Wie antizipiertes Bedauern unsere Entscheidungen beeinflussen kann

19. Mär 2021 | Blog

VON Daniel Kupfner

Stellen Sie sich auch des Öfteren die Frage: „Was wäre gewesen, hätte ich …?“

 

Sollten sich die in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen als nachteilig zu einer nicht gewählten Alternative herausstellen, empfinden wir neben der per se assoziierten Unzufriedenheit auch noch Emotionen, die aus dem Vergleich der verpassten Möglichkeiten resultieren. Ist die verpasste Konsequenz besser als die realisierte, empfinden die Entscheider Bedauern. Im umgekehrten Fall würde der positive Ausgang der Entscheidung Freude verursachen.

 

Die Regret Theory geht davon aus, dass wir dieses erwartete Bedauern bereits in unserer Entscheidungsfindung einbeziehen. Damit ist die Regret Theory eine der wenigen Entscheidungstheorien, in denen die Emotionen des Entscheiders berücksichtigt werden. Weiters wird angenommen, dass das im Falle einer Fehlentscheidung eintretende Bedauern bei der Entscheidung vorweggenommen wird und diese stark beeinflusst. Um in der Lage zu sein, Bedauern zu antizipieren, muss die Person jedoch zuerst in der Lage sein bzw. sich vorstellen können, welche Konsequenz denn eingetreten wäre, wenn man sich anders entschieden hätte.

 

Eine wissenschaftliche Studie aus den Niederlanden repliziert und erweitert diese Befunde für reale Entscheidungen zur Lotterie-Teilnahme. Es wurden dabei zwei Lotterien, die „Postcode Lottery“ und die „National State Lottery“, verglichen. Die State-Lottery ist eine traditionelle Lotterie, bei der ein Los mit einer aufgedruckten Nummer gekauft werden kann. Bei der Postcode-Lottery ist die eigene Postleitzahl die Losnummer, womit auch bei einer Nicht-Teilnahme herausgefunden werden kann, ob man im Falle der Teilnahme gewonnen hätte. Die Forschung hat in einer Reihe von vier Studien gezeigt, dass eine Lotterie, die ihren (potenziellen) Spielern solche Informationen gibt (Postcode Lotterie), Reueerwartungen hervorrufen kann und dass diese Antizipationen die Teilnahmeentscheidungen beeinflussen. Feedback-Informationen darüber, was passiert wäre, wenn wir anders gewählt hätten, sind daher ein entscheidender Faktor des Bedauerns. Des Weiteren antizipieren Menschen mehr Bedauern über das Nicht-Spielen, wenn eine mögliche Rückmeldung über den Gewinn der Nachbarn in der Entscheidungsfindung berücksichtigt wird.

 

Diese Angst vor dem unangenehmen Wissen darüber, "was gewesen wäre", könnte weitere Arten von Glücksspielverhalten erklären. Neben dem Glücksspielsektor kann dieser Effekt auch die Entscheidungsfindung von Investoren und Anleger auf Kapitalmärkten beeinflussen. Schließlich sind auch auf den Kapitalmärkten die Konsequenzen der Alternativen bekannt. Gepaart mit den Erzählungen von hohen Gewinnen durch Freunde oder in diversen Foren (FOMO – Fear Of Missing Out), verstärkt sich der verzerrende Einfluss auf das objektive Urteilsvermögen. Vermeintlich gebührenfreie Trading Apps, welche auf eine einfache und spielerische Handhabung setzen (Gamification -Effekt), sprechen darüber hinaus insbesondere jüngere und unerfahrene Marktteilnehmer an, womit weitere Probleme entstehen bzw. daraus resultieren könnten. Hier gilt die Devise, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht ständig der Angst zu verfallen, einen Trend zu verpassen.

 

Abschließend noch eine interessante Erkenntnis einer weiteren Studie: Das größte Bedauern der Menschen betrifft Dinge, die sie in ihrem Leben nicht getan haben. Dies steht im Widerspruch zur Forschung zum kontrafaktischen Denken (= Menschen bedauern unglückliche Ergebnisse, die aus durchgeführten Handlungen resultieren mehr als identische Ergebnisse, die aus unterlassenen Handlungen resultieren). Diese divergierenden Befunde ergeben sich, da das Bedauern der Menschen einem systematischen Zeitverlauf folgt: Aktionen verursachen kurzfristig mehr Schmerz, aber Untätigkeit wird auf lange Sicht mehr bedauert.

 

Quellen:

Zusammenfassung der Regret-Theorie (Bell, 1982; Loomes & Sugden, 1982) aus: Jungermann, H. Pfister, H.-R., & Fischer, K. (2010). Die Psychologie der Entscheidung. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag

 

Zeelenberg, M., & Pieters, R. (2004). Consequences of regret aversion in real life: The case of the dutch postcode lottery. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 93 (2), 155-168.

 

Gilovich, T., & Medvec, V. H.(1994). The temporal pattern to the experience of regret. Journal of Personality and SocialPsychology, 67(3), 357–365.

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