Suriname

11. Dez 2020 | Blog

VON Günther Moosbauer

liegt in Südamerika, an der Ostküste nördlich von Brasilien. 1975 erhielt Suriname die Unabhängigkeit von den Niederlanden. Nach der Unabhängigkeit dauerte es noch 12 Jahre bis eine demokratische Ordnung hergestellt war. Guerillakämpfe währten noch bis 1992. Erhebliche Teile der ausgebildeten Bevölkerung emigrierten in die Niederlande. Rund 350 Tausend Menschen surinamischer Herkunft leben heute in den Niederlanden. Suriname hat rund 600 Tausend Einwohner. Davon sind 37% afrikanischer Herkunft aus der Zeit der Sklaverei. Jene 27% mit indischen Wurzeln, sowie die 13% Javaner stammen aus der Zeit nach der Sklaverei, als Kontraktarbeiter für die profitablen Zuckerrohrplantagen eingesetzt wurden. Suriname ist heute eine stabile Demokratie, es besitzt eine Berufsarmee mit 2000 Soldaten und eine funktionierende medizinische Versorgung. Grenzstreitigkeiten mit Guyana wurden mit Hilfe des Schiedsgerichts in Den Haag beigelegt. Das Wohlstandsniveau liegt circa im Mittelfeld Lateinamerikas. Das Pro-Kopf-BIP beträgt 5.800,-$ im Vergleich zu Österreich 51.340,-$.

 

Gold, Öl und Bauxit begründen 88% des Exports, die 58% des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Diese geringe wirtschaftliche Diversifizierung macht das Land verwundbar für die allgemein hohen Schwankungsbreiten von Rohstoffpreisen.

 

Der Abfluss von qualifizierten Arbeitskräften nach der Unabhängigkeit und der nach wie vor vorhandene Mangel an Facharbeitern, gemeinsam mit dem unzureichenden Zugang zu Krediten erklärt die geringe Geschäftstätigkeit im Land. Hauptinvestor ist der Staat, der für das nächste Jahr ein Programm zum Ausbau der Infrastruktur auf den Plan gebracht hat.

 

Wurden die wirtschaftlichen Aussichten 2011 noch positiv vom IWF eingeschätzt, so erwiesen sich die folgenden Jahre als zunehmend schwierig. Das Wirtschaftswachstum war zurückhaltend, die hohe Inflation 2017 dämpfte den Inlandskonsum (30% des BIP) und die derzeitige Achillesferse – die hohe Staatsverschuldung zusammen mit den niedrigen Fremdwährungsreserven und der Zurücknahme der Schuldenbremse 2019, veranlasste die Ratingagenturen Suriname stufenweise auf schließlich C herabzustufen. Hauptproblem sind die fehlenden überzeugenden Maßnahmen gegen ein weiteres Anwachsen der Verschuldung und die schwache Geschäftstätigkeit im Land. 

 

Suriname erweist sich als ein interessantes Beispiel dafür, dass ein weitgehend solides ökonomisches Fundament sowie das Fehlen größerer sozialer und politischer Spannungen und Exporteinkünfte aus Ressourcen, keine ausreichenden Voraussetzungen für eine aussichtsreiche wirtschaftliche Entwicklung sein müssen. Dennoch bleiben diese positiven Rahmenbedingungen bestimmende Faktoren für mögliche Fortschritte. Mit der Präsidentschaftswahl im Dezember dieses Jahres wird man auf die nächsten Schritte gespannt sein.

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