Co[2]rona

29. Mai 2020 | Blog

VON Stefan Donnerer

Flugzeuge bleiben am Boden, Urlaube werden vermehrt in der Heimat gebucht und die Tierwelt nimmt sich vereinzelt Plätze zurück, die schon lange an die Menschheit verloren galten. Was sich nun liest wie die Folgen einer erfolgreichen Vorgehensweise gegen den Klimawandel, sind allerdings nur Nebeneffekte der Maßnahmen zur Eindämmung der globalen Pandemie, welche sich Sars-COV-2 und nicht Erderwärmung nennt.


Obwohl es sich bei der Corona- und der Klimakrise um zwei völlig verschiedene Themenbereiche handelt, so gibt es dennoch einige interessante Parallelen und Berührungspunkte. Dieser Beitrag soll vor allem in erster Linie als Denkanstoß dienen und die Wahrnehmung beider Sachverhalte in der Gesellschaft eine gewisse Aufmerksamkeit erreichen. 

 

Leugnung
Die erste offensichtliche Parallele ist die Verleugnung und die Ignoranz, mit denen das Thema anfänglich behandelt wird. So wurden den ersten Fällen des neuartigen Corona-Virus im November/Dezember des vorigen Jahres zwar großzügig Platz in der hiesigen Berichterstattung gewidmet, allerdings wurden keine maßgeblichen Vorkehrungsmaßnahmen getroffen. Obwohl bereits erste Experten vor einer globalen Pandemie gewarnt haben, so hat es doch knapp dreieinhalb Monate und mehr als 150 Tausend bestätigte Infizierte benötigt, damit die WHO den Virus als globale Pandemie einstuft. Ganz abgesehen von den vielen Meldungen und Meinungen von sogenannten Experten wie auch Regierungsvertretern, welche bis zum Lockdown und darüber hinaus der Meinung waren bzw. sind, dass es sich hierbei bloß nur um eine neue Form der Grippe handelt.


Auch der Klimawandel ist bereits ein wissenschaftlich belegter Tatbestand, welcher allerdings noch von vielen Entscheidungsträgern entweder runtergespielt oder gar komplett in Frage gestellt wird. Obwohl auch hier bereits erste Vorboten nicht bestreitbar sind (Steigung der globalen Temperatur, Co2-Emissionen), mangelt es entweder am absoluten Willen oder an der notwendigen Voraussicht, Maßnahmen zu setzen, um eine Verschlechterung der Situation zu stoppen. Auch wenn es bereits erste Initiativen seitens Regierungen (Pariser Klimaabkommen) und Bevölkerung (Fridays for Future) gibt, so scheint das Problem noch nicht dringlich genug zu sein, um konsequente und bindende Maßnahmen umzusetzen. Welches auch direkt zu Parallele zwei führt.

 

 

Globales Vorgehen
Ungeachtet der Frage, ob die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus die richtigen bzw. adäquat waren, so ist dennoch schwer bestreitbar, dass ein globales und gemeinsames Vorgehen der Bekämpfung zuträglich war und auch weiterhin sein wird. Die kollaborative Forschung und Durchführung von Studien zur Eindämmung und Behandlung des Virus haben gezeigt, dass eine internationale Zusammenarbeit zur Lösung von globalen Problemen möglich ist. Die großzügige Bereitstellung von Förderungen von supranationalen und öffentlichen Organisationen sowie Zusagen, dass eklatante wissenschaftliche Erkenntnisse zur Bekämpfung der Krankheit als Gemeingut der gesamten Bevölkerung zur Verfügung stehen sollten, beschleunigen zusätzlich die wissenschaftliche Schaffensfähigkeit.


Zusätzlich wurden drastische (möglicherweise sogar zu drastische?) Maßnahmen beschlossen, um die allgegenwärtige Infektionskurve abflachen zu können. Diese Entscheidung wurden von der Gesellschaft größtenteils akzeptiert und auch umgesetzt, obwohl letztendlich jede Person mit maßgeblichen Einschränkungen im persönlichen Alltag konfrontiert war.


Sowohl eine koordinierte, globale Vorgehensweise als auch die Akzeptanz in der Bevölkerung, die Einschränkungen in Kauf zu nehmen, sind notwendig, um einen erfolgreichen Wandel herbeiführen zu können. Es zeigt sich allerdings erwartungsgemäß, dass je länger und drastischer diese Einschränkungen sind, desto mehr werden diese hinterfragt und Proteste laut.


Fakt ist allerdings, dass je früher sinnvolle Präventivmaßnahmen gesetzt werden, desto weniger müssen schwerwiegende Einschränkungen im Nachhinein implementiert werden. Somit würden frühere Gegenmaßnahmen gegen die Klimaerwärmung, übermäßige Restriktionen im Nachhinein vorbeugen.

 

Risikogruppen
Bekannterweise ist zwar jede Person vom Coronavirus betroffen, allerdings nicht jede gleich gefährdet. Während die Mortalitätsrate bei Menschen mit höherem Alter oder Vorerkrankungen besonders hoch ist, sind jüngere, gesunde Personen weniger gefährdet. Im Gegenzug dazu, haben jüngere Personen nachweislich mehr Sozialkontakte pro Tag als ältere Menschen und verbreiten den Virus somit schneller. Polemisch ausgedrückt, ist somit die jüngere Altersgruppe an der hohen Zahl der Infektionen schuld, während hingegen ältere Personen am meisten darunter leiden. Beachtet man zusätzlich, dass Gesundheitssysteme in entwickelten und wohlhabenderen Ländern tendenziell leistungsfähiger sind, so stehen Entwicklungsländer der größten Herausforderung bei der Bekämpfung der Krankheit gegenüber, während das Virus erst aufgrund der Globalisierung und Vernetztheit westlicher Länder so schnell verbreitet wurde.


Im Zusammenhang mit der Klimakrise gestaltet sich die Situation sehr ähnlich. Während hauptsächlich entwickelte Industrieländer für den Großteil der CO2-Emissionen verantwortlich sind, leiden vor allem die Entwicklungsländer unter dessen Folgen. Die Weltbank hat in einer viel zitierten Publikation aus dem Jahre 2018 ermittelt, dass besonders die Sub-Sahara Region von den Folgen der Erderwärmung betroffen sein würde, was über 140 Mio. sogenannte „Klima-Flüchtlinge“ zur Folge hätte.

 

 

Abschließend kann festgehalten werden, dass Krisenszenarien, welche zwar noch weit entfernt scheinen, allerdings erste Vorboten davon nicht zu leugnen sind, nicht unterschätzt werden sollen und dürfen. Gerade die letzten Monate haben gezeigt, wie schnell es von einzelnen Fällen in fernen Ländern zu einem kompletten Alltagswechsel im eigenen Haushalt kommen kann. Auch wenn das Virus einen noch nicht definierbaren Schaden angerichtet hat, so sollte man dennoch bemüht sein, Lehren daraus zu ziehen, um für zukünftige Extremsituationen besser vorbereitet zu sein – zu unser aller Wohl und vor allem das der Erde. Denn: „Diejenigen, die nicht aus der Geschichte lernen können, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

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