Revival of the 1970s?

17. Jun 2022 | Blog

VON Alfred Kober

Immer mehr ähnelt die aktuelle Phase der Zeit vor rd. 50 Jahren, als Investierende auf gute Jahre zurückblicken konnten und ein hoher Wohlstand erreicht wurde. Schon damals führten Kriege zu Lieferkettenunterbrechungen in der Öl-/Energieversorgung. Angebotsbedingte Engpässe (RU, Zero Covid in China etc.) treffen auf hohe Nachfrage mit der Konsequenz steigender (Energie-)Preise.

 

Aus Veranlagungssicht erleben wir momentan einen heftigen negativen Kursausschlag, wie wir ihn in den letzten beiden Jahrzehnten nur wenige Male erlebt haben. Angesichts der extrem niedrigen/negativen Realzinsen und der grassierenden Inflation kann durchaus von einem Veranlagungsregime gesprochen werden, das für den Großteil von uns neu ist.

 

Jede Zeit hat seine Besonderheiten. Wenn auch die jetzige definitiv nicht jener der 1970iger Jahre gleicht, blicke ich immer wieder gerne in die Historie, um mir zumindest eine grobe Guidance zu verschaffen. Insbesondere wenn es um Fragen der Asset-Allocation geht.

 

 

 

In den 1970iger Jahren, zur Zeit des Ölschocks, verzeichnete die Inflation (CPI) einen Mittelwert von rd. 7 % pro Jahr. Es waren die Jahre der Energie- und Rohstoffinvestments, zumal auch deren Preisentwicklung über der mittleren kommunizierten Inflation lag. Verständlicherweise litt die Wertentwicklung/Performance langfristiger Anleihen unter den Zinserhöhungen – einen ähnlichen Gegenwind erleben wir in diesen Monaten. Auf der Seite der Aktien gab es eine Renaissance der Value-Stocks, also von Aktien mit geringeren Bewertungen. Am anderen Ende des Aktienspektrums lagen weit abgeschlagen die bereits damals sehr beliebten Wachstumsaktien (Growth Stocks).

 

Um die Marktsituation der 1970iger Jahre auf die heutige Zeit umzumünzen, müsste sich der strukturelle aktienseitige Trend des heurigen Jahres weiter fortsetzen. Unternehmen, deren Cash-Flow Zuwächse weit in der Zukunft liegen (Wachstumsaktien), leiden unter den steigen Zinsen stärker als Unternehmen mit geringerer Gewinndynamik/Bewertung (Value Stocks). Immer noch zeigen viele der bekannten Aktienindizes in den Industrieländern eine Übergewichtung der Wachstumssegmente. Zu lange lief der Trend in eine Richtung. Mittlerweile haben Wachstumstitel heftig, ja überproportional an Kurswert eingebüßt. 

 

Niemand verfügt über die berüchtigte Glaskugel – niemand kann in die Zukunft blicken. Ist die Historie eine grobe Guidance für die Zukunft, so ist die Ausrichtung, die wir in unseren Aktienportfolios umsetzen, eine gute. In der Titelselektion berücksichtigen wir bewertungsrelevante KPIs ebenso wie auch die Qualität der Geschäftsmodelle (bspw. Eigenkapitalrendite, Verschuldung etc.).  Die Intensität orientiert sich dabei an der Anlagestrategie. Bei indexnahen Portfolios/Produkten ist diese sehr gering, während Faktoren-Portfolios eine höhere Dosis abbekommen.

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