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Stefan Winkler

Wenn der gesunde Menschenverstand trügt
von Stefan Winkler, geschrieben am 25.05.2012 11:31

Für den gesunden Menschenverstand braucht es nicht viel. Eine Portion Erfahrung, ein gutes Gefühl und die Fähigkeit, eins und eins zusammen zählen zu können - in aller Regel reicht das vollkommen. Mit gesundem Menschenverstand kommt man gut durch die Welt.

Doch so einige Wahrheiten gehen diesem Hausverstand so richtig gegen den Strich, wie etwa das mittlerweile berühmte Ziegenproblem der US-amerikanischen Spielshow "Let's Make a Deal". Diese ähnelt der damals bei uns bekannten Sendung "Geh aufs Ganze" mit dem "Zonk" als Niete (auch wenn die Lösung hier anders aussieht). Beim Ziegenproblem hat ein Kandidat die Möglichkeit, zwischen drei Toren zu wählen; eines enthält einen Hauptgewinn, die beiden anderen Nieten (Ziegen). Um die Sache besonders spannend zu machen, öffnete der Moderator nach der Entscheidung ein Tor mit einer Ziege und ermöglicht dem Kandidaten, unter den zwei verbleibenden Toren noch einmal zu wählen. Der Hausverstand suggeriert, es ist Wurst, ob wir die ursprüngliche Entscheidung noch einmal abändern - in Wahrheit steigt die Gewinnwahrscheinlichkeit aber deutlich an, wenn man seine ursprüngliche Wahl abändert. Der Kandidat bräuchte also gar nicht lange überlegen, sondern sollte immer die zweite verbleibende Tür wählen.

Während es sich im obigen Beispiel um ein praktisch wenig bedeutendes Kuriosum handelt, finden sich unzählige praktische Fälle, in denen mit solch ähnlichen dem Hausverstand zuwider laufenden Wahrheiten Geschäfte gemacht werden. Und fast immer macht man sich dabei zu Nutze, dass der Mensch offensichtlich kein Gespür für Wahrscheinlichkeiten besitzt. So geht es jedenfalls mir und meine Erfahrung zeigt, dass ich kein Einzelfall bin.

Lassen wir den Klassiker Glücksspiel beiseite, wechseln wir direkt in den Veranlagungsbereich. Hier können wir auch die wildesten Szenarien nicht ausschließen. Historische Daten helfen uns zwar, deren Wahrscheinlichkeit einzugrenzen, doch die Unsicherheit bleibt. Wir können nun beobachten, dass in Zeiten dominanter negativer Schlagzeilen die Ängste der Investoren überwiegen. Unmengen an Kapital fließt dann in weit überteuerte Absicherungen und Garantien. Scheint die Sonne in der Medienwelt (dabei müssen wir allerdings schon etwas weiter zurück blicken), lebt die Chance in den Köpfen der Menschen; die Risikofreude steigt ins Unermessliche. In diesen Fällen spielt uns der Hausverstand einen Streich, denn kürzlich erlebte Ereignisse werden immer stärker und somit auch wahrscheinlicher wahrgenommen als alte. Man kann das nutzen, indem Szenarien immer wieder vorgekaut werden. Und nicht nur die Veranlagungsindustrie wusste dies schon immer zu nutzen. Denken Sie etwa an die immer wieder vorgesetzte Theorie, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen. Am Ende reichte der Glaube der Bevölkerung sogar für eine breite Zustimmung zu einem Krieg.

Es wäre mir wie ein Wunsch ans Christkind, das Verständnis unsicherer Vorgänge würde bereits in der Grundschulausbildung gefördert werden. Doch es scheint mir wenig wahrscheinlich, dass mir dieses Anliegen erfüllt wird.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.winkler@securitykag.at

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Martin Mikulik

Hausverstand versus Ratingagenturen
von Martin Mikulik, geschrieben am 18.05.2012 12:48

Nach den jüngsten Rating-Aktionen ist wieder Kritik an den Ratingagenturen aufgekommen. Viele sehen dies als Angriff der US-dominierten Ratingagenturen auf Europa oder vermuten einen höheren Sinn hinter diesen Entscheidungen.

