Fehlt es Politikern an Kreativität?

20. Jan 2012 | Blog

VON Stefan Winkler

Ich glaube nicht an generellen Mangel am Intellekt des politischen Entscheidungsträger. Auch wenn wohl nicht jedem Politiker zugemutet werden kann sein Ressort im Detail zu verstehen, ist man sich wohl der wesentlichen Problemstellung meist bewusst. Alleine, was wird mit den Informationen angestellt? Man ist sich etwa der Pensionsproblematik schon lange bewusst und man weiß von der Ineffizienz unseres föderalistischen Systems, doch kann man sich nicht zu Lösungen durchringen. Nicht dass es keine Lösungsvorschläge gäbe, doch sind sie im aktuellen politischen Umfeld nicht umsetzbar. Einfach gesagt: Probleme, die einfach lösbar sind, wurden bereits gelöst. Übrig bleiben all jene Brocken, die nun schon ermüdend lange unser Dasein begleiten.

 

In Österreich hat die gütliche Einigung Tradition. Man eckt nicht zu sehr an, schließlich weiß man, dass man einander möglicherweise mal brauchen wird. Wir können also nicht hoffen, dass Verschiebungen der politischen Kräfteverhältnisse unsere Probleme lösen können. Und wenn, man denke an Teile der Pensionsreformen, wird bei Wiederherstellen der alten Kräfteverhältnisse der Retourgang eingelegt. Eine mögliche Einigung störrischer Themen scheint nur durch gemeinsamen Verzicht möglich zu sein. Etwa werden Subventionen der ÖBB gekürzt, dafür hebt man den Einheitswert auf Grundstücke. Doch auch wenn geteiltes Leid nur halbes Leid ist, es bleibt Leid. Und erfahrungsgemäß erfolgt diese Art der Problemlösung nur, wenn es gar nicht mehr anders geht.

 

Doch gibt es nicht andere Wege, die zum Erfolg führen können?

 

Nehmen wir unsere Bildungsmisere. Nach jahrelangem Stillstand wird nun versucht etwa mit der neuen Mittelschule Versäumtes aufzuholen. Der Ausgang ist ungewiss. Zwar kopiert man etablierte Systeme, doch ob sie auch in unserem Umfeld funktionieren werden, wird sich erst zeigen. Leider scheint dies der Weisheit letzter Schluss zu sein.

 

Wenn wir uns aber zurück lehnen und versuchen dem vorgefertigten Denken den Rücken zu kehren, könnte uns auffallen, dass wir grundlegendere strukturelle Probleme in unserem Bildungswesen haben. Zum Beispiel belohnt das System Lehrende, die es sich so einfach wie möglich machen: Geringe Leistungsanforderungen, laxe Prüfungen und „geschenkte“ Noten stoßen selten auf Kritik. Es gibt kaum äußere Anreize, die einen Lehrer motivieren. Gute Lehrer verdienen allen Respekt! Stellen Sie sich vor, der Lehrer würde nicht mehr prüfen. Er hätte aus vorgegebenen Paketen die Auswahl potentieller Themen für den Unterricht. Diese sind standardisiert und werden anonym abgeprüft. Der Lehrende könnte sich nicht mehr hinter geringen Anforderungen verstecken, verliert aber auch den möglichen Schrecken, da er nicht mehr die Leistung beurteilt. Der Lehrer wird zum Partner des Schülers, er „steht auf der gleichen Seite“. Dieses System erlaubt nicht nur effiziente Gemeinschaftslösungen, sondern auch die Qualität des Lehrenden objektiv zu prüfen. Lehrer mit vielen Klassen mit guten Noten könnte man etwa finanzielle Anreize bieten.

 

Dies soll als Beispiel nur verdeutlichen, was uns in Österreich fehlt: Innovative Lösungsansätze! Von einem hochrangigen politischen Entscheidungsträger, einem Manager, muss man solche verlangen können.

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