Kann die historisch niedrige Zinslast des Staates noch weiter fallen?

14. Mai 2019 | Blog

VON Daniel Kupfner

Das Jahr 2018 war für den österreichischen Staat ein ganz besonderes – erstmals seit dem Jahr 1974 machte Österreich keine neuen Schulden. Die Einnahmen von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern lagen um EUR 426 Millionen über den Ausgaben.

 

Abbildung 1: Budgetsaldo und Wirtschaftswachstum

Quelle: Die Presse, Daten Statistik Austria


Gründe dafür gibt es mehrere. Dies sind zum einen die sprudelnden Einnahmen durch die gute konjunkturelle Lage (höheres Steueraufkommen, weniger Arbeitslose usw.) und zum anderen aber auch die rückläufige Zinslast auf die Staatsschulden. Erst heuer hat die Republik eine Anleihe mit vierjähriger Restlaufzeit zu einer Emissionsrendite von -0,39% Prozent aufstocken können. Diese Aufstockung war noch dazu um das 2,2-fache überzeichnet.

 

Durch das seit Jahren vorherrschende extrem günstige Zinsniveau konnte sich der Staat in den letzten Jahren zur sehr günstigen Konditionen am Kapitalmarkt refinanzieren.

 

Abbildung 2: Übersicht über Schulden Portfolio 2009-2018

Quelle: OeBFA Austrian Treasury

 

Wie in Abbildung 2 ersichtlich, sank die durchschnittliche Effektivverzinsung auf die gesamten Schulden (alle Finanzierungsinstrumente) der Republik von 4,04% im Jahr 2009 auf mittlerweile 2,23% im Jahr 2018. Dies liegt vor allem daran, dass die durchschnittliche Emissionsrendite stark gesunken ist und sich seit einigen Jahren unter 0,5% befindet. Die durchschnittliche Laufzeit der Schulden konnte in diesem niedrigen Zinsumfeld auf 9,79 Jahre erhöht werden, was aufgrund eventuell steigender Zinsen durchaus Sinn macht.

 

Ebenfalls interessant zu beobachten ist, dass die absolute Zinslast seit ca. 25 Jahren relativ konstant zwischen 5 und 7,5 Milliarden Euro bleibt (die Zinsen sind zwar gefallen, aber die absoluten Schulden gestiegen), die Zinslast gemessen am GDP aber kontinuierlich von 3,4% auf 1,5% sank.

 

Abbildung 3: Zinszahlungen 1990-2019e

Quelle: OeBFA Austrian Treasury

 

So wie die Schulden nie als absolute Größe betrachtet werden sollten, sondern immer im Kontext zur wirtschaftlichen Stärke des Landes, ist dieser Vergleich natürlich auch bei der Zinslast wesentlich aussagekräftiger.

 

Vergleicht man die durchschnittliche Verzinsung der Staatsschulden mit dem Verbraucherpreisindex (VPI), so fällt die konstant abnehmende Differenz zueinander auf.

 

Abbildung 4: Vergleich VPI und Durchschnittsverzinsung Staatsschulden

Quelle: staatsshulden.at, Grafik: eigene Darstellung

 

Bei einer Inflationsrate, welche über dem durchschnittlichen Zinsniveau läge, könnte man sich der realen Schulden bequem und schrittweise entledigen (was natürlich auch eine sukzessive Enteignung der Sparer bedeutet).

 

Gegen Ende meines Blogs möchte ich noch einen kurzen Ausblick wagen und die bereits im Titel gestellte Frage klären: „Kann die durchschnittliche Verzinsung auf die Staatsschulden noch weiter sinken?“. Um diese Frage zu klären, muss man sich zuallererst die Fälligkeitsstruktur der zukünftigen Anleihen ansehen.

 

Abbildung 5: Fällige österreichische Staatsanleihen bis November 2022

Quelle: OeBFA Austrian Treasury, Grafik: eigene Darstellung

 

In Abbildung 5 wurden einmal plakativ die auslaufenden Staatsanleihen der nächsten dreieinhalb Jahre (Nominale bis Ende 2022) inkl. jeweiligen Kupon angeführt. Würde man alle ausstehenden Anleihen betrachten, so erstreckt sich der Zeitraum bis ins Jahr 2117. Errechnet man aus diesen sieben Bonds einen kapitalgewichteten Durchschnittskupon, so beträgt dieser 2,79%. Wenn man sich die momentane Emissionsrendite für z.B. 10-jährige österreichische Staatsanleihen ansieht (heurige Aufstockung einer Anleihe bis 2029 zu 0,275%), so liegt diese doch deutlich unter dem durchschnittlichen Zinssatz der ablaufenden Anleihen. Der Anteil von diesen auslaufenden Bonds am Gesamtvolumen ausstehender Anleihen beträgt ziemlich genau ein Drittel (33,46%). Errechnet man sich nun einen durchschnittlichen kapitalgewichteten Kuponanteil des Gesamtvolumen (2,39%), so tragen die sieben Bonds 0,93% zum Gesamtkuponanteil bei.

 

Das bedeutet: Könnte man die sieben auslaufenden Bonds zu 0% refinanzieren, würde der durchschnittliche Kupon (kapitalgewichtet) aller Staatsanleihen von derzeit 2,39% auf 1,46% sinken. Um ein realistisches Szenario zu skizzieren, gehe ich von einer Refinanzierung der auslaufenden Bonds um jeweils zehn Jahre aus (entspricht ca. der durchschnittlichen Restlaufzeit des bestehenden Anleihenportfolios). Die Zinssätze der Neuemissionen wurden aufgrund der bestehenden Zinskurve ermittelt. Unter Berücksichtigung dieser Prämissen, würde der durchschnittliche Kupon (kapitalgewichtet) auf österreichische Staatsanleihen von derzeit 2,39% auf 1,60% sinken. Bei einem aktuell aushaftenden Anleihenvolumen mit einer Nominale von EUR 211,9 Milliarden, bedeutet das eine Verringerung der Zinslast auf die Staatsanleihen von 5,064 Milliarden auf 3,390 Milliarden Euro. Somit ergäbe sich eine jährliche Zinsersparnis von 1,674 Milliarden Euro.

 

Abschließend kann man also festhalten, dass bei halbwegs stabilem Zinsniveau innerhalb der nächsten dreieinhalb Jahre die Zinslast des Staates (absolut und relativ betrachtet) noch immer stark gesenkt werden kann. Dafür sprechen u.a. auch die anhaltende Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die stark rückläufige Verschuldungsquote des Staates gemessen am BIP und die soliden Wachstumsprognosen für Österreich.

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