Global Dept Database des Internationalen Währungsfonds (IWF)

12. Feb 2021 | Blog

VON Joachim Waltl

Anfang Februar hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine globale Schuldendatenbank auf den Stand per Ende 2019 aktualisiert. Die Datenbank (Global Debt Database) wird aufgrund des immensen Datenerhebungsaufwandes nur einmal jährlich mit einem einjährigen Zeitrückstand veröffentlicht. Sie beinhaltet die Bruttoverschuldung des öffentlichen und privaten, nichtfinanziellon 190 Staaten seit 1950. Anfang 2021 sind die Daten, nachdem die Regierungen im Jahr 2020 zur Krisenbekämpfung einem enormen Schuldenanstieg ausgesetzt waren, vielleicht schon veraltet. Eine höhere Ausgangsverschuldung kann aber den Spielraum von Regierungen einschränken, auf eine länger anhaltende Pandemie entschlossen genug zu reagieren.

 

Ende 2019 erreichte der globale Schuldenstand 197 Billionen USD bei einem weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 87,2 Billionen USD. Mit einem Jahresanstieg von 4,8 % erhöhte sich die globale durchschnittliche Schuldenquote um 1,5 Prozentpunkte auf 226 % relativ zum BIP. Der größte Teil des Anstieges resultierte aus einer höheren Staatsverschuldung in Schwellenländern und Industriestaaten außerhalb Europas. In sogenannten „low-income countries“ (Länder mit niedrigem Einkommen) stieg die Gesamtverschuldung 2019 um 1,3 Prozentpunkte des BIP – hauptsächlich aufgrund einer höheren Privatverschuldung.

 

Quelle: IWF

 

Ende 2019 lag die globale Staatsverschuldung bereits um 23 Prozentpunkte über dem Niveau von vor der Finanzkrise. Dies ist vor allem auf Industrieländer, bei denen die Staatsverschuldung von 72 auf 105 % des BIP gestiegen ist, zurückzuführen. In Schwellenländern stieg die Staatsverschuldung von 35 auf 54 % und in Entwicklungsländern stieg sie auf 44 %. Viele Staaten profitierten von den niedrigen Kreditkosten der letzten Jahre und nutzten diese auch aus. Im Vergleich zu 2007 sind die durchschnittlichen Zinskosten relativ zu den Staatseinnahmen um 0,3 % gefallen. Die höhere Verschuldung kann aber gerade in Krisenzeiten hinderlich werden. Einige höher verschuldete Schwellen- und Entwicklungsländer finden es bereits zunehmend schwieriger, Kredite zu vorteilhaften Konditionen aufzunehmen. Gelder, die sie zur Bekämpfung der Pandemie gut gebrauchen könnten.

 

Aber auch eine hohe und steigende Privatverschuldung gibt Anlass zur Sorge. Im Vorfeld historischer Finanzkrisen ist die Privatverschuldung stets stärker als das Wirtschaftswachstum gestiegen. Der IWF verwendet als Warnsignal vor einer Überhitzung in seiner Methode des tragfähigen Schuldenniveaus einen Anstieg der Privatverschuldung von 30 % in Industrieländern und 15 % in Entwicklungsländern innerhalb von drei Jahren. Die empirische Erfahrung zeigt, dass die Wirtschaftstätigkeit nach einem Kreditboom tendenziell leidet. Wenn sich die private Verschuldung von Haushalten, Unternehmen oder beiden als nicht tragbar erweist, kann dies zu zahlreichen Insolvenzen führen, die möglicherweise ein Eingreifen der Regierung in Form von Rettungsaktionen für kritische Sektoren oder staatliche Garantien für private Kredite erfordert. Die Verschuldung des Privatsektors kann daher ein zusätzliches Risiko für bereits hoch verschuldete Regierungen darstellen. Da die öffentlichen Finanzen während der Pandemie weiter angespannt werden, kann die erhöhte private Verschuldung vor der Pandemie den Regierungen weniger Spielraum lassen, um eine gesunde und robuste Erholung zu fördern.

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