Intuition versus Verstand

10. Jun 2020 | Blog

VON Maria Pojer

Vor ungefähr einem Monat hat sich mein Kollege Alfred Kober in seinem Blog dem Thema Behavioral Finance gewidmet und die vier Haupttreiber der kognitiven Verzerrung beschrieben. Sein Blog hat mich dazu bewogen, in mich zu gehen und das Instinkt Instrumentarium – die Intuition, das Bauchgefühl zu hinterfragen. Mit diesem Blog möchte ich einen Denkanstoß geben, ob man die Kraft der Intuition doch ernst nehmen kann.


Intuition – wenn das Bauchgefühl entscheidet
Wir haben uns in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt - Software, Programme, Algorithmen, künstliche Intelligenz übertreffen das menschliche Denkvermögen in vielen Bereichen. Gerade im Asset Management trachten wir danach unserem Handeln eine logische, nachvollziehbare, emotionsfreie Richtung vorzugeben. Effiziente Märkte und faktenbasierte Daten bilden hier die Basis für unser Wirken. Doch trotz all der Technisierung und Digitalisierung ist immer noch, so scheint es mir, das Bauchgefühl unentbehrlich. Eine Studie der Economist Intelligence Unit aus dem Jahr 2014 zeigt, dass Intuition der wichtigste Ratgeber bei großen Entscheidungen in der Wirtschaftswelt ist, vorwiegend bei Managemententscheidungen. Ist dies noch immer so? Jeder scheut davor Fehler zu machen und deshalb orientiert man sich an Kennzahlen, Fakten, Daten und Methoden. Aber auch bei allen Analysen kann es Fallstricke geben, die einen in die Irre führen. Da kann die Intuition ein hilfreiches Instrumentarium sein.


Was ist eigentlich Intuition?
Für mich ist Intuition ein kreativer und automatischer Prozess, der die Fähigkeit beschreibt, Zusammenhänge, Einsichten, Sachverhalte und Fakten zu bewerten, ohne den bewussten Einsatz des Verstandes, also ohne Schlussfolgerungen.


Und wie läuft das im Konkreten ab?
Wir sind geprägt von unseren Erfahrungen, unserem Wissen und den Informationen, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind. Sobald wir einen Entscheidungsprozess starten, läuft der intuitive Denkprozess unterbewusst ab. Alle verfügbaren Daten und Fakten bilden eine eigene Interpretation, die sich in einem Gefühl ausdrückt – der Intuition. Ohne bewusstes Zutun wird uns relativ schnell die richtige Antwort geliefert. Die Intuition sagt dem Verstand, in welche Richtung es geht.

 

Wissen, ohne zu wissen warum.
Bringt uns Intuition weiter oder sollten wir dieses Instrumentarium ignorieren?


Jack Welch, der CEO des US-Konglomerats General Electric, sagte einmal: „Gute Entscheidungen treffe man geradeheraus aus dem Bauch.“ Auch Steve Jobs vertrat den Standpunkt, dass Intuition mächtiger als der Intellekt sei. Das beide nicht ganz falsch lagen, zeigt uns nicht nur ihre unglaubliche Karriere, auch die Wissenschaft belegt ihre Aussagen.


Ob man darauf hört oder nicht – die Erfahrung zeigt, dass man dieses Thema nicht ausklammern sollte. Auch die Wissenschaft teilt diese Meinung. Dr. Travis Bradberry, Autor des Buches „Emotionale Intelligenz 2.0“ und Wissenschaftler, ist der Meinung, dass wir uns unsere Intuition bewusst machen sollten. In seinem Blog zum Thema Intuition und Bauchgefühl hat er die wichtigsten Punkte zusammengefasst, die intuitive Menschen richtig machen:

 

  • Sie nehmen sich Zeit, um ihre innere Stimme zu hören.
  • Sie versetzen sich in die Lage anderer.
  • Sie machen sich den Moment bewusst.
  • Sie lassen Platz für Kreativität.
  • Sie vertrauen dem Bauchgefühl – besonders, wenn es nicht positiv besetzt ist.
  • Sie analysieren ihre Träume und nehmen sie ernst.
  • Sie führen all das zusammen.


Er ist davon überzeugt, dass das Bauchgefühl dann besonders gut funktioniert, wenn man vieles, aber nicht alles weiß. Vor allem da man sich hauptsächlich auf seine Erfahrungen und dem damit verbundenem tiefen Wissen verlassen kann. Durch tiefes Wissen hat man häufig das richtige Bauchgefühl, auch wenn es einem schwerfällt, diese intuitive Entscheidung zu begründen – außer mit der Intuition selbst. Genau das ist der Unterschied zu all den Programmen, Algorithmen, künstlicher Intelligenz.


Ich bin der Meinung, dass Bauchentscheidungen und Intuition ein grundlegender Bestandteil unseres Lebens und unseres Wirkens sind. Denn solange Menschen agieren, wird uns das Thema der psychologischen Einflüsse begleiten. Ich möchte aber unterstreichen, dass dies für mich nicht bedeutet, dass man durch Intuition vorschnelle Entscheidungen trifft. Ich sehe es als Mittel zur Reflexion und als zusätzliches Instrumentarium in der Entscheidungsfindung. Na, was sagt ihr Bauchgefühl, liege ich da richtig?

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: maria.pojer@securitykag.at

Risikohinweis

HINWEIS: Die Security BLOGS stellen lediglich die persönliche Meinung des Verfassers im Erstellungszeitpunkt und daher nicht die Meinung des Medieninhabers dar. Eine Haftung für diese Aussagen kann vom Medieninhaber ausdrücklich nicht übernommen werden. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds zu. Ausgabe- und Rücknahmespesen der Fonds sowie sonstige externe Spesen und Steuern sind in den Performanceberechnungen nicht berücksichtigt und mindern die Performance. Ertragserwartungen stellen bloße Schätzungen zum Zeitpunkt der Erstellung der Informationen dar und sind kein verlässlicher Indikator für eine tatsächliche künftige Entwicklung. Die aktuellen Prospekte und die Wesentlichen Anlegerinformationen ("KID", "KIID") sind in deutscher Sprache auf der Homepage www.securitykag.at (Fonds) sowie am Sitz der Security Kapitalanlage AG, Burgring 16, 8010 Graz als Emittentin und der Liechtensteinischen Landesbank (Österreich) AG, Heßgasse 1, 1010 Wien, als Depotbank kostenlos erhältlich. Beachten Sie bitte auch die weitergehenden Risikohinweise in den Verkaufsprospekten und unter www.securitykag.at/fonds/risikohinweis/ sowie die Offenlegung im Sinne des § 25 Mediengesetz und www.securitykag.at/fusszeile/impressum-offenlegung/