Die Märkte behalten meistens recht… oder warum angesagte Revolutionen nicht stattfinden

21. Apr 2017 | Blog

VON Peter Ladreiter

Viele Finanzmarktexperten und politische Kommentatoren erachten die aktuelle Situation mit all ihren Unwegbarkeiten für eine der instabilsten der letzten Jahre. Die Amtszeit von US-Präsident Trump, die Lage um Nordkorea, das Referendum der Türkei, Präsidentschaftswahlen in Frankreich, Neuwahlen und BREXIT in Großbritannien stellen neben weiteren Ereignissen eine markante Liste von wegweisenden Elementen dar, wobei jedes einzelne davon Potenzial für Krisen und Turbulenzen besitzt.

 

Doch was sagen die Finanzmärkte? Sowohl an den Aktien- als auch an den Zinsmärkten befinden sich die Volatilitäten nahe an historischen Tiefstständen. Damit sind die täglichen Marktbewegungen extrem niedrig und die Kurse treten praktisch auf der Stelle. Dies bedeutet jedoch, dass die Marktteilnehmer im Kollektiv sehr gelassen sind und all die Gefahren aus den oben genannten Ereignissen nicht in die Finanzmärkte übertragen. Oder anders ausgedrückt: Die möglichen Folgen aus den Ereignissen werden als harmlos eingestuft. Damit lässt der aktuell solide Zustand der Märkte u.a. folgende Interpretation zu:

 

Präsident Trump lenkt von seinen politischen Problemfeldern ab, indem er sich jetzt unerwartet  außenpolitischen Vorhaben zuwendet. Das Einschreiten in Syrien und das Säbelrasseln mit Nordkorea sind nur ein Vorgeschmack. Die dabei von den USA wieder gefundene Rolle als Weltpolizei stabilisiert die Finanzmärkte.

 

Der Nordkoreakonflikt eskaliert nur mit Worten und erfährt durch die Vermittlung Chinas eine mittelfristige Beruhigung, da alle Seiten bei einem bewaffneten Konflikt in Wahrheit nur verlieren könnten.

 

Die Türkei begibt sich durch das Ergebnis des Referendums zunehmend in politische Isolation. Daraus entstehende Probleme (Spaltung des Landes, Schwächung der Wirtschaft) spielen in der Türkei nur innerstaatlich eine Rolle. Größere Auswirkungen auf die EU und andere Staaten bleiben aus. Erdogan selbst bleibt als Staatsmann trotz allem eine langfristig kalkulierbare Persönlichkeit.

 

Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich enden mit dem wahrscheinlichsten Ergebnis, der Wahl von Emanuel Macron zum Staatspräsidenten. Der wirtschaftsliberale Politiker vertritt die Werte der EU und kann zusammen mit der im Herbst wiedergewählten Angela Merkel den Zusammenhalt der EU und der Einheitswährung sicherstellen.

 

Die in Großbritannien wiedergewählte Theresa May geht an die Austrittsverhandlungen sachlich aber bestimmt heran. Durch die Aussicht auf nationale Souveränität bleibt das Vertrauen in die englische Wirtschaft vorerst aufrecht. Auch die EU schafft die Trennung ohne wirtschaftlich negative Folgen.

 

All diese Szenarien sind natürlich nur ganz bestimmte Ausprägungen von vielen Möglichkeiten. Doch das Entscheidende: Die Märkte preisen grundsätzlich einen positiven Ausgang der Ereignisse ein und nichts anderes. Damit wird der Finanzmarkt seinem Ruf als sensibles Instrument zur Erkennung von Stimmungen gerecht. Wir sollten daraus lernen, uns nicht unnötig verunsichern zu lassen und Anlageentscheidungen entsprechend besonnen zu treffen. Denn übertriebene Angst ist an den Märkten langfristig immer ein schlechter Ratgeber und verhindert die Sicht auf das Wesentliche.

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