Probleme diese aggressive Vorgehensweise verursachen können?

Das größte Problem ist meiner Meinung nach das mögliche Ausufern der Inflation, die durch ein zu spätes Gegensteuern, welches beispielsweise durch ein Anheben der Leitzinsen erfolgen könnte, entstehen könnte. Zu bedenken ist allerdings, dass ein gewisser Anstieg der Inflationszahlen für die USA nicht schlecht wäre, da damit ein Teil der Auslandsschulden „weginflationiert“ werden würde. Ein Überspannen des Bogens würde das Vertrauen der Schuldner in den USD dramatisch senken. Damit würde die Fed riskieren, dass die USA mit enormen Kapitalabflüssen konfrontiert werden würde, welches wohl zu einer dramatischen Abwertung des Dollar führt. Alles in allem keine leichte Situation für Ben Bernanke …

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Martin Mikulik

Die Tücken bei Veranlagungsprodukten mit Garantien
von Martin Mikulik, geschrieben am 25.09.2009 10:24

Haben Sie in den letzten Jahren Produkte mit Garantiekonzept abgeschlossen? Vielleicht eine Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge (PZV) oder ähnliche Polizzen mit Kapitalgarantien? Die Finanzmarktkrise hat vielen dieser Garantiekonzepte arg zugesetzt. Zumeist bestehen diese Konzepte aus Risikobudgets, welche das Investment in risikoreiche Assets zulassen. Das Problem besteht allerdings darin, dass nach Aufbrauchen dieser Risikobudgets kein Risiko auf die gesamte Laufzeit des Produktes mehr eingegangen werden kann.

Bei zahlreichen Produkten ist nun dieses Risikobudget bereits aufgebraucht und der Kunde sitzt nur mehr auf einem risikolosen und somit auch ertragsschwachen Produkt - und das oft mehrere Jahre lang. Hier trennt sich somit die Spreu vom Weizen. Denn diese Garantiekonzepte sind zwar ähnlich, jedoch nicht gleich.

Als Beispiel die PZV. Zugegeben, das Produkt wurde auch vom Gesetzgeber nicht ganz optimal konzipiert. Eine Mindestaktienquote von 40 % bei 10-jähriger Laufzeit und das noch dazu in einem eher illiquiden Markt ist von vorneherein eine Quadratur des Kreises (hier sind aber gesetzliche Änderungen geplant). Aber trotzdem haben zahlreiche Marktteilnehmer Produkte kreiert. Bei vielen stellt sich nun heraus, dass durch den starken Abfall des Wiener Marktes die Risikobudgets aufgebraucht sind und daher die Aktienquote zwar noch vorhanden, jedoch de facto aus dem Portfolio abgesichert wurde. Der Kunde hat nur mehr wenig Anteil mehr an zukünftigen Anstiegen der Aktien. Fragen Sie daher Ihren Berater, wie hoch eigentlich für die restliche Laufzeit (oftmals 10 und mehr Jahre) der „echte“ nicht abgesicherte Aktienanteil in der Veranlagung ist.

Bei den von uns betreuten Anbietern werden Sie die Antwort erhalten, dass die „echte“ Aktienquote in der PZV derzeit bei rund 30 % liegt. Bei anderen Anbietern wird diese Quote weit darunter liegen (vgl. Bericht im aktuellen Magazin Format).

Zum Thema Garantie sei aber noch gesagt: Diese ist in vielen Fällen nicht notwendig. Zahlreiche Verträge werden mit einer Laufzeit von 20 Jahren und mehr abgeschlossen. Die Garantiekosten betragen rund 1 % pro Jahr, was bedeutet, dass der Kunde auf sein angespartes Kapital 20 Jahre lang pro Jahr 1 % weniger Ertrag erzielt und im schlimmsten Fall gerade mal sein eingezahltes Kapital zurück erhält, was übrigens unter Einberechnung der Inflation ein katastrophales Ergebnis wäre. Der Kunde verzichtet also auf einen großen Teil an Ertrag nur dafür, dass er eine Garantie erhält, die ihm einen realen Wertverlust von, je nach Laufzeit, zwischen 20 und 50 % „garantiert“.

