Nordamerika vs. Japan – Große Verschiebungen in den vergangenen Jahrzehnten

24. Apr 2015 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Die Aktienmärkte erleben ein Revival und können trotz der aktuellen fundamentalen Bewertung vor allem im relativen Bereich glänzen. In Anbetracht der tiefen Zinsen – wie ich in meinem letzten Blog dargestellt habe, weisen bereits 25% der EUR-Staatsanleihen eine negative Rendite auf – ist das nicht weiter verwunderlich. Im Anleihenbereich hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden – Staatsanleihen können aus meiner Sicht nicht mehr unter dem Synonym „Sicherheitsinvestment“ geführt und als Baustein für den Kapitalwerterhalt herangezogen werden.

 

Im Zusammenhang mit den Renditeanforderungen – im Falle einer Versicherung denke man beispielsweise an den Rechenzins – und den aufgrund der jüngsten Historie erzielten Veranlagungserfolgen sind die Anforderungen deutlich gestiegen. Viele Veranlager legen ihren Fokus auf den Aktienbereich. Der MSCI World ist ein weltweit gestreuter Aktienindex, der ein vergleichsweises gutes Risiko-/Ertragsprofil aufweist. Durch die Internationalisierung und die Beimischung anderer Währungen ist die empirisch beobachtbare Volatilität im Vergleich zu einem reinen EUR-Pendant deutlich niedriger. In diesem Zusammenhang kann ich mir einen Seitenhieb auf Solvency II nicht verkneifen. Hinsichtlich Risikobewertung müssen für ein international ausgerichtetes Portfolio höhere Eigenmittel als für ein reines EUR-Portfolio hinterlegt werden, obwohl dieses ein geringeres Risikoprofil aufweist.

 

Kapitalgewichtete Indizes weisen häufig Konzentrationsrisiken auf, wie der Leiter unserer Aktientruppe Alfred Kober in seinem letzten Blog bereits dargelegt hat (Vgl. „Die Charakteristika eines Aktien-/Anleihenindex – Teil 1“). Wir haben unlängst auch die Verschiebung der Regionengewichtungen im MSCI World analysiert.

 

Abbildung 1: MSCI World – Regionengewichtungen im historischen Zeitraffer

Quelle: MSCI, Security KAG

 

Wie in der Abbildung ersichtlich, wurden japanische Aktien Anfang der 1990er Jahre im MSCI World mit rund 40% gewichtet. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die japanische Wirtschaft damals einen Anteil an der Wirtschaftsleistung (BIP) von rund 20% innerhalb der MSCI-Regionen vereinnahmte. Die überproportionale Gewichtung kam aufgrund einer fulminanten Übertreibungsphase am japanischen Aktienmarkt über mehrere Jahrzehnte zustande. Die Entwicklung der letzten 25 Jahre ist durchwegs bekannt. Japanische Aktien zählten zu chronischen Underperformern.

 

Anders verhält es sich mit dem Anteil Nordamerikas. Nordamerika wies Anfang der 1990er Jahre bei einem BIP-Anteil von knapp 40% eine Indexgewichtung von ca. 40% auf. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Während die Gewichtung Japans kontinuierlich zurückgegangen ist, ist jene Nordamerikas auf knapp 65% gestiegen. Der Anteil an der Wirtschaftsleistung hat sich im gleichen Referenzzeitraum um lediglich 5% erhöht. Die höhere Gewichtung kann aus meiner Sicht auch auf die höhere Aktienkultur zurückgeführt werden. Ob wir uns schon in einer Übertreibungsphase befinden, kann ich Ihnen natürlich nicht beantworten. Der Blick in die Glaskugel bleibt mir leider verwehrt. Allerdings stimmt mich das schon nachdenklich!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at