Ich war in der Vergangenheit auch kein Fan der Ratingagenturen, doch diese haben die Verschuldungskrise in Europa ja nicht verursacht. Die Schulden wurden schon von anderer Seite aufgenommen. Sicher ist das System der Beauftragung einer Ratingagentur und der Bezahlung für das Rating ein Problem. Denn hier tritt ein eklatanter Interessenskonflikt auf: Der Kunde bezahlt die Ratingagentur mit der Hoffnung, ein möglichst gutes Rating zu erhalten. Die Ratingagenturen verkaufen die daraus gewonnen Informationen wiederum an ihre Kunden mittels Rating Reports, welche ein möglichst objektives und ungeschöntes Bild des Unternehmens erwarten.

Doch was ist die Alternative in diesem System? Neue Ratingagenturen welche europäischen Investoren gehören? Ein größerer Wettbewerb bei den Ratingagenturen könnte sich auch negativ auf die Ratings auswirken, da die Agenturen dann womöglich mit „besseren“ Ratings diesen Konkurrenzkampf zu gewinnen versuchen. Das Ergebnis wären wieder „geschönte“ Ratings. Auch hat sich derzeit ein Standard bei den Ratings etabliert und AAA geratete Schuldner von Standard and Poor´s entsprechen auch AAA gerateten Schuldnern von Moody`s. Wenn es nun 20 Ratingagenturen gäbe, müssten die Ratings dieser untereinander einheitlich vergleichbar sein, das aufgrund der Fülle wahrscheinlich nicht so einfach sein würde.

Staatliche Ratingagenturen wie es schon in China gibt? Ich glaube nicht, dass das diese Interessenskonflikte lösen würde, denn auch bei staatlichen Agenturen bestehen diese Interessenskonflikte. Der beurteilte Staat möchte ja ein möglichst gutes Rating haben, um Anleihen mit tieferen Zinsaufschlägen verkaufen zu können.

Eine Lösung wäre, wenn die Investoren selbst etwas näher hinsehen, was sie kaufen. Man kann ja ruhig auch auf die Testate der Ratingagenturen zurückgreifen, aber sollte sich nicht darauf 100%ig verlassen. Und der einfache Menschenverstand kann hier schon gute Dienste erweisen. Denn die Produkte, welche 2008 so große Verluste eingefahren haben (Asset Backed Securities ABS), haben bereits in der Kreditkrise 2001-2003 große Probleme gehabt. Schon damals war klar, dass ein AAA einer Finanzstruktur nicht vergleichbar ist mit dem AAA eines Unternehmens oder gar eines Staates. Allein dieses Wissen der Krise Anfang dieses Jahrtausends hätte 2008 einiges an Verlusten erspart. Aber da hat man sich ja wieder blind auf die Ratings der Ratingagenturen verlassen.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: martin.mikulik@securitykag.at

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Michael Müller

Erträge produzieren und nicht Produkte vermitteln...
von Michael Müller, geschrieben am 13.05.2012 13:15

Ich bin seit Monaten nahezu ausschließlich in Deutschland bei institutionellen Investoren unterwegs, um den „Apollo Corporate Bond Fund“ zu promoten. Die Gesprächspartner sind hier einerseits Portfoliomanager der großen Banken in den Bürotürmen Frankfurts, aber ebenso die honorigen Privatbanker in bester Innenstadt-Lage Münchens oder Hamburgs. Besonders interessant zu beobachten sind dabei natürlich auch die unabhängigen Vermögensverwalter, um einen direkten Vergleich zu den Kollegen in Österreich herzustellen.

Gilt es bei den Big Playern eher das Thema „Spezialmandate“ zu besprechen, so sind gerade die „kleinen“ Vermögensverwalter für mich ein interessantes Schaubild der professionellen Vorgehensweise - wobei allerdings die „Kleinen“ jeweils auch mehrere hundert Millionen oder einige Milliarden Euro verwalten. Deren Kunden sind vermögende Privatkunden oder mittlere Unternehmen, die konkrete Veranlagungswünsche haben.

Die Aufgabe des Vermögensverwalters ist es hierbei, mit unterschiedlichen Strategien konkrete Performanceziele zu erreichen. Die einen schaffen dies durch ein eigenes Portfoliomanagement oder Musterdachfonds, an denen sie die Kunden beteiligen, andere wieder arbeiten als reiner Advisor und geben ihren Mandanten gegen Honorar konkrete Anlageempfehlungen.

