Klima-Bonds auf dem Vormarsch

09. Okt 2020 | Blog

VON Stefan Donnerer

Der größte ETF- (exchanged Traded Funds) Anbieter und gleichzeitig größte Vermögensverwalter der Welt Blackrock, hat Anfang Oktober den ersten SDG (Sustainable Development Goals)-Staatsanleihen Fonds gestartet. In diesem werden Staatsanleihen, nicht wie üblich nach der Marktkapitalisierung welches dem Verhältnis der ausstehenden Anleihen eines Landes entspricht, sondern nach dem SDG-Risiko des emittierenden Landes gewichtet. 

 

Die Gewichtungsmethodik von ETF´s bzw. den dahinterstehenden Indices spielt durchaus eine Rolle für den Kapitalmarkt, werden doch mittlerweile mehr als 800 Mrd. US-Dollar über solche Investmentvehikel in Anleihen veranlagt. Denn auch am Kapitalmarkt gilt, je höher die Nachfrage desto größer das Angebot und je gefragter eine Anleihe desto geringere Kosten für den Emittenten.

 

Als Grund für den erstmaligen Einsatz von SDG (sustainable Development Goals) zur Gewichtung von Ländern gibt der Vermögensverwalter Blackrock bzw. deren Index-Anbieter FTSE Russel an, dass der globale Klimawandel einen direkten Einfluss auf einzelne Staatsfinanzen ausüben würde und somit auch auf die Bonität einer Volkswirtschaft. 

 

Die Gewichtungs-Methodik des neuen Index (FTSE Climate Risk-Adjusted World Government Bond Index (Climate WGBI)) basiert dabei auf drei „Klima-Risiko-Säulen“ welche von. FTSE Russell berechnet werden:

 

Transition-Risk: Dieses spiegelt die Arbeit wider, welches ein Land noch leisten muss, um das globale Ziel den Temperaturanstieg auf 2 Grad Celsius zu begrenzen. 

Physical-Risk: Dieses Risiko stellt die wirtschaftliche Gefährdung einer Volkswirtschaft dar, welche aufgrund negativer Entwicklung hinsichtlich des globalen Klimas entstehen könnte.

Resilience: Hier wird die Widerstandsfähigkeit bzw. die Bereitschaft, die das Land zur Minimierung und Bewältigung seiner klimabedingten Risikoexposition benötigt, zusammengefasst.

 

 

Quelle: Financial Times

 

Als größter Verlierer in dieser Gewichtungsmethodik gehen Deutschland, Niederlande, Belgien und Irland hervor, welche besonders viel Treibhausgase generieren und Schätzungen zufolge am meisten unter den globalen Klimawandel leiden dürften. 

 

Dieser Ansatz könnte somit ein zusätzlicher Ansporn für Staaten sein, ihre Klimaziele zu erreichen da von diesen auch indirekt ihre Refinanzierungskosten am Kapitalmarkt abhängen können. Je gefragter eine Staats-Anleihe von potenten Investoren ist, desto geringer sind die Kosten zur Staatsfinanzierung. 

Die Berücksichtigung von ESG und SDG Faktoren fand in der Vergangenheit generell wenig Aufmerksamkeit, wenn es um Staaten ging, werden jedoch bei Unternehmensanleihen immer mehr in den Fokus gestellt. Dies liegt daran, dass einige Branchen bzw. Unternehmen viel stärker vom Klimawandel bzw. präventiven Maßnahmen, um diesen zu verhindern, betroffen sind als andere. Dies wirkt sich somit auch unmittelbar auf die langfristige Kreditfähigkeit eines Unternehmens aus und erhöht somit die vom Markt geforderte Risikoprämie. 

 

Als Paradebeispiel gilt hierfür dabei der italienische Energiekonzern ENEL, welcher im Oktober 2019 den ersten SDG-linked-Bond am Markt platziert hat, bei welcher die SDG-Ziele des Unternehmens in den Kreditbedingungen implementiert worden sind. Bis dato ist es üblich, dass Unternehmen sich verpflichten einen höheren Kupon zu zahlen, wenn das Rating von diesem von einer externen Agentur herabgestuft wird. Doch im Falle der SDG-Anleihe von Enel steigt der Kupon und somit die Zinskosten vom Unternehmen, falls es der Konzern nicht schafft seine aufgelegten und vorab festgelegten SDG-Ziele wie beispielsweise die Erhöhung der Nutzung von erneuerbaren Energien, zu erreichen. 

 

Allerdings gibt es sowohl am SDG Staatsanleihen ETF sowie am ersten SDG Bond von Enel erhebliche Kritik. So weist im ETF von Blackrock Frankreich die höchste Gewichtung auf, ist aber gleichzeitig auch der größte Produzent von nuklearer Energie. Im Falle von ENEL ist ein erheblicher Kritikpunkt, das durch die Anleihe gesammelte Kapital nicht ausschließlich für nachhaltige Zwecke, sondern für generelle Unternehmenszwecke eingesetzt werden darf. So kann ENEL mithilfe des SDG-Bonds „nachhaltiges“ Geld von Investoren einsammeln und beispielsweise ein Kohlekraftwerk damit finanzieren.

 

Somit kann festgehalten werden, dass die Berücksichtigung von SDG-Zielen und generell dem Thema Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung am Finanzmarkt gewinnt und mittlerweile auch direkten Einfluss auf die Kosten der Unternehmen haben. Allerdings gibt es noch keinen „Gold“-Standard welcher zum einen die Unternehmen bzw. Staaten zu einer klimaneutraleren Geschäftsführung und zum anderen nachhaltige Investoren und NGO´s vollständig zufrieden stellt. Es bleibt somit abzuwarten, welche weiteren Entwicklungen es in diesem Bereich geben wird. Nur eines kann klar festgehalten werden: Die Nachfrage nach nachhaltigen Investment-Produkten wird immer stärker steigen und somit auch die Anforderungen an Vermögensverwalter diese bestmöglich im Interesse ihrer Kunden anzulegen. 

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