Historisch steiler Anstieg der Aktien nach der Krise: Irrtum oder doch nachhaltig?

10. Jul 2020 | Blog

VON Peter Ladreiter

Nach dem Blitzcrash im März in Folge der COVID-19 Pandemie kam es zu einer massiven Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten, welche die allermeisten Marktteilnehmer und Marktexperten völlig überrascht hat. Dies umso mehr als die COVID-19 Forschung von einer neuen Mutation des Virus spricht, die noch ansteckender und damit vielleicht noch gefährlicher sein soll. Doch all das prallt an den Märkten ab, genauso wie die weltweit eingebrochene Realwirtschaft, welche sich nur schleppend von der Krise erholt.

Es scheint doch offensichtlich einen Widerspruch zu geben zwischen den sehr optimistischen Erwartungen der Finanzinvestoren und der scheinbar noch immer schlimmer werdenden Pandemie mit unabsehbaren Folgen für Wirtschaft, Gesundheit und Gesellschaft. Doch woher nehmen die Märkte die Zuversicht, wo doch realwirtschaftlich von absehbarer Erholung auf Vorkrisenniveau keine Spur ist?

Vielleicht nützt es in diesem Zusammenhang, ein wenig abseits der ausgetrampelten Informationswege mit den meist negativen Meldungen zu blicken und damit einen Sachverhalt darzustellen, die der aktuellen Entwicklungen der Märkte eher gerecht wird. Natürlich mit dem Hinweis, dass man die Situation auch anders sehen und beurteilen kann.

Eine sehr gute Zusammenstellung der weltweiten Pandemiesituation befindet sich unter dem Link. Wenn man die dargestellte zeitliche Entwicklung der Daten und Zahlen verfolgt, kann man sich mit ein wenig Zahlengefühl schon zu Aussagen verleiten lassen, welche sich mit dem Optimismus der Finanzmärkte decken:

1. Obwohl sich seit April weltweit die registrierten Fallzahlen der Neuinfektionen von durchschnittlich 80.000 auf knapp 200.000 erhöht haben, ist die Anzahl der täglich registrierten Todesfälle mit oder an COVID-19 im gleichen Zeitraum von rund 7.000 auf knapp unter 5.000 gefallen.

2. Den steigenden Fallzahlen zum Trotz, unterbleiben bis auf wenige Ausnahmen nun Bilder von überfüllten Krankenhäusern und überlasteten Intensivstationen. Auch die nun wieder verbreitet aufflammenden Infektionsherde in Österreich führen zwar zu stark steigenden Fallzahlen, doch anders als im März zu verblüffend niedrigem Bedarf nach Spitals- und Intensivbehandlung

3. Den in der Krise auf Eigenverantwortung der Bevölkerung setzenden Schweden ist, abgesehen von einer vorübergehend erhöhten Sterblichkeit, die große Katastrophe erspart geblieben. Das Gesundheitssystem war dort zu keinem Zeitpunkt überlastet und das öffentliche Leben vergleichsweise wenig eingeschränkt. Auch die Todesfallrate sinkt dort seit Wochen kontinuierlich.

4. Die weltweite Anzahl an Pandemieopfern ist zwar in absoluten Zahlen mit über 500.000 hoch, entspricht jedoch global gesehen einer Übersterblichkeit von nur rund 2%, welche sich auch bei anhaltender Pandemiesituation bis zum Jahresende kaum erhöhten sollte.

5. Die in der Anfangsphase stark vom Virus getroffenen Europäer haben durch ein insgesamt kluges Vorgehen aktuell vergleichsweise günstige Infektionswerte. Kein anderer großer Wirtschaftsraum mit demokratischer Struktur steht auch nur annähernd so gut da. Selbst die zunächst am schlimmsten getroffenen Mittelmeer-Staaten haben die ursprünglich katastrophale Situation teilweise hervorragend gemeistert.

6. Bestimmt kann man zu all den genannten Punkten Begründungen und Argumente finden, welche die Zahlen in einem negativen Licht zu erklären versuchen, doch hier sollen die Zahlen überwiegend meinungsfrei und unkommentiert bleiben und einmal alleine für sich sprechen.

Fest steht, dass die Finanzmärkte offensichtlich das Positive aus den Zahlen für die Wirtschaft sehen und man diesen Optimismus auch in den Zahlen bestätigt finden kann, wenn man die Emotionen rund um die
anhaltend negative Berichterstattung ausblendet.

Fest steht aber auch, dass uns Corona viele Lektionen erteilt hat und Schwachstellen der menschlichen Gemeinschaft klar und deutlich aufgezeigt hat. Diese zu korrigieren und damit
das Leben für die Gesellschaft und sich selbst lebenswerter zu machen, steht ganz oben für viele, die die Krisenzeit zum Nachdenken genützt haben.

 

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