Willkommen im zinsenlosen Zeitalter!

27. Jun 2019 | Blog

VON Peter Ladreiter

In diesen Tagen werden wir Zeugen von historisch tiefen Renditen bei (EUR) Anleihen, wobei neben den Top-Bonitäten zunehmend auch Ratings im BBB-Bereich (z.B. Italien, Portugal) betroffen sind. Stimuliert durch weiterhin moderate Inflationsraten und Handlungsbereitschaft der Europäischen Zentralbank scheint der Zinskollaps unumkehrbar. In Wahrheit vollendet sich dabei eine Phase zunehmend niedriger Renditen, welche schon bei der Finanzkrise vor gut 10 Jahren ihren Ausgang nahm und sich schon Jahre sich weiter verschärfend vollzieht.

Die (vorläufigen) Ergebnisse und Fakten:

 

- Renditen von Staatsanleihen, welche für die Top-Bonitäten für kurze und mittlere Laufzeiten in EUR negativ sind

- darüber hinaus durchwegs negative Renditen nach Inflation bei EUR-Anleihen mit wenigen Ausnahmen, selbst bei Ratings im BBB-Segment - die paradoxe Situation, dass sich bei Neuemissionen durch viele Emittenten sogar Gewinne lukrieren lassen… (die "Investoren" nehmen Negativrenditen in Kauf)

- folglich Wegfall vieler Anlagemöglichkeiten im Rentenbereich, für "rationale" Investoren (solche, die nur positive Renditen akzeptieren)

 

Gleichzeitig werden durch die Niedrigzinsen die Bedingungen für die Unternehmen in der Realwirtschaft immer besser. Die (Fremd-) Kapitalaufnahme kostet historisch wenig und die Rentabilität auf die Eigenmittel steigt bei einem halbwegs vernünftigen Geschäftsmodell.

 

Doch die stetig steigende Geldmenge im Vergleich zur Menge angebotener Wertpapiere lässt Übertreibungen in vielen Bereichen erwarten, insbesondere Aktien könnten mittel bis langfristig die großen Nutznießer sein.

 

Große und nachhaltige Veränderungen kommen meist schleichend, so nach und nach. Und sie kommen meist, um zu bleiben…. Denn für die derzeitige Situation gibt es tiefere Gründe, alleine die Verursacher bei den Notenbanken zu suchen wäre wohl zu wenig weit gegriffen. Japan ist schon zwei Jahrzehnte in dieser Situation, die restlichen entwickelten Volkswirtschaften folgen nach. Selbst die USA stoppen jetzt auf halben Weg ihren Zinserhöhungszyklus.

 

Und die wichtigsten Konsequenzen für die Zukunft?

- Risikolose Kapitalanlage führt zu (Real)Verlusten und verzehrt über längere Zeit einen substantiellen Anteil des Vermögens (die Hälfte innerhalb von gut 30 Jahren!).

- Die Kluft zwischen "Arm" und "Reich" wird dadurch verschärft, indem große Vermögen der Wohlhabenderen (mit Risiko) langfristig gewinnbringend veranlagt werden, während die Masse an kleineren Ersparnissen des Mittelstandes auf ertragslosen Anleihen oder Sparbüchern verharrt.

- Erfolgreiche Kapitalanlage wird in dieser Situation nur mehr durch ausgewiesene Spezialisten erfolgreich durchführbar sein, welche unter Einsatz von innovativen Methoden und Finanzmarktinstrumenten rein nach sachlichen Grundlagen frei von Emotion und weichen Fakten (Meinungen, Vermutungen, etc.) handeln.

 

Investoren werden sich an das neue Zeitalter, in welchem nun eine bewusste Risikoübernahme als Voraussetzung für eine erfolgreiche Kapitalvermehrung nötig ist, gewöhnen müssen, oder als Alternative verzweifelt auf die Rückkehr alter Zeiten hoffen - und inzwischen bei der Wertminderung ihres Vermögens zusehen.

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