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Martin Mikulik

Das G´frett mit dem Dollar
von Martin Mikulik, geschrieben am 23.09.2009 14:18

Das Leitmotiv der amerikanischen Währungspolitik hat vor über dreißig Jahren John Connally geprägt, der Finanzminister Richard Nixons: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“

Seit vielen Jahren haben die Amerikaner über ihren Verhältnissen gelebt. Um den Lebensstandard zu halten wurde auf Pump (gestützt durch immer weiter steigende Häuserpreise) in den letzten Jahren Wirtschaftswachstum generiert. Mit dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes sowie der Probleme bei den Banken ist dies nun zu Ende. Die Konsumenten müssen sparen und langsam ihre Schulden verringern. Dieses Geld fehlt jedoch dann im Konsum.

Derzeit wird dies noch durch den Staat ausgeglichen. Doch wie lange noch? Und wie wird der Staat diese aufgebauten Staatsschulden wieder rückführen?

So wie es derzeit aussieht mit Inflation. Unter Zuhilfenahme der US Notenbank FED wird derzeit weiterhin Geld ins System gepumpt. Emissionen von Staatsanleihen werden zu einem großen Teil wieder von der FED gekauft und so Geld bereit gestellt. Das alles wird zu Inflation führen. Es ist daher nicht die Frage ob, sondern vielmehr wann die Inflationsraten in den USA ansteigen werden.

Dies wird sich auch auf den Außenwert des USD auswirken, welcher weiter nach unten tendieren dürfte. Zum Leidwesen aller US Staatsanleihenbesitzer. Diese sind vor allem im asiatischen Raum zu finden. Vor allem China hat sich hier in den letzten Jahren als Käufer von US Staatsanleihen hervorgetan.


China ist eines der wenigen Länder, welches ein Währungsregime eingeführt hat, d.h. die Chinesische Währung ist nicht frei handelbar. Komisch eigentlich, dass so ein Land der WTO beitreten darf und ein so gern gesehener Handelspartner ist. Die Chinesische Währung ist auch stark unterbewertet und müsste gegenüber den Handelspartnern aufwerten. Nachdem die Währung aber nicht frei konvertierbar ist, passiert dies nicht.


China genießt also einen Sonderstatus - ob das mit dem Kauf der US Staatsanleihen und somit der Finanzierung des US-Staatshaushalts zu tun hat?

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Martin Mikulik

Alles bleibt wie es wird...
von Martin Mikulik, geschrieben am 17.09.2009 11:22

In diesen Tagen erhitzt die Diskussion über die Bonifikationen bei Investmentbanken die Gemüter. Nachdem diese mit Hilfe des Staates (des Bürgers) gerettet wurden und nun (scheinbar) wieder Gewinne verbuchen können, fallen auch wieder erfolgsabhängige Bonifikationen für die Banker an.

Jetzt stellen sich natürlich viele Menschen die Frage, ob dies denn nun gerechtfertigt ist und ob die Banken denn überhaupt aus dieser Misere gelernt haben. Der Ruf nach staatlichen Regulierungen wird laut, denn niemand scheint Lehren bzw. Konsequenzen aus den vergangenen 18 Monaten zu ziehen.

Ich würde einmal behaupten - JA und NEIN. Einerseits haben die Banken schon etwas gelernt, denn die Krise ist noch nicht verdaut und die Banken haben noch viele Hürden in ihren Bilanzen zu nehmen. Ich glaube auch, dass innerhalb der Banken die Risikosysteme weiter geschärft werden und es wahrscheinlich noch etwas zu früh ist, um die Umsetzungen schon klar sehen zu können.

Auf der anderen Seite kehrt man wieder zum alten Bonussystem zurück. Denn - ist es verwerflich, dass jemand der für ein Unternehmen große Erträge verbuchen kann dafür auch belohnt wird? Eigentlich nicht - außer, es handelt sich nicht um nachhaltige Erträge. Außer, es handelt sich zwar kurzfristig um Erträge, welche jedoch langfristig erhebliches Risikopotenzial für die Banken bedeutet. Es muss daher auch die Nachhaltigkeit in den Bonusverträgen geregelt werden.

