125 Jahre Dow Jones

04. Jun 2021 | Blog

VON Joachim Waltl

Ende Mai feierte der Dow-Jones-Index seinen 125-sten Geburtstag. Sein Kursverlauf spiegelt seit der Auflage im Jahr 1896 sowohl die Wirtschafts- und Politikgeschichte Amerikas und der Welt als auch die Geschichte des globalen Geld- und Finanzsystems wider. Charles Dow veröffentlichte bereits 1884 einen Index mit Eisenbahngesellschaften. 1896 wurde die Notwendigkeit eines weiteren Indexes für Industrieunternehmen deutlich, nachdem in den Jahren davor Panik durch bankrotte Eisenbahngesellschaften entstanden war. Weiters machten die Industrieaktien der New York Stock Exchange 1896 bereits die Hälfte des Börsenumsatzes aus. Der Kursverlauf des Dow-Jones-Indexes mit den bekannten Symbolen Bulle und Bär (für Auf- und Abwärtstrends) wurde zum Aushängeschild und damit zum Gesicht der Wirtschaftsgeschichte wie es seinesgleichen sucht.

 

Beginnend mit preisgewichteten Durchschnittskursen von 12 Aktien schloss der Index am ersten Tag bei einem Kurs von 40,94 Zählern. Bis zu seinem aktuellen Stand von 34.529,45 Zählern Ende Mai 2021 vergingen 32.390 Handelstage bei 1.474 Kurshöchstständen. Die Gesamtentwicklung von 84.241 % seit Erstnotiz zeigt, wie gut sich auf lange Frist eine Investition in Aktien trotz häufiger Kurseinbrüche ausgezahlt hat. Dies entspricht einer durchschnittlichen Jahres-Rendite von 7,7 %. Ein Ansparplan, der ausschließlich zu Kurshöchstständen investiert hätte, führte zu einem durchschnittlichen Einstandskurs von 6.082,947 Zählern. Langweilig war es selten. Insgesamt schloss der Index an 16.839 Tagen im Plus und an 15.078 Tagen im Minus. An 78 Tagen schloss der Dow-Jones-Index mit einem Plus von über 5 % und an 8 Tagen sogar von über 10 %. Dagegen verlor er an 83 Tagen mehr als -5 % und an 5 Tagen mehr als -10 %. Zwei größere Veränderungen hinsichtlich der Anzahl der Mitglieder wurden bisher vorgenommen: 1916 wurde der Index von 12 auf 20 und 1928 auf 30 Unternehmen erweitert. Von dem aus heutiger Sicht kaum erwähnenswerten Zuwachs von 60 Zählern vergingen in den ersten Jahren mehr als eine Dekade, bis der Index die Schwelle von 100 Punkten überschritt. In den ersten 25 Jahren dominierten neun Mal die Bären das Börsengeschehen. Ein Bärenmarkt ist definiert als ein Rückgang der Aktienmärkte um 20 % oder mehr gegenüber einem früheren Höchststand und einer Dauer von mindestens zwei Monaten oder länger. Verglichen dazu gab es seit 1996 nur mehr vier Bärenmärkte. Erst 1972 nahm der Dow Jones die Hürde von 1.000 Zählern und 1999 von 10.000 Zählern. Im Rahmen der Pandemie Bekämpfung stieg der Index im November 2020 über 30.000 Zähler. Während seines Bestehens durchlief der Dow-Jones-Index 25 Rezessionen in den USA. 23 amerikanische Präsidenten – 10 von der Demokratischen und 13 von der Republikanischen Partei gestellt – begleiteten bisher seinen Verlauf.

 

Von den 125 Jahren verliefen mehr als 70 Jahre ohne neue Höchststände. 1910, 1962, 1977 und in der Finanzkrise 2008 schloss der Dow-Jones-Index jeden einzelnen Tag unter dem Vorjahresschlusskurs. Den höchsten Tagesverlust mit einem Rückgang von 22,6 % hatte der Index am 19. Oktober 1987, gefolgt vom März 2020 mit dem Ausbruch der Corona Pandemie mit 12,9%.

 

Seit der Erstnotiz hielt sich keine Aktie im Index. General Electric war bis 2018 immerhin mehr als hundert Jahre Mitglied des Indizes. Derzeit ist Procter & Gamble seit 1932 ununterbrochen jene Aktie, die am längsten im Index vertreten ist. Im Laufe der Zeit veränderte der Dow-Jones-Index mehrmals seine Gestionierung hinsichtlich der Sektorenaufteilung. Gestartet als Index mit sogenannten Schornsteinfabriken sind mit Boeing und 3M immer noch Industriekonzerne im Index enthalten. Als Repräsentant amerikanischer und internationaler Aktien mit Banken, JPMorgan Chase, mit Konsumgüter-, Coca Cola und Walmart, sowie mit Technologie-, Apple und Microsoft, und Biotechnologieunternehmen, Amgen, und mit dem Energieunternehmen Chevron vertritt er mittlerweile eine breitere Sektorenaufteilung.

 

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