Stereotypen: wenn der Afro-Alarmismus die eigene Realität täuscht!

02. Sep 2020 | Blog

VON Sandrine Ngo Ngan

Ich, als Kamerunerin bzw. Afrikanerin, werde oft mit einem abfälligen und negativen Bild von Afrika konfrontiert. Typische Klischees und Vorurteile sind Armut, fehlende staatliche Unterstützung, Aids, Ebola, prekäre Bildung, usw. Man lernt über die Jahre solchen geschmacklosen Stereotypen mit viel Humor und sogar Ironie zu begegnen, bedauert aber das Leugnen der Realitäten innerhalb der eigenen vier Wände.

Mich interessiert besonders das Thema Armut. Was ist Armut? Für mich bedeutet Armut eine soziale und vor allem „subjektive Befindlichkeit“, die weder von außen definiert noch mit rein statistischen Daten belegt werden kann. Armut muss nicht näher erläutert werden, um von Betroffenen selbst als solche erkannt zu werden. Sie hat keine Hautfarbe und ist ein Zustand, der in jeder Gesellschaft seit Anfang der Menschheit in verschiedenen Formen ansässig ist. Armut ist der Ausdruck einer sozialen Ungerechtigkeit, die nicht nur in afrikanischen Ländern existiert; sondern auch wo die Wirtschaft aufgrund des Wettbewerbsdrucks den „Menschen“ vorrangig ist. 

Trotz einem gewissen Wohlstand, den man signifikant in einigen Bereichen spüren kann, besteht die Gefahr, dass gesellschaftliche Scheren, die sich besorgniserregend auch in westlichen Ländern abzeichnen, vergessen werden. Die Folgen der ungewöhnlichen Umstellung des Schulunterrichts (fehlende Internet- und Computerausstattung einiger Privathaushalte), die Folgen der dramatischen Rationalisierung der Belegschaft in mehreren Branchen und alle Nebenwirkungen, die auf die aktuelle Pandemie zurückzuführen sind, haben dies deutlich gezeigt. Leugnen und Vergessen können zur Unzufriedenheit führen. Unzufriedenheit begünstigt normalerweise die Entstehung von spontanen und sozialen Bewegungen, die weder von subjektiven Wahlversprechen noch Politik der Angstmache gebremst werden können. Die dritte Französische Revolution von 1848, namens „La Révolution de Février“ soll eine gute Lehre für die Gestaltung der politischen und gesellschaftlichen Gegenwart und Zukunft sein.

In meinem ersten Blog „Afrika: Der Kontinent der Hoffnungslosen und der dauernden Hilfsempfänger? Am Beispiel Kamerun“ von 24.10.2018 wollte ich wissen, ob Afrika einen Wohlstand nach westlichem Maß oder nach einem auf seine Bedürfnisse angepassten Maß braucht.  Diesmal stelle ich die bescheidenen Fragen: Wird der Schrei der Mittellosigkeit in allen Formen in westlichen Gesellschaften nicht gehört? Soll dieser Schrei durch die Armut in Afrika übertönt werden?

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