China lässt das Schwein grunzen!

08. Feb 2019 | Blog

VON Alfred Kober

Nach dem Fest ist vor dem Fest und alle Liebhaber von Süßem wissen wovon ich schreibe. Wir nähern uns sukzessive dem Climax der diesjährigen Krapfensaison – einer der wenigen Trends, der sich zuverlässig und exakt im Vorhinein bestimmen lässt. Aber Spaß beiseite. Während wir Europäer mit unseren Kindern zwischen den Faschingsfesten hin und her gondeln, findet parallel dazu eine Konkurrenzveranstaltung statt, die sich an Dimension schwer überbieten lässt.


Medial kaum zu übersehen und zu überhören leiteten pünktlich zu Februarbeginn 1,4 Mrd. Menschen in China ein neues Jahr ein: Nicht irgendein Jahr, sondern das Jahr des Schweins – Sinnbild für reichlich Glück und Geldsegen. Ziemlich cool – klingt nach Selbstläufer, was will man da mehr. Um die Brücke zum Kapitalmarkt zu schlagen, möchte ich in diesem Blog kurz auf die Bedeutung Chinas aus der Sicht eines international investierenden Aktieninvestors eingehen.


Der enorme Aufstieg des Landes begann zum Ende der 1970iger Jahre mit der wirtschaftlichen Öffnung unter Deng Xiaoping. Seither ist viel passiert und unter Einsatz enormster Ressourcen sowie der gezielten Inkaufnahme teils katastrophaler ökologischer und ethischer Konsequenzen hat sich das Armenland zur wirtschaftlichen Großmacht entwickelt. Werkbank der Welt war einmal – Leadership ist gefragt und in einzelnen zukunftsweisenden Industriezweigen, wie der umfangreiche Einsatz von künstlicher Intelligenz zeigt, hat das Land diese Rolle bereits eingenommen. Anhand des Track-Records halte ich auch das ehrgeizige Ziel der weitaus vollständigen Elektrifizierung der Mobilität in den kommenden Jahren mittlerweile für realistisch. Österreich beweist gerade in dieser Angelegenheit echten Weitblick, presst den Kick-Down und stellt die Tachonadel der Verbrenner mal ein Stück höher auf 140 km/h!


Um auf die Größenverhältnisse zurückzukommen und um in weiterer Folge den Bogen zum Kapitalmarkt zu spannen, habe ich im ersten Schritt die größten Kontributoren zum Welt-BIP dargestellt (Abbildung 1). Dabei zeigt die linke Darstellung die deutliche Dominanz der USA, unmittelbar gefolgt von China mit einer Beitragsleistung von mittlerweile >15% und Japan mit rd. 6%. Auf den nächsten Plätzen reiht sich Deutschland mit knapp 5% und Großbritannien mit 3,3% ein. Es ist absehbar, dass Indien und Brasilien weiter vordrängen und in den nächsten ein bzw. zwei Jahrzehnten eine Positionierung unter den Top 5 einnehmen werden. Weiters zeigt der Chart deutlich, dass der Abstand der beiden Erstplatzierten zum Rest erheblich ist und trotz der wirtschaftlichen Stärke der europäischen Länder diese im Vergleich recht verloren erscheinen. Die ökonomische Stärke Europas und in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Zusammenarbeit, der einheitlichen „Stimme“ und des gemeinsamen Auftretens am internationalen Bankett kommt im rechten Teil zum Ausdruck. Europa als Einheit (grün) ist auf Augenhöhe mit den USA – schade, dass mit dem Austritt Großbritanniens nun ein so wichtiger Teil, weil groß und liberal gesinnt, der Einheit wegzubrechen droht bzw. wegbricht.


Abbildung 1: Beitragsleistung zum Welt-BIP


Quelle: Security KAG, International Monetary Fund, Database 10/2018


Nun, dass Europa vorrangig mit sich selbst beschäftigt ist, wissen wir nicht erst seit der Rettung Griechenlands oder Immigrationsthematik der letzten Jahre. Nein, wohlwissend der Stärke und der enormen Dynamik Chinas und Indiens haben sich die USA längst von Europa distanziert und den strategischen Fokus auf die asiatische Region gelegt. Dabei sind die gegenseitigen Abhängigkeiten materiell, was die Sache nicht vereinfacht.


