Die Entwicklung des Welthandels nach 1945

17. Mai 2019 | Blog

VON Johannes Szoncso

Der zweite Weltkrieg hat Europa hart getroffen, weit härter als jedes Ereignis zuvor. Die Staaten waren wirtschaftlich am Boden. Neben dem Marshall Plan, der Europa eine gute Ausgangsposition für den Wiederaufbau schuf, wurden Ideen geboren, die zu jener Zeit beispiellos die ersten ihrer Art waren: Bereits im Jahr 1947 wurde in Genf das GATT (General Agreement on Tariffs and Trade) von 23 Staaten unterzeichnet, unter anderem von Großbritannien, China, Australien und den USA. Deutschland und Österreich traten 1951 bei. Dieses Zollabkommen, das erste multilaterale Zollabkommen überhaupt, bildete die Grundlage für einen florierenden Handel in Europa. Diesem Abkommen lagen zwei wichtige Prinzipien zugrunde: Die Meistbegünstigungsklausel garantierte, dass jedes bilaterale Abkommen, das zwischen zwei Mitgliedsstaaten des GATT getroffen wurden, automatisch auch für alle anderen galt. Durch diese Klausel wurde es unmöglich, einzelne Länder zu bevorteilen. Das zweite Prinzip war der Ausgleich. Sollte ein Staat eine Zollvergünstigung abschaffen, so hatte er dafür zu sorgen, dass ein Ausgleich geschaffen wurde, der diese Abschaffung wieder ausglich.

 

Schnell stellte sich heraus, dass GATT ein für alle Beteiligten vorteilhaftes Abkommen war. In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wuchs der Welthandel um durchschnittlich 8% pro Jahr. In den ersten Jahren des GATT versuchten die Mitgliedsstaaten zudem, die Zölle weiter zu senken. Später gab es Bestrebungen, die Vereinbarung weiterzuentwickeln und weitere Handelsbarrieren abzubauen. In den 70er Jahren, in der sogenannten Tokyo-Runde (1973-1979), konnten die Bemühungen fortgesetzt werden, die internationalen Zölle weiter zu senken. Etwas später, im Jahr 1982, wurde die „Uruguay-Runde“ ins Leben gerufen, die im Jahr 1986 zu ersten Verhandlungen führte. Diese endeten schließlich im Jahr 1994, 47 Jahre nach dem Beschluss des GATT, mit der Gründung der World Trade Organization (WTO). Die WTO hat heute 164 Mitglieder. Zuletzt sind 2012 Russland und 2016 Afghanistan beigetreten. Die WTO stützt sich im Wesentlichen auf drei Abkommen. Das schon erwähnte GATT bildet die umfangreichste Komponente und hat den Zweck, die Zollsätze kontinuierlich weiter zu senken. Das zweite Abkommen ist das GATS, das allgemeine Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen. Dieses Abkommen betrifft vor allem Dienstleistungen im Banken- und Versicherungssektor sowie die Anerkennung beruflicher Qualifikationen. Es stellt einen Rahmen dar, der dabei helfen soll, den Dienstleistungshandel zu liberalisieren. Das Abkommen für den Schutz geistigen Eigentums (TRIPS) ist das dritte Abkommen in der WTO. Es regelt den internationalen Schutz von Patenten, Urheberrechten und sonstigem geistigen Eigentum.

 

Eines der wichtigsten Ziele aller Staatsoberhäupter sollte es sein, die mühsam in Jahrzehnten aufgebauten Abkommen nicht durch Kurzsichtigkeit(!) zu gefährden, sondern vielmehr aktiv  zu fördern und weiterzuentwickeln. Diese Hoffnung wird zwar derzeit kaum von den Geschehnissen auf der Welt genährt, dennoch sollte man vielleicht wieder einmal darauf hinweisen.

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