NFT – The next big thing?

16. Apr 2021 | Blog

VON Stefan Donnerer

700% Gewinn an einem Tag; Höchststand Jänner 2021 – Kein Problem mit der Gamestop Aktie.

 

90% Gewinn in einem halben Jahr; Höchststand Februar 2021 – kein Problem mit Börsenhüllen à la SPACs.

 

800% Gewinn in einem Jahr; Höchststand April 2021 – kein Problem mit der Kryptowährung Bitcoin.

 

Während man durchaus der Meinung sein kann, dass vor allem der Finanzmarkt Anfang dieses Jahres zu Verrücktheiten geneigt und sich immer mehr von der Realwirtschaft entfernt hat, kommt schon direkt der nächste eigenwillige Hype um die Ecke und sorgt für die nächsten Schlagzeilen.

 

Es scheint so, dass vor allem kryptische Kürzel derzeit en vogue sind und fast schon für mehrstellige Wertsteigerungen garantieren. Während mein Kollege Alfred Kober erst vor kurzem über SPACs und deren vermeintlichen Erfolgslauf an den amerikanischen Börsen berichtet hat, beschäftigt sich dieser Artikel mit den ebenso neuartigen, aber nicht weniger polarisierenden Thema NFT.

 

NFT steht für nonfungible Tokens, was bedeutet, dass es sich hier im Gegensatz zu beispielsweise Bitcoins, um einzigartige Token handelt, welche somit nicht repliziert oder zerstört werden können. Diese Token dienen quasi als digitale Urkunden zur Eigentumsbestätigung für beispielsweise Original-Ausgaben von Online-Kunst, Musik oder aber auch Internet-Memes. Allerdings ist die Anwendung nicht nur auf digitale Güter beschränkt. So können beispielsweise auch NFTs auf reale Sport-Sammelkarten oder mittels eines Tennis-Profi-Arms (Oleksandra Oliynykova) erworben werden.

 

Diese NFTs werden meist über Internet-Auktionen, entweder gegen Echtgeld oder Kryptowährungen, ersteigert und haben vor allem in den letzten Monaten massiv an Beliebtheit gewonnen, da eine Vielzahl an einzigartigen und teils absurden Objekten (siehe Tennis-Profi-Arm) oder noch nicht existente Projekte,  für astronomische Summen auf diesen Weg vertrieben worden sind. Aufgrund der völlig neu geschaffenen Methodik Geld zu verdienen, sind natürlich auch bereits zahlreiche Prominente und Künstler auf diesen Hype aufgesprungen und befeuern diesen weiter. Allerdings steckt hinter diesem Hype viel mehr, als es vielleicht diese kuriosen Meldungen vermuten lassen würden.

 

Der Vorteil dieser Token ist, dass die Echtheit und die Eigentümerkette der gehandelten Güter einfach und transparent nachzuvollziehen sind und man somit theoretisch als Investor sich sicher sein kann, dass man wirklich das Original und nicht eine Fälschung teuer erworben hat. Als Technologie wird hier im Hintergrund hauptsächlich die Blockchain von Ethereum angewandt. Diese ermöglicht, dass zum einen den Käufer der NFT übertragen wird, welche das Eigentum unmissverständlich nachweist und andererseits gleichzeitig das Eigentumsverhältnis in einem zentralen Register ablegt (vergleichbar mit einem Grundbuch).  Somit ist sichergestellt, dass auch wirklich nur eine Person das Eigentum eines Gutes besitzen kann. Folglich kann auch nachvollzogen werden, ob das Gut im Hintergrund schon Vorbesitzer hatte oder man der Erstbesitzer ist, was zur Validierung der Echtheit des Gutes maßgeblich beiträgt. 

 

Mit dieser neuartigen Verwaltung von Eigentumsrechten im Internet, kommen natürlich auch rechtliche Fragen auf. Sollte man nun mittels NFT beispielsweise der glückliche Besitzer des ersten Tweets sein (Kosten: ca. 2.9 Mio. USD), so erhält man allerdings lediglich das Eigentumsrecht und nicht das Urheberrecht. Dies bedeutet, dass derjenige der noch das Urheberrecht des Tweets besitzt, von diesen weiteren Kopien vervielfältigen und diese theoretisch über NFTs auch weiterverkaufen kann. Zur Übertragung des Urheberrechts ist nach wie vor (zumindest laut. US-amerikanischen Recht) ein herkömmlicher schriftlicher Vertrag erforderlich.

