Über Hühnerkot und ETFs

30. Nov 2017 | Blog

VON Kevin Windisch

Heute ist ein toller Tag. Außerdem endet bald die Olympiade. Es ist Zeit für ein olympisches Medley.

 

Endlich haben Wissenschaftler den langersehnten Durchbruch geschafft. Forscher verwandeln Hühnerkot in Kohle. „Das Verfahren hat mehrere Vorzüge“, so einer der Erfinder. „Geflügelkot ist eine Belastung für die Umwelt und enthält Krankheitserreger. Aus diesem Abfall entsteht dann eine alternative Energiequelle in Form von Kohle. Insgesamt entsteht mehr Energie, als bei dem Verfahren hineingesteckt wird. Diese Kohle diene als Alternative zu fossilen Brennstoffen.“ Ich sehe schon die nächste Schlagzeile: „Rettet die Welt, esst mehr Hühner!“ Warum ich darüber berichte, ist die eigentliche Sensation. Diese neue Energiequelle riecht nämlich nicht nach Geflügel oder nach Kot, sondern nach Kohle! Dabei sein ist alles, gilt scheinbar nicht nur für die Politik, sondern auch für die Bekämpfung des Klimawandels, wie wir hier wieder eindrücklich vorgeführt bekommen. (Link zum Artikel)

 

Auch in China gibt es eine Entwicklung, die Matthias Strolz wohl mit dem Kunstbegriff „Schlag den Lukas“ beschreiben würde. Dabei sein ist in diesem Fall nicht alles, denn die rotrote Regierung in China unternimmt gerade den Versuch, ein computergestütztes Sozialkreditsystem zu implementieren, bei dem jedem Menschen eine Bewertung zukommen soll, der aus dem großen Datenpool, dem Big Data, entnommen wird. Auf einer Bewertungsskala von A-D sollen chinesische Staatsbürger bewertet und dann entsprechend bestraft oder belohnt werden. Zhang Chengwei, der Chef des Unternehmens, das die Software dazu liefert, formuliert dazu: „Die aus der Roten Liste werden bevorzugt behandelt, zum Beispiel bei Zulassungen für Schulen, bei sozialen Leistungen und auch bei Versicherungen. Die aus der C-Gruppe werden täglich kontrolliert. Sie bekommen schriftliche Hinweise über bestimmte Einschränkungen. Das kann zum Beispiel die Kürzung von sozialen Hilfen sein. Die unterste Klasse ist D. Diese Leute dürfen keine Führungspositionen mehr besetzen, bekommen Leistungen gestrichen und haben keine Kreditwürdigkeit mehr.“ Nur gut, dass die olympischen Spiele in Peking schon vorbei sind und wir unseren Athleten in Süd-Korea die Daumen drücken dürfen. (Link zum Artikel)

 

Nicht zuletzt möchte auch Erwin Pröll wieder dabei sein. Überraschenderweise wird er vom bulgarischen Ministerpräsidenten engagiert, um Bulgarien mit seiner regionalpolitischen Erfahrung zu unterstützen. Nein, die Meldung stammt nicht von der Tagespresse.

 

„Dabei sein ist alles“ gilt vor allem bei Trends am Kapitalmarkt. Dementsprechend sollten die Kryptowährungen hier nicht fehlen. Allerdings gibt es noch eine zweite Entwicklung, die sehr interessant ist und mich persönlich auch erfreut. Im folgenden Chart sehen Sie die Nettomittelzuflüsse in aktiv verwaltete Aktienfonds (blau) und Indexfonds (rot). Es scheint hier in den letzten Jahren eine sehr deutliche Trendumkehr im Anlageverhalten von Investoren zu geben. Da aktiv verwaltete Aktienfonds ihr Performanceversprechen auf längere Sicht nicht wirklich halten können, gewinnen passive Produkte immer mehr an Bedeutung, wie man hier eindrucksvoll erkennen kann. In einem zukünftigen Blog werde ich diese Entwicklung etwas näher unter die Lupe nehmen und diskutieren.

 

Abbildung: Nettomittelzuflüsse in Aktienfonds und Indexfonds

Quelle: Investment Company Institute

 

Obwohl sich die Welt immer weiter bewegt, sehen Sie, werter Leser, dass gewisse Prinzipien dann doch unverrückbar scheinen. Meist sind die einfachen Antworten auch die Richtigen. Das wird vor allem im Asset Management immer wieder deutlich. In diesem Sinne möchte ich abschließend noch einmal das offizielle Motto der olympischen Spiele nennen, das im klaren Widerspruch zum allseits bekanntem „Dabei sein ist alles“ eigentlich folgendermaßen lautet und deutlich besser den Zugang unserer Gesellschaft zu Sport und dem Leben im Allgemeinen beschreibt: „Citius, altius, fortius“ – „Schneller, höher, stärker“.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: kevin.windisch@securitykag.at