Die 1 Million-Dollarwette und der klare Fall von Selbstüberschätzung

12. Jan 2018 | Blog

VON Alfred Kober

An sich ist Warren Buffett nicht gerade dafür bekannt, waghalsige Wetten einzugehen. Vielmehr werden mit seiner Person Eigenschaften wie Langfristigkeit, Besonnen- und Überlegenheit assoziiert. Umso interessanter ist das Ergebnis einer Wette, die er mit dem Mitgründer einer auf Hedgefonds spezialisierten Anlagefirma just vor dem Höhepunkt der Finanzkrise vor 10 Jahren abgeschlossen hat.


Damals hatte Warren Buffet eine halbe Million Dollar gewettet, dass kein Finanzprofi in der Lage ist, ein aus fünf Hedgefonds bestehendes Portfolio zu bilden, das sich auf Sicht von 10 Jahren besser entwickelt als ein simples Investment in einen passiven Indexfonds. Ted Seides, seines Zeichens Mitgründer einer auf Hedgefonds spezialisierten Analagefirma, nahm die Wette an und legte eine halbe Mio. US-Dollar drauf.


War die Schere der Wertentwicklung zwischen den beiden Portfolios anfangs noch recht gering, weitete sich diese im Laufe der Jahre immer weiter und sehr zugunsten des einfachen Aktienmarktinvestments aus. Bereits im Mai des vergangenen Jahres und noch vor dem Ende der festgelegten 10 Jahre resignierte schlussendlich der Hedgefondsmanager und gab sich geschlagen. Die Underperformance zu dem Gesamtmarktinvestment war einfach zu groß und nicht mehr einholbar. Während in den knapp neuneinhalb Jahren das Hedgefondsportfolio einen Wertzuwachs von 2,2% jährlich verzeichnete, wies das Indexportfolio über 7% pro Jahr aus!


Aber woran mag diese schlechte Entwicklung liegen? An fehlendem Know-how kann es angesichts der beiden erfahrenen Kapazunder auf ihrem Gebiet wohl nicht liegen. Die Antwort auf diese Frage ist wahrscheinlich an mehreren Ecken zu finden. Ein wohl wesentlicher Grund der massiven Underperformance liegt sehr wahrscheinlich in den traditionell hohen Gebühren bei Hedgefonds. Seit jeher werden diese von Buffett kritisiert. Üblicherweise verlangen Hedgefonds neben einer saftigen Managementgebühr auch eine erfolgsabhängige Vergütung mit der Aussicht zumindest risikoadjustiert bessere, überdurchschnittliche Erträge zu erzielen. Wie uns die letzten Jahre zeigten, bleibt es dabei meist bei den Aussichten, die vielfach nicht erreicht werden. Die Auswirkung von Kosten auf den langfristigen Anlageerfolg wird unterdessen meist unterschätzt, ist fatal und substantiell.


In dieselbe Kerbe schlägt das Thema der Aktivität im Portfolio. Nach den vielfach negativen Erfahrungen in den letzten beiden Jahrzehnten, scheint der Hunger nach Trading und Turnover immer noch nicht gestillt zu sein. In der Vergangenheit waren nur sehr sehr wenige Investoren in der Lage, nachhaltig und nach Berücksichtigung der Kosten, ein Buy-and-Hold Portfolio zu übertreffen. Weshalb ein Portfolio ändern, wenn dieses gut aufgesetzt ist? „Sit on your hands“ erspart unnötige Fehler und Kosten. Das Umschlagsvolumen des von Buffett im Zuge dieser Wette eingesetzten Indexinvestmentfonds liegt pro Jahr im Schnitt bei rd. 10% des Portfoliowertes – das von Hedgefonds meist bei einem Vielfachen davon.


Exklusive Kunden fragen nach exklusiven Produkten. Die häufig hoch komplexen Strategien, verpackt in vielfach nicht frei zugänglichen Investmentvehikel, verleihen der Gruppe der Hedgefonds einen Sonderstatus und damit einen Hauch von vermeintlicher Exklusivität. Wie soll ein börsennotierter, transparenter und von Jedermann kaufbarer Indexfonds da schon mithalten können? Viel zu einfach und langweilig für den kapitalmarktaffinen Kunden, oder?


Um zurückzukommen auf die Wette ging ein weiterer klarer Gewinner hervor. Der Spieleinsatz der beiden Investmentgurus wurde zu guter Letzt an eine Wohltätigkeitsorganisation für wirtschaftlich benachteiligte Mädchen und Frauen weitergereicht und somit, so glaube ich zumindest, langfristig bestens veranlagt.

 

PS: Was die Investorenlegende Buffett von Kryptowährungen hält, durfte die Welt just diese Woche erfahren. In einem Interview mit dem Wirtschaftssender CNBC prophezeit er dem Hype ein böses Ende und „bestünde die Möglichkeit, würde er wahrscheinlich für jede dieser Währungen eine Verkaufsoption kaufen“, scherzte Buffett. (Link zum Artikel)

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