In beiden Fällen bestechen die Gesprächspartner durch fachliche Kompetenz, die sich ausschliesslich auf das zu erzielende Rendite-Ergebnis orientiert. Niemand fragt nach Provisionen oder Kick-Backs, jeder möchte vor allem transparente und spesengünstige Produkte. Nur das Kundenergebnis ist entscheidend, denn dafür werden sie auch bezahlt und später weiterempfohlen. Dabei spielen die einzelnen Produkte nur eine untergeordnete Rolle, denn diese sind lediglich „Ertragslieferanten“ in einer vorher festgelegten Investmentstrategie.

Dies betone ich deshalb, denn ich beobachte bei uns in Österreich, dass Produkte oft noch die einzig selig machende „Investmentlösung“ sind. Das heißt, der Berater findet ein vielversprechendes Produkt und präsentiert es seinem Kunden, der es dann kauft und dabei der Berater als Vermittler dient. In den seltensten Fällen kauft der Kunde den Berater als Ratgeber und eine konkrete Investmentlösung, deren einzelne Produktbausteine er gar nicht kennt, ein.

Auch Finanzberater ohne Verwaltungskonzession können solche Investmentlösungen als Berater (=Advisor) anbieten, allerdings muss hier entsprechende Kompetenz und Vorarbeit geleistet werden, die sich aber in der Regel auszahlt. Bedenken Sie, mit der üblichen Verwaltungsfee von einem Prozent auf das betreute Vermögen, können sich die Mühen (Ausbildung, Marketing, Reporting etc.) für einen „Einzelkämpfer“ schon ab 10 Millionen Euro Kundenvolumen zu rechnen beginnen?! Nur warum tun sich diese Dienstleistung nur wenige Berater an und bleiben Vermittler und müssen dadurch immer nur auf Neugeschäft hoffen?

Noch eine interessante Erfahrung aus meinem „Deutschland-Engagement“: Weder ich noch die SECURITY KAG sind bei den Gesprächspartnern der „Deutschen Bank“ und deren Mitbewerbern bekannt - wir werden nur wegen der interessanten Produktergebnisse eingeladen. Es ist auch kein Kennenlernen oder teures Mittagessen notwendig um sich - wie in Österreich üblich - zuerst zu „beschnuppern“, sondern es zählt die Kompetenz und Produktqualität: „Sie haben 30 Minuten Zeit - überzeugen Sie uns von Ihrem Produkt und wenn es passt, dann setzen wir es ein...“ So macht es Spaß mit Profis zu arbeiten - leider ist diese Vorgehensweise bei uns nicht so verbreitet...

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: michael.mueller@securitykag.at

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Martin Mikulik

Die Ansteckungsgefahr im EUR und Bananenschalen
von Martin Mikulik, geschrieben am 11.05.2012 12:30

Grundsätzlich halte ich Witze gegen Bevölkerungsgruppen nicht für passend, trotzdem möchte ich einen mir bekannten Witz hier als Denkanstoß anbringen: Eine Blondine geht am Gehsteig entlang und sieht 10 Meter vor sich eine Bananenschale am Boden liegen. Sie denkt sich: „Verdammt, jetzt falle ich wieder auf die Schnauze“.

So ähnlich ist im Moment auch die Situation mit Griechenland an den Märkten. Jeder Marktteilnehmer sagt vollmundig, wenn Griechenland völlig zusammenbricht, wird das auch mit Portugal, Spanien und in weiterer Folge auch mit Italien und dem gesamten Euroraum passieren. Aha? Und warum eigentlich? Diese Frage kann keiner beantworten. Man stützt sich rein auf irgendwo aufgeschnappte Aussagen und macht sich dabei nicht die Mühe, die Situation dieser Länder zu vergleichen - denn diese ist nicht wirklich vergleichbar.

Portugal hat keine annähernd hohe Staatsverschuldung wie Griechenland und ist somit eher mit Italien vergleichbar. Portugal hat zwar ein strukturelles Problem (hohe Arbeitslosigkeit, mangelnde Produktivität), jedoch hat es ausgezeichnete Verbindungen zu Südamerika, was zweifelsohne einen riesigen Vorteil für Portugal (und auch Spanien) darstellt. Die Exportquote Portugals macht immerhin 35% des BIPs aus, das auch hier eine Differenz zu Griechenland darstellt.

