Hokus Pokus Fidibus dreimal schwarzer Kater…

30. Jul 2019 | Blog

VON Alfred Kober

Wenn auch gefühlt näher, liegt die Finanzkrise nun bereits über 1 Jahrzehnt zurück und was den Zustand von Beschäftigung und Bevölkerungswohlstand betrifft, ist eine gewisse Ähnlichkeit mit den gegenwärtigen Wetterverhältnissen wohl nicht zu leugnen. Sie haben die Sache gut gemacht, unsere Notenbanken, nicht? Quantitative Easing, oder auch kurz QE, lautete das Gebot der Dekade. Die Maßnahmen hinter diesem hoch-sophistizierten Konzept sollen uns aus dem Krisenmodus führen und den Staaten den zeitlichen Spielraum verschaffen, um sich selbst am Kragen aus dem Sumpf zu ziehen.


Und siehe da, schenkt man dem Anschein Glauben, scheint die Zauberformel recht gut zu wirken. Die Wirtschaft wächst, die Staatseinnahmen sprudeln und die niedrigen Zinsen verschaffen den Budgets den notwendigen Spielraum. Für bemühte Sparer, konservative Investoren, Banken und Versicherungen ein Graus, für Schuldner sehr verlockend und willkommen. Aus dem Kick-Start der Konjunktur nach der Malaise vor 10 Jahren wurde nunmehr ein dauerhafter Zustand, der einen immer größeren Keil in die Gesellschaft treibt.


Die Kluft zwischen „Reich“ und „dem Rest“ weitet sich immer weiter aus und sorgt rund um den Globus für zunehmenden Unmut. Zeitweise poppt dieser auch etwas heftiger auf, wie uns unlängst die französischen Gelbwesten tatkräftig bewiesen. Eine Darstellung des Bevölkerungsanteils, der in Zweitimmobilien oder direkt am Aktienmarkt investiert, erspare ich ihnen an dieser Stelle. Trotz all der Aufklärung und Bemühungen in den letzten Jahrzehnten ist der von aus den Notenbankmaßnahmen unmittelbar profitierende, weil investierende Bevölkerungsanteil schwindend gering (die Eigenheimfinanzierung lasse ich außen vor). Der zunehmende gesellschaftliche Unmut steigt spürbar. Ein wahrlich gesunder Nährboden für populistische Strömungen, wie wir sie rund um den Erdball erleben dürfen.


Der durch die Notenbankinterventionen freigelegte Spielraum wird für Reformen genutzt, um für künftige Entwicklungen und potentielle Rezession besser gerüstet zu sein – soweit die Theorie. Zu verlockend ist allerdings das Umfeld der extrem niedrigen Zinsen für viele Stakeholder in diesem Spiel. Die Situation in den USA ist beispielhaft dafür. Trotz des geschaffenen Spielraums seitens der Notenbanken wird jetzt erst so richtig aufgedreht. Die massiven Interventionen in den letzten 10 Jahren haben nämlich sowohl die Entwicklung der Konsumentenpreise als auch das Geldwertgefüge nicht wesentlich aus dem Lot gebracht. Auf der Seite der Assetpreise (Immobilien, Anleihen, Aktien etc.) sieht die Situation natürlich ganz anders aus – an dieser Stelle ist definitiv zwischen Asset- und Konsumentenpreisinflation zu unterscheiden. Letztere ist unter anderem ein wesentlicher Maßstab für Anpassungen der Kollektivverträge in diesem Land.


Die auseinanderdriftende Kluft zwischen Profiteuren und Leidtragenden wird nun auch direkt auf politischer Ebene zum zentralen Thema. Nachdem das magische Quantitative Easing, hinter dem sich simples Drucken von Geld bzw. die Monetarisierung von Schulden verbirgt, zumindest Schlimmeres vermieden und insofern „zufriedenstellend“ funktioniert hat, werben populistischere Strömungen mit der Zündung der nächsten Brennstufe.


MMT als Heilsbringer? – und wie Anfangs bei QE ist nicht ganz klar, was sich hinter diesen drei Buchstaben wohl verbergen mag. MMT steht für Modern Monetary Theory und was so „modern“ klingt, entpuppt sich, wie bei QE, als ein an sich recht alter Hut. Es ist eines der zentralen Themen der demokratisch gelagerten Seite im bereits angelaufenen US-Präsidentschaftswahlkampf. Beschäftigungspolitik und Geldwertstabilität (wie gehabt, die Kernaufgaben der FED) ergänzt um den Ausgleich von Ungleichheiten und sozialen Missständen stehen im Mittelpunkt der Theorie. Für Verfechter der MMT rücken Politik und Notenbank enger zusammen und für die Deckung des Finanzbedarfs dient die Notenpresse. Überschuldung in eigener Währung wird nicht als Problem gesehen, solange Zinsen künstlich unter der Wachstumsrate gehalten werden. Das Manövrieren durch Inflations- und Konjunkturzyklen erfolgt zusätzlich mithilfe einer elastischeren Steuerpolitik des Landes.


In diesem Szenario wachsen Geld- und Fiskalpolitik enger zusammen und dem Ziel der Geldwertstabilität wird wieder weniger Bedeutung beigemessen. Der Interessenskonflikt ist augenscheinlich, denn es gibt sehr gute Gründe für die Unabhängigkeit von Notenbanken. Empirisch zeigen Staaten mit autarken Zentralbanken geringere mittlere Inflationswerte, ohne dafür Abstriche bei Wachstumsstärke und –volatilität hinnehmen zu müssen (Alesina und Summers 1993).


Die oft radikalen Stimmen pro MMT werden auf der anderen Seite des Atlantiks immer lauter – auch in den eigenen Reihen der Präsidentschaftspartei. Die Sehnsucht nach der liebgewonnenen Freibiermentalität der letzten Jahre scheint enorm zu sein. Dabei ist der vielverheißene „Zauber“ durch MMT alles andere als gewiss. Um der vermeintlich „neuen“ geldpolitischen Idee einen sympathischen und attraktiven Anstrich zu verleihen, wird auch bereits mit der Finanzierung einer höchst wünschenswerten Neuausrichtung des Landes geworben: Die Finanzierung eines „New Green Deals“ in den USA durch MMT. Es bleibt spannend und die nächsten Monate werden zeigen, ob sich die Welt auf eine neue Liebe zu Staatsschulden einstellen muss oder ob es sich nur um einen kurzen „Hokus Pokus“ handelt, der bald wieder verfliegt.

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