Der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen.

21. Aug 2020 | Blog

VON Philipp Ebner

Wie schnell unser gewohntes Leben durch einen externen Faktor aus dem gewohnten Fahrwasser laufen kann, zeigt die aktuelle Covid-19 Krise. Innerhalb weniger Tage ist unser „altes Normal“ mit neuen Herausforderungen konfrontiert worden, die es so in der Gesellschaft noch nicht gegeben hat. Die Rückkehr zum Gewohnten und Bekannten ist aus aktueller Sicht kaum vorstellbar. Jedoch warum zurückkehren, wenn das Leben an sich nichts mit Stillstand zu tun hat. Ich möchte mich in diesem Blog einem Thema widmen, das schon vor der Corona-Krise präsent war aber meiner Meinung nach von der breiten Masse und politischen Entscheidungsträgern massiv unterschätzt wird und kein Home-Office, Kurzarbeit, Mund-Nasen Schutz und Desinfektionsspray dagegen helfen kann. Der Klimawandel!


Die Definition des Wortpaares ist so breit gefächert und negativ behaftet, dass ich mir die Recherche, welche Auswirkungen der Klimawandel in den nächsten Dekaden haben wird, ersparen möchte. Stattdessen versuche ich einen positiven Zugang zu finden und zäume das Pferd von hinten auf. Welche genialen Entwicklungen, Trends, Entscheidungen und Projekte gibt es in Bezug auf den Klimawandel und wer profitiert bereits davon? Ich bin mir sicher, nicht allein mit dieser Meinung zu sein und in unserem Land, dieses Thema schon aufgegriffen wurde, jedoch der wirtschaftliche Gedanke vor der tiefergreifenden Umsetzung und Verankerung von harten Klimazielen steht.


Einen anderen Weg ist die dänische Hauptstadt Kopenhagen gegangen. Als vor 11 Jahren der UN-Klimagipfel in der besagten Stadt grandios scheiterte und die Verhandlungsparteien mit leeren Händen nach Hause gingen, stellten die Dänen ihren Mindset um und schlugen den Weg in eine klimaneutrale Zukunft ein. Mit dem Aktionsplan „CPH 2025“ meißelten die Kopenhagener eine Strategie in die städtische Verwaltung, die eine komplette Emissionskompensierung bis ins Jahr 2025 fordert. Der Klimaplan beinhaltet 4 Bereiche des städtischen Lebens (Energiekonsum, Energieproduktion, Mobilität, grüne Einzelprojekte der Stadtverwaltung) und wird in 3 Phasen (2013-2016, 2017-2020, 2021-2025), mit jeweiliger Evaluierung zwischen den Phasen umgesetzt. Der Mut und auch die Kosten diese Entscheidungen umzusetzen tragen von Jahr zu Jahr mehr Früchte.

 


Quelle: urbandevelopmentcph.kk.dk


Der CO2-Ausstoß konnte somit in den Jahren 2005 bis 2017 um 42 % gesenkt werden, obwohl in derselben Zeit die Einwohnerzahl um 1/5 gewachsen ist. Bis ins Jahr 2025 gilt es 1,2 Mio. Tonnen CO2 einzusparen, wobei das Gros mit 74% der einzusparenden Ausstoßmengen der Energieproduktion zuzurechnen ist.

 


 Quelle: urbandevelopmentcph.kk.dk


Um die Energieversorgung der Stadt weiter voranzutreiben und dem „CPH 2025“-Plan gerecht zu werden, wurde neben den unzähligen Windturbinen am Land und im Meer wohl das beeindruckendste Projekt umgesetzt – die Müllverbrennungsanlage „CopenHill“. Laut den Ingenieuren ist es die modernste Anlage der Welt und besitzt eine sehr hohe Gesamtenergieeffizienz. Zur Steigerung der Attraktivität solch einer „Festung“, wurde auf dem Gebäude ein Lift mit einer 450 Meter langen Skipiste installiert, wo Skibegeisterte das ganze Jahr über auf Plastikmatten sich diesem Sport widmen können. Unspektakulärer jedoch mit sehr hoher Effizienz setzt die Strategie bei den zwei Biomasse-Blöcken an und versorgt 60% der Haushalte in Kopenhagen mit klimaneutraler Fernwärme aus nachhaltig bewirtschafteten Holzabfällen. Grundlage dafür ist ein Fernwärmenetz, welches 98% der Haushalte umschließt und so die Menschen mit Wärme und Warmwasser versorgt. Der Vergleich mit dem größten Fernwärmenetz in Berlin lässt unsere deutschen Freunde erblassen. Lediglich 30% der Haushalte werden damit versorgt.