Doch eines haben auch die Anleger in der Hand. Sinnlose Produkte mit exorbitant hohen Spesen oder Produkte mit kumulierten Risken sollten boykottiert werden. Wer nicht klar und verständlich seine Produkte erklären kann und nicht transparent die damit verbundenen Kosten auf den Tisch legt, sollte am Markt keine Chance haben. Dann wird sich die Krise nicht wiederholen. Doch das ist vielleicht nur Wunschdenken ……

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Michael Müller

Begeisterung ist unsere Pflicht
von Michael Müller, geschrieben am 15.09.2009 12:35

Kennen Sie diese Tage an denen scheinbar nichts funktioniert und alles daneben geht? Das Auto springt nicht an, zu Hause beim Frühstück gab es auch Stress, am Weg zu Ihrem ersten Termin geraten Sie gleich in einen Stau und Sie wissen, Sie werden zu spät kommen. Dann einige Minuten vor dem vereinbarten Treffpunkt ruft Ihr Kunde an und sagt den Termin ab…

Voller Frust gehen Sie in das nächste Lebensmittelgeschäft und wollen sich ein zweites Frühstück gönnen. Hinter der Theke steht eine Verkäuferin mit ernstem Gesicht, welche Sie unwirsch bedient und Sie grußlos gehen lässt. Sie wissen: „In dieses Geschäft gehe ich nicht mehr.“

Nachdem Sie dieses Geschäft wieder verlassen haben, wird die Verkäuferin von Ihrem Abteilungsleiter angesprochen, der sie fragt: „Frau Meier, ich weiß Sie haben private Probleme aber können Sie nicht ein wenig freundlich sein, wenn ein Kunde im Lokal ist?“ Worauf diese antwortet: „Nein Herr Huber ich kann mich nicht verstellen, ich möchte ehrlich sein zu meinen Kunden.“ Muss man sich also verstellen und Schauspielen, wenn man verkaufen möchte?

Nun seien wir ehrlich zu uns selbst und gestehen uns ein, dass es uns eigentlich vollkommen egal ist, wie es dem Personal hinter der Theke wirklich (persönlich, privat) geht. Wir erwarten freundlich begrüßt zu werden, zuvorkommend bedient und höflich verabschiedet zu werden. Unbewusst suchen wir sogar solche Lokale auf, wo die Bedienung am freundlichsten ist.

Genauso ergeht es auch unserem Kunden, der sogar mehr als nur einige Euro für ein Frühstück investiert, sondern manchmal sein gesamtes Vermögen oder verfügbares Sparkapital, mit unserem Rat, veranlagt. Auch der erwartet von uns zu mindestens ein Lächeln und ganz sicher Begeisterung für unsere Tätigkeit oder unser Produkt. Nur zeigen wir auch diese Begeisterung?

Lächeln Sie Ihren Kunden an, er hat es verdient. Sagen Sie nicht, heute geht es mir nicht gut und ich möchte ehrlich sein zu meinen Kunden. Ihre persönliche Befindlichkeit interessiert diesen nicht, er möchte Begeisterung für die Produkte und Dienstleistungen sehen und die Sicherheit bekommen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Das bedeutet, dass Sie als erfolgreicher Berater in der Lage sein müssen auf Knopfdruck begeistert zu sein!

Dazu ist es notwendig, dass Sie sich immer klar sind, was Sie an Ihrem Job wirklich begeistert: Ist es die freie Zeiteinteilung oder dass Sie anderen Menschen helfen können, deren finanzielle Ziele zu erreichen? Ist es die Möglichkeit des überdurchschnittlichen Verdienens oder das selbstständige Arbeiten?

Motivieren Sie sich mit einer kleinen Übung, in dem Sie auf Ihren Kalender schreiben: „Heute freue ich mich auf meine Arbeit, denn ich werde folgenden Menschen helfen…“ Besonders kreative finden für jeden Tag einen Grund und tragen dies in Ihrem Kalender ein. Los geht´s - motivieren Sie sich selbst. Ihre Mitmenschen haben es verdient!

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Manfred Zöhrer

Die Karawane zieht weiter...
von Manfred Zöhrer, geschrieben am 11.09.2009 12:21

Nach den exorbitanten Kurssteigerungen auf den größeren osteuropäischen Aktienmärkten stellen sich nun viele Long-Only Fondsmanager (mich eingeschlossen) die Frage, wie man sich für den Jahresausklang positionieren sollte.

