C12H23

11. Aug 2017 | Blog

VON Philipp Ebner

In der Automobilbranche herrscht momentan große Unsicherheit. Kein Tag vergeht ohne Rückholaktionen, Systemupdates und Skandalmeldungen. Europäische Autobauer haben Abgaswerte mit einer Software im großen Stil über Jahre hinweg manipuliert. Der Volkswagenkonzern musste dafür bereits eine Rechnung in der Höhe von 4,3 Mrd. USD an die US-Behörde zahlen.

 

Wenn man der Politik Glauben schenken kann, dann sollen Fahrverbote in Städten für Dieselfahrzeuge in den nächsten Jahren europaweit umgesetzt werden. Diese Entscheidungen tragen sicherlich zum EU-Ziel bei, die Ausstoßwerte bis zum Jahre 2020 um 20%, verglichen mit dem Wert im Jahr 1990, zu reduzieren. Ein wenig Augenauswischerei, wenn man daran denkt, dass die größte Wirtschaftsnation der Welt, ohne mit der Wimper zu zucken, aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen ist.

 

Wie ist es eigentlich um den österreichischen Kraftfahrzeugmarkt bestellt?

In Österreich waren Ende des letzten Jahres 6.654.504 Mio. Kraftfahrzeuge zum Verkehr zugelassen. Bei einer Einwohnerzahl von 8.739.806 Mio. Österreichern entspricht das einem Motorisierungsgrad von 1,31. Das Auto ist nach wie vor in unserer Gesellschaft sehr stark verankert, denn der Großteil der KFZ-Anmeldungen sind der Kategorie Personenkraftwagen zuzuschreiben. Auf Österreichs Straßen tummelten sich somit zum Betrachtungszeitpunkt 4.821.557 Mio. zugelassene PKWs. Das sind rund 72% aller zugelassenen Kraftfahrzeuge.

 

Abb. 1: Anzahl Kraftfahrzeuge gesamt, Stand 2016

Quelle: Statistik Austria
*LKW ab 3,5t Gesamtgewicht
**Busse, Zugmaschinen, Sattelzüge, Transportkarren, Arbeitsmaschinen, Wohnmobile, Sonstige

 

Da momentan heftig über ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in Städten debattiert wird, habe ich mir die langjährige Entwicklung der zugelassenen Personenkraftwagen nach den unterschiedlichen Antriebsarten Diesel, Benzin, Elektro und Sonstige Antriebe angesehen.

 

Abb. 2: Entwicklung Antriebsarten, absolut

Quelle: Statistik Austria
*Gas-, hybrid-, Wasserstoffantrieb

 

Das aktuelle Mineralölgesetz trat im Jahre 1995 im Zuge des EU-Beitritts in Kraft. Bis zum Jahre 1987 waren die Einnahmen aus der Mineralölsteuer für den Bau des österreichischen Straßennetzes zweckgebunden, danach flossen die Erträge in das allgemeine Bundesbudget. Aus der Grafik lässt sich sehr gut der steuerliche Vorteil der unterschiedlichen Verbrennungsmotoren erkennen. Ab dem Jahr 1990 brach regelrecht ein Dieselboom aus, welcher durch eine niedrigere Besteuerung seitens des Fiskus geschuldet war.


Trotz zweier Anpassungen zahlt man für österreichische Selbstzünder immerhin noch ca. um 0,09 EUR/Liter weniger an Steuern, als die mit Zündkerzen betriebene Konkurrenz. Derzeit müssen Dieselfahrer 0,397 EUR/Liter und Benzinfahrer 0,482 EUR/Liter an der Tankstelle dem Finanzminister abdrücken.

 

In lediglich 15 Jahren konnte der Dieselantrieb den Marktanteil von 13,66% im Jahr 1990 auf über 51% aller zugelassenen PKWs ausbauen. Das bedeutet einen Anstieg von über 520%, wohingegen Benzinautos im gleichen Zeitraum nur 78,56% zulegen konnten. Dieser Trend flachte in den letzten Jahren zwar ab, jedoch sind die Feinstaubschleudern mit einem Marktanteil von über 57% aller Fahrzeuge nach wie vor auf Österreichs Straßen sehr präsent vertreten.

 

Eine Betrachtung der alternativen Antriebsmotoren über so einen langen Zeitraum macht wenig Sinn. Ein Anstieg an Autos mit Elektroantrieb ist jedoch seit geraumer Zeit zu verzeichnen. Mit lediglich 127 angemeldeten Autos im Jahre 2006 kann sich die Branche 10 Jahre später über 9.073 Anmeldungen freuen. Das ist eine Steigerung von über 7.100%, wohingegen der relative Vergleich von 0,19% Marktanteil noch immer verschwindend gering ist.

 

Abb. 3: Entwicklung Antriebsarten, relativ

Quelle: Statistik Austria
*Gas-, hybrid-, Wasserstoffantrieb

 

Um nun ein Gefühl zu bekommen, was es bedeutet, wenn ein Dieselfahrverbot schlagend werden würde, habe ich mir die Situation in Graz und im Bezirk Graz-Umgebung angesehen. In der Stadt und im Bezirk Graz-Umgebung sind zusammen 227.933 PKWs zum Verkehr zugelassen. Das sind 21,91% alle zugelassenen Personenkraftwagen in der Steiermark. Da die Quelle auf Stadt- und Gemeindeebene keine Aufgliederung der unterschiedlichen Antriebsmotoren mehr bekannt gibt, nehme ich an, dass der Marktanteil von 57% Dieselmotoren pauschal auch in dieser Region gilt.


Die Rechnung ergibt, dass im Fall eines Dieselverbotes 129.922 PKWs die Stadt nicht mehr befahren dürften. Das sind wiederum 12,49% aller in der Steiermark zugelassenen Autos. Interessant wird es, wenn man bedenkt, dass in der Berechnung der Pendlerverkehr der angrenzenden Bezirke wie z.B. Leibnitz, Voitsberg und Weiz noch nicht berücksichtig worden ist und die in der Region registrierten LKWs, Sattelfahrzeuge und Zugmaschinen komplett ausgeklammert wurden.

 

Abb. 4: Entwicklung Neuzulassungen LKW und Sattelfahrzeuge, relativ

Quelle: Fahrzeugindustrie, WKO
*Erdgas-, Benzin/Erdgas-, Elektro-, Benzin/Flüssiggasantrieb


Meiner Meinung nach sind viele innerstädtische Fahrten mit dem eigenen PKW reine Faulheits- und Luxustransporte und einige Wege können mit einem Fahrverbot mit Sicherheit eingespart werden. Jedoch wird der Güterverkehr innerhalb der Stadt hauptsächlich mit LKWs durchgeführt. Im Jahr 2016 wurden in Österreich 43.898 Neuzulassungen von Lastkraftwagen und Sattelfahrzeuge registriert, davon sind 96,32% mit einem Dieselmotor ausgestattet! Die Frage der Sinnhaftigkeit bleibt bestehen, wenn von Sondergenehmigungen für LKWs im Innenstadtverkehr auszugehen sein wird.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: philipp.ebner@securitykag.at