Das Leben ist (k)ein Zuckerschlecken

10. Mai 2019 | Blog

VON Philipp Ebner

Der Grundstein zu diesem Blog wurde vor einigen Wochen bei einer zünftigen Jause im Beisein meiner Familie gelegt, als der Gastgeber ein Glas eines namhaften österreichischen Gurkenherstellers öffnete und uns plötzlich ein penetranter süßlicher Geruch um die Nasen wehte. Nur Millisekunden nach dem Triggern der Hirnregion, die für die Befriedigung des Zuckerbedürfnisses zuständig ist, stellte ich mir die Frage: „Was hat dieser Zuckergeruch mit meinen geliebten Gurken zu tun?“. Und schon war ich mittendrin in einem gesellschaftlichen Thema, welches zum einen für ein Dutzend von Krankheiten unserer heutigen Gesellschaft verantwortlich gemacht wird und zum anderen von geschäftspolitischer Ebene bewusst mit verschleiernden und meiner Meinung nach falschen Angaben, Werbungen und Methoden ausgenutzt wird.

 

In den Medien poppen abseits der bevorstehenden Klimakatastrophe, Plastikinseln, Handelszölle und Austrittsverhandlungen immer wieder, inzwischen von Werbung, verpackt, Berichte über Diabetes Typ-2 auf. Eine Krankheit, die eigentlich als schleichende Massenvernichtungswaffe bezeichnet werden könnte. Aber gut, wer kann sich diesem omnipräsenten Geschmack schon entziehen? Anscheinend die wenigstens von uns, wie die nachfolgende Grafik zeigt:

 

Quelle: worldatlas.com

 

Laut der offiziellen Empfehlung seitens der WHO sollte der tägliche Zuckerkonsum nicht mehr als 12 Teelöffel überschreiten, wobei ein gestrichener Teelöffel ca. 3 Gramm Zucker ausmacht. Seitens der Regierungen gibt es bereits Bestrebungen, eine Zuckersteuer bzw. strengere Auszeichnungsanforderungen für die Produzenten zu erlassen, jedoch genau diese sind mit Erfindungsreichtum und unglaublichen Werbebudgets ausgestattet. Die F&E-Abteilungen der Konzerne haben zahlreiche Synonyme für das Wort Zucker in petto. So wird mit lustig anmutenden Wörtern wie Maltodextrin, Oligofruktose und Dextrose sowie Raffinose, Fructose und Maltose die Anwesenheit von Zucker verschleiert. Darüber hinaus bedrucken die Marketingabteilungen ihre vermeintlich gesünderen Produkte mit psychologischen Schlagwörtern wie „light“ und „weniger süß“ und suggerieren dem Kunden so, sich etwas Gesünderes zu gönnen. Der Blick in Studien namhafter Verbraucherorganisationen wie z.B. Stiftung Warentest oder Öko Test ist zwar mit Aufwand verbunden, jedoch geben sie einen gesunden Einblick hinter die Kulissen unserer gut gefüllten Lebensmittelregale. So etwa haut die von den Klitschko Brüdern propagierte Schoko-Milch Zwischenmahlzeit mit nur 8,3 Gramm Zucker vergleichsweise wenig auf die Hüfte. Weckt man jedoch früh morgens den Tiger mit Frühstücksflocken, so schaufelt man pro Packung ca. 46 Würfelzucker (1 Würfelzucker sind ca. 3 Gramm Zucker) in sich rein. Und ich rede aus eigener Erfahrung, dass der Verzehr einer solchen Packung keine Herausforderung darstellt!

 

Wenn man den im Jahr 2018 veröffentlichten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation Glauben schenken darf, dann haben sich die Diabetesfälle in 34 Jahren fast vervierfacht, von 108 Mio. im Jahr 1980 auf über 422 Mio. im Jahr 2014. Natürlich tragen neben dem Verzehr zuckerhaltiger Speisen und Getränke auch noch andere Faktoren zur Entstehung dieser Krankheit bei.

