Survival of the fittest…

10. Jul 2015 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Survival of the fittest kann in verschiedenen Ausprägungen vorhanden sein. Der Homo sapiens hat sich evolutionär nur deshalb durchgesetzt, weil er sich an wechselnde Bedingungen anpassen kann. Ausschließlich die Fähigkeit mit jeder Situation zurechtzukommen, erhält eine Art nachhaltig. Genau darin liegt die Stärke des Menschen! Anders ist es schwer vorstellbar, dass die Menschheit heute den Planeten beherrscht, wohingegen einstig Mächtige wie beispielsweise der Tyrannosaurus Rex von der Bildfläche verschwunden sind. Ähnlich verhält es sich auch mit Unternehmen. In den USA „verschwinden“ laufend Unternehmen. In Japan ist die Kultur anders.

 

Unlängst habe ich eine Studie des Fanta Fe Institutes gelesen, die den Lebenszyklus von 25.000 US-Firmen über mehrere Jahrzehnte analysiert hat. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die durchschnittliche Lebensdauer von US-Unternehmen rund 10 Jahre beträgt. Der rasche Tod und die ständige Veränderung hält die Wirtschaft auf Trab – Innovation ist das Schlagwort der Stunde. Und ähnlich wie beim Tyrannosaurus Rex sind auch große Unternehmen nicht vor dem Untergang geweiht. Die Yale School of Management hat die „Überlebensrate“ der 500 größten börsenotierten Unternehmen (S&P 500) analysiert. Interessant ist vor allem die Veränderung, die in den letzten 100 Jahren eingetreten ist. Vor 100 Jahren wurde ein S&P 500-Unternehmen im Schnitt 67 Jahre alt, heute lediglich 15 Jahre. Laut den Autoren verschwindet alle zwei Wochen ein S&P 500-Konzern – wenn es so weiter geht, werden bis 2027 rund 75% der Top 500-Unternehmen in den USA durch neue ersetzt. Zentraler Grund für das „Sterben“ von Unternehmen sind Übernahmen und Fusionen. Wo etwas zerstört wird, entsteht frei nach dem Schumpeter’schen Prinzip der „kreativen Zerstörung“ etwas Neues.

 

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Blick nach Japan, wo es rund 50.000 Unternehmen gibt, die seit mehr als 100 Jahren existieren. Diese „Dinosaurier“ sind ohne Familiendynastien schwer vorstellbar. Hier liegt der große Unterschied zu US-Unternehmen. Man fokussiert sich nicht auf Quartals- oder Jahresergebnisse, sondern hat einen viel längeren Fokus. Schließlich will man das Unternehmen auch noch an die nächste Generation weitergeben können.

 

Wir leben wahrlich in einer sehr schnelllebigen Zeit. Superstars von heute können schon morgen um das Überleben kämpfen und innovative Überlebenskünstler können rasch zu einem Branchenprimus aufsteigen. Dieses auf und ab wird besonders von Nokia verkörpert. Der biedere Gummistiefelhersteller aus Finnland hat den Trend der 90er Jahre erkannt und stieg zur Jahrtausendwende zum Weltmarktführer in der boomenden Mobiltelefon-Branche auf. Bereits wenige Jahre später wurde der Smartphone-Trend verschlafen - Nokia hielt an der guten alten Tastatur fest. Sinkende Marktanteile führten zu einer jahrelangen Schockstarre und einige Restrukturierungs- bzw. Reorganisationsprojekte, bevor man im Microsoft-Universum aufging.

 

Wie dieses Beispiel untermauert, ist es wenig ratsam, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Ein ständiges Hinterfragen des eigenen Tuns und ein Suchen nach Opportunitäten sollen als zentrale Managementaufgabe wahrgenommen werden.

 

Auch Tradition und Mythen spielen eine große Rolle. In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf eine Anekdote der Zeitungsbranche eingehen. Vor der Tablet- und Smartphone-Ära wurde noch häufig auf Tageszeitungen zurückgegriffen – für die jüngere Generation, nur der Form halber, angeführt: in Papierform. Es war ein „ungeschriebenes“ Gesetz, dass die Qualität der Inhalte mit dem Zeitungsformat korreliert. Je größer die Zeitung, desto hochwertiger die Inhalte. Das bringt natürlich auch einige Probleme mit sich. Man denke in diesem Zusammenhang an eine U-Bahnfahrt in der Rushhour – im Nachhinein betrachtet, eine äußerst sperrige und komplizierte Angelegenheit. Interessanterweise ist allerdings lange Zeit niemand auf die Idee gekommen, diesen Umstand zu hinterfragen. Weil es halt immer schon so war.

 

Es stellen sich die Fragen: „Woher kommt dieses Format und wie ist dieser Mythos entstanden?“

 

In Großbritannien hat das britische Parlament 1712 den sogenannten Stamp Act erlassen. Die Verleger mussten für jede gedruckte Zeitungsseite Abgaben leisten und haben dementsprechend das Format ihrer Zeitungen vergrößert, um Kosten zu sparen. Diese Regelung wurde 1865 aufgehoben. Interessant ist, dass es bis zum Jahr 2003 dauerte, bis der Independent als erste britische „Qualitätszeitung“ auf eine kleinformatige Variante umstellte. Zeitungen haben einfach groß zu sein – das war die Gewohnheit! Und diese Gewohnheit hielt fast eineinhalb Jahrhunderte, obwohl sie keinerlei Vorteile mehr brachte!

 

Um langfristig als Unternehmen im Haifischbecken überleben zu können, sollte man sein eigenes Tun ständig hinterfragen…

 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at