Eine weitere Säule des Nachhaltigkeitsplans der Dänen setzt in der Reduktion des Ausstoßes im Bereich der Mobilität an. 11% des Anteils von CO2 in diesem Bereich zu reduzieren sehen die Nordländer als eine der einfachsten Aufgaben an. Die Bezeichnung als „City of Cyclists“ legt schon alle Karten auf den Tisch. Der Umbau der Verkehrsinfrastruktur schraubt die Zahl der Radfahrer kontinuierlich in die Höhe. Der „CPH 2025“ gibt vor, 75% aller Fahrten mit dem Fahrrad, dem öffentlichen Nahverkehr oder zu Fuß zurückzulegen. Im Jahr 2018 kletterte der Anteil bereits auf 68%. Auch der Berufsverkehr steht im Fokus und hat das 2025er Ziel mit einer Quote von 50% bereits erreicht! Der öffentliche Nahverkehr transportiert seit 2009 20 % mehr Fahrgäste und wurde in den letzten Monaten durch eine neue U-Bahnlinie entlastet, welche auf 17 Stationen mehrere Viertel mit der Innenstadt verbindet.


Auch im Bereich der Stadtverwaltung setzt der ambitionierte Plan an. So sollen alle öffentlichen Gebäude und Einrichtungen innerhalb der definierten Timeline den Energieverbrauch um bis zu 40% senken. Dies soll durch kluges Energiemanagement und Solarflächen im Ausmaß von 60.000 m² erreicht werden. Der öffentliche Fuhrpark hat bereits zum größten Teil die Verbrennungsmotoren verdrängt und setzt auf E-Mobilität, Wasserstoff und Biogas. Zur letzten genannten Energiequelle haben sich die Dänen eine etwas unkonventionelle Methode einfallen lassen. So trägt jeder Däne mit seinem morgendlichen Toilettengang dazu bei, dass das Abwasser zentral gesammelt, gefiltert und in der „Endausbaustufe“ als Biogas den Verbrauchern wieder zurückgeführt wird!


Doch alles was glänzt hat auch seine Schattenseite, denn genau da treten die Kritiker auf. So prangern die Gegner dieses Projekts an, dass die CO2 Berechnungsmethodik zu hinterfragen ist,
denn im Jahr 2025 werden sehr wohl noch Verbrennungsmotoren durch die Stadt fahren und auch die modernste Müllverbrennungsanlage stoßt Treibhausgase aus.


Klimaneutralität bedeutet nicht gleich emissionsfrei. Es ist eher der Versuch genau so viel Emissionen auszustoßen wie durch Maßnahmen ausgeglichen bzw. gebunden werden können. Ein Gegenrechnen von Emissionen. Mit den bereits umgesetzten Projekten hat die dänische Regierung genügend Argumente den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. „CPH 2025“ ist kein enden wollendes Projekt, sondern wird nach dem Jahr 2025 von der Regierung kontinuierlich weitergetragen und ausgebaut. So trägt die jüngste Entscheidung der dänischen Politik den Kohleausstieg, der momentan 20% des dänischen Stroms liefert, bis ins Jahr 2030 vollzogen zu haben, definitiv dazu bei, dass die Attraktivität des Landes noch weiter steigt. Nicht umsonst siedeln sich pro Monat etwa 1.000 neue Einwohner im Ballungsgebiet Kopenhagen an, wenngleich die dänische Hauptstadt zu einer der teuersten Metropolen Europas zählt.

 

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