Österreich und das Unternehmertum

06. Nov 2017 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Unternehmen nehmen in jedem marktwirtschaftlichen System mit ihren Funktionen eine wichtige Rolle ein. Zum einen sorgen sie für die Produktion, den Umlauf und die Verteilung von Gütern und Dienstleistungen, zum anderen übernehmen sie als Arbeitgeber auch eine soziale Funktion. Da Unternehmen ständig dem Markt und damit dem Wettbewerb ausgesetzt sind, kommt der jeweiligen Innovationskraft eine zentrale Bedeutung zu. Nur Unternehmen, die sich immer wieder erneuern und an die Bedürfnisse des Marktes anpassen, werden nachhaltig und langfristig bestehen können. Zur Aufrechterhaltung von Wohlstand und zur Sicherstellung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit sollte wirtschaftspolitisch neben der Bildung höchstes Augenmerk auf einen gesunden Unternehmenssektor gerichtet werden.

 

Abbildung: Unternehmen Österreich nach Größe 2015

Quelle: Statistik Austria, Wirtschaftskammer Österreich

 

In Österreich gibt es 328.638 Unternehmen, die rund 2,86 Millionen Unselbständige beschäftigen. Rund 85% der Unternehmen beschäftigen maximal 9 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Umsatz von maximal 999.000 Euro. Ein Großteil jener Unternehmen sind EPU’s (Ein-Personen-Unternehmen) – davon sind rund 25% nebenberufliche Unternehmer. 

 

Abbildung: KMU – Österreich

Quelle: KMU Forschung Austria

 

Laut Europäischer Kommission werden Unternehmen bis 250 Mittarbeitern dem Bereich KMU (= kleinere und mittlere Unternehmen) zugeordnet. In Österreich gibt es 327.500 KMU – das sind 99,7% der marktorientierten Wirtschaft. Diese Unternehmen generieren eine Umsatzrentabilität von 3,8% und weisen eine Eigenkapitalquote von 30% auf. In Summe erwirtschaften die KMU 453 Milliarden Euro.

 

Abbildung: Unternehmen Österreich – Struktur

Quelle: Statistik Austria

 

Österreich ist ein Dienstleistungsland – rund 80% der Unternehmen und 66% der Beschäftigten sind diesem Sektor zuzuordnen. Aber auch der produzierende Bereich ist eine tragende Säule des Wirtschaftsstandortes. 37,6% der Umsatzerlöse und 29,6% der getätigten Investitionen sind diesem Sektor zuzuordnen.

 

Im Rahmen des NeuWinds werden im Cluster Unternehmen die Indikatoren Unternehmensgründungen, Time to Start a Business und die Körperschaftssteuer herangezogen.

 

Abbildung: Cluster Unternehmen

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transparency International)

 

Bei den Unternehmensgründungen, das entspricht den Neugründungen in Relation zu den aktiven Unternehmen, belegt Österreich lediglich den 24. Platz der EU-28-Länder. Gerade bürokratische Hürden dürften ein großes Hemmnis darstellen. In Österreich dauert es 22 Tage, um ein Unternehmen zu gründen. Damit belegt Österreich lediglich den 26. Rang der EU-28. Im EU-28-Schnitt dauert es 10,2 Tage – auch bei unserem Nachbarn Deutschland dauert es mit 10,5 Tage nicht einmal halb so lange. Der Indikator Körperschaftssteuer in Relation zum BIP zeigt den Anteil der Steuern, die auf Einkünfte von Unternehmen und Gesellschaften einer juristischen Person eingehoben werden, im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung eines Staates. Österreich belegt mit einem Wert von 2,3% bei diesem Indikator den 9. Platz der EU-28.

 

Abbildung: Cluster Unternehmen im historischen Zeitraffer

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transparency International)

 

Die Unternehmensgründungen sind in Österreich etwas zurückgegangen. Auch beim Indikator Time to Start a Business konnte in den vergangenen 5 Jahren eine Verbesserung von 28 auf 22 Tage erzielt werden. Im Vergleich dazu konnten die EU-28-Länder den Wert von 15,2 auf 10,2 Tage senken. Sowohl in Österreich als auch in den EU-28-Ländern ist der Anteil der Körperschaftssteuer im Referenzzeitraum angestiegen. Dies ist vor allem auf die verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurückzuführen.

 

Abbildung: Cluster Unternehmen – Platzierung im historischen Zeitraffer Österreich

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transparency International)

 

Bei allen zugrundeliegenden Indikatoren hat sich Österreich im Vergleich zu der EU-28 innerhalb des Referenzzeitraumes verschlechtert. Bei den Unternehmensgründungen und beim Indikator Time to Start a Business belegt Österreich lediglich hintere Ränge. Bei den Unternehmensgründungen verlor Österreich sogar 5 Plätze. Auch bei der Körperschaftssteuer wurden in den vergangenen Jahren 3 Plätze eingebüßt.

 

Abbildung: Unternehmensgründungen vs. Time to start a Business

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transparency International)

 

In der Abbildung werden die Indikatoren Unternehmensgründungen und Time to start a Business dargestellt. Die vergleichsweise geringe Gründungsrate ist mit Sicherheit auch auf den hohen administrativen und bürokratischen Aufwand im Zuge einer Unternehmensgründung zurückzuführen. Gerade in diesem Bereich ist dringender Handlungsbedarf gegeben!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at