Ein Unternehmer hat es schwer…

11. Dez 2015 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Ein Unternehmer hat es nicht leicht. Seine wesentliche Aufgabe ist es, mit seinen Aktivitäten so viel einzunehmen, dass er die Verantwortung für seine Mitarbeiter und natürlich für sich selbst wahrnehmen kann. Dies ist oft mit überbordendem Einsatz (sowohl zeitlich als auch monetär) verbunden. Sofern die Geschäfte gut laufen, kann das unternehmerische Risiko aber auch durchaus fürstlich abgegolten werden. Und genau das führt oft zu Neid und Missgunst.

 

Auf der anderen Seite gibt es auch viele, die scheitern. Laut der jüngsten Insolvenzstatistik des KSV1870 mussten in den ersten drei Quartalen 2015 3.820 Unternehmen Insolvenz anmelden. Betroffen waren nicht nur die Unternehmer selbst, sondern auch 14.000 Mitarbeiter, die bei den entsprechenden Unternehmen gearbeitet haben. Österreich verzeichnet über die Jahre eine Insolvenzquote von 1,3% der aktiven Unternehmen. Interessant ist auch, dass knapp die Hälfte der Insolvenzen auf Unternehmen entfällt, die ihren 5. Geburtstag noch nicht gefeiert haben.

 

Abbildung: Insolvenzursachen 2014

Quelle: KSV1870

 

Laut KSV1870 sind 51% der Pleiten auf den Manager selbst zurückzuführen (Fehler bzw. Verlustquellen im innerbetrieblichen Bereich). Als einer der Hauptpunkte wird „Fehlen des unbedingt notwendigen kaufmännischen Weitblicks, der rationellen Planung bei Funktionsänderungen, Absatzschwierigkeiten“ angeführt. Gerade für Unternehmer ist es wichtig, sich nicht im taktischen Geplänkel zu verlieren, sondern auch Zeit für die strategische Positionierung einzuplanen. Dies kommt allerdings häufig zu kurz!

Die OECD hat jüngst eine Studie mit dem interessanten Titel „The Missing Entrepreneurs 2015“ veröffentlicht.  2014 waren in der EU 30,6 Millionen selbständig. Im Rahmen dieses Blog-Beitrages möchte ich Ihnen einige interessante Grafiken zeigen.

 

In Österreich ist das Unternehmertum „unterdurchschnittlich“ ausgeprägt. Aufgrund der politischen Struktur, der Rahmenbedingungen und auch der Tradition streben nur wenige junge Menschen den Weg in die Selbstständigkeit an. Neben der langen Arbeitszeiten und der nervlichen Belastung wird häufig das unternehmerische Risiko des Scheiterns als Hemmnis angeführt.


Abbildung: Selbständigen Rate 2013

Quelle: OECD/Eurostat

 

Österreichs Unternehmensgründer sind auch deutlich vorsichtiger bzw. konservativer als ihre europäischen Kollegen.

 

Abbildung: Jungunternehmer, die mehr als 19 Arbeitsplätze in 5 Jahren generieren möchten

Quelle: OECD/Eurostat

 

Entgegen der Erwartung haben nur 2,1% der Arbeitslosen versucht, der Arbeitslosigkeit durch die Gründung eines Unternehmens zu entrinnen. Österreich weist allerdings nach Rumänien und Luxemburg mit rund 4% den dritthöchsten Wert auf.

 

Abbildung: Anteil der Arbeitslosen, die ein Unternehmen gründen

Quelle: OECD/Eurostat

 

Es mag zwar relativ einfach sein, ein Unternehmen zu gründen. Viel schwieriger ist es allerdings, dieses langfristig erfolgreich zu führen. Strategische Entscheidungen über die Marktpositionierung, Erweiterung des Geschäftsfeldes oder die Aufnahme von neuen Mitarbeitern stehen auf der Tagesordnung. Ich würde mir wünschen, dass jenen mutigen Menschen in Österreich mehr Respekt eingeräumt wird! Zudem müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das Unternehmertum unterstützen und nicht behindern/verhindern!

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