Europäischer Staatsanleihenmarkt – Struktur, Charakteristika und Gefahrenherde (Teil 2)

07. Apr 2015 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Im ersten Teil dieser Blog-Serie habe ich mich mit der Struktur des europäischen Staatsanleihenmarktes, der Verteilung der Renditen sowie einer Darstellung des Chancen-/Risikoprofils (Abbildung: Rendite vs. Duration) beschäftigt. Im 2. Teil dieser Blog-Serie möchte ich Ihnen noch weitere Überlegungen darlegen.

 

Abbildung 1: Rendite versus Rating

Quelle: Bloomberg, Security KAG (April 2015)

 

Bei einer Gegenüberstellung zwischen Bonität und der aktuellen Rendite der betreffenden Staatsanleihen ergibt sich ein ähnliches Bild.  Mit Deutschland, den Niederlanden und Finnland gibt es „nur“ mehr drei AAA-Emittenten. Mit Griechenland (mit einer Rendite von 11,14% wird das Land aufgrund der Übersichtlichkeit nicht expliziert angeführt) und Portugal befinden sich sogar zwei Länder im spekulativen Bereich. Mit Spanien und Italien befinden sich zudem zwei große Länder im unteren Investment-Grade Bereich. Insofern hat auch unter diesem Gesichtspunkt in den vergangenen Jahren ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Um die Jahrtausendwende konnte der Staatsanleihenbereich noch unter dem Synonym „sicheres Investment“ geführt werden. Bei einer aktuellen Betrachtung der Bonitäten (BBB-Emittenten: 36,7% bzw. „Non-Investmentgrade“: 2,25%) ist zu hinterfragen, ob man gegenwärtig für das eingegangene Risiko adäquat bezahlt wird.

 

Abbildung 2: Performance versus Rendite

Quelle: Bloomberg, Security KAG (April 2015)

 

In den vergangenen Jahren konnten Anleihenmärkte aufgrund der starken Zinsrückgänge eine äußerst gute Performance erwirtschaften. Investoren sollten sich allerdings immer vor Augen halten, dass diese Performance der Vergangenheit eine Bürde für die Zukunft ist. Mit allen europäischen Anleihen konnte man in den vergangenen 5 Jahren eine Wertentwicklung von zumindest 5,5% p.a. erwirtschaften. Besonders gut entwickelten sich Irland und Portugal – sie konnten die in der „Staatsanleihenkrise“ erlittenen Kursverluste kompensieren. Um die Attraktivität eines Anleiheninvestments abschätzen zu können, empfiehlt es sich allerdings, nicht die vergangene Entwicklung, sondern die aktuelle Rendite ins Kalkül zu ziehen. Und dabei wird offensichtlich, dass das zukünftige Potenzial dieser Investitionen mit der Vergangenheit nicht mithalten kann.

 

Abbildung 3: Durchschnittlicher Anleihenkurs vs. Duration

Quelle: Bloomberg, Security KAG (April 2015)

 

Durch den massiven Zinsrückgang konnten Investoren signifikante Barwertgewinne erwirtschaften. Um deren Auswirkungen abschätzen zu können, habe ich Ihnen in dieser Abbildung den Durchschnittspreis der Anleihen mit einer fixen Verzinsung in Relation zur Duration dargestellt. Österreichische Anleihen weisen beispielsweise gegenwärtig eine Duration von 8 Jahren auf und sind durchschnittlich mit einem Kurs von 130% bewertet. Nachdem die Anleihen – sofern wir davon ausgehen, dass diese am Ende auch zurückgezahlt werden können – bei Fälligkeit mit einem Kurs von 100% getilgt werden, wird offensichtlich, dass die Performance der Vergangenheit Abschreibungsbedarf für die Zukunft bedeutet. Insofern werden Investoren bis zur Fälligkeit deutlich weniger als den Durchschnittskupon verdienen.

 

Aufgrund des gegenwärtigen Umfelds wird sich der Reformeifer einzelner Länder wahrscheinlich in Grenzen halten. Schulden machen, kostet ja (fast) nichts. Für uns als Investoren lohnt es sich meiner Ansicht nach, verstärkt Emissionen in anderer Währung beizumischen, das Fremdwährungsrisiko abzusichern und dadurch das Ertragspotenzial bei gegebenen Risikoparametern signifikant zu erhöhen.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at