Zudem sei noch erwähnt, dass, sollte Griechenland nun doch pleite gehen, dies nur aus dem reinen Willen Griechenlands passiert. Denn Pläne für die Restrukturierung des Landes gibt es ja und diese liegen auf dem Tisch. Wenn diese nicht eingehalten werden, ist das ein griechisches Problem. Solche Pläne gibt es auch für Portugal und diese werden schon seit einiger Zeit auch umgesetzt.

Also, wenn wir alle von vornherein erwarten, dass eben diese Ansteckung Portugals durch Griechenland passieren wird, dann wird es auch passieren (Selbsterfüllende Prophezeiungen). Doch könnte man nicht der "Bananenschale" einfach ausweichen?

Somit möchte ich mich nochmals bei allen Damen mit heller Haarfarbe entschuldigen und nochmals die Absurdität dieses Witzes, gepaart mit dem Handeln der Marktteilnehmer, unterstreichen.

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Josef Obergantschnig

EU-Banken fahren ihre Bilanzsumme stetig zurück
von Josef Obergantschnig, geschrieben am 07.05.2012 11:49

Seitdem die Finanzkrise ihr Unwesen treibt, verschärften sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen und damit verbunden ist die Höhe der Eigenkapitalerfordernisse deutlich angestiegen. Banken leiden vielfach an „Eigenkapital-Mangel“. Die Eigenkapitaldecke kann etwa durch Einbehaltung der Gewinne (dazu muss das Institut aber auch dementsprechend hohe Gewinne ausweisen) oder durch eine Kapitalerhöhung erfolgen. Eine Kapitalerhöhung (junge Aktien) ist in Zeiten wie diesen nicht so leicht (zumindest zu „akzeptablen“ Konditionen) durchführbar.

Als dritte Variante können Banken aber auch ihre Bilanzsumme kürzen (z.B. Verkauf von Beteiligungen oder Finanzwerten, Reduktion des Kreditgeschäftes). Eine jüngst von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) veröffentlichte Studie verdeutlicht, dass EU-Banken in den Jahren 2009 - 2011 ihre Bilanzsumme um rund USD 1.600 Mrd. respektive 8,2 % der Aktiva/Passiva reduziert haben. Auch in Österreich ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Österreichische Banken haben laut der BIZ-Studie ihre Bilanzsumme um USD 64 Mrd. bzw. 14,0 % zurückgefahren. Damit ist der Rückgang der Bilanzsumme heimischer Institute deutlich stärker ausgefallen als jener sämtlicher EU-Banken.



Quelle: BIZ, Eigene Darstellung

Die Zahlen zeigen auch, dass es sich in erster Linie um ein europäisches Problem handelt, da die Bilanzsummen in den USA bzw. Asien&Pazifik (ex Japan) im Referenzzeitraum gestiegen sind.



Quelle: BIZ, Eigene Darstellung

Am stärksten ist die Bilanzsumme deutscher Banken (gefolgt von Italien und Frankreich) zurückgegangen. Die BIZ Studie verdeutlicht zudem, dass der Rückgang in erster Linie auf geringere Kreditvolumina an „Fremdinstitute“ zurückzuführen ist. Es ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen, dass die Realwirtschaft unter den rückläufigen „Kreditvolumina“ zu leiden hat. Damit wird durch die BIZ-Studie untermauert, dass die enormen Geldmengen, die die EZB in den vergangenen Wochen und Monaten auf den Markt gebracht hat, nur zu geringen Teilen wirklich in der Privatwirtschaft ankommt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass der Trend noch weitere zwei Jahre anhalten könnte und die Bilanzsumme europäischer Banken um weitere USD 2.600 Mrd. zurückgefahren wird. Besonders stark betroffen werden Schwellenländer sein, die mit massiven Kapitalabflüssen zu kämpfen haben. Kredite der Länder wie Rumänien, Ungarn oder Kroatien sind zu mehr als 40% von ausländischen Banken finanziert.

