Bittere Lehre aus der deutschen Energiepolitik: Die Vergangenheit ist kein guter Indikator für die Zukunft

29. Jul 2022 | Blog

VON Joachim Waltl

Erdgas galt bis Februar 2022 als sicherer und zuverlässiger Brennstoff, der das wachsende Angebot an erneuerbarer Energie während der Energiewende ergänzen würde. Dies galt auch für Aktiengesellschaften der Gasversorgungsindustrie. Die deutsche Aktiengesellschaft Uniper setzte auf russisches Gas. Als Moskau Energie zur Waffe machte, musste das Versorgungsunternehmen teures Gas auf dem freien Kassamarkt kaufen, um den Mangel an russischen Gaslieferungen auszugleichen und seinen Versorgungsverpflichtungen nachkommen zu können. Am 8. Juli 2022 musste Uniper in Deutschland einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen zur Liquiditätsdeckung stellen, der trotz seiner Höhe von insgesamt 15 Milliarden Euro am 22. Juli 2022 recht schnell bewilligt wurde. Die staatliche Rettungsaktion des deutschen Energieversorgers Uniper ist geopolitischer Natur: Russland hat sich als unzuverlässiger Partner erwiesen.

 

Uniper entstand 2016 durch Ausgliederung der Stromerzeugung des deutschen Energieversorgers E.ON, damit sich E.ON auf erneuerbare Energie, Netze und Kunden konzentrieren konnte. Da Energiesysteme untereinander verbunden sind und aus langlebigen Anlagen bestehen, galt Uniper unter den Aktionären, aber auch für Ratingagenturen, die dem Unternehmen eine gute Bonität gaben, als relativ sichere Veranlagung. Auch hier trifft zu: Trotz stabiler Wertentwicklung der Aktie ist die Vergangenheit kein guter Indikator für die Zukunft.

 

 

 

 

Energiesysteme sind untereinander verbunden und bestehen aus langlebigen Anlagen und es wäre anzunehmen, dass Veränderungen nur langsam vonstattengehen können, zumal der Bau neuer Energie-Projekte Jahre dauert und der Austausch von Maschinen und Geräten teuer ist und mit einem langen Investmenthorizont einher gehen. Solch eine Inelastizität von Angebot und Nachfrage erzeugt vorerst einmal Trägheit. Wenn sich Dinge ändern und dabei der Markt sein Gleichgewicht verliert, verursacht diese Trägheit aber auch große Risiken. An Unipers Schicksal zeigt sich auch die Wichtigkeit der Ordnungsfunktion des Staates an Märkten beziehungsweise bei Marktversagen für eine Volkswirtschaft. Für Aktionäre birgt das aber Verwässerungsrisiken durch staatliche Rettungsaktionen oder sogar vollständige Verstaatlichungen, wie zuletzt bei Frankreichs EDF. Andere Versorger wurden ebenfalls von der Politik getroffen: Gesetzgeber reagierten entweder auf steigende Kraftstoffpreise oder haben Windfall Taxes und Price Caps, wie in Europa, erhoben. Der US-Präsident Biden hat US-Gasproduzenten unter Druck gesetzt, ihre Produktionsmengen zu erhöhen.

 

Die Politik wird und muss wahrscheinlich auch zu einem bestimmten Grad eine übergeordnete Rolle am Energiemarkt spielen. Auf breiter Ebene könnte der Vorstoß für saubere Energie neue geopolitische Gewinner hervorbringen und gleichzeitig einige alte bedrohen. Obwohl Putin in diesem Jahr seine Gaswaffe in Europa mit großer Wirkung eingesetzt hat, wird Russlands Macht - zumindest in Europa - schwinden, wenn der Westen seinen Energiebedarf aus nachhaltiger Erzeugung deckt. Wir haben uns an reichliche, zuverlässige und vor allem erschwingliche Energie gewöhnt. Um diese wieder zu erreichen, sollte der Übergang zu sauberen Energiequellen aus Eigeninteresse schneller als erwartet kommen.

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