Hochkonjunktur bei Börsengängen

22. Dez 2017 | Blog

VON Alfred Kober

Wir nähern uns dem Jahresende und die wenigen verbleibenden Handelstage werden das Jahresergebnis für Aktieninvestoren wohl nicht mehr maßgeblich beeinflussen. Auf dem Nährboden der weltweit soliden Konjunktur, den sehr niedrigen Zinsen sowie der immer noch expansiven weltweiten Notenbankbilanz entwickelten sich die Kurse der internationalen Aktien gut bis sehr gut.


Die positiven Rahmenbedingungen samt den punktuell bereits recht hohen Bewertungen sorgen dabei für einen regelrechten Ansturm an neuen Börsenlistings (IPOs). Während die Investorenseite die steigende Vielfältigkeit der Investmentuniversen begrüßt, kann diese Entwicklung ebenso auch als Abbild der gegenwärtigen langanhaltenden positiven Stimmung und Aufnahmebereitschaft seitens der Investoren gesehen werden.


Laut einer Studie von EY ist die Anzahl der weltweiten Börsengänge in diesem Jahr um 49% (vs. 2016) gestiegen und hat mit 1624 Neuzugängen den höchsten Wert seit 2007 erreicht. Demgegenüber steht die seit Jahren hohe Aktivität im Bereich der Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen, die sich selbsterklärend schmälernd auf die Anzahl der Börsenlistings auswirkt.


Abbildung 1 veranschaulicht die jährliche Verteilung der IPOs nach Regionen. Auffallend aktiv waren zum wiederholten Male die Länder im asiatischen Raum, in der nun knapp 60% aller neu emittierten Unternehmen den Handel aufgenommen haben. Dahinter reiht sich die Region EMEIA (Europe, Mid East, India und Africa) mit immerhin 29% und der amerikanische Kontinent mit einem 13%igem Anteil aller Neulistings. Dabei verzeichnet allein China 36% aller Neuzugänge (mit 60% Wachstum J/J) und war einmal mehr das aktivste Land.

 


Eine Betrachtung über die letzten Jahre relativiert diese annehmlich sehr positive Entwicklung erheblich. Die Anzahl an börsennotierten Unternehmen (inkl. neu emittierter und abzüglich der De-Listings) ist in den letzten 10 Jahren sogar leicht gesunken und hat sich auch seit dem Ende der 1990iger Jahre nicht wesentlich erhöht. Trotz der Stagnation in diesen Jahren lässt sich anhand des langfristigen Verlaufs (Abbildung 2) unmissverständlich erkennen, dass das Thema der Eigenkapitalfinanzierung über den Kapitalmarkt seit den 1970iger Jahren stark zugenommen hat.

 


Hinter dieser Stagnation im letzten Jahrzehnt finden ausgeprägte Kräfteverschiebungen statt, die auch unseren Investmentfokus über kurz oder lang wohl mitbeeinflussen werden. Der augenscheinlich magere Anstieg an weltweit börsennotierten Unternehmen wird im Wesentlichen durch das dynamische Wachstum und der zunehmenden Kapitalmarktorientierung in Südostasien gespeist (Abbildung 3). Die Region emanzipiert sich und die traditionellen Börsenzentren in den USA, in UK oder auch im Euroraum verlieren an Anziehungskraft. Traditionelle Börsenplätze wie diese zeichnen sich seit Jahren durch zunehmende Konzentrationen aus, in der sich die Börsenkapitalisierung auf eine immer geringere Anzahl an Unternehmen verteilt.

 


Aufgrund der beschriebenen Verschiebungen und der Größenverhältnisse ist eine Ausdehnung der gängigen international ausgerichteten Aktienindizes auf diese dynamisch wachsenden Regionen wohl nur noch eine Frage der Zeit. In der Regel fokussieren sich die Indexanbieter schwerpunktmäßig auf die industrialisierten Länder und bilden daraus Aktienkörbe, die in weiterer Folge von institutionellen Investoren als Orientierungsgröße in ihrer Aktienveranlagung Verwendung finden.


Aufgrund der starken Verzahnung des europäischen und des amerikanischen Kapitalmarktes sind die generierbaren Diversifikationseffekte in einem Europa/Amerika dominierten Portfolio überschaubar. Unter diesem Aspekt sehe ich eine mögliche Ausdehnung der investierbaren Universen als potentiell positive Entwicklung für unsere Investoren.


Final möchte ich auf einen Sachverhalt eingehen, der derart kurios ist, dass ich heute einfach nur den Kopf schütteln musste. Der uns all bekannte Softdrinkproduzent „Long Island Ice Tea Corp.“ firmiert nun unter „Long Blockchain Corp.“ und beabsichtigt das Geschäftsmodell zu „adaptieren“. Konsequenz daraus: Der Schlusskurs der Aktie lag am 20. Dezember bei 2.44 USD, der Eröffnungskurs am Tag darauf bei 7.95 USD (Kursperformance in weniger als 20h über 200%!!!). Also scheinbar auch eine Möglichkeit, den Firmenwert zu erhöhen – Es erinnert mich sehr an Zeiten des Internethypes. In diesem Sinne wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und freue mich auf interessante Blogs im neuen Jahr!

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