Die Ängste des Anleihenfondsmanagers

07. Mai 2015 | Blog

VON Stefan Winkler

Der Anleihenfondsmanager hat seit Menschengedenken zwei Ängste: Jene vor Zinsanstiegen und jene vor japanischen Zinsverhältnissen. Für viele andere Aspekte der wirtschaftlichen Gebarung hingegen ist er mit eskimoischer Coolness ausgestattet: Wie hoch sind die Gewinnsteigerungen? Hat man den Einstiegszeitpunkt der nächsten Aktienhausse verpasst? All das steckt der Anleihenfondsmanager mit emotionaler Gleichgültigkeit weg.

 

Neuerdings, also seit ein paar Jahren, ist er mit einer Herausforderung konfrontiert, die einige seiner Zunft des Nachts nicht mehr ruhig schlafen lassen. Dafür muss man verstehen, dass man als Anleihenfondsmanager wenig Motivation verspürt, selbst großartig unternehmerisch tätig zu werden. Man überlässt das anderen. Die Unterstützung mit Krediten endet mit deren Rückzahlung. Und für jene unserer Zunft, die besonders gut schlafen wollen, gibt es die Form der sicheren Veranlagung: Geringer Zins, sicheres „Geld zurück“. Dafür ist aber ein Deal notwendig, der nie groß ausgesprochen werden musste. Die öffentliche Hand öffnet in jedem erdenklichen Gesetz die Veranlagungsgrenzen für eigene Kredite, vergisst aber nicht, bei anderen Veranlagungsarten zu betonen, wieviel Risiko in ihnen steckt. Der auf seine ausgeglichene Schlafbilanz bedachte Anleihenfondsmanager nimmt die Einladung an und stillt den Refinanzierungsbedarf der öffentlichen Hand. Deal perfekt!

 

Das alles soll nun aber nicht mehr gelten! Immer öfter hört man Rufe aus Fachkreisen, diesen Deal zu überdenken. Doch wer wird dann den Refinanzierungsbedarf der Staaten decken? Werden die Zentralbanken dieser Welt für immer in die Bresche springen?

 

Ich frage Sie: „Hat das jemand zu Ende gedacht? Und wer bitteschön kümmert sich um die gestressten Anleihenfondsmanager, die nun um eine weitere Sorge reicher sind?“

 

Zum Glück gibt es Hilfe von anderer Seite. Noch vor Jahren undenkbar, haben wir nun trotz jüngster Zinsanstiege im Euro praktisch japanische Zinsverhältnisse. Und da sich unerwarteterweise die Welt trotzdem noch dreht, bröckelt hier so nach und nach der Glaube an die Katastrophe. Zumindest bei mir will sich die erwartete emotionale Eskalation nicht einstellen - wahrscheinlich bin ich auch nur ein Mensch. Wenn mich also japanische Zinsverhältnisse nicht mehr in meinen Grundfesten erschüttern, bleibt doch Platz für die Horrorvision nicht zahlender Staaten, oder? So quasi als Ersatz!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.winkler@securitykag.at