Bildungssystem in Südkorea: ist Exzellenz Überforderung oder Fahrt in den Tod?

04. Nov 2020 | Blog

VON Sandrine Ngo Ngan

Können Sie sich noch an Ihre Schul- oder Studienzeit erinnern? Ich kann mich nämlich nach 14 Jahren insbesondere an meine Studienzeit erinnern. Das Grundstudium in Deutschland war zu Beginn aufgrund der neuen Lernumgebung ungewöhnlich.  Es herrschte Ungewissheit und ich musste zusätzlich die große Hürde der kurzfristig erlernten Fremdsprache (Deutsch) überwinden. Im Hauptstudium hatte ich schon eine Ahnung wohin die Reise ging und durfte erfreulicherweise das Ganze in meiner Muttersprache (Französisch) in Frankreich absolvieren. Neben dem ganzen akademischen Kram und trotz der herausfordernden neuen Lebensumstände, blieb auch Zeit für den Spaß: Studentenpartys, Chillen, Kino, Reisen, etc. Das war auch für die persönliche Balance wichtig. Würde man die Zeit zurückdrehen, würde ich noch genauso handeln.

 

Was ich während meiner Studienzeit als selbstverständlich empfunden habe, scheint nicht der Fall für alle Studenten zu sein. In Südkorea z.B. sieht sowohl das schulische als auch das Studentenleben anders aus. Dort herrscht ein hoher Wettbewerb in vielen Bereichen der Gesellschaft. Dies führt dazu, dass Schüler und Studenten früh in diese Spirale geraten. Bildung hat einen hohen Stellenwert, darum kann das Land gut prahlen, weil es nach Finnland und Japan das drittbeste Bildungssystem der Welt besitzt (Quelle: https://www.currentschoolnews.com/de/education-news/best-educational-system-in-the-world/ ). Dieser Bildungserfolg hat leider eine grausame Seite. Viele Eltern stehen oft vor dem dramatischen Dilemma, ihren Kindern entweder eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen oder ein teures privates Nachhilfezentrum namens „Hagwon“ zu suchen, damit sie ihre Leistungen verbessern oder erfolgreich Studien in einer Elitehochschule absolvieren können. In einem Hagwon erhalten Schüler, neben ihrer regulären Schulbildung an staatlichen Schulen, ergänzenden Unterricht oder werden auf Aufnahmeprüfungen für Hochschulen vorbereitet. Fast 80% der Kinder und Jugendlichen entscheiden sich mit ihrer Familie für diesen „besonderen Weg des Erfolgs“, der einen Schulalltag von durchschnittlich 15 bis 19 Std. ergibt. Die Regierung kämpft leider ohne Erfolg für die Einschränkung der Öffnungszeiten der Hagwons. Die Maßnahme steht dem Willen der Eltern entgegen.

 

In Hochschulen bleibt die Tendenz leider aufrecht. Südkoreanische Studenten verbringen mehr Zeit mit ihrem Studium im Vergleich zu internationalen Studenten, die fürs z.B. Austauschstudium kommen. Die Interessen unterscheiden sich stark: internationale Studenten verstehen ein Studentenleben ohne Spaß und Freizeit nicht. Dieser Einstellungsunterschied führt oft zu erheblichen Konflikten zwischen beiden Parteien. Der südkoreanische Bildungsperfektionismus bringt jährlich leider viele Opfer. Immer mehr Psychologen und gemeinnützige Organisationen läuten die Alarmglocken, weil Kinder und Jugendliche aufgrund des steigenden Bildungsdrucks unter Übermüdung oder Depression leiden, sowie häufig Selbstmord begehen (jährlich fast 1000 Kinder und Jugendliche aufgrund von Schul- oder Studienversagen laut einer Kurzreportage „Corée du Sud: élèves sous pression“ von France 3 im Februar 2018). Mehrere Initiativen wurden gestartet, um verzweifelten Kindern und Jugendlichen zu helfen. 

 

Angesichts der ungewöhnlichen und dramatischen Lage in Südkorea, stellt man sich die Frage, ob Bildung das einzige Erfolgstor des Lebens ist und was Menschen allgemein unter Erfolg verstehen. Es ist wahr, dass Bildung viele „berufliche Tore“ im Leben öffnen kann, aber Weisheit noch mehr. Unter Weisheit verstehe ich Flexibilität des Erfolgsverständnisses. Für mich ist Erfolg kein einziger und gerader Tunnel, den man unbedingt entlangfahren muss, um ans Ziel kommen zu können. Erfolg ist „jedermanns spezifische und unterschiedliche Vision“, die über mehrere Wege verfolgt werden kann. Das sollte nicht nur die südkoreanische Gesellschaft lernen, sondern auch die ganze Welt, damit die Nachwuchsgeneration vor irrsinnigen Vorstellungen des Erfolgs verschont wird.

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