SFDR: Fluch oder Segen?

30. Dez 2022 | Blog

VON Laura Lemle

Im Jahr 2021 wurde die neue europäische Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation) zur Klassifizierung von Investmentfonds eingeführt. Ein Ziel war die Transparenz der nachhaltigen Fonds zu erhöhen. Endlich sollte es Klarheit geben, was als nachhaltig definiert werden kann und was nicht. Die vereinheitlichte Einstufung von Fonds in den Kategorien Artikel 9 („dark green“), Artikel 8 („light green“) oder Artikel 6 („nicht nachhaltig“) sollte für eine bessere Vergleichbarkeit sorgen und die Transparenz erhöhen. Dadurch sollte auch Greenwashing verhindert werden. Die Freude war aber wohl ein bisschen voreilig. 

 

Aufgrund unterschiedlicher Interpretationen wurden Fonds damals als „dark green“ eingestuft, obwohl diese nach der neuen Reglementierung eigentlich nur als „light green“ oder sogar als „nicht nachhaltig“ eingestuft hätten werden sollen. Im Januar 2023 mit der SFDR Level 2 Regeln müssen deswegen voraussichtlich viele Asset Manager ihre Klassifizierung abändern. Wer nicht konservativ genug vorgegangen ist, muss jetzt die Konsequenzen tragen. Eine aktuelle Auswertung von Morningstar Inc. hat gezeigt, dass aufgrund der neuen detaillierteren Vorschriften für Artikel 8 und 9 Fonds bereits 41 Fonds - in Volumen von mehr als 125 Milliarden $ - von Artikel 9 auf Artikel 8 abgestuft worden sind. In diesen 125 Milliarden $ Summe sind aber erst die early birds enthalten, die nach der Erscheinung der neuen Vorschriften gleich reagiert haben, der Großteil folgt wahrscheinlich erst nachher. Ein noch schlechteres Szenario ist, wenn Fonds von Artikel 8 auf Artikel 6 also von nachhaltig auf nicht nachhaltig umgestuft werden müssen. Morningstar schätzt, dass aktuell nur 18 % der Artikel 8 Fonds - welche einen Gesamtvolumen von 4 Billionen $ haben - die neuen Kriterien erfüllen.

 

Es werden also höchstwahrscheinlich in den nächsten Zeiten eine Reihe von Abstufungen folgen. Dies kann zu großen Problemen führen. In der Branche wurde in den letzten Jahren besonders der Vertrieb von nachhaltigen Fonds gefördert und dementsprechend besonders viel Volumen in diesen Fonds abgesetzt. Was passiert, wenn die verkauften Fonds nicht mehr so nachhaltig sind, wie sie beworben wurden? Dies kann große Abflüsse zur Folge haben. Können für solch ein Szenario Asset Manager reagieren und bei den Fonds nachschärfen bzw. die Kunden in eigene Fonds behalten oder wird es zu einer Neuaufteilung des ESG-Fondsmarkt führen? Es geht in jedem Fall um ein nicht zu vernachlässigendes Volumen, da immer mehr -insbesondere institutionelle- Kunden ihre Gelder nachhaltig investieren wollen bzw. mittlerweile auch müssen. 

 

Es stellt sich auch die Frage wie weit das Image der Fondsindustrie dadurch geschädigt wird. Hätte der Regulator die Vorschriften früher und exakter bestimmen bzw. veröffentlichen sollen, damit weniger Interpretationsspielraum verbleibt was als Artikel 6, 8 oder 9 Fonds zählt? Oder haben sich die Asset Manager zu weit aus dem Fenster gelehnt, weil sie teilweise ohne kritische Betrachtung bzw. zu offensiv Fonds als Artikel 9 klassifiziert haben und sich somit mit dem Vorwurf des Greenwashing befassen müssen?

 

Eine weiteres Problem, liegt in den mangelhaften und nicht homogenen ESG-Daten. Damit das Niveau der Nachhaltigkeit von Fonds genau bestimmbar ist, müssen für jede Emittent vollständige Nachhaltigkeitsdaten vorhanden sein. Ohne vollständige Daten ist es schwer komplett transparente Fonds zu gestalten. Das Datenumfeld muss auch zu den neuen Regeln aufwachsen, damit es wirklich vollständig transparent umgesetzt werden kann. 

 

Es kann festgestellt werden, dass es noch weiterhin viele offene Fragen und Verbesserungspotenziale gibt, was die Nachhaltigkeitseinstufung von Fonds betrifft und auch mit dem neuen Regelwerk die Vergleichbarkeit nicht wirklich gegeben ist. Wohingegen bestehenden Nachhaltigkeitssiegel und -zertifikate sehr wohl dabei helfen eine bessere Vergleichsbasis zu schaffen. Die aktuelle Situation kann zu unterschiedlichen Szenarien führen. Das erste und wahrscheinlichste Szenario ist, dass ein Teil der nachhaltigen Fonds umgestuft werden müssen und somit ein möglicher Kapitalfluss zu anderen nachhaltigen bzw. nachhaltigeren Fondsvarianten entsteht. Das zweite und schlimmste Szenario wäre, dass die Fondsbranche einen erheblichen Imageschaden erleidet und dadurch generell nachhaltige Investmentfonds an Glaubwürdigkeit verlieren. Das dritte und für die Branche angenehmste Szenario wäre, dass die Asset Manager ihre nachhaltigen Fonds möglichst schnell umstrukturieren, damit die Fonds dem neuesten Regelwerk entsprechen und weiterhin die Einstufung als Artikel 8 und 9 behalten dürfen, und somit sich die Kunden nicht vor den Kopf gestoßen fühlen. Unabhängig davon welches Szenario dann letztendlich eintritt kann festgehalten werden, dass die Gefahr eines Imageschaden für nachhaltige Geldanlage und in weiterer Folge für die gesamte Fondsbranche besteht. Dabei spielt die Ursache dann schlussendlich auch nur eine untergeordnete Rolle. Es bleibt zu hoffen, dass in den nächsten Jahren, sowohl die Nachhaltigkeitsdaten, als auch die Regularien dazu beitragen, dass die nachhaltige Fondsindustrie transparenter, grüner und vor allem auch homogener wird.

 

Quellen:

ESG’s real problem is a lack of data, fixed-income pros say | Insights | Bloomberg Professional Services

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