Wir befinden uns damit im vielzitierten „Deleveraging-Process“ (= Reduktion der Verbindlichkeiten). Für mich wird damit wieder einmal offensichtlich, dass europäische Finanzinstitute „gezwungenermaßen“ ihre Bilanzsummen zurückfahren, und dadurch schwächen sie die heimische Wirtschaft enorm. Im Gegensatz dazu hat die USA die Bilanzsumme ausgeweitet und demnach der lokalen Wirtschaft unter die Arme gegriffen. Das politische Ziel der besseren Risikovorsorge ohne Schwächung der Realwirtschaft in Europa konnte aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen zur Erhöhung von Eigenkapital nicht erreicht werden. Unglücklicherweise ist die europäische Politik scheinbar zu träge, eine Korrektur rasch und unbürokratisch einzuleiten …

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at

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Johannes Szoncso

Apollo Styrian Global Equity
von Johannes Szoncso, geschrieben am 03.05.2012 14:45

Der Apollo Styrian Global Equity ist ein Aktienfonds, der weltweit investiert. Seine Benchmark ist der MSCI World, der sich derzeit aus rund 1600 Titeln zusammen setzt.
Wenn man sich zur Aufgabe macht, die Performance eines Index zu replizieren, ist man vom Verlauf des Marktes abhängig. Marktbewegungen sind nicht vorhersehbar und darum nicht beeinflussbar. Abgesehen davon gibt es dennoch mehrere Möglichkeiten, die einem offen stehen.

Die einfachste Art besteht darin, alle Aktien des Index zu kaufen und immer umzuschichten, wenn sich entweder am Index etwas ändert oder der Fonds Zu- oder Abflüsse hat. Das Hauptproblem dieser Strategie besteht in den sehr häufig anfallenden Transaktionskosten, deshalb haben wir uns gegen dieses „Full Replication“ Modell entschieden.

Um den laufend anfallenden Kosten zu entgehen, wenden viele ETF-Anbieter Swapgeschäfte an. Sie schließen Swapgeschäfte mit Handelspartnern ab, welche die Differenz zwischen der Indexperformance und der Fondsperformance wettmachen. Dadurch sparen sie Transaktionskosten und können sich der Performance des Index nähern. (Diese Swapgeschäfte sind natürlich nicht kostenlos.) Wir haben uns auch gegen dieses Modell entschieden, weil wir nicht von einem Handelspartner abhängig sein möchten, das Emittentenrisiko möchten wir gerne vermeiden. Zusätzlich gibt es bei dieser Strategie Probleme mit differierenden Dividendeneinnahmen im Vergleich zum Index.

Wir haben eine Möglichkeit gefunden, die Nachteile beider vorgestellten Modelle zu verringern.
Mit Hilfe von Varianz- und Kovarianzanalysen, zweier voneinander unabhängiger Systeme, berechnen wir die Abweichungsrisiken unseres Portfolios vom Index. Als Ergebnis erhalten wir einen Ex-Ante Tracking Error, der uns Aufschlüsse über zu erwartende Performanceabweichungen gibt. Derzeit liegt dieser Ex-Ante Tracking Error zwischen 0,2% und 0,3%. Um diesen Tracking Error innerhalb unserer strengen Vorgaben zu halten und weiter zu minimieren, untersuchen wir die einzelnen Aktien auf deren Tracking Errors, bezogen auf die Benchmark, und wählen für den Handel diejenigen aus, welche die größten Abweichungsrisiken aufweisen.

Derzeit besteht unser Portfolio aus ca. 900 Titeln. Würden wir die Titelanzahl erhöhen, so würden die Transaktionskosten ansteigen, der Tracking Error würde sich aber nur marginal verringern. Würden wir die Titelanzahl verringern, so würde der Tracking Error relativ rasch ansteigen, die Transaktionskosten würden sich jedoch nur langsam verringern. Die derzeit 900 Titel stellen für dieses System eine optimale Portfoliogröße dar.

Zusätzlich achten wir auf die Länder- und Währungsgewichtungen, auf Abweichungen der Sektoren und auf Abweichungen bei der Marktkapitalisierung. Diese Abweichungen werden minimiert. Sektoren- und Währungsabweichungen werden großteils bereits in der Tracking Error Analyse berücksichtigt, um Abweichungen in der Marktkapitalisierung kümmern wir uns gesondert. Es geht uns darum, eine ausgewogene Mischung aus Small-, Mid-, und Largecaps im Portfolio zu haben, auch wenn dazu ein etwas höherer Ex-Ante Tracking Error in Kauf genommen werden muss.