 

Auch wenn dieses ganze Thema auf den ersten Blick ungreifbar und abstrakt scheint und man nicht verstehen kann, warum solche Summen für einzigartige immaterielle und materielle Güter gezahlt werden, so stellt dies nicht unbedingt eine Eigenart der NFTs dar. Vielmehr ist dies meiner Meinung nach die Funktionsweise des ganzen Marktes für Kunst und Unikaten an sich, welcher darauf ausgelegt ist, regelmäßig einen solchen einzigartigen Hype zu erzeugen. Er ist darauf angewiesen, dass große Verkäufe ein hohes Maß an Berichterstattung generieren und dies geschieht am besten, wenn sich nicht nur Journalisten, sondern auch deren Leser fragen, warum eine Person bereit ist eine solche Unsumme an Geld für ein Kunstwerk auszugeben. Weder ein Gemälde von Picasso spiegelt den Wert der verwendeten Farben wieder, noch eine Skulptur von Alberto Giacometti oder Jeff Koon wird aufgrund des eingesetzten Materials mit Millionen bewertet. Kunstpreise mögen steigen und fallen, aber nicht aufgrund von Fundamentaldaten; stattdessen verleiht allein der Konsens des Marktes den Wert.

 

Auch wenn derzeit der größte Markt bzw. Einsatz für NFTs in Videospielen liegt, so steckt hinter dieser Technologie ein enormes Potential. Mittels NFTs wäre es beispielsweise möglich zukünftig den Schwarzmarkt für beispielsweise Konzerttickets von heute auf morgen zu beseitigen, da der Veranstalter Wiederverkaufspreise einfach technisch limitieren kann. Ein anderes Anwendungsgebiet wären Lieferketten, bei denen es von essenzieller Bedeutung ist, dass jede Komponente eindeutig einen Lieferanten zugeordnet werden kann, wie es beispielsweise in der Pharmabranche der Fall ist. 

 

Es gibt derzeit eine Vielzahl an Gründen warum die Blockchain trotz ihrer nahezu magischen Anziehungskraft und deren vielseitigen Einsatzmöglichkeiten die Welt noch nicht erobert hat. Zum einen gibt es Probleme mit Sicherheit, Transaktionskosten und Geschwindigkeit und zum anderen gibt es viele konkurrierende Ansätze welche alle ihre eigenen Stärken und Schwächen haben und somit zu einem fragmentierten Markt führen. Allerdings ist für mich auch ersichtlich, dass mit jedem neuen Blockchain-Lösungsansatz, die gesamte Technologie immer mehr an Relevanz und Bedeutung gewinnt. Auch wenn es derzeit nicht möglich ist vorauszusagen welcher dieser Krypto-Produkte seinem Hype gerecht und auch in Zukunft relevant sein wird, so kann man sich wahrscheinlich nicht vor der Entwicklung verstecken, dass in irgendeiner Form diese neuartigen Lösungsansätze unser Zukunftsbild prägen werden. Mit allen ihren Vor- und Nachteilen.  

 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.donnerer@securitykag.at

Risikohinweis

HINWEIS: Die Security BLOGS stellen lediglich die persönliche Meinung des Verfassers im Erstellungszeitpunkt und daher nicht die Meinung des Medieninhabers dar. Eine Haftung für diese Aussagen kann vom Medieninhaber ausdrücklich nicht übernommen werden. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds zu. Ausgabe- und Rücknahmespesen der Fonds sowie sonstige externe Spesen und Steuern sind in den Performanceberechnungen nicht berücksichtigt und mindern die Performance. Ertragserwartungen stellen bloße Schätzungen zum Zeitpunkt der Erstellung der Informationen dar und sind kein verlässlicher Indikator für eine tatsächliche künftige Entwicklung. Die aktuellen Prospekte und die Wesentlichen Anlegerinformationen ("KID", "KIID") sind in deutscher Sprache auf der Homepage www.securitykag.at (Fonds) sowie am Sitz der Security Kapitalanlage AG, Burgring 16, 8010 Graz als Emittentin und der Liechtensteinischen Landesbank (Österreich) AG, Heßgasse 1, 1010 Wien, als Depotbank kostenlos erhältlich. Beachten Sie bitte auch die weitergehenden Risikohinweise in den Verkaufsprospekten und unter www.securitykag.at/fonds/risikohinweis/ sowie die Offenlegung im Sinne des § 25 Mediengesetz und www.securitykag.at/fusszeile/impressum-offenlegung/