 

Quelle: who.int

 

Wie Sie mit Sicherheit wissen, gibt es mehrere Arten von Zucker. Da gibt es zum einen den natürlichen Zucker, welcher sich z.B. in geringer Form in Früchten befindet, mit Nährstoffen und Ballaststoffen versetzt ist und so die Verdauung optimiert. Dadurch steht dem Körper mehr Zeit zum Verstoffwechseln zur Verfügung, anstatt es sofort in den Fettdepots zu speichern. Auf der anderen Seite gibt es den künstlich zugeführten Zucker, welcher keine verdauungsoptimierenden Stoffe beinhaltet und teilweise konservierungsfähige Eigenschaften aufweist, wie z.B. bei meinen Gurken. Dieser Zucker gibt uns unmittelbar das befriedigende Gefühl, welches vom Nucleus accumbens, dem Lustzentrum unseres Gehirns, in Form von Dopamin ausgeschüttet wird.

 

Ein großes Problem unserer Gesellschaft ist die fehlende Zeit für die Essenszubereitung, mangelndes Wissen und fehlendes Bewusstsein für gesunde Ernährung und schlichtweg viel zu günstige Preise für industriell hergestellte Fertigmassenware. Für die Industrie ist es ein Leichtes, uns in Form von Softdrinks mit einer Überdosis Zucker und die daraus entstehende Abhängigkeit, in ihre Arme zu locken. So bleibt nach dem Konsum der weltweit beliebten schwarzen US-Brause lediglich nur mehr 2 Teelöffel vom täglichen empfohlenen Höchstmaß übrig.


Die Branche ist überdies in einflussreichen Organisationen miteinander verbunden. So bemühen sich in Amerika die ABA (American Beverage Association) und in Europa die UNESDA (Union of European Beverage Associations) um die Gunst der Konsumenten am alkoholfreien Getränkemarkt. Auf den Homepages der Organisationen wird mit beeindruckenden Zahlen geworben, die einem das Gefühl einer gewissen Marktmacht geben.

 

Aufgrund des pauschaliert vermittelten Bildes von Amerikanern, die sich mit XXL-Cups und Gebinden den Durst löschen, möchte ich lieber den Blickwinkel nach Europa lenken und zum Abschluss den europäischen Softdrink-Markt kurz beleuchten. Die europäische Industrie erwirtschaftet in ihrer Wertschöpfungskette 185 Mrd. EUR, das entspricht 1,24% vom europäischen BIP. Daraus entstehen Gehaltszahlungen an die 1,7 Mio. Beschäftigten von 26,7 Mrd. EUR und dem Fiskus fließen Steuereinnahmen von rund 30 Mrd. EUR zu.

 

Quelle: unesda.eu

 

Eine brandaktuelle Kampagne der UNESDA versucht momentan, ihr Image mit den üblichen nachhaltigen Schlagwörtern wie sustainable, responsible und competitive rein zu waschen. Es wird versucht in 3 Bereichen gesetzliche Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Anforderungen im Bereich Recycling, Gesundheit und natürlich auch der Wettbewerbsfähigkeit Herr zu werden. So haftet sich die Branche in ihrem „Aspirations Manifesto 2019-2024“ das Schlagwort „Verantwortung“ mit Maßnahmen und Arbeitspaketen wie z.B. Reduktion von stark zucker- und kalorienhaltigen Getränken und pflichtbewusstem Marketing in Bezug auf Kinder auf das Factsheet.

 

Quelle: unesda.eu

 

Trotz der im Jahr 2015 erlassenen EU-Rahmenbedingung den Zuckerzusatz in den Produkten bis ins Jahr 2020 um 10% zu verringern und der strenger werdenden Kennzeichnungspflichten betreffend der Inhaltsstoffe, liegt meiner Meinung nach die Verantwortung nicht zur Gänze bei der Industrie, sondern zu einem großen Teil bei uns Konsumenten selbst. Denn wir haben die Power und, was noch viel wichtiger ist, die Freiheit uns zwischen einzelnen Produkten zu entscheiden!

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