Es ist meines Erachtens der Cocktail aus den Ingredienzien von militärischer Vormachtstellung, das Vermögen, die eigene Bevölkerung zu ernähren sowie die Beherrschung von Medien und des Kapitalmarktes, die eine Supermacht definieren. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges war es zweifelsohne die USA, die sich als Weltmacht positionierte und das wahrscheinlich zu Recht. Mit dem Wiederauferstehen des chinesischen Drachens beginnen die Mauern dieser Vormachtstellung zusehends zu bröckeln und was das Militär und die Ernährung der eigenen Bevölkerung betrifft, legt China zuletzt eine enorme Aufholjagd hin. Während das Internet und die Kommunikation auch weiterhin recht fest in amerikanischer Hand liegen, sind die immensen anhaltenden Bemühungen der Isolation ein Sinnbild für deren Bedeutung sowie der strategischen Ausrichtung des Landes.


Was den Zahlungsverkehr und den Kapitalmarkt betrifft, haben die USA auch weiterhin die Zügel ganz fest in ihrer Hand. Neben der beinahe absoluten Dominanz durch SWIFT, Kreditkarten und digitaler Infrastruktur des Zahlungsverkehrs ist die Situation am Kapitalmarkt kaum eine andere. Zudem sind immer noch knapp 2/3 aller von den Ländern und Institutionen gehaltenen Währungsreserven auf diesem Planeten in US-Dollar denominiert. Vorausgesetzt, dass das Vertrauen nicht allzu sehr verspielt wird, sollte die durch eine wachsende Weltwirtschaft generierte Nachfrage nach US-Dollar die Refinanzierung der USA auch weiterhin immens bevorteilt.


Sowohl auf der Anleihenseite als auch aktienseitig geben die USA nach wie vor den Takt an den internationalen Kapitalmärkten vor. Auch diese Vormachtstellung soll möglichst lange verteidigt und hinausgezögert werden und erst zögerlich passen prominente Indexanbieter die Benchmarkportfolios an die ökonomischen Realitäten an.


Abbildung 2 vergleicht die Größe der Volkswirtschaft mit der Gewichtung in einem der wohlbekannten Aktienindizes. Als Ausrichtungsgröße von Aktienportfolios findet dieser globale seine Anwendung. Die Auswahl der dargestellten Länder und Regionen basiert auf der Zusammensetzung dieses Index und umfasst exakt 47 Staaten. Der Vollständigkeit halber zeigt der rechte Balken den gesamten Wert der nationalen Aktienbörsen dar und stellt diesen in Relation zueinander.


Abbildung 2: BIP – Kapitalisierung - Indexgewichtung


Quelle: Security KAG, The World Bank, The Global Financial Development Database


Während Nordamerika einen wirtschaftlichen Beitrag von knapp 30% leistet (USA: 27,4% & CA: 2,3%), nimmt diese Region im globalen Aktienindex einen Anteil von 58,7% ein. Die Verwalter von international ausgerichteten Aktienfonds und insbesondere von indexnahen Produkten richten sich in der Regel sehr eng and dieser Vorgabe, ihrer Benchmark, aus. Die punktuell materiellen Divergenzen von Wirtschaftsleistung und Indexgewichtung wurden in der Abbildung gesondert hervorgehoben und betreffen in erster Linie die USA und China. Zufall oder nicht – die Abweichungen sind eklatant, begünstigen Zahlungsströme in die USA und benachteiligen China. Geschichtlich bedingt divergiert der Börsenkapitalisierungsgrad (in Relation zur Größe eines Landes). Aber auch ein Vergleich zwischen der Gewichtung im Index und der Kapitalisierungsgröße der Börse im internationalen Kontext zeigt zum Teil materielle Unterschiede (rechte Säule).


All die Mosaiksteinchen geben ein recht klares Bild. Es ist nicht die Frage, ob, sondern vielmehr wie lange es noch dauern wird, bis China die historische Rolle als Powerhouse zurückgewinnt. Dies betrifft unmittelbar auch den Kapitalmarkt, auf dem der Einfluss der asiatischen Länder zweifelsohne erheblich zunehmen wird. Das Jahr des Schweins ist dabei nur eine kleine Zwischenstation auf der strategischen Reise zur größten Wirtschaftsmacht dieses Planeten.

 

 

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