Deflationsgefahr?

15. Mai 2020 | Blog

VON Johannes Szoncso

Die Coronakrise hat, wie wir alle wissen, einen großen Einfluss auf die Wirtschaft. Weltweit werden Rezessionen erwartet, am schlechtesten sind die Zahlen in den von COVID-19 am meisten betroffenen Ländern. Durch die Globalisierung wird die gesamte Weltwirtschaft schrumpfen. Doch was passiert mit all den angebotenen Gütern, die nicht nachgefragt werden?


Ein gutes Beispiel dafür ist der Ölpreis. Bei der Lieferung des April Futures gab es aufgrund der geringen Nachfrage so drastische Preisrückgänge, dass man zeitweise bis zu 20 Dollar zahlen musste, um ein Barrel WTI Öl verkaufen zu dürfen. Ein negativer Ölpreis, wenn auch nur für eine Lieferung, war sicher ein Weckruf für alle Ölproduzenten und -händler. Nach der Abrechnung des April Futures beruhigten sich die Preise wieder, aber diese Situation hat gezeigt, dass es ein zu großes Überangebot an amerikanischem WTI Öl gibt. Nicht unschuldig sind dabei die Amerikaner, die durch das enorm subventionierte Fracking für ein immer größeres Angebot sorgen. Aber auch abseits der Aprillieferung sind die Rohölpreise enorm eingebrochen. Bis Mitte Februar 2020 befand sich der Ölpreis jahrelang in einer Preisspanne zwischen 50 und 65 Dollar, mit einigen Ausreißern nach oben und unten. Innerhalb kurzer Zeit fiel der Preis dann unter 30 Dollar, im April sogar unter 20 Dollar, mit dem erwähnten Nachfrageengpass nahe der Aprillieferung mit Preisspitzen um -20 Dollar.


Extreme Preisbewegungen am Ölmarkt haben bis heute noch immer eine große Bedeutung für die Weltwirtschaft, da Erdöl nicht nur an der Tankstelle, sondern in vielen verschiedenen Wirtschaftszweigen als Rohstoff benötigt wird. 


Am 30.04.2020 gab Eurostat eine Pressemitteilung heraus, wonach die durchschnittliche Inflationsrate in der EU im April voraussichtlich auf 0,4% gesunken ist. Eigentlich sind alle Preise des Warenkorbs gestiegen, angeführt von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak mit einem Anstieg von 3,6%. Einzig der Energiepreis ist um 9,6% gesunken, wodurch auch die Inflationsrate sank. Wir müssen uns also derzeit keine Sorgen um eine Deflation machen, diese würde nur vom Ölpreis kommen und könnte keine Aussage über die übrigen Preise liefern. Dieser Umstand ist Teil einer berechtigten Kritik an der Verwendung von standardisierten Warenkörben für die Berechnung der Inflation. Gerade der Ölpreis ist zu manchen Zeiten hochvolatil, wird aber trotzdem in voller Höhe in den Warenkorb eingerechnet.


Wir sollten uns jedoch Sorgen machen, falls alle Preise im Gleichklang fallen würden. Deflation ist eine große Gefahr für jede Volkswirtschaft, weil sie dazu führt, dass Konsumvorhaben auf später verschoben werden. Und sobald eine gesamte Volkswirtschaft damit anfängt, beginnt der Konsum kontinuierlich zu sinken und das für einen langen Zeitraum. Denn Deflation erzeugt auch Deflationserwartung für die Zukunft, was zu noch größeren Verschiebungen führt. Durch den geringeren Konsum sinkt die Produktion, steigt die Arbeitslosigkeit und dadurch sinkt der Konsum erneut. Aus dieser Spirale auszubrechen, ist äußerst schwierig, darum ist es für eine Volkswirtschaft so wichtig, eine kleine Preissteigerung beizubehalten. Auch wenn früher alles so viel billiger war…

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