50 Jahre und kein Stück gealtert

11. Okt 2017 | Blog

VON Daniel Kupfner

Kaum zu glauben, aber der Big Mac feiert heuer seinen 50. Geburtstag. Erfunden wurde der doppelstöckige Cheeseburger im Jahre 1967 von einem Filialleiter eines McDonald`s Restaurants in der Nähe von Pittsburgh. Ein Jahr später wurde er offiziell landesweit in den USA eingeführt und ist mittlerweile in 119 Ländern rund um den Globus erhältlich. An der ursprünglichen Rezeptur hat sich seit der Einführung nichts geändert, allerdings variieren von Land zu Land einzelne Zutaten wie etwa der Salz- oder Fettgehalt aufgrund gesetzlicher Vorgaben. Wer auf seine Linie achtet, dem sei eine Reise nach Chile nahegelegt (478 Kilokalorien). Darf es etwas deftiger sein und bereitet man sich schon auf den Winter vor, lohnt sich der Weg nach Japan (557 Kilokalorien).

 

Der Erfinder der Burgers verstarb im vergangenen Jahr im Alter von 98 Jahren. Ob seine eigene Erfindung zu seinen Leibspeisen zählte, darf aufgrund seines hohen Alters bezweifelt werden (die Auswirkungen eines exzessiven Fast Food-Konsums auf den Körper werden im Film „super size me“ anhand eines Selbstexperimentes anschaulich dargestellt).

 

Aufgrund seines hohen Bekanntheitsgrades wurde sogar ein eigener Index nach dem Burger benannt – dies ist der sogenannte Big-Mac-Index. Dieser Indikator soll die Kaufkraft verschiedener Währungen durch den Vergleich der Big Mac Preise diverser Länder darstellen. Die Grundlage dafür liefert die Theorie der Kaufkraftparität. Laut dieser gilt das Gesetz der Preiseinheitlichkeit und dieses besagt, dass ein homogenes Gut in zwei Ländern keine Preisunterschiede aufweist, solange ein vollkommener Markt vorliegt. Sollte daher ein bestimmtes homogenes Gut in Land A günstiger sein als in Land B (unter Berücksichtigung des jeweiligen Wechselkurses), würde das Ausnützen der Preisdifferenz irgendwann wieder zur Angleichung der beiden Preise bzw. der Wechselkurse führen.

 

Der Big Mac eignet sich daher sehr gut für eine solche Betrachtung, da er überall auf der Welt in standardisierter Größe, identen Zutaten (Ausnahme Indien) und gleicher Qualität verkauft wird. Als Basiswährung des vom „The Economist“ seit 1986 publizierten Index dient der USD und alle inländischen Burger-Preise werden zum gültigen Wechselkurs auf den USD umgerechnet und somit vergleichbar gemacht.

 

So kostete im Juli 2017 ein Big Mac in den USA 5,30 USD, in Japan z.B. 380,- JPY. Der Wechselkurs betrug im Juli 113,06 und somit ergibt sich ein USD-Preis v. 3,36 USD für den japanischen Big Mac. Da dieser nun in Japan deutlich günstiger zu haben ist, besteht laut dem Index eine Unterbewertung des JPY. Dieser müsste lt. Index bei einem Wechselkurs von 71,7 stehen, damit eine Kaufkraftparität gegeben ist und der Big Mac somit in beiden Ländern gleich viel kostet. Der faire EUR/USD-Kurs sollte laut dem Index übrigens bei 1,35 liegen.

 

Abbildung: The Big Mac Index (Über- bzw. Unterbewertung zum USD)

Quelle: The Economist

 

Natürlich ist die Aussagekraft des Index sehr begrenzt, da weder eine Handelbarkeit des Burgers gegeben ist (ein mehrere Tage alter Big Mac ist wirklich nur schwer genießbar), noch auf regionale Unterschiede wie die Wettbewerbsintensität in den jeweiligen Ländern oder die lokale Nachfragesituation Bezug genommen wird. Zusätzlich verlieren Preisentwicklungen und Güterströme zunehmend an Einfluss auf die Wechselkurse und andere Faktoren wie Devisenspekulationen, Zinsentwicklungen, Konjunkturdaten und politische Ereignisse rücken immer stärker in den Fokus.

 

Mittlerweile gibt es auch bereits andere Studien, welche zusätzlich zur Kaufkraft auch Faktoren wie das Lohnniveau des jeweiligen Landes berücksichtigen. Die Vergleichsplattform „wageindicator.org“ hat hierzu neben den lokalen Preisen für Big Mac`s auch den Mindestlohn der jeweiligen Länder miteinbezogen und dadurch errechnet, wie lange Erwerbstätige arbeiten müssen, um sich einen Burger leisten zu können. Muss man in Australien nur 21 Minuten dafür arbeiten, sind es in Vietnam schon 240 Minuten.

 

Abbildung: Darstellung über die zu arbeitenden Minuten für einen Big Mac

Quelle: wageindicator.org

 

Ähnliche Indizes gibt es u.a. auch schon für das iPad Mini (Mini-Mac Index), Spotify (Spotify-Pricing-Index) und dem Billy Regal von IKEA (Billy Index).

 

Noch einmal sei zu erwähnen, dass die Bewertung von Wechselkursen eine komplexe Angelegenheit ist und auch unter Berücksichtigung vieler Parameter nur schwer prognostizierbar erscheint. Der Big-Mac-Index greift da natürlich viel zu kurz und hat dementsprechend nur wenig Aussagekraft. Trotz allem ist er ein interessantes Tool, um auf einfachem Weg und grob die Theorie der Kaufkraftparität und das Zusammenspiel von Wechselkursen aufzuzeigen. Nebenbei wissen Sie nun, ob sich in Ihrem nächsten Urlaub ein Besuch bei McDonald`s lohnt oder nicht.

 

 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: daniel.kupfner@securitykag.at