Internet-Bubble versus Staatsanleihen-Blase…

30. Aug 2010 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Seit April 1998 bin ich im Wertpapiergeschäft beruflich verankert. Gleich nach ein paar Monaten beruflicher teilweise „blauäugigen“ Aktivitäten brachte mich die Russland-Krise auf den Boden der Tatsachen zurück. Von da an ging es bis März 2000 beinahe kontinuierlich nach oben. Besonders dominant war die Bewegung des damaligen „Mode-Index“ Nasdaq Composite zwischen Ende Oktober 1999 und dem Höchststand im März 2000. Die sogenannte Internet-Bubble und die damalige Goldgräberstimmung sollten in die Geschichtsbücher eingehen.

 

Der aktuelle Trend bei Staatsanleihen - allen voran deutscher Bünder - erinnert mich stark an diese Zeit. Die Renditen „sicherer“ Anleihen sind sukzessive und kontinuierlich gesunken und befinden sich auf einem bis dato ungekannten Niveau. Sogenannte Experten - allen voran Chart-Techniker - sehen nach wie vor Potenzial, obwohl ein Investor aktuell für den Kauf einer 10jährigen deutschen Staatsanleihe mit einem Zins von 2,13% abgespeist wird.

 

Zur Erinnerung: Auch damals handelte man lediglich auf Basis von Erwartungswerten. Wachstumsprognosen von 50% oder mehr waren an der Tagesordnung. Ich kann mich an ein Research von einer bekannten US-Bank erinnern, die euphorisch das Ende des Konjunkturzyklus ausrief. Kommentare - die man im Nachhinein maximal mit einem sanften Lächeln oder Stirnrunzeln abtun würde - wurden damals von vielen als bare Münze bewertet. Man redete sich die Kursgewinne quasi herbei.

 

Um dies zu untermauern, habe ich eine Grafik erstellt, die einerseits die prozentuelle Wertsteigerung des Nasdaq Comp. mit der prozentuellen Veränderung der Renditen (als Performance habe ich den Renditerückgang dargestellt) verglichen. Renteninvestitionen sind naturgemäß etwas konservativer - allerdings verdeutlicht diese Grafik, dass man durchaus auch im Rentenbereich von einer Blasenbildung sprechen kann.

 

 

Genauso wie damals kommt mir der jüngste Renditerückgang - der naturgemäß zu starken Anstiegen von Anleihen führt - wie das letzte Auskosten des Trends vor. Für mich sind Expertenaussagen, die nach wie vor von „Potenzial“ sprechen, absolut nicht nachvollziehbar.

 

Wussten Sie, dass Frankreich im Frühjahr 2010 eine Anleihe (Kupon = 4%) mit einer Laufzeit bis 2060 - also unglaubliche 50 Jahre - emittiert hat? Diese Anleihe konnte zur Emission mit einem Kurs von 96,34% gekauft werden - aktuell handelt die Anleihe bei einem Kurs von 125,40%. Ein mutiger Investor konnte demnach binnen vier Monaten eine Performance von über 30% erwirtschaften - und das mit „sicheren“ Staatsanleihen. Und die angefallen Stückzinsen sind darin noch gar nicht eingerechnet.

 

Aber betrachten wir das Investment aus heutiger Sicht. Der Käufer würde sich aktuelle eine Rendite von rund 3% auf 50 Jahre (!) einloggen. Das ist allerdings vor KEST! Nach KEST beträgt die Rendite nur mehr rund 2%. Und diese 2% entsprechen dem langfristigen Inflationsziel der EZB. Sollte dieses ambitioniertes Ziel erreicht werden, hat der Investor dieser Anleihe auf 50 Jahre keine Wertsteigerung mit diesem Investment erzielt!!! Sollte das Zinsniveau allerdings ansteigen, sind Kursverluste vorprogrammiert. Wenn die Zinsen beispielsweise auf 6% ansteigen - würde die Staatsanleihe bei einem Kurs von rund 68,50% notieren. Das wäre vom aktuellen Kurs ein Abschlag von knapp 50%. Ein „faires“ Chancen/Risiko-Verhältnis sieht für mich anders aus…

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at