Banken in der Kreditklemme

13. Okt 2009 | Blog

VON Johannes Szoncso

Wie entstand eigentlich die allseits bekannte Kreditklemme? 

Die Kreditvergabe der Banken beruht auf dem Mindestreservesystem. Die Geschäftsbanken müssen mindestens 2% ihrer vergebenen Kredite als Sicherheit bei der Zentralbank ausweisen. Diese 2% bestehen nur selten aus Bargeld, meistens kaufen die Banken Wertpapiere, die von der Zentralbank zugelassen sind, und hinterlegen diese als Sicherheit. Bei diesen Wertpapieren handelt es sich üblicherweise um Papiere, die ein geringes Risiko aufweisen und möglichst geringen Kursschwankungen unterliegen. Diese Wertpapiere werden täglich bewertet. Wenn diese Wertpapiere Kursverluste aufweisen, die den Mindestreservesatz unter 2% drücken würden, dann wird die Geschäftsbank von der Zentralbank aufgefordert, weitere Wertpapiere zu hinterlegen (auch Margin Call genannt).

 

Was passierte nun genau im Oktober 2008? 

Die Banken dürfen aus Krediten, die sie vergeben, nach gewissen Vorschriften eigene Produkte formen. Derartige Produkte wurden von den Rating-Agenturen als sehr sicher eingestuft, obwohl die Renditeerwartung höher war als bei vergleichbaren Produkten, beispielsweise Staatsanleihen. Verständlicherweise wurden diese Produkte aufgrund der etwas besseren Rendite rege zwischen den Banken gehandelt. Oft wurden sie sogar zu Bestandteilen neuer strukturierter Produkte, die von Mal zu Mal komplexer wurden.


Als bekannt wurde, dass viele Kredite, die in diesen Produkten enthalten waren, ausfallgefährdet waren, brachen die Kurse und die Bewertungen dieser Wertpapiere stark ein. Die Banken mussten, um ihren Mindestreservesatz aufrecht erhalten zu können, verschiedene neue, sichere Wertanlagen bei der Zentralbank hinterlegen. Auch die Aufteilung der Portfolios in sichere und riskantere Wertpapiere war durcheinander, weil die Bonität dieser „Subprimes“ mit einem Mal gegen Null sank.

 

Was mussten die Banken also tun, um ihren Mindestreservesatz zu halten? 

Sie mussten sich von riskanten Wertpapieren (zB: Aktien) trennen, um für den Erlös sichere Wertpapiere nachzukaufen (zB: Staatsanleihen), die bei der Zentralbank hinterlegbar (notenbankfähig) waren. Weil viele Banken weltweit dasselbe Problem hatten, brachen die Kurse am Aktienmarkt ein und die Staatsanleihen boomten. Diese Entwicklung führte dazu, dass die Banken noch weiter intervenieren mussten.

 

Da das Risiko der meisten Kredite stark angestiegen war, mussten sich die Banken zusätzlich auf Kreditausfälle vorbereiten und dafür Rückstellungen bilden oder gar Abschreibungen verbuchen.

 

Das gegenseitige Vertrauen der Banken war dermaßen geschwächt, dass nicht einmal mehr kurzfristige Liquiditätsgeschäfte möglich waren, die davor sehr gut funktioniert hatten. Die Banken hatten mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen und konnten keine Kredite mehr vergeben, weder an Unternehmen, noch an andere Geschäftsbanken.


Es war also sehr wichtig, dass die Zentralbanken den Geschäftsbanken Liquidität zur Verfügung stellten, und dass sie den Zugang zu liquiden Mitteln durch die rasche Senkung des Leitzinssatzes erheblich erleichterten.


Dank der weltweiten Interventionen der Notenbanken begann unser Bankensystem wieder zu funktionieren. Es werden wieder Kredite vergeben und der Interbankenhandel wurde ebenso wieder aufgenommen.

 

Wie sieht die aktuelle Situation unserer Wirtschaft aus? 

Das Überleben der Banken scheint heute vorerst gesichert. Der Zusammenbruch des Bankensystems konnte verhindert werden, und meiner Ansicht nach wird dies im Zuge dieser Krise auch nicht mehr passieren.


Im Wirtschaftskreislauf gibt es aber nicht nur Banken, sondern auch Unternehmen und Haushalte.
Die Unternehmen haben die Wirtschaftskrise „genutzt“, um Arbeitnehmer abzubauen und sonstige Einsparungsmaßnahmen zu setzen, oft auch um ihr eigenes Überleben zu sichern. Diese Handlungen haben den Haushalten stark zugesetzt.


Die Arbeitslosenraten steigen mit unverminderter Geschwindigkeit an und sehr viele Arbeitnehmer müssen noch immer von den Unternehmen verordnete Kurzarbeit leisten. Die Budgets der Haushalte sind teilweise von der Kreditkrise stark betroffen, die Konsumleistung wird aufgrund dieser Tatsache weiter zurück gehen. Staatlich geförderte, zusätzliche Bau- und Infrastrukturerhaltungsprojekte werden nicht mehr lange finanzierbar sein. Auch andere Wirtschaftshilfen wie beispielsweise die Abwrackprämie sind zeitlich begrenzt.


Spätestens im nächsten Jahr wird der Konsumeinbruch zu spüren sein, dem dann wiederum die Unternehmen Tribut zollen müssen.


Auch die Steuerleistung der Haushalte und Unternehmen wird zurück gehen, hierbei stellt sich vor allem die Frage, wie die stark verschuldeten Staaten mit diesem Problem fertig werden. Irgendwann wird wieder ein Sparkurs eingeschlagen werden müssen, der uns alle belasten wird.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: johannes.szoncso@securitykag.at