Nicht alles ist Gold, was ein Label hat

08. Mai 2020 | Blog

VON Philipp Ebner

Als vor ca. 2 Monaten die Covid-19 Krise von Asien zu uns nach Europa überschwappte und die Ansteckungsraten sowie Todeszahlen nach oben schnellten, lag ein Gefühl der Panik, Hilflosigkeit und Richtungslosigkeit in der Luft. Dies erlebte ich persönlich an jenem Freitag, kurz bevor die österreichische Bundesregierung den Lockdown ausrief und ich wie üblich unseren Wocheneinkauf erledigen wollte. Mit ausgeräumten Lebensmittelregalen, überforderten Verkäufer/innen und Rangeleien um die letzte Klopapierpackung konnte ich so gar nichts anfangen. Plötzlich war unsere Freiheit und die Möglichkeit, zu jeder Zeit alles und in 5-facher Ausführung zu kaufen, massiv gefährdet. Die Tage und Wochen darauf ist unserer Gesellschaft die Wichtigkeit der heimischen Nahrungsmittelproduktion wieder bewusst geworden. Hofläden, Bio-Onlineshops und Lebensmittelautomaten sind plötzlich wie die Frühlingsblumen aus dem Boden geschossen und der Nachhaltigkeitsgedanke rückte verstärkt in den Vordergrund. Auch ich kaufe jetzt vermehrt regional, greife bewusster zu nachhaltigen biologischen Produkten und frage mich in dieser Zeit umso mehr, was bedeutet eigentlich „Bio“ und Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche? Nicht nur in der Finanzbranche wirft Nachhaltigkeit Fragen auf, viel mehr wird durch Werbung und Produktplatzierung der Eindruck erweckt, sich selbst und der Umwelt etwas Gutes zu tun.


Grundsätzlich muss zwischen Nachhaltigkeit und „Bio“ unterschieden werden. So wurde das Wort Nachhaltigkeit erstmals 1713 von Hans Carl von Carlowitz, ein deutscher Oberberghauptmann, schriftlich erwähnt und hatte seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. In Carlowitz Werk „Sylvicultura oeconomica“ wurde das forstliche Wissen zusammengetragen und erstmals das Prinzip der forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeit formuliert, nachdem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann. Abgeleitet daraus umfasst der moderne Begriff der Nachhaltigkeit, dass nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren und künftig wieder bereitgestellt werden kann. Des Weiteren soll Nachhaltigkeit soziale, ökonomische und ökologische Aspekte vereinen, um so langfristig stabile Gesellschaftsstrukturen zu schaffen und zu erhalten. Daraus folgt, dass Nachhaltigkeit der Eckpfeiler des ressourcenschonenden Wirtschaftens definiert und „Bio“ der Weg zur Erfüllung dieser nachhaltigen Prinzipien ist. Soweit alles klar. Jedoch im Supermarkt stelle ich mir dann die Frage, wie lässt sich dieser Nachhaltigkeitsgedanke mit den in Costa Rica biologisch hergestellten und über 10.000 km transportierten Birnen vereinbaren. Sind die Rahmenbedingungen für Bio-Produkte einheitlich definiert bzw. können die Vorschriften je nach Konsumentenmacht aufgeweicht werden.


Innerhalb der EU gibt es die seit 2009 geltende EU Bio-Verordnung Nr. 834/2007, welche besagt, nach welchen Grundsätzen, Ziele und Vorschriften biologische Erzeugnisse produziert und gekennzeichnet werden müssen. Dies gilt auch für Importe aus Drittstaaten. Einen Blick in die Verordnung mit den seit 2009 unzähligen Überarbeitungen lässt mich allerdings schwindlig werden. Ein einfacher Erkenntnisgewinn, was „Bio“ ist und was nicht, sieht anders aus. Erschwerend kommt noch hinzu, dass auf nationaler Ebene, aufbauend auf die EU-Verordnung, Erlässe, Richtlinien und Gesetze die „Bio“-Definition weiter verkomplizieren. Meine Recherchelust, welche Bedingungen eine „Bio“-Birne aufweisen muss, stagniert mittlerweile und führt nach den unzähligen Suchanfragen eher zu Frustration bzw. Ahnungslosigkeit. Die eingehende Euphorie, endlich mal eine vernünftige Erklärung für „Bio“ recherchiert und in diesen Blog niederschreiben zu können, ist leider verflogen.


Eines kann ich jedoch festhalten: all die Vorschriften, Gesetze und Richtlinien werden zur Vereinfachung, wie in jeder Branche, in Labels gepresst. Um sein Gewissen mit der Wahrheit in Gleichklang zu bringen, sind nach meiner Nachforschung, aus Sicht eines österreichischen Konsumenten, nur folgende 3 Logos/Labels zulässig: EU Bio Logo, AMA Biosiegel sowie das Bio Austria Logo (aus bildrechtlichen Gründen bitte ich Sie, die Logos/Labels im Internet selbst rauszusuchen). Eine Kennzeichnung mit den Wortlauten „aus naturnahem Anbau“, „aus umweltgerechter Landwirtschaft“ oder „aus kontrolliertem Anbau“ klingen naturverbunden, dienen aber vorwiegend verkaufsfördernden Zwecken und haben per se mit dem „Bio“-Gedanken nichts zu tun. Nach all den Schwierigkeiten und Herausforderungen, die diese Pandemie mit sich gebracht hat und bringen wird, habe ich zumindest momentan das Gefühl, dass uns das Bedürfnis nach Regionalität wichtiger geworden ist. Nichtsdestotrotz muss jeder Konsument für sich selbst entscheiden, ob er die „Bio“-Birnen aus Übersee kauft und den nicht nachhaltigen Transportweg in Kauf nimmt oder ob man Produkte von den heimischen Bauern bezieht.

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