Wir glauben, mit unserer „Stratified Sampling“ Strategie eine hervorragende Lösung zur Replizierung des MSCI World gefunden zu haben. Durch die geringere Titelanzahl verringern sich die Transaktionskosten signifikant. Wir müssen bei Änderungen im Index, sowie bei monetären Bewegungen im Fonds nicht sofort das gesamte Portfolio anpassen, sondern können aufgrund unserer mathematischen Methoden jene Aktien handeln, welche die größten Abweichungsrisiken zur Benchmark aufweisen. Wir verwenden Zu- und Rückflüsse innerhalb des Fonds dazu, unser Portfolio immer aufs Neue an den MSCI World anzupassen, ohne jedes Mal kostspielige Umschichtungen in Kauf nehmen zu müssen.
So bleiben die Transaktionskosten niedrig, dies hat einen direkten positiven Einfluss auf die Performance des Fonds. Gleichzeitig vermeiden wir vollständig Emittentenrisiken und Kosten für Swapgeschäfte.

Durch unser mathematisches Know-How, unseren langfristigen Erfolg und unsere ständige Weiterentwicklung sind wir überzeugt davon, auch in Zukunft mit dem Apollo Styrian Global Equity einen herausragenden Aktienfonds anbieten zu können.


Bitte beachten Sie unsere Risikohinweise unter http://www.securitykag.at/risikohinweise.php

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: johannes.szoncso@securitykag.at

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Heinz Kettner

Schwarze Engel für Europa
von Heinz Kettner, geschrieben am 30.04.2012 09:16

In Sobot, einem kleinen Provinzstädchen in Bulgarien, stehen seit knapp 2 Jahren die sogenannten Schwarzen Engel im Dienste des Bürgermeisters. Die Schwarzen Engel sind der Chor der ehemaligen Waffenfabrik. Sie singen für Steuersünder. Für all jene, die ihre Kommunalsteuern nicht gezahlt haben. Wenn sie im Anmarsch sind, weiß jeder, dass es sich um kein normales Ständchen handelt. Seit dem die Schwarzen Engel durch Sobot wandern, hat sich die Gemeindekasse merklich verbessert. Viele zahlen auch, um einer öffentlichen Demütigung durch einen solchen Auftritt vorzubeugen.

Der Bürgermeister meint, dass die ungewöhnliche Idee in Sobot deshalb so gut funktioniert, weil die soboter Einwohner erstens für ihren Humor bekannt seien und zweitens für ihr Ehrgefühl. Ein Paar Hunderttausend Euro haben die Schwarzen Engel der Gemeinde wohl gebracht. Am Umsatz sind Sie nicht beteiligt, das ist Ehrensache in Sobot. Dieses etwas andere Steuereintreibmodell ist mittlerweile nicht nur in Bulgarien bekannt. So hat der Bürgermeister auch Anfragen aus anderen Ländern, wie Griechenland.

Diese Idee kann von jeder Gemeinde, Stadt oder Land im schönen Europa angewandt werden, wo es Steuersünder und einen volkstümlichen Gesangsverein gibt. Vorausgesetzt, die dort lebenden Menschen haben den entsprechenden Humor und das nötige Ehrgefühl.

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Heinz Kettner

Was für Zahlen
von Heinz Kettner, geschrieben am 27.04.2012 09:58

Der japanische Finanzminister Jun Azumi hat im Jänner 2012 gesagt, dass mit Ende März 2013 die Gesamtschulden Japan’s erstmals 1 Billiarde Yen (im englischen 1 Quadrillion: genau 1.086.000.000.000.000) übersteigen werden, was dann ca. 225% der Wirtschaftsleistung bedeutet. Mit den F/X Kursen Ende März 2012 ergibt das € 9,823 Billionen oder USD 13,105 Billionen.

Aber nachdem nur ca. 5% dieser Schulden im Ausland sind, kümmert uns das nicht.
Für die USA ist neben dem aktuellen Schuldenstand von USD 15.582,079 Milliarden, auch die Dynamik faszinierend. Zwischen Dezember 2000 und Dezember 2010 sind die Schulden um USD 8,363 Billionen gestiegen, das GDP hingegen nur um USD 4,097 Billionen. In den ersten drei Monaten 2012 haben die USD jeden Tag USD 4 Milliarden neue Schulden aufgenommen.