Grundsätzlich meine ich, dass die Bewertungen ein recht ansehnliches Niveau erreicht haben, aber frisch zugeflossene Fondsgelder müssen investiert werden.

Betrachte ich nun die einzelnen Subindizes meines Investmentuniversums, meine ich zu erkennen, dass zunehmend in die kleineren, noch nicht zu stark gelaufen Titel und Märkte investiert wird. So konnte beispielsweise die Börse in Serbien in den letzten 2 Monaten um sage und schreibe knapp 45% zulegen, ein deutliches Indiz, dass die Risikoaversion stark abgenommen hat, da diese Märkte liquiditätsseitig sehr schwer zu handhaben sind und solche Positionen länger im Portfolio zu halten sind, um vor möglichen bösen Überraschungen bei kurzfristigen Marktturbulenzen gefeit zu sein.

Lange Rede kurzer Sinn, es sieht weiterhin nicht schlecht für Investoren in den osteuropäischen Emerging Markets aus. Zwar kann ich mit ziemlicher Sicherheit ausschließen, dass die Performance der letzten Monate wiederholt wird, aber die positive Grundtendenz bleibt bestehen.

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Stefan Winkler

Welches Land kann zahlen?
von Stefan Winkler, geschrieben am 11.09.2009 12:10

Wer sein Geld sicher anlegen möchte, kauft Staatsanleihen - hieß es. Damit waren natürlich Anleihen entwickelter Länder wie Deutschland, Österreich oder Frankreich gemeint. Heutzutage wird (durchaus mit Recht) vor jedes Investment ein Fragezeichen gesetzt. Können Österreich oder Irland die Schulden bezahlen? Soll man nicht doch besser auf Frankreich oder Deutschland vertrauen?

Diese Fragen beschäftigen den Markt so sehr, dass man für ein 10jähriges Investment in irische Staatsanleihen etwa 1,5% mehr erhält, als für sein Engagement in Deutschland.

Doch wie viel ist das Risiko, in Irland oder Österreich zu investieren wirklich wert? Kaum jemand hat Angst vor einem Investment in Deutschland, doch wer weiß zum Beispiel, dass die Staatsverschuldung (in% zu GDP) Irlands bei weitem unter der Deutschlands liegt. Und die Franzosen waren genauso schlampig beim Verringern der Staatsschuld, wie Österreich, dem vor allem der angloamerikanische Raum den Bankrott durch Osteuropa angedacht hatte.

Wer den Markt verfolgt wird feststellen, dass viele prognostizierte Szenarien nicht allzu gut recherchiert werden. Doch, selbst wenn eine gute Recherche vorlegt - bis jetzt ist keine Prognose bekannt, die den Zahlungsausfall eines Landes verlässlich vorhersehen kann. Ungewissheit bleibt - doch wofür hat man schließlich seinen Hausverstand?

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Stefan Winkler

Managementqualität
von Stefan Winkler, geschrieben am 03.09.2009 13:32

Kaum eine Branche ist schnelllebig, wie die Finanzbranche. Ständig ist man mit neuen Produkten und Ideen konfrontiert, ständig ändern sich die Ängste und Wünsche der Marktteilnehmer. Wer es sich zur Aufgabe macht, nachhaltiges und qualitativ hochwertiges Handwerk abzuliefern, wird in Zeiten, in denen sich die Stimmung wie das Wetter ändert, gerne übersehen.
Strategien erwachsen wie der Tang im Meer - und verschwinden wieder wie ebendieser in japanischen Küchentöpfen. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Dabei kann auch ein solides Investment glänzen - mit Performance und Zuverlässigkeit.
Doch dafür ist es notwendig, Nägel mit Köpfen zu schmieden. Wer auf die Wunderwuzzistrategie setzt, kann sein blaues Wunder erleben. In der Katerstimmung zu erkennen, dass aufs falsche Pferd gesetzt wurde, ist zu spät. Doch - welcher Nagel hat denn nun einen Kopf, und ist nicht Teil der letzten finanziellen Ruhestätte?
Es ist der Realismus! Auch wenn das Unerwartete eintritt, muss ein Investment halten können, was es versprochen hat. Der erfahrene Marktteilnehmer weiß schließlich, dass die Unsicherheit hinterm Morgen wartet.
Ein gutes Investmentkonzept plant mit der Ungewissheit und hofft nicht auf ewiges Fortbestehen verworrener Regeln.