Aus dem Bericht der Eurostat für das 3. Quartal 2011 geht hervor, dass sich die Gesamtstaatsverschuldung der 27 EU-Länder im Jahresvergleich um EUR 803,11 Milliarden erhöht hat. Im gleichen Zeitraum hat sich die Wirtschaftsleistung um EUR 431,31 Milliarden erhöht. Mit Ende des 3. Quartals 2012 steht die EU27-Gemeinschaft, bezogen auf die Wirtschaftsleistung, bei einer Schuldenquote von 82,2%.

Per Juni 2011 beträgt laut BIS Quartalsbericht (Bank für Internationalen Zahlungsverkehr) das außenstehende Nominale der gehandelten Kontrakte für OTC-Derivate USD 707.569 Milliarden. Die an Börsen gehandelte Derivate Kontrakte machen USD 64.698 Milliarden aus. Die gesamte Wirtschaftsleistung der Mutter Erde wird mit USD 63.124 Milliarden Ende 2011 beziffert.

Laut EFAMA Factsheet Jänner 2012 werden in Europa (ex. Benelux-Staaten) EUR 7.941 Milliarden in Investmentfonds verwaltet. Davon sind 5.711 Milliarden UCITS-Fonds.
Weltweit gibt es die Statistik per September 2011. EUR 20.773 Milliarden sind in Investmentfonds veranlagt. Davon in den USA EUR 8.900 Mrd., in Europa EUR 7.667 Mrd., in Asien/Pazifik EUR 2.306 Mrd. Die restlichen EUR 1.796 Mrd. werden unter Amerika exkl. USA geführt.

Einer der Kernziele von Europa 2020 ist die Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 20% im Vergleich zu 1990. Der letztveröffentlichte Wert ist 2009, wo Österreich einen Wert von 102% hat (Deutschland ist bei 74%). Ist egal, da man immer mit dem Finger auf zb. die Türkei zeigen kann, die einen Wert von 198% aufweist. Wenn da nicht die blöden Strafzahlungen wären.

Ein Liter Milch kostet EUR 0,89. Ein Liter Benzin (Super 95) kostet aktuell in Graz EUR 1,48. Ein Kilo Äpfel kostet EUR 0,85.

Ich hab jetzt mal genug von Zahlen, und geh ein Bild malen. Schönes Wochenende!

Quellen: Bloomberg, Eurostat, BIS, EFAMA, Weltbank

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Stefan Winkler

Im Fokus - der Stresstests
von Stefan Winkler, geschrieben am 26.04.2012 12:52

Der Stresstest ist der letzte Schrei. Er hält groß Einzug in Gesetz und Risikomanagement. Ein geeigneter Stresstest hätte uns die Staatskrise erspart. Diese Erkenntnis ist wahr - aber auch entbehrlich.

Es gibt gute und sinnlose Stresstests. Auch wenn sich unser Gesetzgeber redlich bemüht mit Stresstests die Finanzwelt sicherer zu machen, die positive Wirkung wird überschaubar bleiben. Es ist nicht viel Platz für gute Stresstests. Und sinnlose Stresstests binden Ressourcen im Risikomanagement. Doch wie unterscheiden sich sinnvolle von sinnlosen Tests?

Ein Beispiel:
Beim Bau eines neuen Deiches orientieren wir uns etwa am 50-jährigen Bemessungshochwasser. Trotz aller Rechnereien kann dann doch Wasser über den Deich schwappen. Ein sinnvoller Stresstest würde prüfen, ob unser Berechnungssystem falsch war oder ob es unerwartete und unsinnige Ergebnisse lieferte. Fehler können erkannt und behoben werden.

Ein sinnloser, aber verbreiteter Stresstest würde eine bestimmte Hochwassermenge annehmen, die abzuführen ist. Dieser Test ist natürlich sinnlos, weil wir nicht wissen, ob diese Annahme einem realen Ergebnis entsprechen wird. Wir könnten 10 Liter pro Stunde oder die Sintflut ansetzen. Für derartige Annahmen gibt es weit bessere Konzepte. Allgemein kann gesagt werden: Jedem Modell unterliegen Restrisiken. Diese sind durch Ungewissheit oder Unwissenheit geprägt. In unserem Beispiel ist es einfach möglich, dass mehr Wasser kommt, als uns lieb ist. Auch ein Stresstest ändert nichts an dieser Tatsache.

Das Einsatzgebiet für sinnvolle Stresstests ist begrenzt. Durch verpflichtende Stresstests steigt nun die Anzahl sinnloser Stresstests. Willkürliche Annahmen führen zu einer Scheinsicherheit bei all jenen, die den Risikosystemen vertrauen. Bereits vor der Krise hatten wir das Problem, dass grundsätzlich gute Risikomanagementsysteme durch mangelnde Kenntnis des Anwenders ihre Aufgabe nicht erfüllen konnten. Immer komplexer werdende Analysen drohen diesen Trend zu verstärken.

Es ist also damit zu rechnen, dass Diskussionen um das Thema Risikomanagement auch künftig nicht außer Mode kommen werden.

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Martin Mikulik

Warum investiert niemand (in seine Pension) ?
von Martin Mikulik, geschrieben am 18.04.2012 17:44

Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, ist die Thematik der Pensionen eines meiner Lieblingsthemen. Die Bundesregierung hat ja nun das Pensionskassengesetz geändert, jedoch das was dabei rauskam, ist meiner Meinung nach eher nebensächlich. Es wurde nun das Lebensphasenmodell implementiert, in dem der Kunde eine Wahlmöglichkeit zwischen einer dynamischeren oder einer konservativeren Anlagestrategie hat. Es sei nun dahingestellt, ob man überhaupt dynamisch anlegen kann, denn bei einem Investmenthorizont von 30 Jahren ist eine Aktienquote von ca. 30% eigentlich äußerst konservativ. Aber auch diese Wahlmöglichkeit wird die Anwartschaftsberechtigten nicht glücklicher machen, denn sie werden genau zur Unzeit in die jeweilige Strategie wechseln. In Phasen, in denen die Märkte boomen, werden sie in die dynamische Variante wechseln und in Phasen, in denen die Märkte bereits stark verloren haben, werden sie in die risikoarme Variante wechseln.

Doch darauf möchte ich eigentlich gar nicht hinaus. Viele kritische Menschen legen deshalb kein Geld für die Pension beiseite, da sie ja davon ausgehen, dass es an den Märkten nichts zu verdienen gibt und alles ja so schlecht wäre. Gut - so richtig prächtig ist es ja nicht. Doch wie möchten diese Menschen dann ihre Pension verbringen? Glauben Sie, dass in einem wirtschaftlich schwachen Umfeld der Staat die heutigen Pensionszusagen halten kann? Glauben Sie nicht eher, dass die staatliche Pension, sollte das Wachstum wirklich schwach bleiben, gegenüber der heute in Aussicht gestellten Pensionserwartung massiv gekürzt wird (muss)?

Und auch anders beleuchtet: wenn Sie davon ausgehen, dass an den Märkten nichts mehr verdient wird, da die Unternehmen keine Gewinne mehr machen werden - warum glauben Sie haben Sie jetzt noch einen Job? Warum sollte der Eigentümer Ihrer Firma Sie noch einstellen, wenn er doch keinen Gewinn macht? Er sollte dann lieber das Unternehmen verkaufen oder zumindest liquidieren, denn dann kann er immerhin noch Zinsen für den Erlös lukrieren.

Meine Damen und Herren, der Wirtschaftskreislauf wird weiter funktionieren. Das zur Verfügung stellen von Eigenkapital wird sich auch in Zukunft auszahlen (müssen) und einen höheren Ertrag als das Halten von Anleihen bringen. Wenn sich das beispielsweise ändern würde, dann würde es kein Unternehmertum mehr geben. Wer sollte dann noch ein Unternehmen besitzen wollen und Menschen anstellen? Es würde schlicht keine Arbeit mehr geben, denn niemand würde das unternehmerische Risiko tragen wollen. Wäre das eine Alternative? Wohl kaum.

Also - wenn Sie (für die Pension) investieren und die Märkte fallen weiter, werden Sie unter Umständen Geld verlieren, was aber aufgrund der langen Laufzeit nicht so dramatisch sein wird und aus den oben genannten Gründen auch eher unwahrscheinlich wäre. Wenn Sie aber nicht investieren und die Märkte gehen runter, dann werden Sie einen Großteil ihrer heutigen staatlichen Pension auch verlieren und keine Reserven haben. Es könnte aber auch anders kommen und die Märkte erbringen positive Renditen - dann verlieren Sie nur an Ihrer staatlichen Pension…

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: martin.mikulik@securitykag.at

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