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Michael Müller

Alpbach und die neuen Zeiten
von Michael Müller, geschrieben am 03.09.2009 09:18

Kürzlich hatte ich die Möglichkeit beim diesjährigen „Europäischen Forum Alpbach“ dabei zu sein und kurz in die „Wirtschaftsgespräche“ hinein zu schnuppern. Dabei wurde bemerkt, dass bei allen Vorträgen und Diskussionen das meist benutzte Wort „Abgrund“ war. Jeder Experte beschäftigte sich mit der Frage, wie nahe man ihm gekommen ist und ob man sich schon wieder entfernt hat. Letztendlich kreisten dann aber alle Einschätzungen vordergründig nur um die Frage, wann wieder der Normalzustand eintreten würde. Also alles wieder so wie „früher „ wird - nur das wird es wohl nie mehr werden.

Andere Beobachter wieder behaupten, Kunden sind auch nur Menschen und verändern sich daher nicht. Also Gier und Risiko wird wieder erwachen und dann werden alle Fehler der Vergangenheit nochmals gemacht. Mag sein, dass dies zur menschlichen Natur gehört und die Evolution eben stärker als Intellekt und Lernfähigkeit ist. Aber wenn sich der Mensch nicht ändert, die Umstände tun es in jedem Fall - ob der Mensch nun will oder nicht.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Art und Weise wie Kunden Kaufentscheidungen treffen laufend ändert und dass diese Entwicklung spätestens jetzt auch im Finanzbereich angekommen ist. Es wird doch niemand ernsthaft glauben, dass im 21. Jahrhundert genauso agiert und disponiert wird wie es unser Vätergeneration getan hat?!

Ein einfaches Beispiel: Vor 25 Jahren habe ich im Verkauf von Finanzprodukten begonnen, damals gab es noch keine Handy, kein Internet und E-Mail. Termine mussten Tage vorab telefonisch (das „Ding“ mit dem Kabel dran) vereinbart werden, Angebote wurden mit der Post (die arbeiten jetzt bei der Polizei) geschickt und überhaupt ging alles langsamer. Heute verwendet man kaum mehr gedruckte Prospekte, es wird nur mehr elektronisch präsentiert und meine ganzen notwendigen Informationen stecken jetzt in einem kleinen elektronischen Ding in meiner Hosentasche.

Noch ein Beispiel: Wer geht heute noch in ein Reisebüro und lässt sich für eine Städtereise beraten und hängt an den Lippen des Mitarbeiters, der von seinen eigenen tollen Erlebnissen im beschriebenen Hotel berichtet? Heute buchen wir Flüge schneller, als wir eine Pizza geliefert bekommen und Hotels werden vor der Kaufentscheidung natürlich virtuell besucht.

Auf Basis dieser Beispiele gehe ich davon aus, dass interessierte und progressive Kunden in Bälde keine Finanzprodukte mehr bei Beratern kaufen werden, diese werden nur mehr direkt im Internet geordert werden. Produkte sind wie der „Anzug von der Stange“, also vergleichbar und letztlich nur über den Preis verkaufbar. Kunden brauchen Berater zukünftig nur mehr als „Know How“-Dienstleister oder als Innovatoren, die wie individuellen Maßschneider der ausgefallen Stoffe besorgt, die es sonst nicht zu kaufen gibt.

Dies ist aber auch unsere Chance, nämlich die ausgetretenen Pfade zu verlassen und neue Wege aufzutun. Denn Jene, die hier den Kunden „Mehr Service statt mehr Produkte“ liefern, werden die Gewinner sein. Nur Wenige schaffen es hier wirklich den Kundenfokus einzunehmen - am besten man fängt bei sich selbst an: „Wie würde ich gerne serviciert werden?“, „Welche Fragen möchte ich beantwortet haben?“, „Auf welche Themen möchte ich von Beratern angesprochen werden?“…

Ein indianisches Sprichwort sagt: „Um jemanden wirklich zu verstehen, reicht es nicht gemeinsam eine (Friedens-)Pfeife zu rauchen - sondern man sollte einige Monde in den Mokassins des Anderen gegangen sein.“

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